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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.03.2026

Zu viel Action, zu wenig historischer Background

Im Auftrag der Fugger - Teufelsreigen
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Augsburg 1505: Jakob Fugger hat Probleme, seine Warentransporte werden überfallen und ausgeraubt, seine Boten ermordet, und dann hat sich auch noch König Maximilian angekündigt, der auf dem Weg zum Reichstag ...

Augsburg 1505: Jakob Fugger hat Probleme, seine Warentransporte werden überfallen und ausgeraubt, seine Boten ermordet, und dann hat sich auch noch König Maximilian angekündigt, der auf dem Weg zum Reichstag in Köln in Augsburg Halt machen will, und sicher ein großes Fest sowie eine Geldspritze erwartet.

Der Roman ist ein Nachfolgeband. Ich kenne den Vorgänger nicht, hatte aber keine Probleme, mich zurechtzufinden, denn die Geschichte ist eigenständig, es kommen aber Charaktere vor, die schon im vorherigen Band handelten. Neben Jakob Fugger sind das vor allem Afra und Herwart, die offenbar schon dort ermittelten und jetzt von Fugger wieder eingesetzt werden, sie sollen herausfinden, wer ihm schaden möchte. Auch einen der möglichen Gegenspieler:innen ist bereits im vorherigen Band aufgetreten, und macht hier eine sehr undurchsichtige Figur.

Die Perspektiven liegen meistens entweder auf Fugger, Afra oder Herwart. Leider muss man sagen, dass mir die Charaktere nicht wirklich nahe gekommen sind, und dass ich ihre Handlungen oft nicht nachvollziehen konnte. Immer wieder wird unlogisch, naiv oder nicht vorausschauend gehandelt, man kommt kaum aus dem Kopfschütteln heraus. Nur Jakob Fugger wurde im Verlauf des Romans für mich greifbarer. Über die Fugger wusste ich schon einiges, was hilfreich war. Es gibt ein paar richtig gute Szenen mit Jakob Fugger, zum Beispiel, wenn er in Betrachtung einer Kreuzspinne, die ihr Nest baut und Beute fängt, sich mit dieser vergleicht, wenn er einen Adeligen in die Schranken weist, oder wenn er jungen Kaufleuten klar macht, wie wichtig er selbst für Augsburg ist. Hier kommt auch das Historische des Romans zum tragen, das dem Roman sonst oft fehlt.

Denn dieser baut vor allem auf Action, dauernd kommt jemand in Gefahr, dauernd muss jemand gerettet werden, es gibt Verfolgungsjagden und viele Tote. Ohne den Hund, den Afra und Herwart meistens mit sich führen, und der auf den Namen „Fugger“ hört, wären die beiden aufgeschmissen, denn dieser kommt in der Regel zur Rettung geeilt und hat zudem eine der besten Hundenasen der Welt. Zu oft regiert hier außerdem der Zufall.

Ich mag historische Romane, die mich in vergangene Zeiten führen und gut recherchiert sind. Über die Recherche will ich hier gar nicht meckern. Peter Dempf ist selbst Augsburger, er kennt die Stadt wahrscheinlich gut und hat schon einige Romane geschrieben, in denen sie oder auch die Fugger eine Rolle spielen. Ich mag es aber nicht so gerne, wenn die Historie Platz machen muss für Action, wenn ich das Gefühl habe, ich lese einen Actionthriller, der halt in vergangenen Zeiten spielt. Spannend darf es schon sein, aber hier wird die Action einfach übertrieben und viele Szenen ähneln sich. Dazu die Charaktere, deren Handeln auch eher der Spannung als der Logik gewidmet zu sein scheint, und der regierende Zufall, das enttäuscht mich doch sehr.

Die Auflösung kann man nachvollziehen, den Umgang damit allerdings nicht. Am Ende hat mich der Roman doch eher genervt als unterhalten.

Ich wollte eigentlich einen guten historischen Roman lesen, bekommen habe ich einen Actionthriller im historischen Gewand. Der historische Hintergrund bleibt mir hier zu sehr im Hintergrund. Die Charaktere kommen mir nicht nahe, sie handeln oft nicht nachvollziehbar und es gibt zu viel Zufall.

Veröffentlicht am 16.03.2026

Mit Vergnügen gelesen

Einatmen. Ausatmen.
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Marlene Buchholz soll die neue Vorstandsvorsitzende der Aviola werden, allerdings sind die Angestellten nicht so von ihren Führungsqualitäten überzeugt, so dass sie zunächst zu einem Achtsamkeitsseminar ...

Marlene Buchholz soll die neue Vorstandsvorsitzende der Aviola werden, allerdings sind die Angestellten nicht so von ihren Führungsqualitäten überzeugt, so dass sie zunächst zu einem Achtsamkeitsseminar bei „Seelenflüsterer“ Alex Grow in dessen Brandenburger Schloss verpflichtet wird.

Alex Grow ist derzeit allerdings selbst nicht so ganz auf der Höhe, er hat Finanzprobleme, und neigt in letzter Zeit vermehrt zum Burnout. Doch, wenn es ihm gelingt, auf Marlene einzuwirken, winkt ein Exklusivvertrag mit der Aviola, der seine Probleme beheben könnte.

Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus Marlenes und Alex‘ Perspektive. Man bekommt eine gute Vorstellung vom jeweiligen Charakter, hat schnell ein gewisses Bild von ihnen, das sich im Verlauf des Romans allerdings ändern wird. Dazu tragen auch zwei weitere Charaktere bei, Günther Mattissen ist der Hausmeister des Anwesens, und erlebt gerade einen schweren Verlust, während Connie eine minderjährige Baumbesetzerin ist, die verhindern möchte, dass der Wald neben Grows Schloss gerodet wird.

Vielleicht gehen die Entwicklungen ein wenig schnell, aber so ist der Roman auch unterhaltsamer zu lesen, kompakt und dynamisch, und mit einer guten Brise Humor. Nicht fehlen darf dabei auch die Brandenburger Landschaft und eine bisschen Gesellschaftskritik.

Ich habe den Roman mit Vergnügen gelesen, die Charaktere sind pointiert gezeichnet, die Geschichte liest sich flott und unterhaltsam.

Veröffentlicht am 10.03.2026

Interessantes Setting für den zehnten Band

Die Geister von Beelitz
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Berlin 1929: Ein alter Freund Ernst Gennats bittet den Kriminalrat um Hilfe, da sein Neffe nach einem Aufenthalt in den Beelitz-Heilstätten spurlos verschwunden ist. Wie sich herausstellt, ist er nicht ...

Berlin 1929: Ein alter Freund Ernst Gennats bittet den Kriminalrat um Hilfe, da sein Neffe nach einem Aufenthalt in den Beelitz-Heilstätten spurlos verschwunden ist. Wie sich herausstellt, ist er nicht der einzige, der in den letzten Jahren von dort nicht nach Hause gekommen ist. Leo Wechsler begibt sich undercover als Patient nach Beelitz, während seine Kollegen in Berlin ermitteln.

Der zehnte Fall der Reihe widmet sich einem interessanten Ort, an den Tuberkolosekranke geschickt wurden, um sie, wenn möglich, wieder arbeitsfähig zu machen. Die Autorin erzählt sehr plastisch davon, wie es dort zugegangen ist, und weckt Interesse die damaligen Heilstätten zu besuchen und an einer Führung teilzunehmen.

Für Leo ist es nicht leicht, sich als Gesunder dort aufzuhalten, nicht, weil er Angst hat, sich anzustecken, die Gefahr besteht durch die hohen Hygienemaßnahmen offenbar kaum, sondern weil es ihm ein schlechtes Gewissen macht den wirklich Kranken gegenüber. Seine Ermittlungen erlauben es zudem nicht immer, den straffen Tagesplan einzuhalten. Die Gefahr, dass er jemandem auffällt, ist groß.

In Berlin müssen seine Kollegen die eher langweilige Routinearbeit leisten, Klinkenputzen und Aktensichten. Unabhängig voneinander macht man an beiden Orten verschiedene Entdeckungen, die zur Aufklärung führen könnten. Am Ende ist der Fall nachvollziehbar gelöst.

Familienszenen kommen in diesem Band im Vergleich zu den Vorgängern etwas zu kurz, man muss aber nicht ganz auf sie verzichten. So gibt es bei Leos Schwester Ilse eine Entwicklung, die sich schon im letzten Band andeutete und sich hoffentlich in einem nächsten Band fortsetzt.

Durch die in sich abgeschlossenen Fälle könnte man jeden der Bände unabhängig voneinander lesen, schöner ist es aber, das der Reihe nach zu tun, um all die privaten und beruflichen Entwicklungen der Familie und des Kollegenkreises mitzuerleben.

Der Roman lässt sich wieder prima lesen, man fliegt nur so durch die Seiten. Hin und wieder gibt es kursive Einschübe, die zunächst rätseln lassen, nach und nach aber eine klarere Vorstellung geben.

Der zehnte Fall der Reihe bietet wieder erstklassige Unterhaltung, einen spannenden Fall und ein interessantes Setting. Wer gerne historische Romane liest, ist bei dieser Reihe richtig.

Veröffentlicht am 09.03.2026

Leider etwas verwirrendes Trilogieende

BRZRKR 3
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Dieser Band beendet die Trilogie um den rätselhaften und unsterblichen B.

Die Geschichte bleibt weiterhin erwachsenen Leser:innen vorbehalten, sie ist brutal und blutig, und dies wird auch durch die, ...

Dieser Band beendet die Trilogie um den rätselhaften und unsterblichen B.

Die Geschichte bleibt weiterhin erwachsenen Leser:innen vorbehalten, sie ist brutal und blutig, und dies wird auch durch die, im übrigen gelungen Zeichnungen, transportiert. Bezüglich der Zeichnungen hätte ich mir aber gerade in diesem Band gewünscht, dass die soldatischen Charaktere unterscheidbarer gezeichnet worden wären. Im zweiten Band spielte ein Soldat eine nicht unwesentliche Rolle, ob er in diesem Band auch mitspielte, wurde mir nicht ganz klar.

Bs Geschichte erhält einen gewissen Abschluss, wobei ich durchaus weiteres Geschichtenpotential sehe, und auch die Experimente mit ihm enden. Allerdings fand ich diesen Band auch verwirrend, so dass es für mich kein ganz gelungenes Trilogieende ist.

Nachdem mich die ersten beiden Bände schnell gepackt haben, ließ mich dieser etwas verwirrt zurück, das Lesen fand ich nicht einfach – schade.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Wunderbarer Roman über eine wunderbare Autorin

Astrid Lindgren
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Es wird wohl kaum jemanden geben, der den Namen Astrid Lindgren nicht kennt, die meisten dürften auch ihre Bücher oder deren Verfilmungen kennen. Doch, wer weiß etwas über die Person Astrid Lindgren? In ...

Es wird wohl kaum jemanden geben, der den Namen Astrid Lindgren nicht kennt, die meisten dürften auch ihre Bücher oder deren Verfilmungen kennen. Doch, wer weiß etwas über die Person Astrid Lindgren? In diesem Roman erfährt man einiges über sie.

Der Roman erzählt die Jahre 1929 bis 1958, nicht durchgehend, sondern jeweils prägende Abschnitte. Astrid wird jung schwanger und muss ihren Sohn in eine Pflegefamilie geben, da sie nicht für ihn sorgen kann. Lange kann Lasse dort nicht bleiben, schon 3 Jahre später muss Astrid ihn zu sich holen, obwohl das ihr Leben verkompliziert, macht es sie auch glücklich. Mit diesem Ereignis startet der Roman. Geschichten erzählen gehört von Anfang an zu der Beziehung zwischen den beiden dazu.

Später wird Astrid heiraten, Ihr Ehename ist Lindgren, und sie bekommt ein zweites Kind, eine Tochter, für die Astrid die Geschichten von Pippi Langstrumpf erzählt, und diese führen schließlich dazu, dass Astrids Geschichten verlegt werden. Ich fand diesen Weg schön und interessant zu lesen, ebenso die Entstehung einiger anderer Geschichten. Interessant ist aber auch ihr beruflicher Werdegang abseits des Geschichtenerzählens. Eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielen ihre Eltern und Geschwister, man erfährt einiges über sie und auch über Astrids Kindheit. Wer Bullerbü kennt, hat eine gewisse Ahnung von dem Ort, an dem Astrid und ihre Geschwister aufgewachsen sind, und an dem sich auch ihre Kinder sehr wohlfühlen.

Mir war Astrid sofort sympathisch. Sie behält auch als erwachsene Frau ihre kindliche Seite, tobt mit ihren Kindern, hat Spaß und ist albern, ich kann das sehr nachfühlen. Astrid macht aber auch viel mit sich selbst aus, so zum Beispiel Probleme in ihrer Ehe. Man lernt hier eine interessante, liebenswerte und liebevolle Frau mit großer Phantasie kennen.

Susanne Lieder ist es gelungen, mir die Person Astrid Lindgren sehr nahe zu bringen. Der Roman lässt sich wunderbar lesen, Astrid und ihre Welt wurden vor meinen Augen lebendig. Wer Astrid Lindgren als Autorin mag, wird wahrscheinlich auch dieses Buch mögen.