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Veröffentlicht am 29.03.2023

Nur was für Schleckermäuler!

Kekse?! Die krümeligste Ausrede der Welt
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Samstag. Papa schleicht in die Küche und will sich Kekse holen. Die Keksdose ist aber alle! Er fragt den Sohn, ob er die Kekse aufgegessen hat, aber der meint, er war es nicht, weil er an das Regal gar ...

Samstag. Papa schleicht in die Küche und will sich Kekse holen. Die Keksdose ist aber alle! Er fragt den Sohn, ob er die Kekse aufgegessen hat, aber der meint, er war es nicht, weil er an das Regal gar nicht drankommt. Mama wars bestimmt, also ab zu Mama! Die hat sie aber auch nicht gegessen, war bestimmt die Oma, also zack, zu Oma! Die Oma kann das mit ihren schlechten Zähnen aber gar nicht kauen, sagt sie. Vielleicht die Schwester? Alle laufen zur Schwester, aber die behauptet, sie war es nicht, weil sie nur Schokolade isst. Es könnte der Opa gewesen sein, also alle ab zu Opa! Nee, der darf doch keinen Zucker, aber vielleicht hat der Hund die Kekse gegessen? Alle laufen zum Hund. Der mag doch nur Hundefutter und zeigt auf die Katze. Allemann (und -hund) tapern zur Katze. Die Katze bedeutet aber, dass sie viel sie nur Fisch mag und zeigt auf den Papagei. Alle rennen zum Papagei, aber der schüttelt nur sein Gefieder. Nun fragen sich alle, wer denn die Kekse gegessen hat? Alle schauen sich gegenseitig an.

Veröffentlicht am 29.03.2023

Der Anfang dümpelt so dahin, zum Ende hin wird es spannend

Corpus Delicti
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Mia Holl hat ihren Bruder an ein System namens die METHODE verloren. Ihr Bruder Moritz wurde eines Verbrechens überführt, das er nicht begangen hat. Mia glaubt an die Unschuld ihres Bruders, er hat die ...

Mia Holl hat ihren Bruder an ein System namens die METHODE verloren. Ihr Bruder Moritz wurde eines Verbrechens überführt, das er nicht begangen hat. Mia glaubt an die Unschuld ihres Bruders, er hat die Frau nicht vergewaltigt und getötet. Das belastende Material spricht gegen ihren Bruder, und in einer Gesellschaft, in der jeder von der Unfehlbarkeit der METHODE überzeugt ist, mutet es seltsam an, dass Moritz Holl - weiterhin seine Unschuld beteuernd - sich dem weiteren Zugriff des Systems mit einem Suizid entzogen hat.

Juli Zehs Roman spielt in einem System, in dem jeder die Pflicht zur Gesundheit hat und Krankheit systemgefährdend ist. Gesundheits- und Hygienevorschriften regeln das Leben der Menschen. Mias Trauer um den Verlust ihres Bruders wird als Depression gedeutet und darf nicht ihre Sache allein sein, sondern soll gerichtlich gesteuert werden. Mia möchte einfach nur für eine Weile in Ruhe gelassen werden, um den Schmerz zu verarbeiten. Sie bekommt den Pflichtverteidiger Rosenschneider zur Seite gestellt, der Mia zur Räson bringen soll in ihrem Irrglauben, ihre Trauer sei Privatsache und ihren Glauben an das System wiederherstellen soll. Schon bald mischt sich Kramer ein, eine Führungsperson der METHODE im Namen der Regierung. Rosenschneider gelingt eine bahnbrechende Erkenntnis in dem Fall Moritz Holl, und Mia werden methodenfeindliche Gedanken und Handlungen unterstellt und sie wird zu einer politischen Schachfigur, an der ein Exempel für die METHODE statuiert werden soll.

Ich muss sagen, dass ich mich die meiste Zeit eher unbeteiligt durch das Buch gelesen habe. Erst zum Ende hin, als Rosenschneider eine Wendung herbeizuführen in der Lage ist, wurde mein Interesse richtig geweckt, und die letzten Seiten haben mich sinnierend zurückgelassen.
Es wirkt fern und fremd, dass Gesundheit eine Pflicht und ein Standard ist in einer Welt wie unserer jetzigen, die so weit von diesem eigentlich wünschenswerten Ziel entfernt ist, das von Juli Zeh in diesem Buch so ins Gegenteil verdreht ist. Es regt zum Grübeln darüber an, was staatliche Systeme an Privatsachen noch alles zum Gegenstand öffentlichen Interesses machen könnten.

Veröffentlicht am 29.03.2023

Alle mal lesen, das schadet niemandem!

Untenrum frei
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Interessiert stand ich neulich in der Buchhandlung und hatte beide Bücher von Margarete Stokowski, „Untenrum frei“ in der einen Hand, „Die letzten Tage des Patriarchats“ in der anderen Hand. Verlassen ...

Interessiert stand ich neulich in der Buchhandlung und hatte beide Bücher von Margarete Stokowski, „Untenrum frei“ in der einen Hand, „Die letzten Tage des Patriarchats“ in der anderen Hand. Verlassen hab ich die Buchhandlung mit Ersterem und wünschte mir, ich hätte gleich beide mitgenommen!


Stokowski vertritt einen neuen Feminismus, der für Gleichberechtigung beider Geschlechter ist und somit den Mann keineswegs außen vor lässt. Sie gibt dem Feminismus ein neues Gesicht abseits der „frigiden männerhassenden Hexen“, als die Feministinnen oft empfunden werden. Auch in ihrem Werk wird klar, was längst alle wissen (sollten), dass Frauen eben häufig noch immer benachteiligt werden.

In den ersten Kapiteln ihres Buches gibt Margarete Stokowski einen Rückblick in ihr eigenes Leben. Dass nicht einfach, Bumms!, der Feminismus kam wie ein unerwartetes Klingeln an der Tür, sondern der sich auch bei ihr mit vielen Situationen und später mal über diese nachzudenken aufgebaut hat. Margarete Stokowski hat Sozialwissenschaften und Philosophie studiert. Physik oder Mathematik hätte sie auch gut gekonnt, auf einen unentspannten Wettstreit, in dem immer auch ihr Geschlecht eine Rolle gespielt hätte, hatte sie aufgrund von Erfahrungen aus der Schule aber keinen Bock. Sie sensibilisiert mit Themen wie unzureichendem Aufklärungsunterricht, Sex, männlichem/weiblichen Auftreten, Gewalterfahrungen und geschlechtlichen Ungerechtigkeiten die Leserschaft ihres Buches für all die kleinen und großen Ungerechtigkeiten, über die wir uns selbst manchmal nicht klar sind, weil wir sie nicht reflektieren – wir merken zwar, dass etwas zwickt ohne ganz erfassen zu können warum uns das so stört. Manche Vergleiche in diesem Buch haben mich zum Losprusten gebracht, weil sie so witzig und sarkastisch dargestellt sind, mehr sogar noch haben mich zum Grübeln und Resümieren gebracht.

Schade, dass ich erst Mitte Dreißig werden musste, bis ich in den Genuss dieser Lektüre gekommen bin! Ich wünsche mir, dass viele junge Frauen dieses Buch lesen. Nicht, um männerstrafende Furien zu werden, sondern um bereits früh mehr Einblick/Ansicht und dadurch Möglichkeiten zu haben. Ich wünsche mir aber auch, dass viele Männer dieses Buch lesen, um auch ein paar neue Eindrücke der Welt um sich herum bekommen.

Veröffentlicht am 29.03.2023

Über die Internierung japanischstämmiger Amerikaner

Als der Kaiser ein Gott war
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„Als der Kaiser ein Gott war“ ist die Geschichte einer japanischen Mutter mit ihren zwei Kindern, 1941 in ein Internierungslager in die amerikanische Wüste umgesiedelt werden. Mit Kriegseintritt der USA ...

„Als der Kaiser ein Gott war“ ist die Geschichte einer japanischen Mutter mit ihren zwei Kindern, 1941 in ein Internierungslager in die amerikanische Wüste umgesiedelt werden. Mit Kriegseintritt der USA und dem Angriff auf Pearl Harbor werden Japaner in Amerika als Sicherheitsrisiko eingestruft. Den Vater hat man schon abgeholt, in Bademantel und Pantoffeln, wie die Kinder sich im Laufe der Jahre immer wieder traurig erinnern werden.

Nach der behördlichen Anordnung bereitet sich die Mutter auf den Zwangsumzug vor, vergräbt das Tafelsilber im Garten und entledigt sich der Haustiere, bis es auf die anstrengende, mehrere Tage dauernde Fahrt in das weit entfernte Lager geht. Jahre, in denen die Familie in der amerikanischen Wüste Hitze in Sandstürmen und bitterkalte Winter durchlebt. Die Mutter fällt immer mehr in einen Zustand der Lethargie.
Der Tag kommt, an dem die Familie mit 25$ in die Freiheit entlassen wird. 25$, derselbe Betrag, den man Verurteilten nach Absitzen ihrer Haftstrafe zur Entlassung mit in die Welt gibt. Die Familie kommt zurück in ihr altes Haus, das von Wegelagerern und sondergleichen beschmutzt und heruntergekommen ist. Irgendwie versuchen sie sich wieder einzufinden in einen Alltag, der keiner ist, die Mutter wegen ihrer japanischen Abstammung keine Arbeit findet und sie auf der Straße geächtet werden. Und immer warten sie auf die Rückkehr des Vaters, der all die Jahre Briefe geschrieben und zurückbekommen hat.

Schnörkellos und fast teilnahmslos ist die Erzählweise Julie Otsukas über den zusammengefassten Zeitraum mehrerer Jahre ein dunkles Kapitel über rassistische Vorurteile, im Krieg begründete Hysterie und ein Versagen der Regierung der amerikanischen Geschichte nach. Nach „Wovon wir träumten“ ist dies mein zweites Buch von Julie Otsuka, und ich resümiere, dass ich mich mit ihrem nüchternen Stil nicht so ganz warm werde. Es war aber vor allem lehrreich, über dieses mir unbekannte Kapitel der US-Geschichte zu lesen.

Veröffentlicht am 29.03.2023

Tolle Geschichte für Kinder mit Charakteren zum Liebgewinnen!

Mina und die Karma-Jäger - Der Klassenkassen-Klau
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Voller Vorfreude wartet Milena auf ihre Geburtstagscew. Es klingelt und sie ist schon in Partystimmung – aber äh, da steht ja nur ein total langweiliger Junge vor der Tür... Der stellt sich als Julius ...

Voller Vorfreude wartet Milena auf ihre Geburtstagscew. Es klingelt und sie ist schon in Partystimmung – aber äh, da steht ja nur ein total langweiliger Junge vor der Tür... Der stellt sich als Julius vor und erzählt Milena, er hat alle ihre Gäste über WhatsApp mit der Begründung ausgeladen sie hätte Läuse, weil sie ihm helfen müsse sein Karma aufzubessern. Julius ist nämlich ein Geist und kann erst in den Himmel, wenn er ein bestimmtes Karma-Level erreicht hat. Ziemlich schnell zeigt sich, dass Julius ein ziemlich nervtötender Geist ist und es kein Wunder ist, dass ihm der Zugang zum Himmel verwehrt ist, so stur und eigensinnig wie er ist. Sie erklärt sich dann aber doch bereit ihm zu helfen, schließlich wurde Geld aus der Klassenkasse gestohlen, und sie will wissen wer dahintersteckt. Zusammen mit Milenas immer lustiger Freundin Isabel, die erst nicht an den Geist glaubt, sondern Halluzinationen bei Milena vermutet, gehen die drei auf detektivische Suche. Schnell wird klar, dass es mehrere Diebe gibt und der eine einen tierfreundlichen Grund für sein Handeln hat... „Milena und die Karma-Jäger“ ist ein unterhaltsames Buch von Janet Clark für Kinder ab 9 Jahren. In dem Alter darf Furz- und Rülpshumor nicht fehlen, und den bedient es. Mit den Scherzen, die im Buch vorkommen, können sich die Leser sicher sehr gut identifizieren, darüberhinaus werden auch ganz wichtige Themen wie Tierschutz oder die Wichtigkeit Probleme zu lösen und nicht nur auf sie zu zeigen angesprochen. Die Illustrationen von Sabine Sauter begleiten die Geschichte. Toll fand ich, dass sich die Seitenzahlen verändern und an Julius Karma-Stufe anpassen.
Das Buch ist der Auftakt einer Reihe von Detektivgeschichten der kleinen Gruppe um Milena, bei der sich wohl bald auch offenbart, warum der Geisterjunge Julius sich an nichts aus seinem Leben erinnern kann und wer er nun eigentlich ist.