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Veröffentlicht am 14.06.2024

So hatten sie sich ihren Urlaub nicht vorgestellt

Das Baumhaus
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Henrik und Nora fahren mit ihrem fünfjährigen Sohn Fynn in Urlaub nach Schweden. Dort haben sie ein Ferienhaus mitten im Wald geerbt. Jahrelang war niemand dort gewesen und entsprechend heruntergekommen ...

Henrik und Nora fahren mit ihrem fünfjährigen Sohn Fynn in Urlaub nach Schweden. Dort haben sie ein Ferienhaus mitten im Wald geerbt. Jahrelang war niemand dort gewesen und entsprechend heruntergekommen ist es. Die Atmosphäre ist alles andere als idyllisch, zumal sich jemand Zutritt zu dem Haus verschafft haben muss, denn der Keller ist voller Tierskelette.
Henrik war in seiner Kindheit zuletzt dort, er erinnert sich an Abenteuer im Wald gemeinsam mit seinem Opa, der das Haus ursprünglich gekauft hatte. Bei Spaziergängen entdeckt er ein Baumhaus, das ungute, lang verdrängte Erinnerungen in ihm weckt. Als dann auch noch Fynn während eines Versteckspiels verschwindet, beginnt ein Albtraum.
In einem zweiten Handlungsstrang lernen wir Rosa kennen, die in ihre schwedische Heimat zurückgekehrt ist, um sich gemeinsam mit dem Vater um ihren Bruder zu kümmern, der seit einem Kletterunfall ein Pflegefall ist. Rosa interessiert sich beruflich für die Auswirkungen von verwesenden Tieren auf die Bäume in unmittelbarer Nähe. Als nun Fynn verschwunden ist und Rosa in der Gegend ein jahrzehntealtes Kinderskelett ausgräbt, bittet die Polizei sie um Mithilfe. Vielleicht erkennt sie im Wald Veränderungen, die auf weitere vergrabene Leichen hindeuten.
„Das Baumhaus“ ist ein ausgesprochen spannender und vielschichtiger Krimi, der mich teilweise an Vera Bucks Roman „Wolfskinder“ erinnert hat. Auch hier ist von „Spielen“ die Rede, wenn der Entführer seine Opfer quält. Was mir nicht gefallen hat, war ein weiterer Handlungsstrang um einen Stalker aus Noras Vergangenheit. Die Anhäufung von traumatischen Ereignissen in so kurzer Zeit war übertrieben und nicht glaubhaft. Insgesamt ist „Das Baumhaus“ aber ein spannender Psychothriller, der bis zuletzt mit Überraschungen aufwartet.

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Veröffentlicht am 10.06.2024

Es waren einmal zwei Schwestern und ein Bär...

Cascadia
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Die Schwestern Sam und Elena leben mit ihrer pflegebedürftigen Mutter auf einer kleinen Insel im Nordwesten der USA. Es gibt nur wenige Jobs in der Gegend und so arbeiten sie beide in schlechtbezahlten ...

Die Schwestern Sam und Elena leben mit ihrer pflegebedürftigen Mutter auf einer kleinen Insel im Nordwesten der USA. Es gibt nur wenige Jobs in der Gegend und so arbeiten sie beide in schlechtbezahlten Jobs in der Gastronomie und kommen mehr schlecht als recht über die Runden. Sam bedient verwöhnte Touristen in der Cafeteria einer Fähre. Auf dem Rückweg in den Hafen sieht sie eines Abends einen schwimmenden Bären und traut ihren Augen kaum, denn Bären sind in dieser Gegend normalerweise nicht heimisch.
Ein paar Tage später steht der riesige Bär direkt vor ihrem Haus. Die anfängliche Panik weicht bei Elena schnell einer Faszination für das Tier und sie beginnt ihn mit Essen anzulocken. Sam hat Angst vor dem Tier und seiner Wirkung auf die Schwester und kontaktiert die Behörden.
Ihr größter Wunsch ist es, endlich die Insel und ihr altes Leben hinter sich zu lassen. Schon vor Jahren haben die beiden Schwestern beschlossen, nach dem Tod der Mutter das Haus zu verkaufen und woanders gemeinsam ein neues Leben aufzubauen. Doch jetzt scheint es plötzlich, als ob Elena die Insel gar nicht mehr verlassen will. Sam fühlt sich verraten und die Dinge eskalieren.
„Cascadia“ weist einige Parallelen zu „Schneeweißchen und Rosenrot“, dem Märchen der Gebrüder Grimm, auf. Wie im Märchen versprechen sich die Mädchen, ewig zusammenzuhalten, sie pflegen ihre Mutter, wobei eine Schwester mehr Verantwortung übernimmt als die andere, die Schwestern begegnen einem Bären, der sich allerdings im Gegensatz zum Märchen nicht am Schluss in einen Prinzen verwandelt.
Ich bin ein bisschen gespalten, was diesen Roman anbelangt. Den Anfang fand ich fesselnd, doch dann kamen Passagen, die sich sehr in die Länge zogen und mir die Eintönigkeit von Sams Leben sehr deutlich machten. Sams Langeweile und ihr monotoner Alltag waren für mich regelrecht körperlich spürbar, falls das die Intention der Autorin war, ist ihr das gut gelungen. Andererseits gibt es dramatische Ereignisse, bei denen ich nur so durch die Seiten flog. Den Schluss, als Sam dann selbst die Analogie zum Grimmschen Märchen zieht, hätte ich allerdings nicht gebraucht.
Hervorherben möchte ich noch das wunderschöne Cover in ungewöhnlichen Farben. Der zartlila Horizont mit der angedeuteten Silhouette von hohen Bergen und die dunklen Bäume im Vordergrund erzeugen eine mystische Atmosphäre. Auch die hervorragende Übersetzung von Pociao und Roberto de Hollanda ist erwähnenswert. Ein lesenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 05.06.2024

Spannender Krimi mit schwachem Schluss

Wolfskinder
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Oberhalb des Dorfes Allmenen, hoch oben am Berg, liegt die Siedlung Jakobsleiter, in der die letzte Täufergemeinschaft Europas lebt. Die Bewohner werden misstrauisch beäugt, denn sie leben ohne Strom und ...

Oberhalb des Dorfes Allmenen, hoch oben am Berg, liegt die Siedlung Jakobsleiter, in der die letzte Täufergemeinschaft Europas lebt. Die Bewohner werden misstrauisch beäugt, denn sie leben ohne Strom und fließend Wasser und lehnen ärztliche Behandlung ab. Zwei Jugendliche aus Jakobsleiter, Rebecca und Jesse, besuchen die Schule in Allmenen, wo sie regelmäßig gemobbt werden.
Eines Tages verschwindet Rebecca. Sie ist kein Einzelfall. Immer wieder sind in den letzten Jahren junge Frauen und Mädchen verschwunden und nie wieder aufgetaucht. Kurz darauf wird auch die engagierte neue Lehrerin des Ortes, Frau Bender, vermisst. Eine junge Zeitungsvolontärin, deren beste Freundin ebenfalls vor 10 Jahren während einer Campingnacht in der Gegend spurlos verschwand, beginnt Archive zu wälzen und bringt mit ihrer Recherche eine Lawine ins Rollen.
Ich habe „Wolfskinder“ als Hörbuch gehört und fand es erstens sehr spannend und zweitens durch die verschiedenen Sprecher sehr gut gemacht. Über weite Teile hat mich das (Hör)Buch gefesselt. Was ich allerdings bei einem Krimi nicht verzeihen kann, ist, wenn ein super Krimi mit einem vollkommen absurden und nicht nachvollziehbaren Schluss endet, und das ist hier leider der Fall. Den Täter hätte ich vielleicht noch hingenommen, auch wenn sich mir seine angeblichen Motive nicht so recht erschließen, aber dass dieser von einer Person die ganzen Jahre gedeckt wird, ist vollkommen unglaubwürdig und hat mir leider den Krimi verdorben. Es kommt mir vor, als ob die Autorin nicht gewusst hätte, wie sie den Krimi beenden soll. Schade. Nichtsdestotrotz werde ich ihrem neuen Buch noch eine Chance geben.

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Veröffentlicht am 05.06.2024

Unsichtbar war gestern

Bonjour Agneta
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Das Leben der 49jährigen Agneta ist von Routine geprägt. Ihr Job ist eintönig, im Kollegenkreis fühlt sie sich als Außenseiterin. Ihr Mann Magnus ist davon besessen, jung und fit zu bleiben und entsprechend ...

Das Leben der 49jährigen Agneta ist von Routine geprägt. Ihr Job ist eintönig, im Kollegenkreis fühlt sie sich als Außenseiterin. Ihr Mann Magnus ist davon besessen, jung und fit zu bleiben und entsprechend sind seine Freizeitaktivitäten und Essgewohnheiten. Selbstverständlich erwartet er von seiner Frau, es ihm gleichzutun. Agneta fügt sich allem, isst brav kalten Haferbrei zum Frühstück, nur um sich danach heimlich ein verstecktes Frühstück mit Butter und Marmelade zu gönnen. Als sie eines Tages eine etwas kryptische Annonce in der Zeitung entdeckt, in der ein „älterer Junge“ in der Provence eine schwedischsprachige Person als Betreuung sucht, beschließt sie, einmal im Leben etwas Verrücktes zu wagen und bewirbt sich. Sie bekommt die Stelle und reist in die Provence, denn momentan hält sie nichts in Schweden, die Kinder sind aus dem Haus und ihrer Ehe kann eine Weile Abwesenheit nur guttun.
Allerdings stellt sich dann der ältere Junge als 80jähriger heraus, der zudem an Demenz leidet und in einem riesigen heruntergekommenen Kloster lebt. Nachdem sie den anfänglichen Schock überwunden hat, stellt sich Agneta den Herausforderungen, lernt die Nachbarn und die Umgebung kennen und entdeckt eine Seite an sich, die sie selbst überrascht.
Die Geschichte von „Bonjour Agneta“ wurde sicher schon oft so ähnlich erzählt, eine Frau in der Mitte ihres Lebens fragt sich, ob das schon alles gewesen sein soll und bricht aus, aber in diesem Buch erwarten die Leser doch einige Überraschungen. Der 80jährige Einar hat beispielsweise ein bewegtes Leben hinter sich, allerdings hätte ich eine dermaßen detaillierte Beschreibung seines Liebeslebens nicht unbedingt gebraucht.
Das humorvolle Buch hat mich sehr gut unterhalten und es hat mehr Tiefgang, als ich erwartet hätte.

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Veröffentlicht am 31.05.2024

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Der späte Ruhm der Mrs. Quinn
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Die 77jährige Jenny Quinn lebt ein beschauliches Leben in dem kleinen britischen Örtchen Kittlesham. Seit fast sechzig Jahren ist sie mit ihrem Ehemann Bernie verheiratet. Die beiden sind ein eingespieltes ...

Die 77jährige Jenny Quinn lebt ein beschauliches Leben in dem kleinen britischen Örtchen Kittlesham. Seit fast sechzig Jahren ist sie mit ihrem Ehemann Bernie verheiratet. Die beiden sind ein eingespieltes Team und gehen immer noch sehr liebevoll miteinander um.
Mit der Gesundheit des 82jährigen Bernie steht es nicht zum Besten und Jenny macht sich Sorgen um die Zukunft. Wer von ihnen beiden wird wohl als Erstes sterben und den anderen allein zurücklassen? Zu diesen Sorgen kommt der nagende Gedanke, nicht genug aus ihrem Leben gemacht zu haben.
Jennys größtes Hobby ist das Backen. Aus diesem Grund verfolgt sie auch mit Begeisterung die Fernsehshow „Das Backduell – Backen auf der Insel“. Einer plötzlichen Laune folgend, bewirbt sich Jenny als Kandidatin bei der Show und wird tatsächlich zum Casting eingeladen. Ihrem Mann sagt sie erst einmal nichts davon, sie weiß ja gar nicht, ob sie in die Endauswahl kommt. Doch dies ist nicht das einzige Geheimnis, das sie vor Bernie hat. Ein anderes, sehr viel größeres, lastet auf ihrer Seele, doch sie fürchtet, der Zeitpunkt, an dem sie ihren Mann hätte einweihen können, ist längst vorbei.
Obwohl dieses Buch eigentlich so gar nicht in mein Beuteschema passt, hat es mir wirklich großen Spaß gemacht. Die Personen sind authentisch und warmherzig beschrieben. Einen großen Teil des Romans nehmen Jennys Backkreationen ein und es ist faszinierend zu lesen, was es beim Backen alles zu beachten gibt und vor allem mit welcher Hingabe Jenny sich den kleinsten Details widmet. Dabei werden die einzelnen Rezepte mit Situationen in Jennys Leben verknüpft, die sie mit diesen Rezepten in Verbindung bringt. Gewundert habe ich mich allerdings über die riesigen Mengen an Backwaren, die Jenny täglich produziert, zumal sie nur selten Gäste haben und daher das meiste zu zweit vertilgen müssen.
Ich habe „Der späte Ruhm der Mrs. Quinn“ während eines verregneten Feiertagwochenendes gelesen und es war die perfekte Wohlfühllektüre. Dass das Ende ziemlich vorhersehbar ist, sei der Autorin verziehen. Ein anderes Ende hätte auch nicht zum Buch gepasst.

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