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Veröffentlicht am 08.11.2019

Hat etwas, wirkt aber auch aufgesetzt und überzeichnet

Blutige Küste. Ostfrieslandkrimi
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Jesper Martens hat nichts übrig für Bauunternehmer Alexander Rombach. Nicht nur, dass der unbedingt das Haus von Jespers Mutter kaufen will, um dort eine riesige Hotelanlage zu bauen, er hat ihm auch noch ...

Jesper Martens hat nichts übrig für Bauunternehmer Alexander Rombach. Nicht nur, dass der unbedingt das Haus von Jespers Mutter kaufen will, um dort eine riesige Hotelanlage zu bauen, er hat ihm auch noch seine Frau Kerstin ausgespannt. Als Kerstin durch Messerstiche schwer verletzt wird, steht Jesper schnell unter Verdacht, doch Ricarda Albers, die Freundin Kommissar Joost Kramers glaubt nicht so recht an seine Schuld, und ermittelt selbst.

Puh, der Roman hat es mir nicht leicht gemacht. Sehr schnell kam mir die ganze Handlung und auch das Verhalten der Charaktere sehr aufgesetzt und oft überzeichnet vor. Nahezu jedes Handeln ist unvernünftig, wenig durchdacht oder regelrecht böse.

Leider konnte ich weder für Jesper und seine Frau, noch für Ricarda und Joost Sympathie aufbringen, was ein bisschen schade ist. Ganz schlimm sind die Antagonisten, die sind wirklich nur böse, vor allem das Denken und Handeln des Hauptantagonisten ist einfach nur schrecklich und wirkt dazu nicht echt.

Es hat auch gedauert, bis mir einer der Charaktere sympathisch war, gelungen ist das eigentlich nur bei zweien: Gerda Martens, Jespers Mutter, die sich nicht unterkriegen lässt und sehr patent wirkt, und Hinnerk Tammen, Gerdas Nachbar und Eigenbrötler, der aber das Herz am rechten Fleck hat, Plattdüütsch spricht und Mut zeigt. Es sind auch diese beiden, die mir gut gezeichnet erscheinen, alle anderen bleiben sehr an der Oberfläche.

Und dennoch hat der Roman etwas – wollte ich ihn zunächst am liebsten wieder aus der Hand legen, hat er mich dann doch irgendwie gefesselt und ich wollte wissen, wie es weitergeht, auch wenn ich immer wieder den Kopf schütteln musste. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, so dass der Leser immer gut informiert ist. Eine Auflösung in dem Sinne gibt es nicht, denn, wer der Täter ist, ist zumindest für den Leser, nie unklar. Ein paar spannende Momente gab es für mich, aber eher wenige.

Tja, mir ist immer noch nicht so recht klar, ob ich den Roman mag oder nicht, es ist wohl irgendwo dazwischen. Weitere Romane der Reihe werde ich sicher nicht lesen. Wer gerne Kriminalromane liest, die an der Nordseeküste spielen, wird bessere finden. Ich vergebe 3 Sterne.

Veröffentlicht am 03.11.2019

Enttäuschend

Mein Herz so schwarz
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Warum stürzt sich eine junge Braut an ihrem Hochzeitstag von einer Klippe? Die Autorin erzählt die Geschichte Evelyn Whites in mehreren Zeitebenen und aus verschiedenen Perspektiven bis am Ende klar wird, ...

Warum stürzt sich eine junge Braut an ihrem Hochzeitstag von einer Klippe? Die Autorin erzählt die Geschichte Evelyn Whites in mehreren Zeitebenen und aus verschiedenen Perspektiven bis am Ende klar wird, was geschehen ist.

Leider hat diese interessant klingende Geschichte meine Erwartungen nicht erfüllt. Das liegt an verschiedenen Punkten:

Erstens die Protagonisten – keiner von ihnen ist mir sympathisch oder erweckt sonstige Emotionen in mir, außer vielleicht Desinteresse. Der Autorin ist es kein bisschen gelungen, sie mir nahe zu bringen, weder die Braut, noch die Freundin, noch der Bräutigam bekommen in meinen Augen genug Profil, dass ich mit ihnen mitfühlen könnte.

Zweitens die Spannung – der Roman langweilte mich schon nach ein paar Seiten. Thriller oder gar Psychothriller ist hier gar nichts, was aber zum Teil auch mit Punkt eins zusammenhängt, denn wenn ich nicht mitfühlen kann, die Protagonisten mir regelrecht egal sind, kann gar keine Spannung aufkommen. Aber auch sonst ist die einzige interessante Frage nach dem Warum und die Lösung kommt nicht wirklich spannend daher, u. a. auch wegen Punkt drei.

Drittens gibt es nahezu keine Überraschung – alles kann man schon vorher erahnen. So kommt natürlich keinerlei Spannung auf, kein Thrill.

Ich überfliege selten Teile von Romanen, hier tat ich es, ich hatte mich verpflichtet, den Roman zu lesen, ich wollte aber möglichst wenig Zeit damit verbringen. Hin und wieder gibt es natürlich Passagen, die ich komplett gelesen habe, aber immer einmal wieder fand ich es ermüdend, die ausführlich erzählten Gedanken und Emotionen zu lesen, die die Geschichte einfach nicht weiterbrachten, dafür aber selbstverständlich waren und nicht so ausführlich hätten beschrieben werden müssen.

Interessant ist der Aufbau der Geschichte, die verschiedenen Zeitebenen. Erzählt wird vor allem aus den Perspektiven der Braut und ihrer Freundin, wobei die erste zunächst von deren Vergangenheit erzählt, die zweite von den Konsequenzen der Tat. Zwei weitere Perspektiven kommen dazu, beide aber nur sehr kurz. Auch die Grundidee ist spannend, schade, das so wenig daraus gemacht wurde.

Bei mir konnte der Roman leider nicht punkten, mich kein bisschen packen, im Gegenteil. Ich vergebe 1,5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.11.2019

Spannender historischer Roman

Im Schatten des Turms
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1787/1788: Der Roman erzählt die Geschichte zweier Personen: Alfred Wagener ist Medizinstudent, muss nebenbei arbeiten und hat Ideale. Helene von Weydrich ist eine junge Adelige, die durch ihren Vater ...

1787/1788: Der Roman erzählt die Geschichte zweier Personen: Alfred Wagener ist Medizinstudent, muss nebenbei arbeiten und hat Ideale. Helene von Weydrich ist eine junge Adelige, die durch ihren Vater viel Freiheit genießt und einen klugen Kopf hat. Beider Leben kreuzen sich, beider Leben werden aber auch auf den Kopf gestellt und nehmen einen unerwarteten Lauf. Ihre Geschichten werden eingebunden in das tatsächliche historische Geschehen und sind verknüpft mit dem Wiener Narrenturm, der ersten psychiatrischen Heilanstalt.

Der Roman hat mich sehr schnell gepackt, beide Protagonisten gefallen mir gut, sie sind sehr unterschiedlich und man kann wunderbar mit ihnen mitfühlen. Auch die anderen Charaktere sind interessant gestaltet. Die Geschichte ist spannend, auf beiden Seiten, oft mag man den Roman kaum aus der Hand legen. Besonders gefallen hat mir die historische Einbindung. Im Personenverzeichnis kann man überprüfen, welche Charaktere fiktiv und welche historische Persönlichkeiten sind, wobei sich bei letzteren der Autor auch Freiheiten nahm, die er im Nachwort aber auch benennt. Gut recherchiert ist der Roman natürlich trotzdem. Ein Glossar im Anhang erklärt womöglich unbekannte Begriffe.

Ein bisschen schade ist, dass der Narrenturm eine letztlich doch eher untergeordnete Rolle spielt. Ich hatte mehr Medizinhistorie erwartet, aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn der Roman hat mich auch ohne das glänzend unterhalten. Der Autor hat einen bildhaften Erzählstil, der das Kopfkino anspricht. Erzählt wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Protagonisten, so dass auch immer wieder kleine Cliffhanger möglich sind, die die Spannung noch erhöhen.

Für mich ist dies eines der Bücher, bei denen ich am Ende einerseits froh bin, es ausgelesen und erfahren zu haben, wie es ausgeht, andererseits traurig bin, dass ich mich von liebgewonnenen Charakteren trennen muss – ein Buch also, das ich sehr gerne gelesen habe. So kann ich es vor allem Genrefans uneingeschränkt empfehlen und vergebe gerne volle Punktzahl.

Veröffentlicht am 27.10.2019

Ein Freund als Mordverdächtiger

An der Mordseeküste
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Loretta und ihre Freunde sind zu einer Vernissage an die Nordsee eingeladen worden. Sie freuen sich auf eine erholsame Zeit miteinander – doch bald schon gibt es eine Leiche und einer der Freunde ist dringend ...

Loretta und ihre Freunde sind zu einer Vernissage an die Nordsee eingeladen worden. Sie freuen sich auf eine erholsame Zeit miteinander – doch bald schon gibt es eine Leiche und einer der Freunde ist dringend tatverdächtig. Und so muss Loretta wieder einmal ermitteln.

Dies ist der dritte Band der Reihe, auf den ich mich besonders gefreut habe, da ich selbst ein Nordseefan bin. Zu dieser Zeit lebt Loretta noch mit Diana zusammen, die mir ehrlich gesagt nicht allzu sympathisch ist (den ersten Band der Reihe fehlt mir bisher noch). Dafür gibt es an der N(M)ordseeküste ein paar Charaktere, die mir schnell gefallen haben, Kommissar Claassen und der nette Rechtsanwalt zum Beispiel.

Da ich die Nordseeküste liebe, hatte ich auch schnell das richtige Feeling, Lotte Minck ist es gut gelungen, die Atmosphäre einzufangen.

Der Fall scheint schnell glasklar zu sein – wäre es nicht auch für den Leser gänzlich unmöglich, dass der Verdächtige die Tat wirklich begangen hat. Für Loretta und Ex-Polizist Erwin ist es aber gar nicht so leicht, die Unschuld ihres Freundes zu beweisen. Die Auflösung hat man zwar gegen Ende kommen sehen, sie ist aber dennoch recht überraschend und auf jeden Fall gelungen. Auch der Humor kommt hier, wie immer, nicht zu kurz, handelt es sich doch bei der Reihe durchgehend um Krimödien.

Wie auch bei den anderen Romanen der Reihe (bis auf den ersten habe ich alle gelesen) habe ich mich auch hier wieder gut unterhalten. Loretta-Fans werden sowieso alle Bände lesen wollen. Wer Krimödien bzw. humorvolle Kriminalromane und etwas andere Ermittler mag, kann hier bedenkenlos zugreifen.

Veröffentlicht am 20.10.2019

Leider hatte ich nicht das Gefühl, Michael Ende näher gekommen zu sein

Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit
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Michael Ende dürfte jedem, der gerne liest, ein Begriff sein. Seine Bücher sind weltbekannt und zum Teil auch verfilmt worden. Charlotte Roth hat eine Romanbiografie über ihn geschrieben, die bereits vor ...

Michael Ende dürfte jedem, der gerne liest, ein Begriff sein. Seine Bücher sind weltbekannt und zum Teil auch verfilmt worden. Charlotte Roth hat eine Romanbiografie über ihn geschrieben, die bereits vor seiner Geburt mit dem Kennenlernen seiner Eltern beginnt und mit seinem Tod endet.

Da es sich um einen Roman handelt, und nicht um eine „echte“ Biografie, fehlen Quellenangaben, Bilder, Bibliografie und ähnliches. Die einzelnen Kapitel wirken wie einzelne Szenen im Leben des Autors, die man nicht immer zeitlich einordnen kann, da es in der Regel keine Daten, und selten einmal wenigstens eine Jahreszahl gibt.

Im Nachwort macht Roman Hocke, der auch im Roman eine Rolle spielt, sehr deutlich, dass es sich um einen Roman handelt, und daher nicht unbedingt alles tatsächlich so stattgefunden hat, manches verändert wurde und man daher nicht alles für bare Münze halten darf, dass er und die Autorin es aber für wichtig erachtet hatten, diesen Weg zu nehmen, um auch das Innenleben der Akteure darstellen zu können. Gut, er kannte Michael Ende über lange Zeit persönlich und hat auch mit ihm gearbeitet, man kann wohl davon ausgehen, dass am Bild des Autors und der Menschen um ihn, vieles stimmig ist.

Auch Charlotte Roth schreibt in ihren Anmerkungen, dass manches fiktiv ist. Leider sind diese sehr knapp formuliert, ich hätte mir gerade von der Autorin ein etwas ausführlicheres Statement gewünscht.

Ich hatte meine Probleme mit dem Erzählstil und fand ihn sehr anstrengend zu lesen, Charlotte Roth, von der ich bisher noch nichts gelesen habe, erzählt sehr ausschweifend und wenig unterhaltsam, oft langweilig. Ich habe nach etwa 40 % des Ebooks eine längere Pause eingelegt, danach ging es besser, vor allem, weil bei etwa 50 % das bekannte literarische Schaffen einsetzte, Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer werden geboren – meine Lieblingsgeschichte Michael Endes. Die zweite Hälfte habe ich daher relativ schnell gelesen, obwohl es auch hier immer wieder Szenen gab, die meinen Lesefluss verlangsamten.

Was habe ich mitgenommen? Leider hat mich dieser Roman ein wenig desillusioniert. Michael Ende war für mich immer ein großer Fantast mit einer überschäumenden Phantasie, der erste Fantasyautor, den ich als (kindlicher) Leser kennen lernte. Womöglich durch ihn wurde meine Liebe zu diesem Genre begründet. Im Roman lernte ich einen Michael Ende kennen, der sich schwer tat, als Mensch und als Autor, sein Leben wirkt auf mich oft deprimierend. Er, aber auch seine Bücher, werden ein Stück weit entmystifiziert – für mich sehr schade. Sehr interessant dagegen sind die Hintergründe seiner Werke, sehr stark zu sehen bei „Die unendliche Geschichte“, aber auch bei „Momo“.

Dieses Jahr hätte Michael Ende seinen neunzigsten Geburtstag gefeiert. Wer weiß, welche Bücher er noch geschrieben hätte, hätte der Krebs seinem Leben nicht ein vorzeitiges Ende bereitet. Ich finde es gut, wenn nun auf vielfältige Weise an ihn gedacht wird. Ich habe z. B. große Lust bekommen, wieder einmal Jim Knopf zu lesen.

Leider habe ich nicht das Gefühl, als sei mir Michael Ende durch den Roman näher gekommen, im Gegenteil, aber das ist ganz persönlich zu werten. Vielleicht lese ich irgendwann einmal eine „richtige“ Biografie, bis dahin widme ich mich aber lieber seinen Werken. Wer sich für den Autor interessiert oder Charlotte Roths Romane mag, wird diese Romanbiografie vielleicht anders werten als ich. Ich kann leider nur 3 Sterne vergeben.