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Nilchen

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.03.2022

Nachtjasmin bringen ihre Gespenster zurück

Der Duft der Blumen bei Nacht
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Leila Slimani bekam eine Chance, die sonst keiner bekommt. Eine Nacht in einem Museum alleine und das nicht in irgendeinem Museum, sondern im Punta della Dogana in Venedig, eine frühere Zollstation mit ...

Leila Slimani bekam eine Chance, die sonst keiner bekommt. Eine Nacht in einem Museum alleine und das nicht in irgendeinem Museum, sondern im Punta della Dogana in Venedig, eine frühere Zollstation mit zeitgenössischer Kunst. Ein Ort zwischen Orient und Okzident. Eigentlich wollte sie das Experiment ablehnen, ist sie doch kein Fan von Auftragsarbeiten. Aber dann willigte sie doch ein und verbrachte eine Nacht im April 2019 in diesem Museum. Sie, ein Feldbett, eingeschlossen. Das war der ursprüngliche Reiz: die Einsamkeit.
Sie wandert und wundert sich durch die Punta della Dogana. Denn Kunst ist nicht ihr Sujet, nichts bei dem sie sich zu Hause fühlt. Die Kunst steht nicht im Fokus, aber wirken als Trigger für ihre Erinnerungen. Die Objekte lassen sie ihre marokkanische Kindheit und viele andere Lebenspunkte ins Gedächtnis rufen. Besonders der Nachtjasmin, dessen Duft sie schlagartig nach Rabat in das Elternhaus versetzt. Es ist zwar nur ein schmaler Band, aber sehr persönlich und tief einblickend in das Leben der Schriftstellerin selbst. Ihre Poesie und Art des Schreibens gefallen mir auch in diesem Buch wieder äußerst gut. Schafft sie es doch das schroffe Gefälle zwischen sich und der Kunst zu reduzieren. Auch ihre belesene Seite macht das Buch für die bibliophilen unter uns attraktiv.
Für alle die Leila Slimanis Werke bisher schon mochten und mehr über die großartige französisch-marokkanische Schriftstellerin lesen möchten oder für einen Einstieg in ihre Romane als eine Art persönliches Vorwort.
Fazit: Leila, das arabische Wort für Nacht wird von der gleichnamigen Schriftstellerin hier gekonnt im inneren Dialog verarbeitet - magnifique.

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Veröffentlicht am 24.03.2022

Kinderrechte mit Füßen treten

Die Kinder sind Könige
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Ich habe mich schon lange gewundert über die „Mommy-Influencer“ dieser Zeit, die ihre Kinder zum Product Placement sehr sehr gerne in die Kamera halten und mit ihnen eine perfekte Welt kreieren um damit ...

Ich habe mich schon lange gewundert über die „Mommy-Influencer“ dieser Zeit, die ihre Kinder zum Product Placement sehr sehr gerne in die Kamera halten und mit ihnen eine perfekte Welt kreieren um damit viel Aufmerksamkeit zu bekommen und um Geld zu verdienen. Dieser Roman von Delphine De Vigan „Die Kinder sind Könige“ reflektiert genau dieses seltsame Verhalten einiger Eltern und führt das Szenario mit einem Schrecken weiter.
Wir tauchen in die Welt von Melanie Diore ein, sie ist Mutter zweier bezaubernder Kinder, Sammy und Kimmy. Diese vermarktet sie auf ihrem YouTube-Kanal um sich als perfekte Familie zu inszenieren. Denn sie selbst ist süchtig nach der Anerkennung der Welt und schert sich einen Dreck darum wie es ihren Kindern wirklich geht. Doch eines Tages ist Kimmy verschwunden und eine Suchaktion wird gestartet. Durch seine Prominenz sind alle bisherigen Ermittlungsregel ausgehebelt und es wird schwieriger mit der Community im Netz.
Spannend sind auch die Charaktere angelegt. Zum einen Melanie und zum anderen Clara, die ermittelnde Polizistin, die ihr charakterlich diametral gegenübergestellt wird. Eine interessante Reflektion.
Auch ist die Erzählstruktur sehr gelungen. Denn wir lernen 2019 die heile Welt kenne und tauchen dann in die Ermittlungen ab, um dann noch mal eine Vorspultaste zu drücken, um zu schauen was 2031 aus den beiden einstigen Kinderstars geworden ist.
Fazit: Sehr nahe am Puls der Zeit, wichtig um das Thema Kinderrechte im Netz noch mal deutlich zu machen und einfach ein super gelungener Roman!

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Veröffentlicht am 22.03.2022

Eine chirurgische Feministin aus Frankreich

Eine freie Frau. Das außergewöhnliche Leben der Suzanne Noël. Ärztin. Feministin. Hoffnungsträgerin
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Aus meiner Sicht sind Graphic Novels in Deutschland ein wenig die Underdogs der Literatur. Nie wirklich ernst genommen, obwohl so viel Potenzial drinsteckt! Eine Geschichte erhält hier eine weitere Ebene: ...

Aus meiner Sicht sind Graphic Novels in Deutschland ein wenig die Underdogs der Literatur. Nie wirklich ernst genommen, obwohl so viel Potenzial drinsteckt! Eine Geschichte erhält hier eine weitere Ebene: die Illustrationen. Es steckt zwar weniger Text darin, aber durch die Bilder werden wir anders in eine Geschichte hineingezogen. Vom künstlerischen Aspekt ganz zu schweigen. Wer hier skeptisch ist, sollte sich „Eine freie Frau“ von der weltbekannten Schriftstellerin Leïla Slimani und dem Illustrator Clément Oubrerie überzeugen lassen. Die Beiden haben sich zusammengetan um einer großartigen Feministin ein Denkmal im Buchform zu widmen: Suzanne Noël.
Diese Graphic Novel erzählt die Lebensgeschichte der Frau, die 1878 in Frankreich geboren wurde, Chirurgin aus Leidenschaft war und für Frauenrechte focht. Sie lebte in hochdynamischen Zeiten und musste zwei Weltkriege ertragen. Sie widmete sich der ästhetischen Chirurgie beruflich und hatte noch mehr Energie um Frauen mehr Mitspracherechte zu erstreiten. Sie starb 1954.
Aus meiner Sicht ist die Graphic Novel künstlerisch super gestaltet und der Text genau richtig dosiert und platziert. Da mir Suzanne Noël vorher kein Begriff war, habe ich wahnsinnig viel mitgenommen.
Fazit: Eine gelungene Biografie, die berührt und dankbar macht für die starken Frauen der Vergangenheit!

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Veröffentlicht am 21.03.2022

All in one

Die Diplomatin
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Wer sich nicht entscheiden kann, was das nächste Buch sein soll: Roman oder doch lieber Thriller oder was das Reiselust weckt oder auch politisch aufrüttelt. Damit die Entscheidung nicht gefällt werden ...

Wer sich nicht entscheiden kann, was das nächste Buch sein soll: Roman oder doch lieber Thriller oder was das Reiselust weckt oder auch politisch aufrüttelt. Damit die Entscheidung nicht gefällt werden muss, solltet ihr zum sehr gut geschriebenen Roman „Die Diplomatin“ greifen. Hier ist alles drin und noch viel mehr!
Wenn Lucy Fricke auf dem Cover steht, erwartet man einen sehr guten Roman. „Die Diplomatin“ ist ihr neustes Werk und hat meine persönlichen Erwartungen voll erfüllt.
Im Mittelpunkt steht Friederike Andermann, die Konsulin in Mondevideo, Uruguay war. Es war ein traumhaft entspannter Job in der Welt der Diplomatie und dann gab es da diesen Umstand für den jemand die Verantwortung tragen musste: Fred. Nun ist sie in Istanbul und der Ton des Corps diplomatique ist ein anderer in der Türkei. Diplomatie kann langwierig und ernüchtern sein, wenig pragmatisch und oft zermürbend. Das zeigt uns Fred. Keine Sorge, es ist kein ausschließlich politisches Buch. Es ist auch ein Roman über eine Frau, die sich Gedanken macht und die diese Drahtseilakte nicht kalt lassen und ihr eigenes Leben in dieser Gemengelage reflektiert. Was wollte sie persönlich vom Leben?
Der Ton den Lucy Fricke anstößt ist genau passend. Es ist alles dabei was uns das Leben leicht und schwer macht: mal zum totlachen und dann wieder todesbetrübt. Die ganze Platte an Regungen ohne Langweilig und zu eigenwillig zu sein. Sie hat es drauf, sehr lesenswert!

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Veröffentlicht am 17.03.2022

Aus Milchkartons entsteht Ordnung!

Bastel die Welt besser!
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Wie oft dachte ich schon beim Basteln mit den Kindern: Oh je, wir verbrauchen hier Sachen um ein wenig zu basteln und dann landen die meisten Sachen in den nächsten Monaten im Müll. Das ist nun mal die ...

Wie oft dachte ich schon beim Basteln mit den Kindern: Oh je, wir verbrauchen hier Sachen um ein wenig zu basteln und dann landen die meisten Sachen in den nächsten Monaten im Müll. Das ist nun mal die Tatsache. Und nun haben Birgit Kuhn und Elina Roth genau das Buch geschrieben, was zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt. Nämlich zum einen Müll vermeiden und ressourcenschonend Basteln und sich zu gleich über die Müllberge bewusst werden mit „Bastel die Welt besser!“.
Uns gefällt es! Es ist ansprechend durch Lucie Göpfert gestaltet und zeigt die einzelnen Schritte in eingängigen Zeichnungen. Meinen gefällt das Buch super. Favorit meiner Tochter war bisher: Das Kartonregal…wobei wir dafür erst einmal ein paar Wochen Milckartons sammeln müssen. Mein Favorit waren die Ordnungshelfer aus alten Müslipackungen und die Stifthalter aus Milchkarton. Wobei manche Sachen auch am fehlenden „Müll“ bei uns nicht geht, wie leere Garnspulen für den Rennwagen mit Gummiband-Antrieb oder gar die 7 (!) leeren Chipsdosen für die Chipsdosen-Trommel. Aber ich will nicht entmutigen, denn es sind viele gute Anregungen in dem Buch, die Kinder zum Werkeln mit vorhandenen Materialen einladen.
Auch ist hier jeder gut aufgehoben, der das Basteln nicht im Blut hat (wie ich) und sich mit den Kindern mal wieder einem Bastelprojekt widmen will. Projekt zusammen aussuchen, Material sammeln und dann loslegen!
Fazit: Umweltschutz der Spaß bringt und auch vor Augen führt wie viel Müll wir im Alltag produzieren!

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