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Veröffentlicht am 19.02.2025

Spannende Inselabenteuer mit der Ahoibande

Die Ahoibande
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In ihrem neuen Buch "Die Ahoibande" erzählt die bekannte Kinderbuchautorin Silke Lambeck unterhaltsame Geschichten über vier Kinder, die ständig oder zeitweise auf der kleinen fiktiven Nordseeinsel Süderhoorn ...

In ihrem neuen Buch "Die Ahoibande" erzählt die bekannte Kinderbuchautorin Silke Lambeck unterhaltsame Geschichten über vier Kinder, die ständig oder zeitweise auf der kleinen fiktiven Nordseeinsel Süderhoorn leben.

Willi, der seinen Namen nicht mag und eigentlich Willibald heißt, weil sein Vater es unbedingt so wollte, lebt auf der kleinen Insel, genau wie seine Freundin Paule und ihr 6-jähriger Bruder Jojo. Auf Jojo muss Paule sehr gut aufpassen, denn er verschwindet immer mal gern. Zu der Bande gehört auch Marko, der aus Berlin kommt, während der Ferien immer bei seiner Oma auf der Insel ist und den alle Schulz nennen, weil sein Nachname Schulzendorf ist. Nach einem Erlebnis mit dem alten Hannes, einem ehemaligen Kapitän, nennen die Freunde sich Ahoibande.

Wir begleiten die sympathischen Kinder und Willis Hund Ohdschie durch die vier Jahreszeiten und erleben mit ihnen spannende Abenteuer. Sie surfen und tauchen, entdecken die Kunst, und es geht auch um giftige Quallen, ein gestohlenes Wikingeramulett, den spannenden Inselwettkampf gegen die Bewohner der Nachbarinsel und die Rettung des dicken Herrmann, einer Robbe.

Das 128 Seiten umfassende gebundene Buch ist in neun auch unabhängig voneinander zu lesende Kapitel gegliedert und richtet sich an Kinder ab etwa 8 Jahren. Die warmherzigen und abenteuerlichen Geschichten werden kleine Erstleser zum Selberlesen animieren, eignen sich aber auch ganz wunderbar zum Vorlesen für jüngere Kinder. Die Sprache ist altersgerecht, die Schrift schön groß und sehr gut lesbar. Die zauberhaften und farbenfrohen Illustrationen von Lena Hesse ergänzen die Texte.

Ich hoffe auf weitere Abenteuer der Ahoibande - absolute Lese- und Vorleseempfehlung!

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Berührende Familiengeschichte

Bis die Sonne scheint
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In seinem neuen Roman "Bis die Sonne scheint" erzählt Christian Schünemann die persönliche Geschichte seiner Familie.  

Wir schreiben das Jahr 1983, der 14-jährige Ich-Erzähler Daniel Hormann lebt mit ...

In seinem neuen Roman "Bis die Sonne scheint" erzählt Christian Schünemann die persönliche Geschichte seiner Familie.  

Wir schreiben das Jahr 1983, der 14-jährige Ich-Erzähler Daniel Hormann lebt mit seinen Eltern Siegfried und Marlene sowie den Geschwistern Boris, Angela und Corinna in einem Bungalow in einem kleinen Ort nahe Bremen. Das Flachdach des Hauses ist undicht, und das eindringende Regenwasser muss mit vielen Gefäßen aufgefangen werden. Das Geld für eine Dachreparatur fehlt, dennoch träumt Daniel von einem schicken Outfit für den Tag seiner Konfirmation, die bald ansteht. Es soll ein nachtblaues Samtjackett sein mit weinroter Fliege und steingrauer Flanellhose. Doch die Hormanns sind pleite, die Konten sind gesperrt, der Gerichtsvollzieher war bereits bei ihnen. Die vom Vater vertriebenen Wasserfilter verkaufen sich nicht gut, und auch das von der Mutter eröffnete Wollgeschäft erzielt nicht den erhofften Umsatz. Wie es um ihre Finanzen bestellt ist, darf niemand wissen, auch die Großmütter nicht. Die Hormanns bemühen sich, den schönen Schein zu wahren und leben trotz der angespannten finanziellen Situation weiter wie in den guten Zeiten.

Der Autor beschreibt nicht nur das Leben der sechsköpfigen Familie und ihren finanziellen Absturz, sondern blättert auch die Vergangenheit der beiden Großmütter Lydia und Henriette auf. Er geht zurück in die Zeit, als Siegfried und Marlene sich ineinander verlieben und heiraten. Siegfried, der als technischer Zeichner im Staatsdienst arbeitet, ist bald als freier Architekt tätig und gründet seine eigene Firma, die Bauherren dazu verhilft, durch Eigenleistungen kostengünstig Eigentum zu erwerben. Es geht der Familie wirtschaftlich sehr gut, und Siegfried kann seinen Traum, ein eigenes Haus zu bauen, verwirklichen. 

Die Geschichte ist in schöner Sprache, teilweise mit viel Humor erzählt und liest sich sehr flüssig. Der Zeitgeist der achtziger Jahre ist ganz wunderbar eingefangen, die Charaktere sind authentisch und bildhaft beschrieben. Meine Lieblingsfiguren waren Marlenes Mutter Lydia und Zoe, Daniels Freundin. An Siegfried und Marlene schätzte ich ihren Mut, beruflich immer wieder neue Wege zu gehen, hatte jedoch wenig Verständnis für ihren Umgang mit Geld. Gut gefallen hat mir, dass Daniel seine Geschichte in neutralem Ton erzählt, ohne seinen Eltern Vorwürfe zu machen. 

Auch wenn die Rückblenden über die Vergangenheit der Großmütter sehr viel Raum einnehmen, fand ich es spannend und berührend, die Lebenswege der Protagonisten zu verfolgen und habe mich sehr gut unterhalten gefühlt.


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Veröffentlicht am 13.02.2025

Großartiger historischer Kriminalroman

Nacht der Ruinen
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"Nacht der Ruinen", der neue Kriminalroman von Cay Rademacher, spielt im März 1945 und führt den Leser in die von den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstörte Stadt Köln.

Der amerikanische Bomberpilot ...

"Nacht der Ruinen", der neue Kriminalroman von Cay Rademacher, spielt im März 1945 und führt den Leser in die von den Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstörte Stadt Köln.

Der amerikanische Bomberpilot Richard Rohrer befindet sich mit seinem Flugzeug über Köln, als die Maschine angeschossen wird und abstürzt. Es ist der 31. Einsatz des 23-Jährigen und der letzte Großangriff auf Köln. Er kann sich mit seinem Fallschirm retten und landet in der Kirche Sankt Kolumba. Doch schon bald wird er Opfer eines Lynchmords.

Joe Salmon, der als Joseph Salomon in Köln aufgewachsen ist und nach der "Reichskristallnacht" im November 1938 mit seinen Eltern nach Amerika emigrieren konnte, ist Jude. Nun kommt er als amerikanischer Soldat zurück in die Domstadt und erhält im Hauptquartier der Army den Auftrag, den Mord an Rohrer aufzuklären. Der Krieg ist fast vorbei, Köln liegt in Schutt und Asche, die Amerikaner haben die Stadt besetzt. In den Ruinen leben nur noch 20.000 Menschen, von ehemals 58.000 Häusern sind nur noch 300 intakt. Nachdem die Wehrmacht die letzte Brücke gesprengt hat, bildet nun der Rhein die Front.
Gemeinsam mit dem englischen Kriegsreporter George Orwell begibt sich Joe nicht nur auf die Suche nach dem Mörder des Piloten, er will auch seinen besten Freund Jakub finden und Hilda, die junge Frau, in die Jakub und er verliebt waren ....

Die Geschichte, die einen Zeitraum von 17 Tagen umfasst, ist in klarer Sprache erzählt und liest sich sehr flüssig. Sie hat mich von Beginn an gefesselt und in ihren Bann gezogen. Es war spannend, Joe bei seiner Mördersuche und der Suche nach Jakub und Hilda zu begleiten. Dabei begegnet er auch historischen Persönlichkeiten, die in Köln gelebt haben, wie Konrad Adenauer, Hans Habe und Irmgard Keun. Der Roman ist sehr spannend, es gibt überraschende Wendungen, und mehrmals führte mich der Autor auf falsche Fährten. Neben der Krimihandlung beschreibt er sehr eindrucksvoll den Kampf der Menschen ums Überleben, ihren Hunger, die katastrophale Wohnsituation, die schlechten hygienischen Verhältnisse. Er widmet sich auch Themen wie der Verfolgung der jüdischen Bürger und den schrecklichen Machenschaften der Gestapo.

Cay Rademacher verwebt in seinem Roman gekonnt Geschichte und Fiktion. Dank gründlicher Recherchen und seiner guten Ortskenntnisse zeichnet er ein sehr genaues Bild von der zerstörten Stadt Köln. Dieses Bild ging mir unter die Haut, da ich Köln und viele der im Roman erwähnten Örtlichkeiten gut kenne.

Sehr häufig findet das Wort "dammit" Verwendung, das hat mich schnell genervt. Dennoch habe ich das Buch, in dem es neben der Mördersuche und dem Kriegsgeschehen auch um Liebe und Freundschaft geht, sehr gern gelesen. Das Ende hat mich überrascht und erschüttert. Absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.02.2025

Wunderbare Wiederentdeckung

Frau Hempels Tochter. Roman
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Der Reclam Verlag hat "Frau Hempels Tochter", den Roman der deutsch-jüdischen Autorin Alice Berend, der erstmalig 1913 erschienen ist, in überarbeiteter Fassung neu veröffentlicht.

Im Mittelpunkt der ...

Der Reclam Verlag hat "Frau Hempels Tochter", den Roman der deutsch-jüdischen Autorin Alice Berend, der erstmalig 1913 erschienen ist, in überarbeiteter Fassung neu veröffentlicht.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Lina Hempel, die mit ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter Laura in einem Berliner Mietshaus lebt, in dem viele sehr unterschiedliche Menschen wohnen. Ihr Mann ist Schuster, während Lina als Portiersfrau tätig ist. Sie ist die gute Seele des Hauses, hilft jedem, der Hilfe benötigt und kümmert sich um die Wohnungen und Haustiere, wenn die Bewohner verreist sind. Hempels führen ein bescheidenes, aber zufriedenes Leben, und die fleißige Lina nimmt jede hauswirtschaftliche Arbeit an, um etwas dazuzuverdienen. Sie spart eisern, denn ihre zarte und schöne Tochter soll es einmal besser haben als ihre Eltern.

Lauras Schulzeit ist zu Ende, und sie wird von Herrn Bombach, dem Hausbesitzer, als Kindermädchen für den neugeborenen Stammhalter eingestellt. Doch schon bald, Laura ist gerade 17 Jahre alt, wechselt sie in den Haushalt des Sohns vom Bankdirektors und dessen Ehefrau und arbeitet dort als Hausangestellte und Zofe. Auch sie träumt von einem besseren Leben, aber ist der junge Graf Egon aus verarmtem Adel von gegenüber, den sie so anziehend findet, der Richtige für sie?

Die Autorin erzählt die Geschichte über die fleißige Portiersfrau in der Sprache der zwanziger Jahre. Mit viel Herz und noch mehr Humor beschreibt sie Linas Träume und den Alltag der Hempels. Das Buch hat einen ganz besonderen Erzählstil und liest sich sehr flüssig. Die Charaktere sind so wunderbar und authentisch skizziert, dass ich sie mir gut vorstellen konnte. Meine absolute Lieblingsfigur war die fleißige und strebsame Lina, die in einer dunklen Kellerwohnung lebt und von einem Haus mit zwei Zimmern, Schornstein und zwei kleinen Gärten träumt. Ich mochte ihre zupackende Art und Zielstrebigkeit, aber auch ihren Mut, vollkommen neue Wege zu gehen.

"Frau Hempels Tochter" hat mir sehr gut gefallen, ich liebte den herrlichen Humor der Autorin und ihre präzise Schilderung des Lebens in einem Berliner Mietshaus. Ich habe mich von dem Buch, das vom Kernthema her zeitlos ist, bestens unterhalten gefühlt, auch wenn ich das Ende etwas unrealistisch fand.

Alice Berend war als Autorin von etwa 25 Romanen äußerst erfolgreich, bis die Nationalsozialisten ihre Bücher verboten und verbrannten. Sie wanderte in die Schweiz aus und lebte später in Italien, wo sie 1938 im Alter von 63 Jahren mittellos starb. Weitere Informationen finden sich im auch sehr lesenswerten 11-seitigen Nachwort der Germanistin und Publizistin Margret Greiner am Ende des Buches.

Absolute Leseempfehlung für diese wunderbare Wiederentdeckung!

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Veröffentlicht am 09.02.2025

Mitreißende und warmherzige Geschichte

Fernwehland
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"Fernwehland", der neue Roman von Kati Naumann, ist für mich das zweite Buch der Autorin. Während sie in "Sehnsucht nach Licht" die Geschichte von Familien erzählt, die im Erzgebirge im Bergbau arbeiten, ...

"Fernwehland", der neue Roman von Kati Naumann, ist für mich das zweite Buch der Autorin. Während sie in "Sehnsucht nach Licht" die Geschichte von Familien erzählt, die im Erzgebirge im Bergbau arbeiten, geht es in ihrem neuen Buch um die Schifffahrt, wobei das Kreuzfahrtschiff "Astoria" im Fokus steht, das 1946 unter dem Namen "Stockholm" in See stach und von 1960 bis 1985 als "Völkerfreundschaft" für die DDR fuhr.

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Wir schreiben das Jahr 1919, als Henri und Simone in England eine Kreuzfahrt mit der "Astoria" antreten. Es wird für sie eine Reise in die Vergangenheit, denn die beiden haben sich vor 46 Jahren auf der "Völkerfreundschaft" kennengelernt. Henri war damals Matrose, während Simone als Stewardess arbeitete. An Bord lernen sie die Schwedin Frida kennen, die als Kind die Taufe des Schiffs erlebte, und bald gesellt sich die junge Elli, die ein Geheimnis zu haben scheint, zu ihnen.

Der zweite Erzählstrang führt uns im Jahr 1938 nach Kötzschenbroda, einem kleinen Ort nahe Dresden. Die junge Dora hat ihren Ehemann durch ein Unglück verloren und lebt nun mit ihrem kleinen Sohn Erwin bei den Schwiegereltern. Um ihren Lebensunterhalt zu sichern, arbeitet sie auf einem Ausflugsschiff und sieht ihr Kind nur noch selten. Der Junge begeistert sich schon früh für die Schifffahrt und lernt heimlich zu schwimmen. Nach den harten Jahren des Zweiten Weltkriegs wird er Schiffsjunge auf einem Dampfschiff. Sein großer Traum ist es jedoch, zur See zu fahren ...

Die Handlung erstreckt sich über einen Zeitraum von etwa acht Jahrzehnten. Während wir Henri, Simone und Frida im Jahr 2019 auf ihrer Kreuzfahrt begleiten, sehen wir in Rückblicken den kleinen Erwin aufwachsen und lernen mit Henri und Karin die nächste Generation kennen. Wir begleiten Henri, Simone und Frida durch die Jahre, erleben ihre Höhen und Tiefen, ihre Schicksalsschläge und Enttäuschungen. Die Autorin lässt uns nicht nur in das Leben der Protagonisten eintauchen, sie ermöglicht uns auch intensive Einblicke in den Alltag und die damaligen Verhältnisse in der DDR, als Menschen durch die Behörden schikaniert wurden, wenn Familienmitglieder der Stasi nicht linientreu erschienen.

Die Geschichte ist in klarer Sprache erzählt und liest sich sehr flüssig. Mit viel Liebe und Empathie, dabei vollkommen authentisch, beschreibt Kati Naumann ihre Charaktere. Meine Lieblingsfigur war Dora, die ihrem Sohn eine liebevolle Mutter ist und später Erwin und Marion unterstützt und entlastet, wo sie nur kann. Dabei verzichtet sie auf die ersehnte eigene berufliche Erfüllung.

Ich habe das Buch, in dem es um Liebe und Freundschaft, Heimat, Sehnsucht und Lebensträume geht, mit sehr viel Freude gelesen. Der Zeitgeist ist ganz wunderbar eingefangen, und ich habe vieles über die Schifffahrt und die Arbeit an Bord erfahren. Sehr gut gefallen hat mir, dass die Handlung mit den damaligen historischen Ereignissen verknüpft ist. Das Buch ist gespickt mit viel Detailwissen, auf den letzten Seiten finden wir neben einem Interview mit der Autorin eine Zeittafel und technische Daten. Alle 12 Namen des Schiffes sind ebenso aufgelistet wie die Zutaten für den Spezialcocktail Völkerfreundschaft.

Absolute Leseempfehlung für den packenden und hervorragend recherchierten Roman!

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