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Veröffentlicht am 21.08.2024

Guten fleischlosen Appetit!

kali orexi - Deutscher Kochbuchpreis 2024 Gold
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Ein Kochbuch ganz nach meinem Geschmack! Und damit meine ich nicht nur die griechische Küche, sondern auch die Philosophie, mit der Kon Karapanogiotidis ans Kochen herangeht. Er lädt den Leser dazu ein, ...

Ein Kochbuch ganz nach meinem Geschmack! Und damit meine ich nicht nur die griechische Küche, sondern auch die Philosophie, mit der Kon Karapanogiotidis ans Kochen herangeht. Er lädt den Leser dazu ein, mit dem zu kochen, was gerade da ist. Vor allem aber erinnert er an das, was wir so gern vergessen, nämlich Achtsamkeit. Und zwar für uns, für andere Menschen und Kulturen und die Lebensmittel. Dennoch oder gerade deshalb soll Kochen auch Freude und Spaß machen. Seine fünf Säulen für die gute Küche sind Leidenschaft, Neugier, Geduld, Übung und Pragmatismus. Daher darf das Kochbuch auch nach Kochbuch aussehen, Eselsohren und Flecken bekommen. Und bei mir bekommt es auch noch handschriftliche Einträge und Anmerkungen!

Der theoretische Teil am Anfang ist super informativ und hilfreich. Einiges ist nicht neu, aber vielleicht doch etwas in Vergessenheit geraten. Die Aufzählung und Erklärung einiger griechischer Lebensmittel gefällt mir besonders gut. Danach folgen die Kapitel Mezze & kleine Gerichte; Salate; Suppen & Gemüsegerichte; Pasteten, Teigtaschen & Brot; Nudeln, Reis & Hülsenfrüchte; Desserts, Gebäck & Kaffee. Am Ende gibt es dann noch weitere tolle Informationen, beispielsweise Tipps rund um Küche & Garten und alternative Zutaten. Dieses Buch ist also ein Rundumsorglospaket!

Die Rezepte selbst sind abwechslungsreich und schon beim Lesen appetitanregend. Der Name des Gerichtes wird jeweils in griechischer Schrift, auf Griechisch in gewöhnlicher Schrift und auf Deutsch angegeben. Es folgen auf der linken Seite die Zutaten aufgelistet, daneben dann einige Zeilen zum Gericht, dann die Zubereitungsschritte, die gut und klar verständlich sind. Statt Nährwertangaben gibt es Anregungen für eine vegane Version, eine glutenfreie Version und Tipps zur Resteverwertung. Das finde ich persönlich wesentlich interessanter. Die Fotos zu den Gerichten sind traumhaft schön in ihrer Einfachkeit. Kein Chichi drumrum, einfach nur ein Teller oder eine Platte mit der Speise, so als wäre man bei der Familie zu Hause. So richtig gemütlich! Bei fast jedem Gericht gibt es diese tollen Bilder. Die Ausnahmen finden sich z.B. bei Dips, allerdings kann ich da auch auf die Fotos weitestgehend verzichten. Die Schwierigkeitsgrade variieren, allerdings erscheint mir kein Rezept so aufwändig, dass ich mich nicht daran wage.

Hin und wieder sind längere Texte eingefügt. Diese sind dann auch farbig hinterlegt, quasi auf farbigem Papier geschrieben. Dazu gibt es das jeweilige Thema auffassende Fotos oder auch Fotos, die gemeinsame Mahlzeiten zeigen. Für mich ist das Buch viel mehr als ein vegetarisches Kochbuch. Es ist Lebensphilosophie und Urlaub, Genuss und Gefühl. Ich vermisse als Flexitarier hier das Fleisch kein bisschen. Der Titel ist somit Programm, denn kali orexi bedeutet Guten Appetit! Fünf Sterne!

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Veröffentlicht am 21.08.2024

Sündenbock

Aus dem Haus
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Ganz klar, das Haus in Kassel ist schuld an allem, das nicht so läuft, wie es soll. Stimmt doch! Oder doch nicht? Die namenlose Ich-Erzählerin schildert herrlich ironisch die Ereignisse, wie sie waren ...

Ganz klar, das Haus in Kassel ist schuld an allem, das nicht so läuft, wie es soll. Stimmt doch! Oder doch nicht? Die namenlose Ich-Erzählerin schildert herrlich ironisch die Ereignisse, wie sie waren oder zumindest vom einen oder anderen Familienmitglied gesehen wurden. Wie sich eins ans andere reiht, klingt nicht nur wahnwitzig, sondern ergibt in erschreckender Weise auch noch Sinn. Dabei legt sie auch in jede große oder kleine Wunde des Lesers oder Hörers ihren Finger und sorgt dafür, dass man es körperlich spürt, was sie sagen möchte. Das ist gleichermaßen gemein wie auch genial.

Man kann es ganz schlecht in Worte fassen, was man da so hört oder liest. Es plätschert scheinbar belanglos so vor sich hin. Vieles erkennt man wieder, anderes ist unfassbar und dann ist da auch noch das eine oder andere, das richtig an die Nieren geht. Aber genau diese Dinge mag ich. Wenn ich emotional so tief hineingezogen werde, dann ist ein Buch richtig gut.

Es ist klar, dass es hier nicht rein um ein Gebäude geht. Das Haus, das ist hier auch das Familiengefüge. Es wird zum Platzhalter für alles, was man nicht anders formulieren mag. Und solche Dinge gehen einfach tief, da sie nie ohne Schmerz funktionieren. Die Mutter will zurück nach Baden-Württemberg, in die Bergstraße, raus aus Hessen, weg von Kassel. Damit könnte sie auch die Familie ihres Mannes auf Abstand bekommen und darum geht es, meiner Meinung nach, viel mehr, als um das unselige Haus, das zur Manifestation aller Probleme wird. Da wundert es nicht, dass der Auszug dann problematisch verläuft und man ihn irgendwie dann doch umgehen, verhindern möchte. Das alles funktioniert jedoch nicht immer und überall, es muss in den 1980ern und 1990ern seine Glanzzeit haben, sonst wirken die Sprüche nicht. Und das ist wohl auch mit ein wichtiger Punkt für die Zielgruppe der Leserschaft. Wer diese Zeit nicht miterlebt hat, wird nicht komplett nachempfinden können, was zwischen den Zeilen geschrieben steht und abgeht. Man belügt sich selbst und wahrt nach außen den Schein, man schiebt Gründe und Schuld hin und her, nimmt aber niemals etwas auf die eigene Kappe. Kann das gut gehen? Natürlich nicht! Aber es liest und hört sich super. Ich hatte emotionale Achterbahnfahrten und gute Unterhaltung. Mir ist das fünf Sterne wert.

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Veröffentlicht am 12.08.2024

Ein Buch ohne sympathische Figuren, aber interessant geschrieben

Die Affäre
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Laura Dixon hatte eine Affäre mit ihrem Kollegen Ralph Wilson. Dieser ist mit Helen verheiratet und hat die achtjährige Tochter Anna, die auf die Schule geht, auf der Laura und Ralph unterrichten. Doch ...

Laura Dixon hatte eine Affäre mit ihrem Kollegen Ralph Wilson. Dieser ist mit Helen verheiratet und hat die achtjährige Tochter Anna, die auf die Schule geht, auf der Laura und Ralph unterrichten. Doch Ralph hat die Affäre beendet. Laura will ihn zurückgewinnen. Das scheint auch zu klappen, doch dann stürzt Ralph die Kellertreppe hinab und stirbt. Laura ist wie paralysiert. Da kommt Helen nach Hause und reagiert völlig anders, als erwartet.

Diese Reaktion von Helen lässt mich Böses ahnen. Auch Lauras Art, ihre Erzählung, alles rund um sie finde ich auffällig. Dann geschehen immer wieder unerklärliche Dinge und Laura glaubt immer wieder Ralph zu sehen. Laura erzählt von der Gegenwart und immer wieder von der Vergangenheit, der Zeit der Affäre mit Ralph. Durch die Erzählweise wirkt das Ganze noch eindringlicher.

Leider war mir Laura nicht wirklich sympathisch, auch Ralph und Helen mochte ich nicht, hätte sie nicht gern in meinem Freundeskreis. Das liegt nicht an der Affäre. Solche Dinge müssen die Menschen mit sich selbst ausmachen. Dass es nicht fair ist, ist jedem klar, doch manchmal ist es eben anders, als es aussieht. Ralph gab mir auch recht bald reichlich Gründe dafür, ihn nicht zu mögen – allerdings hatte ich ihn sehr früh auch genauso eingeschätzt.

Erzählt wird die Story aus der Ich-Perspektive. Und zwar von beiden Frauen, also Laura und Helen. Das ergibt dann ein ganz besonderes Erlebnis, da man Ralph mit den Augen der beiden sieht, die ihn blind lieben. Erst erzählt Laura, dann Helen. Bei Helens Part erkennt man dann, dass man mit der Vermutung nur teilweise auf der richtigen Spur war. Die Wendung kommt ganz sanft und langsam, aber umso heftiger. Und natürlich kommt es auch zu einem kleinen, aber effektiven Knalleffekt am Ende. Da bin ich mir aber nicht so sicher, ob der jedem gefallen wird.

Insgesamt also ein Buch, das besonders als Hörbuch gut unterhält, auch wenn man niemanden der Figuren wirklich mag. Keine hochdramatische Spannung, aber auch keine Langeweile. Ein überraschendes Ende, das viel Raum für Spekulation lässt. Dafür gebe ich vier Sterne.

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Veröffentlicht am 12.08.2024

Gelungene Kochbuch-Reihe, die man sammeln MUSS!

Koch mich! Bergstraße - Mit dem Lieblingsrezept von Ingrid Noll - Kochbuch
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Mir gefällt diese Serie mit jedem Buch besser, auch wenn meine Kritik gleich bleibt: Mir fehlen die Fotos zu den Rezepten! Nicht ein einziges ist vorhanden und das ist nicht nur schwierig, weil ich dazu ...

Mir gefällt diese Serie mit jedem Buch besser, auch wenn meine Kritik gleich bleibt: Mir fehlen die Fotos zu den Rezepten! Nicht ein einziges ist vorhanden und das ist nicht nur schwierig, weil ich dazu tendiere, Rezepte ohne Fotos zu übergehen, sondern besonders deshalb, weil die Gerichte neue, außergewöhnliche und zur Bergstraße passende Namen bekommen haben. Fotos gibt es dafür reichlich zu den Orten.

Die Idee ist einfach toll. In sieben Kapiteln werden jeweils sieben Rezepte vorgestellt. Vorspeisen, Suppen, Beilagen, Salate, Hauptgerichte, Desserts und Drinks werden zunächst mal mit kleinen Geschichten präsentiert. Man wird dazu aufgefordert, selbst ins Buch zu schreiben. Direkt unter die Rezepte, aber auch im hinteren Teil, wo Platz für eigene Rezepte ist. So macht mir das Spaß, denn ich kann gar nicht anders, als Anmerkungen in Rezepten zu hinterlassen. So werden sie zu meinen. Die Von-Punkt-zu-Punkt-Bilder gefallen mir ebenfalls, auch wenn sie leider über die Doppelseite gehen und das meist doch recht umständlich ist.

Dafür ist das Register wieder super schön gemacht. Hier finden sich die Rezepte nach Ortschaften sortiert und mit dem Kapitel in Klammer gesetzt, dem es zugeordnet ist. So ist das Buch insgesamt etwas ganz besonderes und eignet sich auch super als kleines Stückchen Heimatkunde. So entdeckt man eine Region kulinarisch. Ich finde das einfach großartig!

Die Rezepte selbst sind relativ einfach, auf keinen Fall exotisch, dafür aber wunderbare Heimatgerichte. Ein bisschen Raffinesse findet sich dennoch, auch wenn es recht bodenständige Küche ist. Es gibt drei Schwierigkeitsgrade, wobei die meisten Rezepte sich im einfacheren Bereich bewegen. Sie sind klassisch aufgebaut mit Zutatenliste und Arbeitsschritten. Eine kleine Geschichte krönt das Ganze. Das Register führt die Rezepte dann noch mal nach Orten gelistet auf. Man sieht die Liebe, die in dieses Buch und auch die ganze Reihe gesteckt wurde.

Leider hat sich der Fehlerteufel im Buch an ein paar kleinen Stellen versteckt. Das ist schade, aber man kann darüber hinwegsehen. So begeistert, wie ich über mein kleines Stückchen Bergstraße bin, gebe ich daher vier Sterne – und werde die Reihe fleißig weiter sammeln!

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Veröffentlicht am 11.08.2024

Im Alter löst man auch noch Fälle

Mord kennt kein Alter
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Lotte Hansen wird mit einer ehemaligen Finanzbeamtin und einem emeritierten Professor zu einem einzigartigen Ermittlerteam im fortgeschrittenen Alter. Dies jedoch nicht, weil sie es will, sondern weil ...

Lotte Hansen wird mit einer ehemaligen Finanzbeamtin und einem emeritierten Professor zu einem einzigartigen Ermittlerteam im fortgeschrittenen Alter. Dies jedoch nicht, weil sie es will, sondern weil sie es muss. Die Polizei hält doch glatt ihren dementen Ehemann für den Mörder einer jungen Sängerin.

Es ist nicht so geruhsam in der Seniorenresidenz Schloss Bucheneck, wie man sich das vorstellen würde. Die Bewohner sind nicht mehr jung, aber alle finanziell gut gestellt. Das Personal ist einzigartig und gerade durch die besonderen Eigenheiten einfach wunderbar. Überhaupt sind die Figuren alle auf ihre Weise ganz besonders und selbst die weniger Netten passen herrlich ins Bild und die Story. Dennoch ist bei allem unterschwelligen Humor und gemütlicher Ermittlung keine Langeweile aufgekommen.

Die Überzeugung einiger im Dorf, dass der Täter ein mysteriöser Wassermann sein muss, hat mich laut auflachen lassen. Gleichzeitig führt das dann zu Überlegungen, die herrlich in die falsche Richtung laufen. Da jede Figur ihr eigenes dunkles Geheimnis hat, wiederholt sich dieses Spielchen ein ums andere Mal. Man hat viel Spaß beim Kombinieren, Verwerfen, neuen Spuren nachgehen.

Die Lösung des Falles ist ein kleiner Knaller. Nicht schlecht, aber auch ein wenig unglaubwürdig, was allerdings nicht viel Schaden anrichtet, denn insgesamt ist dieser Krimi einfach entzückend. Die Erklärung zu Hannes‘ Vergesslichkeit ganz am Ende ist für mich ganz besonders ergreifend, denn da holt mich die Krankengeschichte meines Vaters ein.

Dies ist der Auftakt einer Serie. Ich bin nicht abgeneigt, den nächsten Fall ebenfalls zu verfolgen, obwohl ich inzwischen kaum noch den Überblick über all die Reihen habe, die lesenswert sind. Die eine oder andere Schwäche gab es, doch für einen Start ist die Story prima. Besonders gelungen finde ich die Art, wie Manon Staché das Buch eingelesen hat. Diesmal gebe ich gerne vier Sterne!

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