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Veröffentlicht am 10.09.2024

Leben im Wandel

Verlassene Nester
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"Verlassene Nester" fühlt sich ein wenig wie ein Dokumentarfilm an: Wenige Jahre nach der Wende wirft man einen Blick in eine kleine Stadt in der ehemaligen DDR, lernt das Leben dort kennen und begleitet ...

"Verlassene Nester" fühlt sich ein wenig wie ein Dokumentarfilm an: Wenige Jahre nach der Wende wirft man einen Blick in eine kleine Stadt in der ehemaligen DDR, lernt das Leben dort kennen und begleitet einige Einwohner auf besondere Art. Die dreizehnjährige Pilly steht hier im Mittelpunkt, aber auch ihr Vater, die Tanten und Freunde rücken immer wieder mal in den Fokus.
Besonderen Eindruck hinterlässt die Sprachgewalt, der Schreibstil wirkt sehr poetisch, die Symbolik ist gelungen und immer wieder entdeckt man schöne Wortschöpfungen und Formulierungen. Auch die Beschreibungen sind ansprechend, man fühlt sich leicht in die damalige Zeit und diese Stadt versetzt. Dies stellt jedoch gleichzeitig auch einen Kritikpunkt dar: Oft sind es zu viele beschreibende Abschnitte auf einmal, statt Handlung oder zwischenmenschlichen Interaktionen wird nur Atmosphäre geschaffen, was sich teilweise doch ziehen kann. Eine Kürzung hier hätte die tollen Beschreibungen eher glänzen lassen.

Ich habe dieses Buch im Rahmen einer Leserunde gelesen und dadurch viele zusätzliche Erfahrungsberichte und Hintergrundwissen erhalten, sodass ich das Buch und dessen Kontext besser verstehen konnte. Meiner Einschätzung nach würde ich ohne dieses Wissen über das Leben in der DDR vermutlich einen Stern weniger vergeben, da doch einige unbekannte Begriffe und Lebensumstände vorkommen.

Handlungsmäßig passiert nichts "Großes", viel mehr schaut man einigen Bewohnern in den Sommerferien zu, wie Pilly bei der Entdeckung ihrer Sexualität und ersten Gefühlen oder ihrer Tante beim Versuch, die Leerstelle der verschwundenen Mutter zu füllen. Auch wenn dies nicht im klassischen Sinne spannend ist, übte die Geschichte doch eine Art Sog auf mich aus und ich wollte weiterlesen. Ich kann mir jedoch auch vorstellen, dass es für manche Menschen etwas langweilig sein kann. Auch bleiben einige Fragen offen oder werden der eigenen Interpretation überlassen. Empfehlen kann ich dieses Buch zusammengefasst denjenigen, für die nicht alles geklärt sein muss und die sich gerne in atmosphärischen Beschreibungen verlieren.

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Veröffentlicht am 09.09.2024

All unsere Alltagslügen

Scandor
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Wie oft antwortet man mit "Gut" auf "Wie gehts dir?", wie oft sagt man aus Reflex "Tut mir Leid"? Der technisch hochentwickelte Lügendetektor bestraft solche kleinen Alltagslügen, die man nicht mal wirklich ...

Wie oft antwortet man mit "Gut" auf "Wie gehts dir?", wie oft sagt man aus Reflex "Tut mir Leid"? Der technisch hochentwickelte Lügendetektor bestraft solche kleinen Alltagslügen, die man nicht mal wirklich als Lügen wahrnimmt, sofort, nämlich mit dem Rauswurf aus dem Spiel um 5 Millionen Euro. 100 Teilnehmer treten gegeneinander an, nur einer kann gewinnen und zahlreiche Challenges und schwierige Situationen überstehen.

Erzählt wird die Geschichte dieses Wettbewerbs abwechselnd aus der Sicht von Tessa und Philipp, was mir stilistisch sehr gut gefallen hat. Man bekommt so mit, wie beide mit den Herausforderungen umgehen und ihre eigenen Lösungen finden. Auch erhält man zwischendurch immer wieder Einblicke in die Fehler der anderen Teilnehmer, was einem gut vor Augen führt, wie schnell man eigentlich lügen kann. Schnell verfällt man als Leser auch in eine vorsichtige Haltung, man hinterfragt sein eigenes Alltagsverhalten und liest das Buch mit einer angenehmen Anspannung. Typisch für Poznanski werden auch schon früh kleine Hinweise gestreut, dass nicht alles so ist, wie es scheint. Dies sorgt dafür, dass man als Leser super miträtseln kann, man fragt sich permanent "Was steckt dahinter? Was bedeutet dieser Hinweis?".
Hat man einmal angefangen, fällt es auch schwer wieder aufzuhören, man will wissen, was die Auflösung ist.
Ab und zu ziehen sich dagegen kleinere Szenen etwas in die Länge, aber im Großen und Ganzen hat dies meinem Lesespaß nicht geschadet.

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Veröffentlicht am 09.09.2024

Entspannter Ausflug aufs Land

Midsummer House
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Wie schön ist es, durch Bücher auf Reisen gehen zu können, auch wenn man selbst gerade keinen Urlaub hat. Midsummer House nimmt den Leser mit in die schottischen Highlands, in ein kleines Dorf voller idyllischer ...

Wie schön ist es, durch Bücher auf Reisen gehen zu können, auch wenn man selbst gerade keinen Urlaub hat. Midsummer House nimmt den Leser mit in die schottischen Highlands, in ein kleines Dorf voller idyllischer Ferienhäuschen, einladenden Hofläden, eigenwilliger Ziegen und köstlichem Gebäck.
Dieses Buch ist bereits der dritte Band, kann aber unabhängig gelesen werden. Für mich war es der Erste, daher hatte ich noch keine Beziehung zu vielen Dorfbewohnern, die man vermutlich schon aus den anderen Büchern kennt. An manchen Stellen waren es daher ein paar viele neue Namen und Beziehungen - an sich war es trotzdem gut verständlich, aber es fehlte halt diese Art "Wiedersehensfreude".

Es ist zusammengefasst ein super gemütliches Buch - eine große Handlung wird man hier nicht finden, stattdessen ganz viele Cozy Vibes, Beschreibungen vom Leben auf dem Lande und zwischenmenschliche Beziehungen. Das Midsummer House und dessen Eigentümerin zwingt Charlotte und Rob aus ihren Komfortzonen heraus und bringt sie dazu darüber nachzudenken, was ihnen im Leben eigentlich wirklich wichtig ist.
Der Schreibstil ist locker leicht und man kann es gut am Stück lesen. Ich persönlich hätte mir vielleicht noch ein spannendes Ereignis in der Geschichte gewünscht und ein paar mehr (romantische) Szenen zwischen Charlotte und Rob, das kam manchmal ein wenig zu kurz, so gerne ich auch dem Alltag im Dorf gefolgt bin.
Am Ende nimmt man ein wohliges Gefühl mit aus der Geschichte und auch ein paar dort in die Tat umgesetzte Kalenderweisheiten für das eigene Leben.

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Veröffentlicht am 04.09.2024

Tagebuch des Misstrauens

Kleine Monster
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Während ich zu Beginn nur ein Buch über den Umgang mit schwierigen Kindern erwartete, entwickelte es sich schnell zu einem Einblick in die Seele der Ich-Erzählerin Pia. Als Mutter des in der Schule auffällig ...

Während ich zu Beginn nur ein Buch über den Umgang mit schwierigen Kindern erwartete, entwickelte es sich schnell zu einem Einblick in die Seele der Ich-Erzählerin Pia. Als Mutter des in der Schule auffällig gewordenen siebenjährigen Luca kämpft sie mit dem Schweigen ihres Kindes und in der Folge mit ihren eigenen Dämonen.
Um dies effektiv darzustellen spielt die Geschichte in zwei Zeitebenen: Immer wieder berichtet sie aus der Zeit, als sie selbst noch ein Kind war und durch tragische Umstände ihre kleine Schwester verlor. Dieser Aufbau hat mir besonders gut gefallen, nach und nach erfährt man als Leser mehr Details über ihre Vergangenheit und sammelt Puzzlestücke, die ihr heutiges Verhalten erklären könnten.

Ebenso bin ich ein großer Fan des Schreibstils: Pia erzählt alles so, wie sie es wahrnimmt und interpretiert, sodass man als Leser irgendwann selber anfängt, ihren Worten zu misstrauen. Ist das, was man liest, überhaupt die "Wahrheit"? Lind versteht es, meisterhaft Atmosphären zu schaffen, angepasst an den mentalen Zustand von Pia. Ist sie positiv gestimmt, wirkt auch der Text leichter; wird sie zum Opfer ihres eigenen Misstrauens, fühlt man sich als Leser wie in einem Psychothriller, teilweise sogar mit einem leichten Horrorgefühl.

Falls man zu diesem Buch greift, weil man ähnlich wie in einem Krimi die Auflösung um den anfänglichen "Fall" rund um den Sohn erwartet, wird man hier möglicherweise jedoch enttäuscht werden. Das Buch lässt einiges offen bzw. erlaubt die eigene Interpretation des Geschehenen - wir kriegen nur Pias Sicht, aber trauen wir ihr? Oder den Personen in ihrem Leben?
Mir hat es sehr gut gefallen, zwischen den Zeilen lesen zu müssen und herauszufinden, inwiefern uns Kindheitstraumata noch unser Leben lang beeinflussen und begleiten können.

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Veröffentlicht am 02.09.2024

Wahrheitssuche über 30 Jahre

All das Böse, das wir tun
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In diesem spannnenden Thriller wird der Leser nach Italien entführt, in die Welt der Polizei, Rechtsanwälte und unabhängigen Antihelden.
Dies bedarf einer kurzen Eingewöhnung, da man erstmal mit den italienischen ...

In diesem spannnenden Thriller wird der Leser nach Italien entführt, in die Welt der Polizei, Rechtsanwälte und unabhängigen Antihelden.
Dies bedarf einer kurzen Eingewöhnung, da man erstmal mit den italienischen Berufsbezeichnungen, Begriffen und Systemen vertraut werden muss.
Der Fall startet mit der Entführung der jungen Amala, deren Perspektive man im Laufe des Buches immer wieder verfolgen kann, was ich sehr spannend fand. Schnell kommt der Verdacht auf, dass vielleicht ein Zusammenhang zu einem Serienkiller vor 30 jahren besteht - aber wie?

Um dieses Rätsel zu lösen, springt die Erzählung zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her: Vor 30 Jahren ermittelt die Polizistin Itala, in der heutigen Zeit die Anwältin Francesca mit ungewollter Hilfe des mysteriösen Gerry. Zu Beginn fand ich es etwas verwirrend, die Zusammenhänge waren nicht so klar und gerade in Italas Teil werden sehr viele Charaktere eingeführt, die ich mir teilweise auch bis zum Ende nicht genau merken konnte. Itala selbst war mir auch zuerst unsympathisch, jedoch hat sich dies im Laufe der Geschichte gebessert. Gerry hingegen mochte ich schnell, auf seine ganz eigene, spezielle Art. Von ihm hoffe ich auch in Zukunft noch mehr zu lesen.

Der Schreibstil vermittelt gut die Spannung, jedoch gab es auch ein paar kleine Stellen, die sich gezogen haben. Von dem ganzen Polizei-Korruptions-Plot war ich bis zum Ende hin kein großer Fan, auch wenn er relevant für die Haupthandlung war. Insgesamt wurde ich aber gut unterhalten und auch öfters sogar mal überrascht.

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