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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.12.2018

Langweilig und verworren

Hinterhalt
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Ich hatte mich sehr auf den zweiten Roman von Borge gefreut und bin leider sehr enttäuscht worden. Ein großer Teil des Buchs beschäftigt sich mit dem Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland ...

Ich hatte mich sehr auf den zweiten Roman von Borge gefreut und bin leider sehr enttäuscht worden. Ein großer Teil des Buchs beschäftigt sich mit dem Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland in den 1970er Jahren und damit, wie sie sich gegenseitig bei Anschlägen umbrachten. Borge wirft mit Namen nur so um sich, ich hatte bis zuletzt keine Ahnung, wer wer war. In der Jetztzeit erstarkt eine neu gegründete katholische Terrororganisation und Bogart Bull kommt ihnen in die Quere, woraufhin auch er aus dem Weg geräumt werden soll. Was sich noch einigermaßen interessant anhört, ist in Wirklichkeit verworren und langweilig und ich war froh, als ich endlich das Ende des Buchs erreicht hatte.

Veröffentlicht am 26.11.2018

Fünf sehr unterschiedliche Frauen

Als das Leben vor uns lag
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Die Zwillinge Olga und Marta, sowie Lolita, Nina und Julia besuchen in den 1950er Jahren eine strenge Klosterschule in Spanien. Abends spielen sie gern ein Spiel, „Wahrheit oder Pflicht“, bei dem sich ...

Die Zwillinge Olga und Marta, sowie Lolita, Nina und Julia besuchen in den 1950er Jahren eine strenge Klosterschule in Spanien. Abends spielen sie gern ein Spiel, „Wahrheit oder Pflicht“, bei dem sich die pummelige und von Minderwertigkeitskomplexen geplagte Olga Aufgaben einfallen lässt, die fast nicht zu bewältigen sind. Eines Abends geht alles schief und Julia muss die Schule verlassen.
30 Jahre lang haben die Mädchen keinen Kontakt, selbst die Zwillinge sind sich fremd. Dann hat Olga die Idee, ein Essen für alle zu geben, bei dem sie sich über die letzten Jahrzehnte austauschen können.
Schon im Vorfeld, aber vor allem bei dem Abendessen, erfährt der Leser viel über die einzelnen Personen, die vollkommen unterschiedliche Leben leben. Olga hat sich selbst neu erfunden, ist inzwischen schlank und modisch, außerdem gut verheiratet mit erwachsenen Kindern. Ihre Schwester Marta feiert als Kochbuchautorin Erfolge, Lolita hat erst spät geheiratet und ist inzwischen Witwe. Julia macht als erfolgreiche Politikerin Karriere und Nina definiert sich über ihren Sexappeal und ihre Liebhaber. Während zu Beginn des Abends jede noch versucht, sich möglichst erfolgreich und glücklich darzustellen, steigt mit dem Alkoholpegel auch die Ehrlichkeit und es kommt so manches ans Licht.
„Als das Leben vor uns lag“ ist ein Buch, das trotz einiger Längen gute Unterhaltung bietet, aber nicht zu den besten Büchern zählt, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Dafür ist es teilweise zu klischeehaft und oberflächlich. Die von Anfang an aufgebaute Spannung bezüglich des Abendessens läuft ins Leere. Meine diesbezüglichen Erwartungen wurden jedenfalls nicht erfüllt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 26.11.2018

Warnherziges Porträt eines Dorfes und seiner Bewohner

Mittagsstunde
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Im Mittelpunkt dieses großartigen (Hör)Buchs von Dörte Hansen steht der 48jährige Ingwer Feddersen mit seiner Familie. Geboren und aufgewachsen in dem kleinen nordfriesischen Dorf Brinkebüll, schafft er ...

Im Mittelpunkt dieses großartigen (Hör)Buchs von Dörte Hansen steht der 48jährige Ingwer Feddersen mit seiner Familie. Geboren und aufgewachsen in dem kleinen nordfriesischen Dorf Brinkebüll, schafft er es auf die Oberschule und promoviert später sogar in Kiel. Die Großeltern Ella und Sönke, die ihn aufgezogen haben, waren damals nicht glücklich darüber, lieber wäre es ihnen gewesen, der Junge hätte die Gastwirtschaft der Familie, den alten Dorfkrug, weitergeführt. Jetzt sind die Großeltern alt und brauchen Hilfe, woraufhin Ingwer sich ein Sabbatjahr nimmt und nach Brinkebüll zurückkehrt. Für ihn bietet sich dadurch die Gelegenheit, sein bisheriges Leben Revue passieren zu lassen und zu überlegen, wie er sich seine Zukunft vorstellt.

Die Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt, wir lernen das heutige Brinkebüll ebenso wie das Dorf, wie es in den 70er Jahren war, kennen. Vieles hat sich in der Zeit verändert. Die alten Dorfkastanien mussten weichen, die Landwirtschaft rentierte sich plötzlich nicht mehr, in der Stadt eröffnet ein Supermarkt und der von Dora Koopmann straff geführte Dorfladen (keine Selbstbedienung!) muss zumachen. Auf den alten Höfen ziehen junge Familien ein, die aus der Großstadt kommen, ihre Kinder „Fidel“ (nach ihrem Idol Fidel Castro) nennen und in Brinkebüll das Landleben zelebrieren, während die alten Brinkebüller ihre Einfahren zubetonieren und froh darüber sind, dass der Fortschritt auch ihr Dorf erreicht hat. Die Beschreibungen sind von Wehmut durchzogen, aber viele davon sind auch urkomisch. Dörte Hansen hat eine ganz besondere Begabung, Menschen und ihre Eigenheiten warmherzig und genau zu beschreiben, ohne dabei jemals verletzend zu sein. Es ist schön, dieses Dorf und seine knorrigen Bewohner so genau kennenzulernen. Am Ende des Buchs hatte ich das Gefühl, mich von guten alten Bekannten verabschieden zu müssen.

Mit „Altes Land“ hatte Dörte Hansen die Messlatte schon sehr hoch gelegt, „Mittagsstunde“ hat mir sogar noch besser gefallen. Es ist ein Buch der leisen Töne, im übrigen auch sehr gut gelesen von Hannelore Hoger, deren ruhige, fast schon eintönige Sprechweise mir zunächst nicht gefallen hat, dann habe ich aber festgestellt, dass sie die Nordfriesen sehr gut darstellt (nur ihr Singen ist ziemlich gewöhnungsbedürftig). Ich habe das (Hör)Buch sehr genossen und kann es nur empfehlen.

Veröffentlicht am 18.11.2018

Deutschland in den 1960er Jahren

Deutsches Haus
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Eva Bruhns, eine 24jährige Dolmetscherin für Polnisch, erhält den Auftrag, für einen Gerichtsprozess zu dolmetschen. Es handelt sich dabei nicht um irgendeinen Auftrag, sondern um den ersten Auschwitz-Prozess ...

Eva Bruhns, eine 24jährige Dolmetscherin für Polnisch, erhält den Auftrag, für einen Gerichtsprozess zu dolmetschen. Es handelt sich dabei nicht um irgendeinen Auftrag, sondern um den ersten Auschwitz-Prozess im Jahr 1963. Ihre Eltern, die ein gutbürgerliches Gasthaus betreiben, und Evas Verlobter, der reiche Unternehmersohn Jürgen Schoormann, wollen sie von dem Vorhaben abbringen, doch Eva lässt sich nicht beirren.
Im Laufe des Prozesses erfährt Eva vieles über die unmenschlichen Grausamkeiten, die sich in Auschwitz abgespielt haben. Sie kann nicht verstehen, warum Jürgen und ihre Eltern so wenig Interesse daran zeigen. Jürgen versucht sogar, den vorsitzenden Richter davon zu überzeugen, dass Evas „Nervenkostüm“ zu schwach ist, um diese Aufgabe auf Dauer erfüllen zu können.
Als Leser bekommt man einen guten Einblick in das Deutschland der 1960er Jahre, in dem das Veto eines Verlobten gereicht hat, um einer Frau den Job wegzunehmen!
Das Buch behandelt einen wichtigen und dunklen Teil der deutschen Geschichte, aber manches ist für mein Empfinden doch sehr schwarz-weiß dargestellt. Man bekommt den Eindruck, dass die Deutschen ein Volk von bigotten Mördern, Mitläufern und anderen Verbrechern und Denunzianten sind. Selbst Jürgen und Evas Familie haben Schuld auf sich geladen. Diese Nebenschauplätze haben mir im übrigen nicht gefallen, vor allem die Geschichte um Evas Schwester war völlig überflüssig und irrelevant. Auch den Handlungsstrang um den jungen Juristen David Miller fand ich viel zu ausschweifend. Überhaupt nicht nachvollziehen konnte ich manche von Evas Beweggründen, zum Beispiel blieb mir ein Rätsel, was sie an Jürgen fand, der abgesehen von seinem Reichtum so gar nichts zu bieten hatte. Auch ihr Verhalten den Eltern gegenüber konnte ich nicht verstehen.
Deutsches Haus ist sicherlich ein lesenswertes und gut recherchiertes Buch, wenn man sich mit der deutschen Geschichte auseinandersetzen will, doch mit den vielen Nebenschauplätzen hat sich die Autorin ein wenig verzettelt.

Veröffentlicht am 12.11.2018

Interessante Aspekte, aber nicht sonderlich spannend

Lenz (Ein Kommissar-Eschenbach-Krimi 6)
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Kommissar Eschbach kehrt nach einer Weile in den USA in die Schweiz zurück. Die Stimmung in seiner Dienststelle ist gedrückt und mit Ivy Köhler, die während seiner Abwesenheit seine Stelle besetzte, wird ...

Kommissar Eschbach kehrt nach einer Weile in den USA in die Schweiz zurück. Die Stimmung in seiner Dienststelle ist gedrückt und mit Ivy Köhler, die während seiner Abwesenheit seine Stelle besetzte, wird er nicht warm. Außerdem hat er das Gefühl, dass er aufs Abstellgleis geschoben werden soll.
Als sein alter Freund Lenz verschwindet und unter Terrorverdacht steht, muss Eschbach handeln. Außerdem gibt es einen seltsamen Todesfall. Ein kleinwüchsiger Wissenschaftler wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Die Wohnung ist vollkommen leergeräumt, es gibt keine Hinweise auf Verwandte und Freunde. Lenz und der Tote haben sich allerdings aus Studienzeiten gekannt. Hängt Lenz’ Verschwinden mit dem Tod des Wissenschaftlers zusammen?
Mir war nicht bewusst, dass es sich bei Lenz um eine Reihe handelt und ich empfand es als schwierig, die vielen Personen und deren Beziehungen untereinander auseinanderzuhalten und ihre Vorgeschichten zu verstehen. Den Einstieg in den Roman sowie den Schluss fand ich recht spannend, aber durch den Mittelteil habe ich mich gequält. Die Gedanken zum Krieg in Syrien waren interessant, die Überlegung, wie sehr die öffentliche Meinung von bewusst platzierten Fake News beeinflusst wird, erschreckend. Alles in allem ist Lenz für meine Begriffe eher ein mäßig spannender Roman als ein Kriminalroman. Dass einige der Begebenheiten wie etwa das Auftauchen einer lange Zeit verschollenen Goldmünze den Tatsachen entsprechen, war allerdings interessant.