Platzhalter für Profilbild

Nelchen77

Lesejury Profi
offline

Nelchen77 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Nelchen77 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2017

Nicht greifbar

Das Buch der Spiegel
0

Der Literaturagent Peter Katz erhält den ersten Teil eines Buchmanuskriptes, in dem Richard Flynn schildert, wie er vor vielen Jahren erst Laura Baines und über sie den angesehenen Professor Wieder kennengelernt ...

Der Literaturagent Peter Katz erhält den ersten Teil eines Buchmanuskriptes, in dem Richard Flynn schildert, wie er vor vielen Jahren erst Laura Baines und über sie den angesehenen Professor Wieder kennengelernt hat. Er beschreibt detailliert die Art ihrer Beziehungen und einzelne Begegnungen, sowie seine Gedanken. Kurz vor Weihnachten wird Joseph Wieder ermordet und Richard Flynn ist der Meinung, kürzlich auf die Wahrheit gestoßen zu sein, nachdem er damals selbst verdächtigt wurde. Bevor Katz die Gelegenheit erhält, mit Flynn zu sprechen, stirbt dieser.

Die Geschichte wird aus Sicht dreier Personen erzählt, wobei sich diese nicht abwechseln, sondern die Handlung weitererzählen. Es beginnt der Literaturagent Peter Katz, der vom Reporter John Keller abgelöst wird, und Roy Freemann, ein Ermittler im damaligen Mordfall, schließt die Geschichte ab. Als Leser fragt man sich immer wieder, was real ist, was der Wahrheit entspricht und hat das Gefühl, mitten in der Ermittlung zu stecken, wobei man viele Puzzleteile erhält, die nicht zusammenpassen. Zu Beginn des Buches werden der etwas unheimliche, seltsame Professor und die Stimmung sehr gut vermittelt. Das Buch ist spannend und man fiebert mit. Das hat mir gut gefallen.

Mit dem Schreibstil habe ich jedoch sehr gekämpft. Er wirkt auf mich kantig, fast holprig, so dass kein flüssiges Lesen möglich war. Manche Sätze sind toll, aber gleichzeitig verschachtelt, so dass man sie sehr bewusst oder sogar ein zweites Mal lesen muss. Hier wäre für mich interessant, ob dies im englischen Original ähnlich wirkt oder durch die Übersetzung zustande kam. Nach dem Ende des Manuskriptes tauchen für mein Gefühl auch etwas zu viele Personen auf, die jedoch keine Bedeutung für die Handlung haben und mir dadurch nicht nahe kommen bzw. zu oberflächlich bleiben. Zudem konnte ich oft nicht unterscheiden, was für die Handlung relevant und was unbedeutende Nebensächlichkeiten sind, so dass ich zum Teil zurückblättern musste, da ich es schon wieder vergessen hatte. Vielleicht passiert das nicht, wenn man das Buch in 2 oder 3 Tagen komplett liest, da stand mir aber der Schreibstil im Weg, so dass ich das Buch immer wieder weggelegt habe. Unter Umständen wurde es auch als stilistisches Mittel eingesetzt, um die verschiedenen Erinnerungen spürbar zu machen, aber für mich hat es den Lesefluss zu sehr gestört.

Insgesamt finde ich die Idee hinter dem Buch sehr interessant und spannend, die Ausführung (in der deutschen Fassung) konnte mich jedoch nicht restlos überzeugen.

Veröffentlicht am 15.03.2017

Nichts Neues

Ikigai
0

Ikigai: Gesund und glücklich hundert werden – wer möchte das nicht. Die beiden Autoren haben hauptsächlich auf Okinawa, der Insel der Hundertjährigen, erforscht, was das Geheimnis und der Grund für ein ...

Ikigai: Gesund und glücklich hundert werden – wer möchte das nicht. Die beiden Autoren haben hauptsächlich auf Okinawa, der Insel der Hundertjährigen, erforscht, was das Geheimnis und der Grund für ein langes Leben ist. In diesem Buch wollen sie diese Geheimnisse mit den Lesern teilen und praktische Anleitungen geben.

Miralles und Garcia haben sich ein hohes Ziel gesteckt. Sie möchten zum Teil wissenschaftliche Studien verständlich vermitteln und all ihr Wissen teilen. Aus meiner Sicht haben sie sich damit zu viel vorgenommen. Die ersten 90 Seiten wirken wie eine Zusammenfassung der gängigsten Empfehlungen und Ratgeber. Viel Bewegung, viel trinken, Sonnenschutz, wenig Stress etc. sind sicher keine schlechten Empfehlungen und auch nicht falsch, aber eben auch nicht neu und nicht das, was ich erwartet habe. Zudem wird immer wieder beim gleichen Thema, z.B. der Ernährung, auf die noch folgenden Kapitel verwiesen. Die Autoren springen immer wieder zwischen den gleichen Themen hin und her, wodurch das Buch etwas zu wenig strukturiert wirkt. Die wichtigsten Punkte finden sich im Prinzip bereits auf den ersten Seiten.

In der Mitte des Buches haben mir ein oder zwei Kapitel, beispielsweise über den Flow, gut gefallen. Darauf folgten jedoch wieder Zusammenfassungen von Ernährungsempfehlungen, Formen der Bewegung etc. Dabei wurde aus meiner Sicht zu viel Information in ein Buch gepresst, wodurch es eher oberflächlich wird. So wird versucht, Yoga, Tai-Chi, Qigong und anderes auf wenigen Seiten zu erklären, was in dieser Kürze nicht möglich ist, als reine Erwähnung der Möglichkeiten ist es jedoch wiederum zu ausführlich. Auf die Skizzen einzelner Bewegungsabläufe hätte in diesem Zusammenhang verzichtet werden können. An manchen Stellen widersprechen sich die Autoren sogar, da sie verschiedene Empfehlungen zusammenfassen (z.B. gar kein Alkohol oder doch in Maßen).

Was mir etwas gefehlt hat, war die Umsetzbarkeit der ganzen Empfehlungen. Theoretisch ist sicher den meisten Menschen klar, dass sie sich mehr bewegen, gesünder ernähren, weniger Stress haben sollten. Aber wie mache ich das? Vor allem in der westlichen Welt? Auch die Berichte der Hundertjährigen hätten für meinen Geschmack ausführlicher sein dürfen.

Die Idee des Ikigai fand ich durchaus interessant und ich habe den einen oder anderen Denkanstoß erhalten. Deshalb gebe ich 3 Sterne. Insgesamt liegt der Schwerpunkt des Buches für mich jedoch zu wenig auf dem Ikigai und ich habe stattdessen ein Sammelsurium gut gemeinter Ratschläge erhalten.

Veröffentlicht am 09.03.2017

Denkanstöße in Romanform

Die Verseflüsterin
0

Marcus und Isabelle leben ein recht normales Leben. Sie haben bereits einen Versuch gestartet, ihre Beziehung und ihr Leben zu verändern, sind jedoch gescheitert, da der Alltag und das Hamsterrad sie schnell ...

Marcus und Isabelle leben ein recht normales Leben. Sie haben bereits einen Versuch gestartet, ihre Beziehung und ihr Leben zu verändern, sind jedoch gescheitert, da der Alltag und das Hamsterrad sie schnell wieder eingeholt haben. Das ändert sich jedoch, als Marcus plötzlich Botschaften erhält, die ihn zum Nachdenken bringen und dazu bewegen, sein Leben zu überdenken. Im zweiten Teil spielen dann auch die Vergangenheit, Schuld und Vergebung eine Rolle.

Meine Erwartungen an das Buch waren sehr hoch und wurden nicht ganz erfüllt, da es doch anders war als ich es mir vorgestellt habe. Trotzdem gefällt es mir sehr gut. Wer aufgrund des Klappentextes einen geradlinigen oder sogar spannenden Roman erwartet, wird dies eher nicht vorfinden. Wer sich jedoch auf das Buch einlässt, etwas für sich mitnehmen oder zumindest neue Denkanstöße (was ist wirklich wichtig im Leben) erhalten möchte, für den hält „Die Verseflüsterin“ ein paar kleine verborgene Diamanten bereit.

Veröffentlicht am 02.03.2017

Sternenkind

Die kleinen Sterne leuchten immer - Briefe einer Sternenkindmutter
0

Im Zentrum dieses Buches steht eine furchtbare pränatale Diagnose mit all ihren Folgen.

Maya verarbeitet all ihre Probleme, Sorgen und Erlebnisse in Briefen, die sie an ihre tote Mutter schreibt. Aus ...

Im Zentrum dieses Buches steht eine furchtbare pränatale Diagnose mit all ihren Folgen.

Maya verarbeitet all ihre Probleme, Sorgen und Erlebnisse in Briefen, die sie an ihre tote Mutter schreibt. Aus diesen Briefen besteht das gesamte Buch, wodurch eine tagebuchähnliche Erzählform entsteht. Als Leser erlebt man alles aus Mayas Sicht, die Seite des Mannes oder anderer Außenstehender erfährt man nur indirekt durch Mayas Erzählungen.

Die Situation an sich ist einfach unvorstellbar. Das eigene Kind entweder sofort abzutreiben oder zu wissen, dass es höchstens einige Stunden oder Tage überleben wird. Die Geburtsvorbereitung als Abschied. Wie können Eltern so etwas überleben? Für mich als Mutter ist das Buch deshalb sehr eindringlich, ergreifend, manchmal verstörend und der Moment, in dem Mariella stirbt, einfach nur furchtbar. Ich habe noch nie beim Lesen eines Buches so geheult. Die Gedanken, Gefühle und der innere Zwiespalt sind aus meiner Einschätzung sehr realistisch wiedergegeben. Interessant fand ich auch, wie die Außenwelt auf so eine Situation reagiert und dass man unweigerlich mit diesen Reaktionen konfrontiert wird bzw. sich Gedanken machen muss, was man Nachbarn und Freunden sagt. Aus meiner ganz persönlichen Sicht fand ich es gut, dass sich die Eltern für das Weitertragen entscheiden. Zudem ist es sehr positiv, dass auch eine Folgeschwangerschaft mit all ihren Ängsten und Emotionen thematisiert wird.

Insgesamt ist dies für mich ein sehr wichtiges Buch, das wertungsfrei zeigt, wie es sein kann, wenn man sich für das Weitertragen entscheidet. Allen, die nicht selbst betroffen sind, zeigt es, wie wichtig es ist, jeden Moment zu genießen und wie glücklich man sein kann, ein lebendiges, weitestgehend gesundes Kind zu haben und wie unwichtig manches plötzlich wird.

Veröffentlicht am 02.03.2017

Ausnahmebuch über Ausnahmesituation

In jedem Augenblick unseres Lebens
0

Tom Malmquist erzählt in diesem Buch, wie er seine Frau Karin verloren hat, gleichzeitig mit einem neugeborenen Kind dastand und wie er diese Zeit und die Monate danach erlebt hat.

Ich finde es immer ...

Tom Malmquist erzählt in diesem Buch, wie er seine Frau Karin verloren hat, gleichzeitig mit einem neugeborenen Kind dastand und wie er diese Zeit und die Monate danach erlebt hat.

Ich finde es immer schwierig, ein solch autobiographisches Werk zu beurteilen. Mein Eindruck ist, dass Malmquist dieses Buch geschrieben hat, um selbst begreifen zu können, was alles passiert ist, und dies zu verarbeiten. Dieses Jahr ist ihm mehr „passiert“ und er hat nur noch reagiert/funktioniert, anstatt selbst aktiv zu handeln. Er beschreibt diese Ausnahmesituation oft atemlos, mit Brüchen, Zeitsprüngen und es wirkt manchmal wie ein Film, der vor einem selbst abläuft. Das Chaos in seinem Kopf ist im Buch spürbar und für mich absolut nachvollziehbar. Die eine oder andere Entscheidung wirkt von außen betrachtet sicher komisch, aber wer will urteilen, wenn er nicht selbst betroffen ist und in der jeweiligen Situation steckt.

Für mich ist dies, auch wegen des ungewöhnlichen Schreibstils, keine einfache Unterhaltungsliteratur. Der Autor gibt einen sehr tiefen Einblick in eine Phase seines Lebens, der in jedem Fall interessant ist.