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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.02.2023

83% Spannung, 17% Gänsehaut

Dark Call - Du wirst mich nicht finden
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Nachdem Mark Griffin bei einer Lesung im März 2019 in Frankfurt mit seinem Thriller anzufixen wusste, war es mir eine Wonne endlich sein Buch zu lesen. Innerhalb eines halben Wochenendes waren die 400 ...

Nachdem Mark Griffin bei einer Lesung im März 2019 in Frankfurt mit seinem Thriller anzufixen wusste, war es mir eine Wonne endlich sein Buch zu lesen. Innerhalb eines halben Wochenendes waren die 400 Seiten dann auch durchgerasselt, so hat mich seine Geschichte um Holly gefesselt.

Holly Wakefield ist eine junge Kriminalpsychologin, die am College Erstsemester unterrichtet. In ihrer Freizeit fröhnt sie einer morbiden Faszination für Serienmörder und sammelt Artefakte von ebenjenen wie Macheten, Galgenschlingen, Messer. Was man halt so sammelt, wenn man eine Affinität zu Serienkillern hat, nicht?
Von Detective Inspector Bishop wird sie im Falle eines grausamen Doppelmordes hinzugezogen und soll den Täter in einem Profil skizzieren. Fasziniert und gleichermaßen geschockt von den Taten des Mörders entwickelt sie die Ambition ihm auf die Spur zu kommen und dingfest zu machen, womit sie Bishop in nichts nachsteht. Die beiden kommen dem Mörder, dessen Inszenierungen der Morde bizarrer wird, immer näher, bis dann an Hollys Expertise gezweifelt wird. Ihre traurige Vergangenheit wird thematisiert und der Fall droht persönlich zu werden für die Kriminalpsychologin.
Im Laufe der Story entspinnen sich diverse lose Enden in Verbindung mit vielen Namen. Griffin greift diese jedoch allesamt bis zum Ende wieder schlüssig auf. Nach der Einleitung und der Einführung der Protagonisten nimmt die Geschichte richtig an Fahrt auf, und ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Es bleibt bis zur letzten Seite spannend, und am Ende überraschen Wahrheit und Offenbarung.
Der britische Originaltitel „When Darkness calls – Would you recognise a killer?“ transportiert meiner Meinung nach die Bedeutung der Story weitaus besser als die deutsche Übersetzung in „Dark Call – Du wirst mich nicht finden“. Jedoch muss ich zugeben, dass Harpercollins mit dem deutschen Cover alles richtig gemacht hat.

Ich bin sehr angetan von Mark Griffins erstem Werk, das ja den Auftakt seiner Holly-Wakefield-Reihe darstellt. Griffin hat einen interessanten Werdegang hinter sich, bevor er zum Schreiben kam; neben diversen TV-, Film- und Theaterauftritten stellte er in den 1990ern im britischen Format der „Gladiators“ (in Deutschland war nur die US-Ausgabe „American Gladiators“ bekannt) den Gladiator Trojan dar. Mit höchstem Interesse werde ich seine weiteren Veröffentlichungen verfolgen und hoffe sehr, dass auch Bishop weiterhin Bestandteil bleibt.

Veröffentlicht am 28.02.2023

Ausdrucksstark

Welle
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Ich habe dieses kleine Büchlein auf der ersten "069 Frankfurter Verlagsschau" gesehen, wo der 360° Verlag ebenfalls ausgestellt hat. Habe mich direkt in das Bilderbuch verliebt. Es kommt ganz ohne Text ...

Ich habe dieses kleine Büchlein auf der ersten "069 Frankfurter Verlagsschau" gesehen, wo der 360° Verlag ebenfalls ausgestellt hat. Habe mich direkt in das Bilderbuch verliebt. Es kommt ganz ohne Text aus, und wenn man bedenkt wie wenig Farbe in den Bildern vorkommt, ist es bemerkenswert, wie ausdrucksstark sie sind. Blau und schwarz auf weißem Hintergrund sind die einzigen Farben. Die Illustrationen sind aufs Wesentliche konzentriert und damit besonders kräftig in ihrer Darstellung. Ohne Worte kann man sich sehr offen über die Bilder unterhalten. Oder man macht es wie ich und genießt in einem ruhigen Moment einfach die Wirkung eines seiner schönsten Bilderbücher.

Veröffentlicht am 28.02.2023

Tiefer und tiefer geht es

Unter meinen Füßen
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Ausgeklappt ist dieser Leporello der ganz besonderen Art mit seinen 2,50 Metern Länge. Bereits das Cover hat es in sich: Glitzer- und Glanzelemente zusammen mit Prägung – ein wahrer Handschmeichler! Konnte ...

Ausgeklappt ist dieser Leporello der ganz besonderen Art mit seinen 2,50 Metern Länge. Bereits das Cover hat es in sich: Glitzer- und Glanzelemente zusammen mit Prägung – ein wahrer Handschmeichler! Konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Ich mochte auch sehr den Stil der Illustrationen.
Es geht immer tiefer und tiefer in das Erdreich. Vorbei an Gullydeckeln, dem Bau diverser Tiere, am Grundwasser vorbei bis hinunter zur U-Bahn in die tiefsten Schichten der Erde geht es, je weiter man das Leporello ausklappt. Total spannend für Kinder!

In die andere Richtung geht es mit Der weite Himmel über mir, aber das habe ich noch nicht gelesen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es ähnlich super ist. Finde beides aber eine supertolle Idee!

Veröffentlicht am 28.02.2023

FÜR DIE FREIHEIT!

Amy und die geheime Bibliothek
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Amys Lieblingsort ist die Schulbibliothek. Nicht nur, weil sie zu Hause nie einen ruhigen Moment für sich hat, weil ihre beiden Schwestern ständig nerven, sondern auch, weil sie total gerne liest.
Als ...

Amys Lieblingsort ist die Schulbibliothek. Nicht nur, weil sie zu Hause nie einen ruhigen Moment für sich hat, weil ihre beiden Schwestern ständig nerven, sondern auch, weil sie total gerne liest.
Als eines Tages ihr Lieblingsbuch aus der Bibliothek verschwunden ist, sagt ihr die Bibliothekarin, Mrs Jones, dass der Schulausschuss entschieden hat das Buch aus dem Regal zu nehmen, weil einige Eltern der Meinung sind, dass das Buch für ihre Kinder ungeeignet sind. Und immer mehr Bücher werden aus dem fadenscheinigen Grund der Pädagogik aus der Bibliothek entfernt. Eigentlich steckt nur eine einzige Mutter dahinter, diese hat die verbannten Bücher gar nicht mal gelesen, und andere Eltern folgen ihr blind.
Amy, die eigentlich ein stilles Mädchen ist, findet es unerhört, dass man ihr vorschreiben will, was sie lesen darf und was nicht. Das sollten nur ihre eigenen Eltern dürfen, nicht aber irgendwelche fremden Eltern, die gar keine Ahnung vom Inhalt der Bücher haben!

Eine Unterhaltung mit ihren Schulfreunden führt zutage, dass viele andere Kinder die verbannten Bücher kennen. Dieses Kind hat dieses Buch, jenes Kind hat jene Buchreihe. Es entwickelt sich ein wahnwitziger Tausch untereinander, denn auf das Verbot aufmerksam gemacht, wollen nun auch die ganz Lesemuffeligen wissen, was in den Büchern steht.
Amy entscheidet sich ihr Schulschließfach als Lager für die Bücher zu nutzen, die man jetzt in der Bibliothek nicht mehr leihen kann, und schon bald ist sie die Bibliothekarin der G.S.B., der „Geheimen Schließfachbibliothek“. Von ihrem Taschengeld kauft sie sich weitere der verbannten Bücher, andere Kinder spenden ebenfalls Exemplare, und als ein Autor einer aus der Schulbibliothek verbotenen Buchreihe einen Vortrag in der Schule hält, spendet dieser seine Buchreihe ohne genau zu wissen wofür, denn Amy und die Kinder müssen ihr Projekt geheimhalten. Sie entwickeln geniale Pläne ihre versteckte Bibliothek geheim zu halten, weiter aufzustocken und bauen ein richtiges Netzwerk auf. Amy selbst lernt durch ihr Vorhaben die Facetten kennen, die Mrs Jones als Bibliothekarin in ihrem Job ausmachen und wird selbst eine richtige kleine Bibliothekarin.

Dann aber wird die G.S.B. entdeckt und Amy wird dafür bestraft. Die anderen Schüler ermuntern sie dazu nicht aufzugeben und versichern ihr ihre Mithilfe. Amy will ihre zweite Chance nutzen den Schulausschuss davon zu überzeugen die verbannten Bücher wieder für alle Kinder zugänglich zu machen.

Eine Plädoyer für die Freiheit, verpackt Alan Gratz Missstände, wie sie aktuell wahrhaftig in den USA herrschen (er erwähnt dies im Nachwort), in eine wunderbare Geschichte und liebenswerte Charaktere. Gerade durch die Bücher sind erst die Kinder auf ihre Stärken aufmerksam geworden und haben sich weiterentwickelt. Mir hat es so gut gefallen, dass ich es ganz vielen Leuten weiterzuempfehlen gedenke!

Veröffentlicht am 28.02.2023

Großartiges Debüt der Autorin!

Emilia und der Junge aus dem Meer
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Die kleine Emilia, genannt Lämpchen, lebt mit ihrem Vater Augustus zusammen im Leuchtturm. Die beiden führen ein entbehrliches, einsames Leben. Dem Vater fehlt ein halbes Bein, darum geht seit Jahren schon ...

Die kleine Emilia, genannt Lämpchen, lebt mit ihrem Vater Augustus zusammen im Leuchtturm. Die beiden führen ein entbehrliches, einsames Leben. Dem Vater fehlt ein halbes Bein, darum geht seit Jahren schon Emilia abends hoch, zündet das Leuchtfeuer an und morgens hoch, um es zu löschen. Den beiden fehlt vor allen Dingen eine Mutter, die auch Emilia hieß, weshalb Lämpchen zu ihrem Spitznamen gekommen ist, denn der Verlust der Mutter für Lämpchen und der Frau für Augustus ist nach wie vor groß. Zwischen Vater und Tochter gibt es keine Zuneigung, dennoch weiß Lämpchen irgendwie, dass ihr Papa sie liebt, auch wenn er ihr das nie zeigt. Darum verliert das Mädchen sich auch häufig in Tagträumen.
So auch eines Tages, als sie sich unbedingt dran erinnern wollte, dass sie dringend noch Streichhölzer kaufen muss – sie hatte es vergessen. Aber das Licht im Leuchtturm muss immer brennen, und so macht sie sich während eines aufkommenden Sturms auf zum Krämerladen, um eine Packung Streichhölzer zu kaufen. Der Sturm entfaltet sich während der Diskussion der Krämersfrau, die für Lämpchen nicht erneut anschreiben will. Durch das Eingreifen des netten Krämers kommt sie dann doch endlich weg, aber draußen tobt der Sturm nun sehr. Lämpchen schafft es gerade so heil nach Hause, die Streichhölzer jedoch sind verloren. Und es kommt wie befürchtet: Das Licht im Turm bleibt aus und ein Schiff läuft auf den Felsen in der Bucht auf. Die Obrigkeiten machen Augustus für den Schaden verantwortlich und sperren ihn im Turm ein, damit er die Schulden abarbeitet. Lämpchen indessen wird in das gefürchtete Schwarze Haus geschickt, von dem Gerüchte besagen, dass ein Monster darin hausen soll.
Traurig lebt Lämpchen sich in dem schmuddeligen Haus ein bei Martha, die den Haushalt führt, ihrem Sohn Lennie und Nick, der sich um den Garten kümmert. Ihre Neugier treibt Lämpchen eines Tages ins Turmzimmer des Schwarzen Hauses, wo sie auf das leibhaftige Monster trifft: Einen Meerjungen. Er ist in einem bedauernswerten Zustand, weil die Bewohner des Hauses sich nicht zu ihm trauen. Edward, wie der Meerjunge heißt, stellt sich als der Sohn des Admirals vor, dem das Schwarze Haus gehört. Marthas Mann, der ihn vorher liebevoll versorgt hat, ihm Lesen und Schreiben, Geografie und vieles andere beigebracht hat, ist kurz vor Lämpchens Ankommen im Schwarzen Haus nämlich verstorben. Martha ist froh, dass Lämpchen von sich aus erklärt sich künftig um Edward, den sie zu seinem Ärgernis nur Fisch nennt, zu kümmern. Die beiden Kinder stellen fest, dass sie beide etwas gemeinsam haben, denn auch Edward hat die Mutter verloren. Die Lämpchen und Fisch werden Freunde.
Eines Tages kehrt von einer langen Seereise der Admiral nach Hause. Er bringt die neu entsandene Harmonie im Hause völlig durcheinander, was Entscheidungen nach sich zieht, die alle betreffen...

„Emilia und der Junge aus dem Meer“ war für mich wirklich eine tolle Geschichte. Es ist nicht nur eine Märchengeschichte, die an Hans Christian Andersens kleine Meerjungfrau denken lässt, sondern es sind ernste Themen in ihr verarbeitet. Unausgesprochene Liebe beherrscht viele der Charaktere, so dass sie zu einem einsamen Leben verdammt sind, weil sie sich nicht trauen ihre Zuneigung den Menschen zu bekunden, die sie innig lieben. Darum, anders zu sein, geht es. Lämpchen hat zwar eine herzliche Art, wird aber durch ihre Armut von den Dorfbewohnern ausgegrenzt und von ihrem Vater, der seinen Schmerz lieber im Schnaps ertränkt, wenig wahrgenommen; innerliche Zwiesprache mit ihrer Mutter offenbart dem Leser, wonach Lämpchen sich sehnt. Fisch wird durch den Willen seines Vaters einen normalen Jungen als Sohn zu haben, in eine Rolle gepresst, die ihn seinen meerischen Ursprung verleugnen lässt. Und Lennie, der Sohn der Haushälterin, wird durch seine geistige Zurückgebliebenheit, ständig unterschätzt, obwohl viel mehr in ihm steckt. Geselligkeit finden die Ausgestoßenen nur untereinander wie die „Freak-Show“ auf dem Jahrmarkt deutlich macht.

Ich kann mir gut vorstellen, dass gerade jüngere Leser (das Buch wird für eine Altersklasse ab 10 Jahren empfohlen) ein bisschen elterliche Begleitung gebrauchen könnten, weil es an manchen Stellen doch ein wenig melanchonisch macht. Aber auch ansonsten ist es eine sehr schöne Geschichte – und das nicht nur dadurch, dass die Rollenverteilung der Meerjungfrau einmal umgedreht wurde.
Ich hoffe, Annet Schaap schreibt auch weiterhin solche schönen Bücher! Ich werde die Autorin auf jeden Fall weiter verfolgen.