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Veröffentlicht am 29.10.2019

Fesselnder Abschluss der Weingut-Saga

Das Weingut. Tage des Schicksals
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1877 reisen wir in die Pfalz auf das Weingut der Familie Gerban. Franz und Irene führen eine glückliche Ehe. Neben dem Sohn Fränzel hat sich die Familie noch um die Zwillingstöchter Sophia und Klara erweitert. ...

1877 reisen wir in die Pfalz auf das Weingut der Familie Gerban. Franz und Irene führen eine glückliche Ehe. Neben dem Sohn Fränzel hat sich die Familie noch um die Zwillingstöchter Sophia und Klara erweitert. Da Franz viel auf Reisen und stark in dem Weingeschäft eingebunden ist, fühlt sich Irene trotz der Kinder nicht ausgelastet. Um Frauen Unterstützung zu geben, gründet sie Frauengruppen und setzt sich für die Rechte von Arbeiterfrauen ein, dabei trifft sie auf ihren ehemaligen Geliebten, den Arbeiterführer Josef. Irene verschweigt ihrem Mann diese Zusammenkünfte, als Franz davon erfährt, scheint ihre Ehe daran zu zerbrechen.
Dieses ist der Abschlussband der Weingut-Saga, der die Geschichte in dem Zeitraum von 1877 bis 1887 erzählt. Um die beiden Hauptprotagonisten Irene und Franz hat die Autorin gekonnt die damaligen Arbeitsbedingungen in den Fabriken und die Wohnverhältnisse am Beispiel des Leineweberdorfes Herxheim einfließen lassen. Irenes Einsatz für die Rechte von Arbeiterfrauen ist den Lebensberichten real existierender Arbeiterführerinnen nachgestellt. Gleichzeitig erfährt man auch etwas über den damaligen Weinanbau und die Abläufe auf einem Weingut. Durch die Erzählweise wird der Zeitausschnitt in seiner Entwicklung und den Folgen auf das Alltagsleben der Menschen hautnah spürbar.
Marie Lacrosse hat es erneut geschafft eine mitreißende Handlung mit unerwarteten Wendungen, facettenreich gezeichneten Protagonisten und historischen Fakten zu verbinden. Dieser dritte Band bildet einen fesselnden runden Abschluss der Weingut-Saga und war für mich wieder ein besonderes Leseerlebnis.

Veröffentlicht am 20.10.2019

Spannende Geschichte - wunderbar erzählt

Im Schatten des Turms
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In seinem historischen Roman, der im Jahre 1787 beginnt, entführt uns der Autor René Anour nach Wien in den Schatten des Narrenturms, der ersten psychiatrischen Heilanstalt der Welt.

Der junge Medizinstudent ...

In seinem historischen Roman, der im Jahre 1787 beginnt, entführt uns der Autor René Anour nach Wien in den Schatten des Narrenturms, der ersten psychiatrischen Heilanstalt der Welt.

Der junge Medizinstudent Alfred will unbedingt Medicus werden, doch da er aus ärmlichen Verhältnissen stammt, arbeitet er nebenbei, um sich das Studium leisten zu können. Das Wohl der Patienten beschäftigt ihn, ganz besonders als er auf eine junge Frau mit seltsamen Flecken an den Armen trifft.

Komtesse Helene genießt durch ihren Vater eine fortschrittliche Erziehung. Sie ist eine junge Frau mit scharfem Verstand, die nicht nur heiraten und Kinder bekommen will. Ihr Vater unterstützt sie und sucht einen Lehrer für Naturwissenschaften und Latein. Obwohl Alfred eine Abneigung gegen Adlige hat, nimmt er die gutbezahlte Stelle als Lehrer bei Helene an. Beide verlieben sich ineinander, doch dann werden sie durch Intrigen auseinander gerissen und müssen ihre Stärke beweisen.

Die Geschichte hat mich von der ersten Seite in den Bann gezogen und dann auch nicht wieder losgelassen. Dies ist zurückzuführen auf den Schreibstil des Autors, der es verstanden hat mich zu packen und mitzureißen. Die Perspektivwechsel tragen weiter dazu bei, die Spannung ständig hoch zu halten, so dass es auf keiner Seite langweilig war. Geschickt wurden historische Personen und Ereignisse mit der Handlung verknüpft. Die Charaktere wurden klar skizziert, egal ob man sie mochte oder nicht. Ein Pluspunkt auch die gute Recherche von René Anour, so dass man neben der fesselnden Geschichte noch Informationen zur damaligen Zeit erhält.
Ein detailliertes Personenverzeichnis am Anfang des Buches erleichtert die Übersicht, das Nachwort gibt wieder was tatsächlich gesehen ist und das Glossar rundet alles ab.

Ein spannender stimmiger historischer Roman, den man Fans dieses Genres nur ans Herz legen kann.

Veröffentlicht am 13.10.2019

Karussell der Gefühle

Wie ein Leuchten in tiefer Nacht
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Als die Engländerin Alice überstürzt Bennett, Sohn des amerikanischen Minenbesitzers Van Cleve heiratet, erhofft sie sich Abenteuer in einem neuen Land. Doch sie landet in dem kleinen Ort Bailyville in ...

Als die Engländerin Alice überstürzt Bennett, Sohn des amerikanischen Minenbesitzers Van Cleve heiratet, erhofft sie sich Abenteuer in einem neuen Land. Doch sie landet in dem kleinen Ort Bailyville in den Bergen von Kentucky. In Wahrheit hat sie ein häusliches Gefängnis gegen ein anderes eingetauscht. Als in den 1930er Jahren ein System mobiler Büchereien unter der Schirmherrschaft von Mrs Roosevelt aufgebaut werden soll, meldet sie sich neben drei anderen Frauen als Freiwillige um per Pferd Bücher zu abgelegen wohnenden Siedlern zu bringen. Die Bibliothekarinnen müssen mit vielen Vorurteilen kämpfen, denn es war nicht einfach als Frau in dieser von Männern geprägten Zeit sich durchzusetzen und eigene Wege zu gehen.

Dieser Roman hat mich von der ersten Seite an in den Bann gezogen. Der Schreibstil von Jojo Moyes ist wunderschön und bildhaft, so dass man die Szenen deutlich vor dem inneren Auge sehen kann. Ich fand es faszinierend über das WPA-Programm der Packhorse Library, welches von 1935 bis 1943 lief, zu lesen. Sehr authentisch hat die Autorin die damaligen Verhältnisse mit einfließen lassen. Das Buch löste in mir ein Karussell der Gefühle aus von Trauer über Freude bis hin zur Wut habe ich alles durchlebt.

Eines der besten Bücher, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Für mich ein Jahreshighlight und sehr empfehlenswertes Buch.

Veröffentlicht am 11.10.2019

Die Suche nach der Wahrheit

Der Wanderer
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In dem kleinen südtiroler Ort Kreuzwirt scheint die Welt noch in Ordnung. Sibylle war in dem Glauben aufgewachsen, dass ihre Mutter Erika Selbstmord begangen hat. Als sie in ihrem Briefkasten ein Foto ...

In dem kleinen südtiroler Ort Kreuzwirt scheint die Welt noch in Ordnung. Sibylle war in dem Glauben aufgewachsen, dass ihre Mutter Erika Selbstmord begangen hat. Als sie in ihrem Briefkasten ein Foto ihrer Mutter findet, beginnt sie Fragen zu stellen, denn sie ist überzeugt davon, dass Erika ermordet wurde. Bei ihren Nachforschungen trifft sie auf den ehemaligen Lokalreporter Tony, der damals über den Leichenfund berichtet hat. Tony unterstützt Sibylle bei der Suche nach der Wahrheit, doch je mehr die Beiden nachbohren, umso mehr Widersprüche tauchen auf. Sie verfangen sich in einem Netz voller Lügen, Drogen, Okkultismus und Halbwahrheiten. Als Sibylle und Tony entdecken, dass Erika nicht das einzige Opfer war, schweben auch sie in Lebensgefahr.

Der Autor hat für mich einen eigenen Schreibstil. Durch ständige Perspektivwechsel und kurze Kapitel wird Spannung aufgebaut. Die Hauptprotagonisten sind sehr unterschiedlich gezeichnet. Im Gegensatz zur quirligen Sibylle wirkt Tony doch recht blass. Die Dorfbewohner haben sich dank der Hilfe der Familie Perkmann gut eingerichtet und stellen dafür auch keine Fragen. Obwohl die mystische Komponente für mich einen zu großen Raum eingenommen hat, fand ich die Suche nach der Wahrheit spannend und konnte mich am Ende noch überraschen.

Veröffentlicht am 06.10.2019

Erlebte Deutsche Geschichte

Eine Familie in Deutschland
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Dieses ist der zweite Band um die Familie Ising. Während der erste Band die Entwicklung Deutschlands und der Familie Ising in den Jahren 1933 bis 1939 beschreibt, schildert der zweite Band die Jahre 1939 ...

Dieses ist der zweite Band um die Familie Ising. Während der erste Band die Entwicklung Deutschlands und der Familie Ising in den Jahren 1933 bis 1939 beschreibt, schildert der zweite Band die Jahre 1939 bis 1945.

Der Krieg bricht aus und das Leben der Familie ändert sich. Jedes der fünf Geschwister geht eigene Wege. Edda filmt mit Leni Riefenstahl in Polen, um einen Werbefilm für die Wehrmacht zu drehen. Horst entwickelt sich zum Parteibonzen und wird Leiter des Arbeitslagers in der Autostadt. Die Ärztin Charlotte gibt die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Benny, ihrer großen Liebe, nicht auf. Der Autonarr Georg bricht mitten im Krieg zu einer Testfahrt nach Afghanistan auf. Der kleine Willy soll die beste Pflege erhalten und kommt in eine spezielle Einrichtung. Alle haben Vorstellungen und Träume, doch was bleibt nach dem Krieg davon über.

In beeindruckender Weise schildert Peter Prange die Kriegszeit in Deutschland und wie sich das Leben der Menschen verändert. Sie passen sich teilweise den nationalsozialistischen Organisationen an oder gehen voll in ihnen auf. Gleichzeitig wird sehr eindringlich über das Leben der jüdischen Bevölkerung geschrieben, die in Lagern abtransportiert werden und um ihr Leben bangen.

Der Autor hat den historischen Hintergrund genau recherchiert und wunderbar mit der Handlung verknüpft. Die fiktiven Protagonisten sind alle facettenreich dargestellt, so dass man sich gut in sie hineinversetzen kann. Auch die historischen Persönlichkeiten erlebt man als Leser hautnah. Der Schreibstil ist flüssig und eindringlich. Kurze Kapitel und laufende Perspektivwechsel lassen einen kaum die Luft zu atmen.

Wer sich für deutsche Geschichte interessiert, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.