Mehr Charakterstudie als Krimi
FamilienbandeBei diesem Buch ist der Klappentext leider etwas irreführend. Ich hatte einen Krimi erwartet, bei dem man einen Einblick in eine kaputte Familie erhält und nach einem Mord ausführliche Ermittlungen stattfinden.
Dies ...
Bei diesem Buch ist der Klappentext leider etwas irreführend. Ich hatte einen Krimi erwartet, bei dem man einen Einblick in eine kaputte Familie erhält und nach einem Mord ausführliche Ermittlungen stattfinden.
Dies war hier nicht der Fall, mindestens 80% des Buches konzentrieren sich auf die Erzählung der Familienbande, die Gefühle von Hauptcharakter Aksel zu seiner Schwester, seiner Mutter, dem verstorbenen Vater und generell seiner Sicht auf sein Leben. Dies ist durchaus sehr atmosphärisch und interessant, der Schreibstil vermittelt eine düstere Stimmung und Trostlosigkeit, die Beziehungen erlauben viele psychologische Betrachtungen. Auch fand ich einige Sachen sehr kreativ, wie Aksels Angewohnheit, gebrauchte Möbel zu kaufen, um etwas von den Vorbesitzern zu "übernehmen".
Gestört hat mich nur, dass es sich doch zu lange gezogen hat für das, was ich erwartet hatte. Nach der Hälfte des Buches ging mir Aksel und seine Art dann doch auf die Nerven und ich hätte mich über den angekündigten Mord zur Abwechslung gefreut, jedoch hat der Kriminalfall mit dem Kommissar nur einen kleinen Teil am Ende eingenommen.
Vom Aufbau her fand ich es ein wenig anstrengend, dass es keine Kapitel gab.
Insgesamt ein recht bedrückendes Buch, mit interessanten Charakteren, die man jedoch nur schwer mögen kann. Einen klassischen Krimi sollte man hier nicht erwarten.