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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.07.2026

Schwieriger Schreibstil

Der Sommer, der uns blieb
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Ich muss gestehen, die Gestaltung des Buches hat mich so begeistert, dass ich lediglich den Klappentext vor dem Kauf gelesen habe, was sich im Nachhinein wohl als Fehler herausstellte.
Zunächst muss ich ...

Ich muss gestehen, die Gestaltung des Buches hat mich so begeistert, dass ich lediglich den Klappentext vor dem Kauf gelesen habe, was sich im Nachhinein wohl als Fehler herausstellte.
Zunächst muss ich die Aufmachung jedoch nochmal loben, von Farbschnitt bis zum Hardcover und Page-Overlay passt hier alles schön zusammen.
Auch die Idee der Geschichte hat mir gefallen: Damals quasi unzertrennliche Kindheitsfreunde treffen sich nach 20 Jahren in ihrer Heimatstadt wieder, wo zurückgeblickt wird auf ihre Jugendzeit und damalige Geheimnisse und erste romantische Gefühle. Dazu kommt dann noch ein bunter Themenmix aus Corona, Familienbeziehungen, Erkrankungen, Affären, alternden Eltern...
Teilweise wurde mir das Drumherum schon fast zu viel, dafür tritt die Haupthandlung ewig auf der Stelle - es passiert nicht wirklich was, auch Spannung baut sich keine auf.
Die Atmosphäre ist dafür wiederum besser gelungen, auch wenn sich hier das für mich größte Problem teilweise doch einmischt: Der Schreibstil.
Dieser konnte mich so gar nicht begeistern und wirkte eher ein wenig altmodisch auf mich, obwohl ich altersmäßig jetzt nicht so weit von den Protagonisten weg bin. Zunächst werden oft Wörter benutzt, die unnatürlich wirken. Auch die Dialoge leiden unter diesem Mangel, es wirkt vermehrt nicht wie ein normales Gespräch, sondern eher wie Schauspieler, die eine Szene im Theater vortragen.
Die Beschreibungen sind teils schön, teils aber auch zu übertrieben, sowohl von der Menge her, als auch von der Flut von Vergleichen und Metaphern.
Trotz angenehmer kurzer Kapitel sorgte dies dafür, dass mein Lesefluss immer wieder gestört wurde.
Ich kann mir aber auch vorstellen, dass eine etwas ältere Zielgruppe diesen Stil sehr lieben wird, so waren diese Kalendersprüche vor den Kapiteln schon so gar nicht mein Geschmack.
Drei Perspektiven zu verwenden war wiederum eine schöne Idee, allerdings waren diese doch auch recht ähnlich geschrieben. Die Charakterisierung der Figuren hätte durchaus noch mehr in die Tiefe gehen können.
Insgesamt konnte mich der Inhalt leider nicht so begeistern wie das Äußere, trotzdem kann ich mir auch gut vorstellen, dass andere Leser*innen große Freude an diesem Buch finden werden.

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Veröffentlicht am 13.07.2026

Die Kraft der Elemente

The Sea Spinner (Wind Weaver 2)
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Endlich geht es weiter und der zweite Band fügt sich sowohl inhaltlich als auch optisch wunderbar an den Vorgänger an. Die Gestaltung passt perfekt zusammen und auch hier gibt es wieder schöne Illustrationen ...

Endlich geht es weiter und der zweite Band fügt sich sowohl inhaltlich als auch optisch wunderbar an den Vorgänger an. Die Gestaltung passt perfekt zusammen und auch hier gibt es wieder schöne Illustrationen und eine Karte von Anwyvn, die auch diesmal wieder nützlich war um die Handlung zu verfolgen.
Die Handlung startet mit den Folgen des Krieges, Caeldera besteht aus Ruinen, Penn ist emotional verschlossen und Rhya zwischen all dem verloren. Da kommt König Soren eigentlich ganz recht und an seiner Seite kann sowohl Rhya als auch der Leser die Welt des Wasserhofes und der Wassermagie kennenlernen.
Dieser Aspekt hat mir besonders gut gefallen, nicht nur die Geschichte geht weiter, sondern man lernt auch immer mehr von der Welt kennen, erkundet neue Orte und neue Magien. Nach und nach füllt sich so die Karte mit Erlebnissen und wird lebendiger, auch die Beschreibungen hierzu sind rundum gelungen.

Ein weiteres Highlight ist Rhyas Entwicklung, die sogar noch mehr im Fokus steht als die eigentliche Handlung und mir den Charakter sehr sympathisch gemacht hat. Dies geht allerdings auch mit eher langsameren Abschnitten einher, in denen nicht so viel passiert und wenig Spannung aufgebaut wird.
Statt viel Action wird den Charakteren und ihren Beziehungen mehr Raum gegeben, was ich allerdings überwiegend als positiv empfunden habe, besonders da mir der neue Fokus auf Soren gut gefallen hat.
Insgesamt eine gelungene Fortsetzung, die mich schon jetzt auf den nächsten Band hinfiebern lässt.

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Veröffentlicht am 06.07.2026

Einstieg in das Strafrecht

Feine Risse
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Wird in den Medien über eine Straftat oder die anschließende Gerichtsverhandlung berichtet, hat jeder schnell seine eigene Meinung dazu: Die eine Person erscheint eher unschuldig, bei der anderen ist die ...

Wird in den Medien über eine Straftat oder die anschließende Gerichtsverhandlung berichtet, hat jeder schnell seine eigene Meinung dazu: Die eine Person erscheint eher unschuldig, bei der anderen ist die Strafe viel zu gering, was macht der Richter da überhaupt und wie kann der Strafverteidiger so einen Fall übernehmen?
Als Professorin für Strafrecht übernimmt Elisa Hoven hier die schwierige Aufgabe, der breiten Masse die Antworten auf solche Fragen in unterhaltsamer Form ein wenig näher zu bringen.
Eine fiktionale Strafverteidigerin übernimmt verschiedenste Fälle, die in kurzen Kapiteln angenehm erzählt werden. Ebenso gibt es aber auch eine Art Rahmenhandlung, die in jedem Fall ein wenig fortgeführt wird und so das Ganze mehr zu einem Roman umwandelt.
Wer sich ein wenig mit Strafrecht oder True Crime auskennt, wird hier auch viele Klassiker und bekannte Kriminalfälle wiedererkennen, die allerdings nicht nacherzählt werden, sondern umgewandelt wurden bzw. als Inspiration dienen.
Aus diesem Grund fand ich viele "Auflösungen" daher wenig überraschend, hatte aber trotzdem noch viel Spaß daran, den Weg dorthin zu lesen.

Was mir besonders gut gefallen hat: Es ist nicht nur schön juristisch korrekt, sondern auch kleine Details des Strafrechts finden ihren Weg in die Geschichten. Wer sich dafür interessiert kann so noch etwas dazulernen, gleichzeitig stört es aber auch nicht den Lesefluss von Leser*innen, die nur am "Drumherum" interessiert sind.
Dazu wird man immer wieder eingeladen, aktiv mitzudenken und moralische Fragen im Kopf zu erörtern. Wo stößt das Recht an seine Grenzen, wo erscheint es vielleicht nicht mehr gerecht? Wie würde man selbst in manchen Situationen handeln? Und kann man die andere Perspektive nicht vielleicht doch verstehen?
Auch wenn mir nicht jeder Fall gleich gut gefallen hat, kann ich das Buch in seiner Gesamtheit doch nur wegen genau dieser Überlegungen sehr weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 01.07.2026

Ein Gemälde in Buchform

The Artist
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Im Jahre 1920 macht sich Joseph auf den langen Weg von England in die Provence. Sein Ziel: Ein Interview mit dem berühmten Maler Édouard Tartuffe, genannt Tata. Das Problem an der ganzen Sache ist nur, ...

Im Jahre 1920 macht sich Joseph auf den langen Weg von England in die Provence. Sein Ziel: Ein Interview mit dem berühmten Maler Édouard Tartuffe, genannt Tata. Das Problem an der ganzen Sache ist nur, dass dieser so gar keine Lust auf all die Fragen in seiner stillen Zurückgezogenheit hat und stattdessen Joseph kurzerhand zum Modell für sein neues Bild auserwählt. Und dann ist da auch noch Tatas Nichte Ettie, die sich um den Haushalt kümmert und noch so einiges mehr verbirgt...
Der Einstieg in die Geschichte fiel mir ein wenig schwer, hauptsächlich da sehr viel Wert auf die Atmosphäre gelegt wird und die Handlung dagegen eher langsam und ruhig voranschreitet.
Dafür ist diese Atmosphäre aber außerordentlich gut gelungen und passt auch perfekt zu den aktuell heißen Sommertagen: Man fühlt sich selbst wie in der Provence, erkundet die verschiedenen Räume des Bauernhauses, sitzt mit im Atelier.
Man ist dabei, während ein Gemälde entsteht und immer neue Ideen gefunden werden, was ich als schönen und interessanten Einblick in die Welt eines Malers empfand.
Generell hat der Schreibstil auch schön zum Thema gepasst, ein wenig poetisch passend zur künstlerischen Stimmung.
Unter diesem Gesichtspunkt ist auch das langsame Tempo eigentlich eine gute Wahl, für mich hat es sich aber dann teilweise doch ein wenig gezogen.
Die Handlung auf drei Hauptcharaktere zu beschränken und die Perspektiven von Ettie und Joseph zu verfolgen hat mir wiederum gut gefallen, besonders Ettie ist mir immer mehr ans Herz gewachsen.
Die in diesem Zusammenhang behandelten Themen wie die Rolle der Frau und der Kampf um Anerkennung und Selbstbestimmung sind auch hundert Jahre später oft noch aktuell und wurden hier dezent, aber eindrücklich eingebaut.
Insgesamt kein Buch für schnelle, spannende Lesestunden, aber dafür ein stimmungsvolles Erlebnis für die Sommertage.

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Veröffentlicht am 30.06.2026

Raus aufs Land und aus dem alten Leben

Statt aus dem Fenster zu schauen
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Es gibt vieles, das man so macht, wenn man sich auf der Arbeit langweilt, doch spontan eine Hausruine am anderen Ende von Deutschland kaufen gehört wohl bei den allerwenigsten Leuten dazu.
Sophie sieht ...

Es gibt vieles, das man so macht, wenn man sich auf der Arbeit langweilt, doch spontan eine Hausruine am anderen Ende von Deutschland kaufen gehört wohl bei den allerwenigsten Leuten dazu.
Sophie sieht das anders, strandet dann aber zunächst in ihrem neuen Leben am Ende der Welt, bevor sie sich nach und nach an die Renovierungen und den Neustart wagt.
Vorweg soll gesagt sein: Dieses Buch ist langsam und entschleunigt, es gibt keine große Spannung, man verfolgt gemütlich Sophies Weg.
Für mich war es daher optimal, um immer wieder zwischendurch mal ein paar Seiten zu lesen, jedoch nichts, was ich am Stück verschlungen hätte.
Auch ist die Handlung sehr auf Sophie fokussiert, man wohnt in ihrem Kopf und in ihrem neuen Haus, verfolgt all ihre Zweifel, Ängste und spontanen Einfälle.
Mir persönlich hat ihr Charakter ganz gut gefallen, sie kam authentisch rüber und ich mochte ihren Humor. Von daher fiel es mir leicht, mich auf ihre Reise einzulassen und mitzufiebern, wie sie sich ihr neues Leben und das Haus aufbaut.
Dieser Weg war allerdings leider öfters doch etwas unrealistisch, so würde es in einigen Punkten in echt eher nicht ablaufen. Auch wenn es dem Fortschritt der Handlung dient, hat es mich manchmal doch etwas gestört.
Schön waren hingegen die Beschreibungen des ganzen Lebens auf dem Land, inklusive süßer Hühner.
Immer wieder lädt die Geschichte auch dazu ein, selbst einmal über sein eigenes Leben nachzudenken, ohne jedoch zu aufdringlich dabei zu sein.
Insgesamt daher ein schönes, ruhiges Buch, das perfekt zu entspannten Sommertagen passt.

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