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Veröffentlicht am 29.03.2023

Schöne Fantasy-Geschichte mit lockerer Hauptakteurin

Die Wiege aller Welten (Chroniken von Bluehaven - Band 1)
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In einem Ort namens Bluehaven, da lebt ein Mädchen namens Jane. Jane kümmert sich aufopferungsvoll um ihren Vater, der sich in einer Art Wachkoma befindet. Jane und ihr Vater leben im Keller der Familie ...

In einem Ort namens Bluehaven, da lebt ein Mädchen namens Jane. Jane kümmert sich aufopferungsvoll um ihren Vater, der sich in einer Art Wachkoma befindet. Jane und ihr Vater leben im Keller der Familie Hollow. Jane und ihr Vater sind von den Bewohnern Bluehavens als verflucht verschrien, seit sie vor über zehn Jahren aus dem Schloss gestolpert sind und Erdbeben mitbrachten. Das Schloss ist das Tor zu den Anderwelten, viele haben dort legendäre Abenteuer erlebt, jedoch hat sich das Tor nicht mehr geöffnet, seit Janes Vater mit dem Baby im Arm auf den Stufen vor dem Schloss erschienen ist und dort zusammenbrach. Die Bibliothekarin von Bluehaven ist die einzige, die glaubt, Janes Vater und sie hätten ein Schicksal im Schloss zu erfüllen, was der einzige Grund ist, dass die beiden noch geduldet und bei den Hollows einquartiert werden. Violet ist die Einzige der Familie, die Jane leiden kann.


Eines Tages bekommt Jane ein Foto von ihrem Vater und sich durch das Kellerfenster geschoben mit einer Notiz um die Mittagszeit an einem bestimmten Ort zu sein. Jane trifft auf die Bibliothekarin, die von einer Vision geleitet das Mädchen zum Schloss führen soll. Das Tor öffnet sich tatsächlich, Janes Vater erwacht aus seinem Koma und stürmt zum Tor des Schlosses. Jane, die ihren Vater finden will, betritt das Schloss und findet heraus, dass aus den Anderwelten eine Gefahr ins Schloss eingedrungen ist, der sie sich stellen muss.


Jeremy Lachlan hat eine schöne Geschichte geschaffen, an der mir besonders die witzige und rotzfreche Art von Jane und einigen anderen Charakteren gefallen hat. Das Buch endet mit einem Cliffhanger (scheint also eine Fortsetzung zu geben), was erklärt, warum es zwischendurch solche für mich schwer zu ertragenden Längen gab. Ich habe panisch festgestellt, dass nicht mehr genügend Buch für das Ende dieser Geschichte vorhanden ist, und so hänge ich nun etwas in der Luft.

Veröffentlicht am 29.03.2023

Die Worte des Fuchses sollte jeder Mensch verstehen

Fuchs 8
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Fuchs 8 versteht menschisch. Beim abendlichen Vorlesen hat er den Sinn der Wörter erfasst und konnte sogar so nah an die Menschen herangehen, dass er die Buchstaben lesen konnte. Fuchs 8 dachte, dass alle ...

Fuchs 8 versteht menschisch. Beim abendlichen Vorlesen hat er den Sinn der Wörter erfasst und konnte sogar so nah an die Menschen herangehen, dass er die Buchstaben lesen konnte. Fuchs 8 dachte, dass alle Menschen so sein müssten wie die in dem Haus, in dem vorgelesen wurde.
Bis eines Tages im Wald von Fuchs 8 und seiner großen Fuchsbande Bulldozer, Menschen und Beton auftauchen, die den Wald planierten, um dort ein Einkaufszentrum zu bauen. Fortan wurde das Leben für die Füchse schlechter. Sie fanden nichts mehr zu fressen, der Fluss führte kein sauberes Wasser mehr, und mehr von ihnen wurden krank und starben. Fuchs 8 hatte die wilde Idee sich im Einkaufszentrum mal umzuschauen auf der Suche nach Nahrung, schließlich muss die Menschen dort ja irgendwas hinziehen, wenn der Parkplatz immer so voll ist. Fuchs 8 bricht mit seinem Kollegen Fuchs 7 also ins Einkaufszentrum auf, wo sie künstliche Steine, künstliche Felsen, aber zum Glück kein künstliches sondern richtiges Essen finden und seit langem mal wieder satt werden. Ein wenig orientierungslos kommen sie an einem anderen Ende des Einkaufszentrums heraus und verlieren sich, nachdem sie von bösen Menschen angegriffen wurden. Fuchs 8 versucht daraufhin seine Fuchsgruppe wiederzufinden, jedoch vergeblich. Dafür gelangt er in eine neue Gruppe und wird dort herzlich aufgenommen. Fuchs 8, der zwar ein nettes Fuchsmädchen gefunden hat und bald Nachwuchs erwartet, kommt aber über den Verlust seines Zuhauses nicht gänzlich hinweg. Da er aber kein Miesepeterpapa für seine Jungen sein möchte, überlegt er sich wie er seine Melancholie überwinden kann. Also schreibt er. Er schreibt an die Menschen und fragt, warum sie eigentlich so böse sind. Warum wir denn nicht alle friedlich nebeneinander existieren können.

Fuchs 8 schreibt dieses Buch, das ich also gerade gelesen habe, in einer Rechtschreibung an die Menschen, die an Erstklässlerversuche erinnert. Ein wirklich cleveres Stilmittel, das nicht nur die unbeholfene Sprache des Fuchses als Tier, welches die Menschensprache erlernt hat, darstellen soll, sondern durch die ungewohnte (falsche) Schreibweise der Wörter die ganze Aufmerksamkeit des Lesers einfordert. Es ist nur ein kurzes Buch, aber mehr braucht es auch gar nicht. Es ist wirklich toll und macht mich neugierig auf den Autor. Vielleicht erkunde ich mehr von ihm.

Veröffentlicht am 29.03.2023

Beengung wird in der Umarmung des Zusammenseins zu etwas Schönem

Augenblicke in Bernstein
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Yoko Okawa ist für mich Meisterin der Erzählung stiller Introvertiertheit. Fand ich "Der Herr der kleinen Vögel" durch die tiefe Bindung der beiden Brüder im Roman schon engumschlungen, so setzt "Augenblicke ...

Yoko Okawa ist für mich Meisterin der Erzählung stiller Introvertiertheit. Fand ich "Der Herr der kleinen Vögel" durch die tiefe Bindung der beiden Brüder im Roman schon engumschlungen, so setzt "Augenblicke in Bernstein" diesbezüglich ein neues Maß.

Nach dem Tod der jüngsten Schwester werden drei Geschwister von ihrer alleinerziehenden Mutter mit in die abgelegene Villa ihres geschiedenen Mannes genommen. Sie erhalten neue Namen; Opal, Bernstein und Achat. Aus Sicht des mittleren Kindes Bernstein wird die Geschichte geschildert. Die abergläubische Mutter, die einen Hund für den Tod ihres kleinen Mädchens verantwortlich macht, schärft den Kindern ein, die schützenden Mauern des Grundstückes nie zu verlassen, weil der böse Hund vor dem Tore schon warte. So wird das Aufwachsen der Kinder nur auf diesem abgesteckten Areal von Bernstein erzählt.

Die Verkleinerung ihres räumlichen Bewegungsfreiraums nehmen die Kinder ohne Missfallen hin. Sie begnügen sich mit dem, was ihnen zum Zeitvertreib auf dem Grundstück der Villa begegnet. Die Kleidung der Kinder verziert ihre Mutter mit kindlichen Applikationen; Mähne, Kaninchenpuschel oder Flügel wie eine Fee charakterisieren die Kinder.
Täglichen Unterricht erlebt jedes der Kinder für sich, indem sie sich mit selbst ausgesuchten Themen aus den Enzyklopädien ihres Vaters beschäftigen, der Verleger war und eine Auswahl verschiedener Lexika herausgebracht hat.
Die Wissensbücher sind mehr als reine Lerninstrumente. Für Bernstein werden sie zur Begegnung mit seiner kleinen Schwester, die er auf den Rändern der Seiten zu zeichnen beginnt. Die Begegnungen mit der verstorbenen Schwester werden für alle Familienmditglieder gewissermaßen real, und erst innerhalb der Mauern der Villa wieder möglich.
Für die Mutter, Opal und Achat ist die von Bernstein gezeichnete Schwester auf den Buchseiten nach wie vor das kleine Mädchen von früher. Im gewissen Maße altern auch die Geschwister nicht; ihre Kleidung wird ihnen im Laufe der Jahre zu klein, aber sie tragen sie weiterhin. Von der Mutter werden sie weiterhin behütet, obwohl sie täglich viel Zeit auf sich allein gestellt ist, wenn die Mutter arbeiten muss. Nur subtil erlebt der Leser wie die drei Edelsteinchen ihrer zugedachten Rolle als beschützenswerte Kinder entwachsen, wie beispielsweise als Opal ihr Krönchen, das sie zusätzlich zu ihren Flügelchen trägt, im Morast begräbt und fortan nicht mehr im Bett ihrer Brüder schläft, sondern in einem anderen Zimmer.
Die Welt jenseits ihrer Mauer lernen die Kinder nur durch das Studium der Enzyklopädien kennen, von sich aus haben sie keinen Ansporn die Villa zu verlassen. Doch die Außenwelt ist groß, als dass die Mauern ihr ewig standhalten könnten.

Wie hinterlässt einen ein Buch, in dem es so wenig Handlung, und doch so viele (innere) Begebenheiten gibt? Definitiv melancholisch. Die letzte Seite verlassend, fühle ich mich den Mauern, die ich nur lesend betreten habe, ein wenig entrissen. Es war eine wundervolle Leseerfahrung, die mich sehr nahe an meine erste Begegnung mit Ogawa geführt hat.
Ihr Schreibstil hat für mich einen Ausdruck, als ob man vorsichtig ein Küken anheben wolle ohne ihm weh zu tun. Ich schätze das Feine, das Unaufdringliche ihrer Schilderungen, die ohne große Abenteuer auskommen, um lesenswert zu sein.

Veröffentlicht am 29.03.2023

Ein famoses Bilderbuch für mein erwachsenes Herz!

Das Elfen-Bestimmungsbuch
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Das Elfen-Bestimmungsbuch mit zauberhaften Illustrationen von Benjamin Lacombe war schon lange Gegenstand meiner Sehnsucht. Kürzlich hatte ich die Gelegenheit es mir endlich zu kaufen!

Ein Biologe wird ...

Das Elfen-Bestimmungsbuch mit zauberhaften Illustrationen von Benjamin Lacombe war schon lange Gegenstand meiner Sehnsucht. Kürzlich hatte ich die Gelegenheit es mir endlich zu kaufen!

Ein Biologe wird im Auftrag Rasputins auf eine Mission entsandt Forschungen zu Heilpflanzen in einem legendenumwobenen Wald zu machen. Der Forscher, der für die Reise seine Frau und Tochter in Russland für einige Wochen zurückließ, trifft schon bald auf die kleinen Kreaturen des Waldes – nicht Pflanze, nicht Mensch, aber doch beidem ähnlich. Er tauft die neuentdeckten Lebewesen „Elfen“. Aus den Wochen werden fast zwei Jahre, die der Biologe sich in seinen Entdeckungen verliert.

Das Buch besteht nicht nur aus den Illustrationen der Elfen, sondern auch in hübsch aufgemachten Briefwechseln zwischen dem Forscher, seiner Frau und dem ungeduldigen Rasputin, dem es nach Ergebnissen giert.
Transparentpapiere verleihen dem Buch etwas Nebeliges, fast Mystisches; ausgestanzte Seiten mit filigranen Mustern geben dem Betrachter der Bilder den Eindruck sich mitten im Wald zu befinden und durch das Dickicht einen voyeuristischen Blick auf die scheuen Elfen zu erhaschen.
Wunderschön, und auch wenn es kostspieliger war als meine bisherigen Bilderbücher, so war es den Kauf auf jeden Fall wert!

Veröffentlicht am 29.03.2023

Kann man ohne viele Ansprüche zu stellen lesen, aber mehr auch nicht

Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse
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Charlotte erhält die Nachricht, dass eine Tante in London ihr eine Buchhandlung und das Haus, in dem diese untergebracht ist, vererbt hat. Charlotte hatte nie Kontakt zu Tante Sara und kann sich gar nicht ...

Charlotte erhält die Nachricht, dass eine Tante in London ihr eine Buchhandlung und das Haus, in dem diese untergebracht ist, vererbt hat. Charlotte hatte nie Kontakt zu Tante Sara und kann sich gar nicht denken, warum diese ausgerechnet ihr die Buchhandlung vermacht hat.
Charlotte, die ein Jahr zuvor ihren Mann verloren hat und immernoch trauert, reist von Schweden aus nach England, um sich ihrem Erbe anzunehmen.
In der Londoner Buchhandlung halten die Mitarbeiterinnen Martinique und Sam seit dem Tod ihrer Freundin und Arbeitgeberin Sara die Stellung. Während Martinique die neue Besitzerin freudig aufnimmt, reagiert Sam gereizt und ungeduldig auf die buchferne Charlotte. In Schweden führt Charlotte ein eigenes kleines Unternehmen und realisiert daher schnell, dass die Buchhandlung sich in den roten Zahlen befindet und kurz vor der Schließung steht. Direkt versucht sie Lösungspläne zu erarbeiten.
Im Haus wohnt auch noch William, ein Schriftsteller mit Schreibblockade, der viel Zeit in der Buchhandlung verbringt. Die Buchhandlung ist bis zu Saras Tod sowas wie eine kleine Familie für die Angestellten und die Menschen in der Umgebung gewesen, und Charlotte versucht nun mithilfe von Martinique, Sam und William den Buchladen zu halten.

Frida Skybäck hat eigentlich eine nette Geschichte geschrieben. Was mein Leseerlebnis gestört hat, war diese immense Anzahl an Nebenfiguren und Schauplätzen, wodurch die Seitenanzahl meines Erachtens ohne einen Mehrgewinn für die eigentliche Story erhöht wurde. Beispielsweise fand ich, dass die Vergangenheitsepisoden wesentlich kürzer hätten gefasst werden können, der Leser hätte auch ohne diese Breite die Dreiecksbeziehung gut erfasst. Auch hätte ich auf die Problematik zwischen Martinique und Teile ihrer Familie verzichten können, genauso wie auf die Anwohner mit ihren Mini-Problemen. Aber gut, Letztere waren wohl da, um irgendwie zu verdeutlichen, dass die Buchhandlung ein wichtiger Sozialisationsort für die Menschen der Umgebung ist...
Auch ahnte ich recht früh eine sich anbahnende Liebelei zwischen zwei Figuren, die ich ziemlich substanzlos und deshalb überflüssig fand. Insgesamt war mir vieles zu vorhersehbar, und ich habe dann nur noch stöhnend weitergelesen, bis meine Vorahnung endlich eingetreten ist. Es wirkte ein wenig als wolle Frida Skybäck ihre vielen Handlungsstränge in ein gewaltiges Happy End laufen lassen, um das Traurige zu überspielen. Weniger ist manchmal mehr, das ist mein Resümee zu diesem Buch.