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Veröffentlicht am 28.01.2024

Düsterer Thriller mit interessantem Setting

Das Nord
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Geheimnisse, Sex und Lügen auf der Speisekarte eines Sternerestaurants

Nach einem verhängnisvollen Unfall ist Alex deprimiert, allein und arbeitslos, sein Selbstwertgefühl ist zerstört, sein Leben dümpelt ...

Geheimnisse, Sex und Lügen auf der Speisekarte eines Sternerestaurants

Nach einem verhängnisvollen Unfall ist Alex deprimiert, allein und arbeitslos, sein Selbstwertgefühl ist zerstört, sein Leben dümpelt eher aussichtslos vor sich hin. Rosige Aussichten für die Zukunft? Fehlanzeige! Das ändert sich jedoch, als er völlig unerwartet ein lukratives Angebot erhält. Alex wittert eine Chance raus aus seinem Loch und zögert keine Sekunde. Es handelt sich um einen heiß begehrten Job als Commis de Cuisine, Küchenassistent, im weltberühmten Sternerestaurant NORD in Åre. Doch schon bald wird die Arbeit in der Restaurantküche durch ein Netz aus Lügen, Sex und Drohungen ersetzt. Alex zweifelt, ist unsicher, denn was er anfangs für einen glücklichen Schicksalsschlag hält, entpuppt sich immer mehr zu einem Albtraum ungeahnten Ausmaßes. Er ist ständig auf der Hut und hat Angst, dass jemand von seiner tragischen Vergangenheit erfährt und diese gegen ihn verwendet. Denn eine kollegiale Zusammenarbeit findet Alex hier seltener vor. Vielmehr ist er - wieder mal - auf sich allein gestellt. Ich konnte nachvollziehen, warum er alles und jeden in Frage gestellt und niemandem vertraut hat. Dann betritt auf einmal Alice, die hübsche und wohlhabende Besitzerin des NORD, die Küche und der naive Alex verfällt sofort ihren Reizen.

Der Schreibstil dieses düsteren Thrillers ist einnehmend, die Sprache rau und unverblümt. Zudem haben die Autorinnen mit dem Setting im kalten Norden Schwedens eine beklemmende Atmosphäre geschaffen, die für Gänsehaut sorgt. Man ist hin- und hergerissen zwischen Mitfiebern und Gruseln, steht entweder selbst am Herd und bereitet Köstlichkeiten zu oder rennt draußen in der Eiseskälte durch den Schnee. Der Schauplatz, in dem NORD spielt, ist die gehobene Restaurantwelt, und die Liebe der Autorinnen zum Kochen kommt deutlich zum Ausdruck. Trotz allem, was sich hinter den Kulissen abspielt, würde ich gerne im NORD zu Gast sein. Es ist so, dass man fast vergisst, dass dieses Luxusrestaurant nicht wirklich existiert.

Mit Alice, der Chefin des NORD, wurde eine geheimnisvolle Figur geschaffen, die mir im Verlauf der Geschichte zunehmend unsympathischer wurde und die den ziemlich naiven Alex mit ihren vermeintlichen Avancen immer mehr vereinnahmt hat. Erzählt wird die Handlung aus Sicht von Alex, und wir müssen miterleben, wie dieser in einen gefährlichen Strudel aus Intrigen und Machtspielchen gerät. Ich wollte ihn abwecheselnd retten, anschreien und in die Arme nehmen. Eine Achterbahn der Gefühle, weil ich völlig gefangen war in der toxischen Geschichte.

Auch wenn das Ende ruhig eingeleitet wurde und etwas vorhersehbar war, konnte es mich dennoch gut unterhalten. Einige vielversprechende Prämissen wurden nicht voll ausgeschöpft, zum Beispiel die Hintergrundgeschichte von Alex, bei der es sich größtenteils um eine Annäherung an die Figur handelt. Insgesamt war noch Luft nach oben, da mir jedoch die Plotidee und der Handlungsaufbau gefallen haben, ließ sich das (etwas spannungsarme) Ende gut verschmerzen.

DAS NORD ist ein (überwiegend) fesselnder Psychothriller, der in die dunklen Schattenseiten der Gourmet-Szene eintaucht und seine Leser in Atem hält. Er macht zudem die Verletzlichkeit deutlich, die schwer auf einsamen und traumatisierten Seelen lastet. Bedrohlich, packend und dabei unfassbar authentisch. Ich bin mir sicher, dass das Power-Duo Anna Winberg Sääf und Katarina Ekstedt mit DAS NORD die Thriller-Szene erobern wird.

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Veröffentlicht am 22.01.2024

Süchtig nach dieser Reihe!

Seven Days
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Der junge Afro-Amerikaner Andy soll seine Arbeitskollegin Skylar getötet haben. So zumindest lautet die Anklage des Staatsanwalts Randal Korn. Doch die Vorgeschichte von Korn macht Eddie Flynn auf den ...

Der junge Afro-Amerikaner Andy soll seine Arbeitskollegin Skylar getötet haben. So zumindest lautet die Anklage des Staatsanwalts Randal Korn. Doch die Vorgeschichte von Korn macht Eddie Flynn auf den Fall aufmerksam. Korn hat schon zu viele unschuldige Menschen auf dem elektrischen Stuhl hinrichten lassen. Aber nicht Andy – dafür will Flynn sorgen und lässt sich eine extra Lizenz ausstellen, die es ihm ermöglicht, in einem anderen County als Anwalt zu fungieren. Cooler Schachzug! Aber die Beweise sind erdrückend, dafür hat Korn gesorgt. Wer bereits einen Teil der beliebten Reihe gelesen hat, weiß jedoch: Flynn wäre nicht Flynn, wenn er nicht einen Ausweg finden würde, um Andy zu entlasten. Dabei bringt er nicht nur sich, sondern sein ganzes Team in Lebensgefahr. Und mich in völlige Eskalation! Was habe ich mich auf einen neuen Band gefreut. Zugegeben war auch etwas Angst mit dabei, ob mich der Autor diesmal enttäuschen bzw. nicht ganz abholen würde. Aber nö, Pustekuchen! Cavanagh kann’s einfach!

Ich habe fleißig alle Bände dieser Reihe verschlungen und dachte immer, dass ich bereits alle Facetten von Flynn kenne und er mich kaum noch überraschen kann. Falsch gedacht! Denn Flynn ist nicht nur ein Stehaufmännchen und Überlebenskünstler, er ist auch ein Mensch mit einem großen Herzen, der es nicht ertragen kann, wenn jemandem Unrecht getan wird. Deshalb nimmt er sich pro bono dem Fall von Andy an und zeigt wiedermal sein ganzes Talent. Dabei hat er diesmal volle Rückendeckung von Kate, Harry und Bloch – einem Team, dem er bedingungslos vertrauen kann. Ich wäre so gern ein Teil von ihnen!

Der Schreibstil von Cavanagh ist schonungslos, direkt und ohne Tamtam. Er greift die bedrückende Atmosphäre im Gerichtssaal auf und ich als Leserin hatte das Gefühl, gleich die Stecknadel fallen zu hören. Ich fühlte mich mittendrin – sei es auf der Anklagebank oder in den Reihen der Jury. Ich habe mit Andy mitgefiebert und bis zur Urteilsverkündung voller Faszination das anwaltliche Talent von Eddie und seinem Team mitverfolgt und bewundert.

Fazit: Große Liebe für Eddie Flynn! In diesem Teil hat der Autor sogar noch mal eine Schippe obendrauf gelegt und mich auf eine Art und Weise fasziniert, die nur schwer zu toppen ist. Bitte lass‘ diese Reihe niemals enden, lieber Steve! Ich bin nämlich total süchtig nach Flynn!

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Veröffentlicht am 06.01.2024

Spannend, aber stellenweise anstrengend

Die Vermisste
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Das Thema Mutterschaft zieht sich wie ein roter Faden durch die Bücher von Caroline Corcoran. Dieses Mal geht es um eine Mutter, die aus unerklärlichen Gründen ihr Neugeborenes zurücklässt und spurlos ...

Das Thema Mutterschaft zieht sich wie ein roter Faden durch die Bücher von Caroline Corcoran. Dieses Mal geht es um eine Mutter, die aus unerklärlichen Gründen ihr Neugeborenes zurücklässt und spurlos verschwindet. Was veranlasst die junge Frau dazu?

Hierzu gibt es viele Gedanken aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Unerwarteterweise gehört die von Romilly dazu – nach dem Lesen des Klappentextes bin ich davon ausgegangen, dass ihre Sicht der Dinge maximal spärlich einfließt. Auch ihr Ehemann kommt zur Sprache, und die Dritte im Bunde ist Romillys Freundin. Diese Abwechslung macht einiges an Spannung aus, denn nicht nur Freunde und Familie fragen sich, warum die frischgebackene Mutter einfach gegangen ist, sondern auch der Leser. Wie wir eingangs erfahren, ist Romilly auf der Suche nach einer Frau. Sie denkt immerhin an ihre kleine Familie, die sie zurückgelassen hat. Malt sich verschiedene Szenarien aus, zerdenkt jeden Gedanken. Ihre Sicht auf die Ereignisse fand ich sehr zermürbend.

Marcs Perspektive hingegen fand ich zunehmend spannender. Bei ihm stieg die anfängliche Verzweiflung zwischen den Seiten hervor wie ein feiner Nebel, wurde schwer und drückend, als sie sich in Panik und Angst verwandelte. Auch Wut schwingt mit, allerdings eher unterschwellig, denn Marcs Befürchtung, das Romilly an postpartaler Depression leidet, erhebt sie in seinen Augen fast zu einer Unschuldigen, die im Hormonrausch ihre Fähigkeit zum rationalen Handeln verloren hat. Das kommt natürlich vor, erschien mir in diesem Ausmaß allerdings unrealistisch. So kam es, dass ich Marcs Figur auch am meisten abgewinnen konnte, während Romilly immer blass blieb.

Fazit: Einerseits ein spannender Thriller, andererseits fand ich die oftmals kleinschrittig beschriebenen Gedankengänge der Charaktere anstrengend. Nichtsdestotrotz hat mich das Buch gut unterhalten und miträtseln lassen!

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Veröffentlicht am 28.12.2023

Rasante Verfolgungsjagd

Zero Days
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Jack und Gabe sind das perfekte Team. Zusammen arbeiten sie für ganz große Firmen, um Sicherheitslücken in deren Systemen zu finden. Bei Jacks' letztem Auftrag ist Gabe per Funk an ihrer Seite und unterstützt ...

Jack und Gabe sind das perfekte Team. Zusammen arbeiten sie für ganz große Firmen, um Sicherheitslücken in deren Systemen zu finden. Bei Jacks' letztem Auftrag ist Gabe per Funk an ihrer Seite und unterstützt sie. Kurz darauf wird sie von den Sicherheitsleuten geschnappt und verhaftet. Nach einem kurzen Verhör darf sie nach Hause und freut sich nur noch auf Gabe. Doch als sie das Haus betritt, merkt Jack sofort, dass nichts ist wie sonst. Und dann findet sie Gabe mit durchgeschnittener Kehle über seinem PC. Die hinzugerufene Polizei hat schnell einen Verdächtigen: Jack. Hals über Kopf flieht sie und hat nur ein Ziel: den wahren Mörder ihres Mannes zu finden.

Wow, einfach nur wow! Also Ruth Ware hat es - bis auf „Das Chalet“ - immer geschafft, mich zu begeistern, aber diesmal bin ich völlig aus dem Häuschen. Von Anfang bis Ende hat sie mich mit ihrem flüssigen Schreibstil an die Handlung gefesselt und mir den Atem geraubt. Ich habe es geliebt, Jack auf ihrer Flucht zu begleiten und mit ihr zusammen auf Mördersuche zu gehen.

Generell hat sie mit Jack eine unglaublich authentische Protagonistin geschaffen. Sie ist mutig, clever, schlagfertig und einfach nur sympathisch. Ich habe sie ganz schnell ins Herz geschlossen, sie bei ihrer Trauer um Gabe begleitet und ihr Rückendeckung auf ihrer Flucht gegeben. Ware hat dieser Protagonistin so viel Tiefe (und einen komischen Namen, hust) verliehen, dass ich emotional total von ihr abhängig war und am Ende auch etwas traurig, als das Buch zu Ende war.

Auch die Nebencharaktere sind hier sehr präzise und real ausgearbeitet. Die Geschichte wird in recht langen Kapiteln hauptsächlich aus der Sicht von Jack erzählt. Dabei wendet Ware einen ganz besonderen Schreibstil an, der den Leser nicht nur fesselt, sondern ihn die Handlung hautnah miterleben lässt. Sie greift die bedrückende Atmosphäre auf und präsentiert eine Story, die aufregender nicht sein könnte.

Im Schlussteil überschlagen sich die Ereignisse und bringen endlich die Auflösung hervor, der ich von Seite eins an entgegengefiebert habe. Zwar war ich erleichtert, dass Jacks Flucht nun endlich vorbei ist, aber auch traurig, denn dies bedeutete eben gleichzeitig das Ende des Buches. Ich hätte einfach ewig weiterlesen können.

Fazit: Hier hat mich Ruth Ware echt umgehauen. Eine rasante Verfolgungsjagd mit coolem Background in Richtung Computerszene machen dieses Buch zu einem echten Pageturner. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 21.12.2023

Einfallsreich und spannend

Minen der Macht
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"Minen der Macht - Der Formbrecher" ist der zweite Teil der Fantasy-Saga aus der Feder von fünf namhaften Autoren.

Die Minenstadt Grubenstedt besteht aus einem Schacht, der mehrere hundert Meter in die ...

"Minen der Macht - Der Formbrecher" ist der zweite Teil der Fantasy-Saga aus der Feder von fünf namhaften Autoren.

Die Minenstadt Grubenstedt besteht aus einem Schacht, der mehrere hundert Meter in die Tiefe reicht und verschiedene Ringe hat, beginnend mit dem ärmsten ganz unten und dem reichsten ganz oben. Dies ist im Buch auf einer Zeichnung gut erkennbar.

Die Bände sollte man jedoch in Reihenfolge lesen, da die Minenstadt und ihre Einwohner im ersten Teil ausführlicher beschrieben werden.

Einer der Hauptcharaktere, Hauptmann Gunter vom Adlerstein, konnte bereits im Reihenauftakt die seltsamen Morde mit Hilfe seiner neuen Freunde, die von sämtlichen Ringen zusammengewürfelt wurden, aufdecken. Auch dieses Mal muss er nach der Entdeckung einer grotesk entstellten Leiche auf deren Hilfe hoffen. Doch jeder hat so seine eigenen Probleme.

Zitat S. 112:
"Es gibt Wichtigeres als Gold." "Nur, wenn man welches hat." (...)
"Wenn man sich ständig Sorgen darüber machen muss, ob man als Teil einer Intrige hingerichtet wird, verlieren viele Dinge an Bedeutung. Und meine Familie durchlebt genau diese spezielle Sorge nun bereits zum dritten Mal."

Mir gefällt diese ausgeklügelte Fantasywelt der Minenstadt sehr gut. Die Rollenverteilung von Arm und Reich ist etwas überspitzt dargestellt, doch auch recht sinnbildlich.

Dass das Buch von fünf Autoren geschrieben wurde, ist nicht zu merken. Der Schreibstil ist flüssig und es hakt nirgends. Wenn man sich die Autoren genauer anschaut, sind es wohl eher Genre-Elemente, die da sehr erfolgreich von allen Beteiligten eingebracht und vermengt wurden.

Der magische Kriminalfall ist einfallsreich und spannend. Die Charaktere sind interessant und stellvertretend für jeden Ring in der Mine gänzlich verschieden. Dennoch wächst diese Gruppe immer mehr zusammen und kann letztlich die Bedrohung ausschalten - zumindest vorerst. Denn das Ende lässt den Leser erneut mit einigen offenen Fragen zurück.

Ich bin gespannt auf den dritten Teil!

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