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Veröffentlicht am 24.10.2016

Geschmackssache

Hochland
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Vier Menschen wollen in der einsamen und kargen Landschaft des isländischen Hochlandes campen. Hrafn, Anna, Egilt und Vigdís begeben sich mit einer Menge Alkohol und Drogen auf ihre Reise. Als dichter ...

Vier Menschen wollen in der einsamen und kargen Landschaft des isländischen Hochlandes campen. Hrafn, Anna, Egilt und Vigdís begeben sich mit einer Menge Alkohol und Drogen auf ihre Reise. Als dichter Nebel aufzieht, kommen sie von der Straße ab und verlieren am Ende ganz die Orientierung. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich eine Wand auf, und der Fahrer kann nicht mehr rechtzeitig bremsen.

Die Wand gehört zu einem einsam gelegenen Haus, dessen Bewohner vom Lärm aufgeschreckt nach draußen eilen. Die Reisenden dürfen bei dem seltsamen alten Paar übernachten. Doch aus einer Nacht sollen viele werden. Alle Versuche, zurück in die Zivilisation zu gelangen, scheitern.

Das alte Paar bleibt in der Geschichte im Hintergrund und taucht in der Geschichte eher selten auf. Was schade ist, denn die beiden sind interessante Figuren. Die Freunde können in ihrem Haus übernachten und sich frei bewegen, so als gäbe es die alten Herrschaften gar nicht. Dabei werden gerade diese von vielen Geheimnissen umgeben.

Das Buch ist in mehrere Abschnitte gegliedert. Obwohl die Handlung in der dritten Person geschrieben ist, wechselt die Sicht der Geschehnisse zwischen den vier Protagonisten. Jeder von ihnen erinnert sich an Begebenheiten aus seiner Vergangenheit und wie diese mit den anderen Personen verbunden ist. Leider schweifen diese Erinnerungen dermaßen ab, dass die eigentliche Handlung, nämlich das Stranden in der Einöde und die Versuche, von dort zu entkommen, in den Hintergrund gerät.

Im Klappentext lautet der Kommentar von Kristof Magnusson „ein faszinierendes Buch voller Schrecken, das sich aus unserer Realität speist und auf sie zurückverweist … beklemmend und hochspannend.“ Auf der Rückseite verspricht Gomorron Sverige „Dieser Mann beherrscht alle Schattierungen des Horrors … furchteinflößend“. Als ein Buch voller Schrecken oder Horror würde ich dieses Buch jedoch nicht beschreiben.

Die Geschichte dehnt sich wie Kaugummi, ist oft nur flach erzählt, und die Versuchung, das Buch abzubrechen, war enorm groß. Am Ende bin ich aber froh, doch durchgehalten zu haben. Somit habe ich das Geheimnis um das Haus und die einsame Gegend erfahren. Jedoch können diese paar Seiten am Ende des Buches nicht wieder gut machen, was Anfang und Mittelteil an Spannung fehlte. Auch der Schluss ist nicht das große „Aha-Erlebnis“. Auch hätte ich gerne mehr über die beiden Bewohner des Hauses erfahren. Die beiden Figuren kamen eindeutig zu kurz.

Aus der Idee, die diesem Buch zugrunde liegt, hätte man mehr machen können. Vielleicht haben die Kommentare auch falsche Erwartungen bei mir geweckt. Meiner Meinung nach ist dieses Buch eindeutig Geschmackssache.

Ich danke dem Bloggerportal und dem DVA Belletristik Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplares.

Veröffentlicht am 16.10.2016

Die Vermissten

Die Vermissten
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Greta verbringt mit ihrem Mann Alex und Tochter Smilla einige Tage in ihrem Ferienhaus. Es sind schöne Tage, die enden, als ein Bootsausflug auf eine kleine Insel alles verändert. Während Greta bei dem ...

Greta verbringt mit ihrem Mann Alex und Tochter Smilla einige Tage in ihrem Ferienhaus. Es sind schöne Tage, die enden, als ein Bootsausflug auf eine kleine Insel alles verändert. Während Greta bei dem Boot bleibt, gehen Alex und Smilla auf einen Spaziergang. Von diesem kehren sie nicht mehr zurück.

Die Geschichte wird hauptsächlich in der „Ich-Perspektive“ von Greta erzählt. Unterbrochen wird dieser Erzählstrang von den Gedanken einer anderen Person, welche auch in der „Ich-Form“ geschrieben, aber kursiv abgedruckt sind. Lange ist unklar, wer diese andere Person ist. Durch diese Art der Erzählung nimmt der Leser hautnah an den Gedanken und Gefühlen beider Personen teil.

Stück für Stück wird die Vergangenheit enthüllt. Doch es ist nicht einfach, denn Greta und ihre teilweise sehr verwirrenden Gedankenstränge und Handlungen sind eine Herausforderung an den Leser. Ihr Gedankenkarussell dreht sich oft, und doch ist immer wieder ein neues Puzzle-Stück zu finden. Immer wieder kommt auch die Frage auf, was mit Greta los ist. In den Rückblicken zeigt sich, dass auch ein Ereignis aus ihrer Kindheit großen Einfluss auf ihr heutiges Leben hat.

Die Bezeichnung „Psycho-Thriller“ ist berechtigt. Jedoch sollte das Buch aufgrund der verwirrenden Handlung ohne große Unterbrechungen gelesen werden. Als lockere Urlaubslektüre ist es ebenfalls nicht zu empfehlen. Sobald der Leser den roten Faden durch Gretas wirren Gedanken hindurch gefunden hat, fällt es schwer, dieses Buch aus der Hand zu legen. Wer jedoch diesen roten Faden schwer oder gar nicht findet, dürfte Probleme mit der Geschichte haben.

Das Buch ist für mich einfach genial geschrieben. Eine Geschichte, wie ich sie von einem Psycho-Thriller erwarte. Caroline Eriksson ist ein spannender, wenn auch ein echt irrer, verwirrender, Roman gelungen.

Ich danke dem Bloggerportal und dem Penguin Verlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplares.

Veröffentlicht am 25.09.2016

Berührend

Die Mutter meiner Mutter
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Es ist die wahre Geschichte von Anna. Erzählt wird sie aus der Perspektive der Enkeltochter. Sie ist die „Ich-Erzählerin“.

Als 14-jährige flüchtet Anna mit ihrer Stiefmutter und ihren kleinen Brüdern ...

Es ist die wahre Geschichte von Anna. Erzählt wird sie aus der Perspektive der Enkeltochter. Sie ist die „Ich-Erzählerin“.

Als 14-jährige flüchtet Anna mit ihrer Stiefmutter und ihren kleinen Brüdern in den Westen. Im Dorf Kosakenberg, welches in der sowjetischen Besatzungszone liegt, werden sie einquartiert. Auf dem Hof von Familie Wendler muss Anna als Magd zwar harte Arbeit verrichten, doch das kinderlose Paar wird für sie zu einer Art Ersatzfamilie.

Dort lernt sie auch eines Tages Friedrich Stein kennen, der 1949 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück auf den Hof kommt. Der Krieg und die Gefangenschaft haben aus ihm einen gebrochenen Mann gemacht. Anna heiratet den 20 Jahre älteren Mann und bekommt mit ihm drei Töchter.

Die älteste Tochter Monika ruft eines Tages bei ihrer eigenen Tochter – der „Ich-Erzählerin“ – an. Bis zu diesem Anruf war der Großvater für seine Enkeltochter ein liebevoller Mensch, doch nun, zwanzig Jahre nach seinem Tod, wird ein aufgedecktes Geheimnis alles verändern. Während sie ihren Großvater über alles liebte, spielte die Mutter ihrer Mutter kaum eine Rolle in ihrem Leben. Diese Frau war eine merkwürdige, gefühlskalte Frau.

In Rückschauen erfährt der Leser, was Anna zu dieser Frau hat werden lassen. Dass die Erzählung auf einer wahren Geschichte beruht, bringt den Leser emotional noch näher an Anna heran. Es ist Annas Schicksal, welches selbst noch die Enkelgeneration beeinflussen wird.

Das Lesen wird jedoch etwas erschwert, da die Erzählerin oft zwischen den Zeiten wechselt. Es gibt keine eindeutige Vergangenheits- oder Gegenwartserzählung. Sobald man sich in diese Erzählweise eingelesen hat, lernt man zusammen mit der Enkeltochter die Mutter ihrer Mutter verstehen.

Ein Buch voller Emotionen und Spannung. Das Schicksal von Anna wird nicht das einzige dieser Art sein. Ihre Geschichte steht für mich daher beispielhaft für alle, denen das Schicksal so oder so ähnlich mitgespielt hat.

Da ich eine wahre Geschichte nicht mit „gut“ oder „schlecht“ bewerten möchte, denn das Leben ist nie nur gut oder schlecht, gilt meine Bewertung eher der Art, wie die Geschichte erzählt wurde. Es ist nicht immer einfach, zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu unterscheiden. Da ich oft verwirrt war und zurückblättern musste, gibt es einen Punkt Abzug. Denn auch, wenn es eine wahre Geschichte ist, kann ich das Lesegefühl nicht anders bewerten als bei ausgedachten Geschichten.

Ich danke dem Bloggerportal und dem Luchterhand Literaturverlag für die Zusendung dieses Rezensionsexemplares.

Veröffentlicht am 25.09.2016

Die Mittwochsbriefe

Die Mittwochsbriefe
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Nach fast 40 Ehejahren sterben Laurel und Jack zusammen in ihrem Ehebett in einer Nacht. Während ihre drei Kinder alles für die Begräbnisfeierlichkeiten organisieren, finden sie im Keller Briefe. Es sind ...

Nach fast 40 Ehejahren sterben Laurel und Jack zusammen in ihrem Ehebett in einer Nacht. Während ihre drei Kinder alles für die Begräbnisfeierlichkeiten organisieren, finden sie im Keller Briefe. Es sind Briefe von ihrem Vater an ihre Mutter. Jeden Mittwoch schrieb er einen an seine Frau.

Matthew, Samantha und Malcom lernen ihre Eltern aus einer ganz anderen Perspektive neu kennen. Obwohl jeder von ihnen seine eigenen Sorgen und Nöte hat, finden sie Trost in diesen Briefen. Doch dann taucht ein Brief auf, der alles auf den Kopf stellt und ein Familiengeheimnis aufdeckt.

Die Idee, eine Familiengeschichte zu erzählen, in dem Kinder die hinterlassenen (Liebes-) Briefe ihres Vaters finden, ist nicht schlecht. Während die drei Kinder in der Gegenwart mit ihren eigenen Problemen kämpfen, tauchen sie und der Leser durch die Briefe in die Vergangenheit ein. Da die Briefe nicht chronologisch gelesen werden, bleibt immer das Rätsel, was vor oder nach einem Brief passiert sein könnte.

Auch die Anrede von Jack an Laurel wechselt im Laufe der Jahre. Ob Jason F. Wright damit nur Abwechslung in den Lesefluss bringen oder die jeweilige Stimmung von Jack zum Zeitpunkt des Schreibens wiedergeben will, ist die Frage.

Leser, die ein kleines Familiengeheimnis und Romantik mögen, sind bei diesem Buch genau richtig. Ein Roman, dessen Hauptfigur kein Mensch, sondern seine Briefe sind. Beteiligte Personen und ihre Sorgen werden ohne den Schwerpunkt auf eine Person erzählt. So findet jeder Leser seine Lieblingsfigur.

Veröffentlicht am 25.09.2016

Das Mädchen mit den blauen Augen

Das Mädchen mit den blauen Augen
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Nach einem tragischen Flugzeugabsturz wird ein kleines Mädchen lebend neben dem Wrack gefunden. Ein Wunder. Doch dieses Wunder wird bald das Schicksal dieses Mädchens dramatisch beeinflussen. An Bord des ...

Nach einem tragischen Flugzeugabsturz wird ein kleines Mädchen lebend neben dem Wrack gefunden. Ein Wunder. Doch dieses Wunder wird bald das Schicksal dieses Mädchens dramatisch beeinflussen. An Bord des Flugzeuges waren zwei fast gleich alte Babys. Jede von ihnen könnte das Überlebende sein.

Da die Geschichte 1980 spielt, ist an einen Gen-Abgleich noch gar nicht zu denken. So sind es zwei Familien, die sich fragen, ob das Mädchen Lyse-Rose de Carville oder Emilie Vitral ist. Beide Großeltern wollen „ihre“ Enkeltochter haben. Nach 18 Jahren findet ein Privatdetektiv endlich die Wahrheit heraus. Dies kostet ihn jedoch das Leben.

Das Rätsel um das Mädchen mit den blauen Augen ist von Beginn an fesselnd. Auch das Mädchen stellt sich immer wieder die Frage „Bin ich die, die ich bin, oder doch die Andere?“. Es ist ein Drama um die Identitätsfindung auf hohem Niveau. Auch wenn ein Gericht damals entschieden hat, dass Emilie überlebt hat – ist sie wirklich Emilie oder doch Lyse-Rose? Diese Frage ist für beide Familien eine starke Belastung. Auch die Geschwister von Lyse-Rode und Emilie leiden unter der Situation.

Das Buch liest sich flüssig und schnell. Wobei letzteres auch auf die große Spannung zurückzuführen ist. Man muss einfach wissen, wie die Geschichte weitergeht. Mal deuten die Hinweise darauf, dass Emilie Emilie ist – ein anderes Mal spricht alles eher für Lyse-Rose.

Ein Großteil des Romans besteht aus den Aufzeichnungen des Privatdetektivs, die Marc – Emilies Bruder – liest. So begleitet der Leser Marc auf dem Weg, die Wahrheit zu finden. Doch wird diese Wahrheit beiden Familien helfen, endlich zur Ruhe zu kommen?