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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.07.2023

Antriebslose Mädchen

Mutlose Mädchen
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Der bekannte Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort hat ein neues Buch geschrieben über ein Phänomen, dass er seit 5 Jahren in seiner praktischen Arbeit sieht: Mädchen, die burnout ähnliche ...

Der bekannte Kinder- und Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort hat ein neues Buch geschrieben über ein Phänomen, dass er seit 5 Jahren in seiner praktischen Arbeit sieht: Mädchen, die burnout ähnliche Zustände zeigen. Mädchen, die antriebslos sind, stiller werden und wo die Kontakte versiegen. Ein eindrückliches Beispiel zu Beginn zeigt uns wie so was gar in ausbleibenden Schulbesuchen münden kann.
Michael Schulte-Markwort nennt es ein Phänomen, denn warum dies passiert und wie gegenzusteuern ist, dass ist offen. Aber eine bewusste Entscheidung hier schon mal an die sehr reflektierte Elternschaft und Gesellschaft zu gehen mit diesem Buch um einer eventuellen Welle vorzugreifen. Sensibilisieren ist sein Ansinnen, nicht verschrecken. Denn es handelt sich momentan um ca. 5% aller Patientinnen, die er momentan zu Gesicht bekommt.
Eltern können sich hier mit dem Verständnis für dieses Phänomen auch Lösungsansätze herausfiltern und schauen wie das mit der eigenen Tochter passt.
Warum gerade die Mädchen? Leistungsafiner und mit starken Müttern als Vorbilder, die sich nicht selten selbst oft am Rand ihrer Kräfte befinden, ist das eine heikle Gemengelage. Wer viel gibt und den Druck deutlich spürt immer gut abzuliefern, der kann irgendwann nicht mehr. Statt Wettbewerb herrscht Aufgeben. Hat Corona es verschlimmert? Ganz im Gegenteil, war das eine Zeit mit weniger Druck zum Aufatmen für diese Mädchen.
Spannend und erhellend schreibt der Kinder- und Jugendpsychiater über diese jungen Mädchen, die wenig Lust haben auf Neues und keinerlei Aufbruchstimmung und Neugierde in sich tragen.
Fazit: Damit schaue ich mir sensibilisiert das Verhalten meiner Tochter und auch so manch anderer Mädchen in meinem Umfeld an.

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Veröffentlicht am 16.07.2023

Was passiert, wenn wir die Augen schließen?

Kurz bevor der Wecker klingelt
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Wer kennt das nicht, dass die Kleinen und Kleinsten abend meinen etwas zu verpassen, wenn es Zeit wird zur Ruhe zu kommen und einzuschlafen. Da kann dieses Bilderbuch als letzter gemeinsamer Ankerpunkt ...

Wer kennt das nicht, dass die Kleinen und Kleinsten abend meinen etwas zu verpassen, wenn es Zeit wird zur Ruhe zu kommen und einzuschlafen. Da kann dieses Bilderbuch als letzter gemeinsamer Ankerpunkt helfen, die Phantasie zu beflügeln und so sanft einen Übergang in den Schlaf zu finden.
In `Kurz bevor der Wecker klingelt` ersinnt Cornelia Travnicek schönste kurze Texte zu dem was nachts die Dinge treiben, wenn wir kuschelig in unseren Betten liegen und träumen. Da gibt es schon mal Krähe, die Armdrücken machen, Eiswaffeltüten spielen fangen, Bäume tanzen und vieles vieles mehr. Die Autorin hat viele Ideen in dieses schöne Bilderbuch gebracht. Die Texte sind gereimt und wunderbar zum mehrfachen vorlesen geeignet. Keine Standard langeweile Reime, sondern künstlerisch geschrieben. Immer wieder fällt etwas sprachlich auf. Genauso wie auf den großartig illustrierten Bildern des Buches. So schön sind die Illustrationen von Raffaela Schöbitz. Es sind dunkle Bilder und einzelne Stellen werden wie mit einer Taschenlampe angeleuchtet. Aber auch in den „dunklen“ Ecken gibt es bei genauem betrachten viel zu entdecken.
Der Bogen ist am Schluss zu Ende gespannt, wenn die Menschen erwachen und der Tag seinen Lauf nimmt und die Dinge wieder „nur“ Dinge sind.
Ein phantasievolles ruhiges Bilderbuch für die Kleinen ab 4 Jahren, dass sich besonders dazu eignet vor dem Schlafengehen vorzulesen!

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Veröffentlicht am 16.07.2023

Aal fabriziert Wasserleiche?

Die Spur der Aale
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Lars Matthissen, Zollfahnder am Frankfurter Flughafen. Das war er zumindest bevor man ihn als Wasserleiche aus dem Main gefischt hat. Der Fahnder, der noch kurz zuvor einen Chinesen namens Luan beim Schmuggel ...

Lars Matthissen, Zollfahnder am Frankfurter Flughafen. Das war er zumindest bevor man ihn als Wasserleiche aus dem Main gefischt hat. Der Fahnder, der noch kurz zuvor einen Chinesen namens Luan beim Schmuggel von Wasseraalen erwischte, war nun tot an seinem üblichen Angelplatz im Wasser. Zufall?
Die Staatsanwältin, Greta Vogelsang, die ihren Schwerpunkt auf Umweltverbrechen und Artenschutz, plagt nun das schlechte Gewissen, denn sie hatte Kontakt zu Matthissen zu diesem Fall und hat das Verfahren gegen Luan eingestellt… Matthissen lies nicht locker und macht auf eigene Faust weiter und deckte unglaubliches auf!
Nun gilt es zu klären: Mord? Und wenn ja, wer war es?
Florian Wacker hat einen guten Auftakt geschrieben, der großartiges Lokalkolorit mitbringt. So viele Schauplätze, die Frankfurter oder die es mal waren wiedererkennen werden. Sehr sehr gelungen. Auch die Protagonistin, der wir hoffentlich in den nächsten Fällen wieder über die Schulter schauen können, ist gelungen modelliert mit reflektiertem Selbstzweifel und als sympathische Radlerin.
Ich freue mich auf den nächsten Fall „Der goldene Tod“, der zum Schluss gleich angepriesen wird, aber leider erst in 2024 erscheint!

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Veröffentlicht am 16.07.2023

Veränderung im Alter

Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe
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Ein neuer Lebensabschnitt. Älter werden. Es selbst in die Hand nehmen. Mit Humor und reflektiert.
Das beschreibt diesen neuen Roman der tollen Autorin Doris Knecht recht gut aus meiner Sicht. Dieser widersprüchliche ...

Ein neuer Lebensabschnitt. Älter werden. Es selbst in die Hand nehmen. Mit Humor und reflektiert.
Das beschreibt diesen neuen Roman der tollen Autorin Doris Knecht recht gut aus meiner Sicht. Dieser widersprüchliche Romantitel: Eine vollständige Liste aller Dinge, die ich vergessen habe` zeugt auch von ungemeiner Ironie. Es geht um die Reflektion eines Lebens, Mitte 40 einer Frau, die aus der österreichischen Provinz nach Wien ging um der Enge zu entfliehen. Gilt sie als „gescheitert“ weil sie alleinerziehend von einem Zwillingspaar war und nun alleine ist? Eine Aufarbeitung.
Nachdem die beiden nun auf dem Weg aus der mütterlichen Wohnung sind, die Tochter proaktiv alleine auszieht, hilft sie beim Sohnemann nach ein WG-Zimmer zu finden. Dann ist sie selbst an der Reihe von der großen Wiener Wohnung in eine kleinere Umzuziehen und das zieht ein physischen Ausmisten mit sich und inhärent mit einhergehen auch ein mentales Ausmisten.
Wunderbar beschreibt Doris Knecht, diese Ich-Erzählperspektive und nimmt uns in diesem Reflektionsbogen mit. Vor allem gelungen ist das reflektieren der einzelnen eigenen Rollen im Leben, sei es als Tochter, Schwester, Mutter, Freundin. Alles Rollen die es zu resümieren gilt.
Gelungen. Gut geschrieben. Bereichernd. Lesenswert.

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Veröffentlicht am 15.07.2023

Trügerische laue Sommernächte

Nachts erzähle ich dir alles
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Anika Landsteiner schrieb sich in mein -Herz mit `So wie du mich kennst`, seitdem MUSS ich alles von ihr lesen was kommt und nun in diesem Sommer ` Nachts erzähle ich dir alles`. Schon der Titel lässt ...

Anika Landsteiner schrieb sich in mein -Herz mit `So wie du mich kennst`, seitdem MUSS ich alles von ihr lesen was kommt und nun in diesem Sommer ` Nachts erzähle ich dir alles`. Schon der Titel lässt auf einen guten Roman hoffen.
Im Mittelpunkt steht Léa, die das Glück hat ein Haus in Saint Martin an der Côte d’Azur im Familienbesitz zu wissen. Hierhin flieht sie im Sommer und bringt so Abstand zwischen sich und ihre Familie, sich und dem deutschen trubeligen Alltag und ihrer Trennung und möchte hier Ruhe und Kraft schöpfen. Am ersten Abend steht Alice vor ihrer Tür, ein junges Mädchen mit dem Léa ins Gespräch kommt. Angenehm und locker bei einem Glass Wein. Die beiden wollen lose im Kontakt bleiben und dann passiert das unfassbare. Alice nimmt sich das Leben und hatte bereits ein weiteres Leben unter dem Herzen. Émile ihr Bruder sucht Léa auf und die beiden beginnen einen intensiven Austausch. Die beiden kommen sich nahe, haben beide verschiedene Themen zu bewältigen, er die Trauer und sie eine Trennung hinter sich. Es wird noch komplizierter…
Ich habe es unheimlich gerne gelesen, ich mag diesen Tonfall des Buches. Ein heißer Sog, der einen in den Bann zieht. Wie eine zu warme Bettdecke, die man wegstrampeln möchte, aber die man dann doch so gerne spürt. Es gibt immer wieder spannende Wendungen und Perspektiven, die es zu erkunden gilt.
Gelungen an dem Roman sind die Aufarbeitung der mannigfaltigen Beziehungen. Vor allem der Erzählstrang um die Nachbarin Claire, die sich in Abwesenheit der Familie um das Feriendomizil kümmert. Sie kommt zu Wort und richtet sich an Léa mit ihren Beobachtungen, ihrer Aufarbeitung wie Frauen miteinander agierten und zeigt wie die Vergangeneheit nachwirkt.
Wirklich sehr gelungen und je nachdem was im Bücherherbst noch folgt, könnte das in die Highlights 2023 einziehen!

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