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Veröffentlicht am 02.09.2024

Vom Vermissen

Blue Sisters
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"Ich vermisse sie so", sagte sie. " Und warte darauf, dass dieses Gefühl aufhört, weil bisher jedes Gefühl, egal wie intensiv, irgendwann aufgehört hat. Aber das Vermissen nimmt kein Ende. Mein ...

"Ich vermisse sie so", sagte sie. " Und warte darauf, dass dieses Gefühl aufhört, weil bisher jedes Gefühl, egal wie intensiv, irgendwann aufgehört hat. Aber das Vermissen nimmt kein Ende. Mein Leben hat sich aufgeteilt in ein Davor und ein Danach... Und ein Teil von mir ist froh darüber, dass es nie aufhört, weil es das letzte ist, was mich noch mit ihr verbindet."
Wir begegnen vier Schwestern, Avery, Bonnie, Nicky und Lucky Blue, doch nach Nickys tragischem Tod sind sie nur noch zu dritt. Und an Nickys erstem Todestag wird mehr als deutlich, dass die verbliebenen Schwestern, egal wie erfolgreich ihre Leben nach außen scheinen, auf ihre ganz eigene Art verloren sind. Doch kann, wer verloren ist, immer auch gefunden werden?

Cocos Mellors zeichnet eindringliche Protagonistinnen, die man gleichzeitig mögen und gelegentlich schütteln möchte. Anwältin Avery, die mit dem Kinderwunsch ihrer Frau ringt. Boxerin Bonnie, die nach Nickys Tod ihre Weltkarriere in den Sand gesetzt hat. Model Lucky, die sich nur mit Drogenexzessen über Wasser halten kann. Süchte und dysfunktionale Familienbande sind große Themen, dir weite Teile der Handlung tragen und einige brillante Szenen liefern, die ich nicht so schnell vergessen werde. Es spricht sehr für das Buch, dass ich von vielem gern noch viel mehr gehabt hätte: Szenen mit den Eltern, Rückblicke aus Nickys Sicht und Details zu ihrem Leben und Tod. Gerade zum Ende hin eilte die Handlung dahin. Die Autorin hat sich, beeinflusst durch ihr eigenes Leben, für einen Abschluss entschieden, der sich in seiner Zuckersüße für mich zu stark von der harten Realität des übrigen Buches unterschied. Das kostet diese herausragende Geschichte leider einen kleinen Abzug.

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Veröffentlicht am 18.08.2024

Wenn die Handlung aus den Fugen gerät

Long Live Evil
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"Ich mag viele Leute, aber keine Protagonisten. Du weißt doch ganz genau, wo das hinführt. Rasante Verfolgungsjagden, epische Reden, einstürzende Gebäude. Qualen und Verrat. Vielleicht sogar ...

"Ich mag viele Leute, aber keine Protagonisten. Du weißt doch ganz genau, wo das hinführt. Rasante Verfolgungsjagden, epische Reden, einstürzende Gebäude. Qualen und Verrat. Vielleicht sogar noch ein Drache. Nein, danke! Ich habe keine Lust, gegen einen Drachen zu kämpfen."

Rae liegt todkrank im Krankenhaus, als ihr eine Fremde ein ungewöhnliches Angebot macht: Wenn Rae in die Fantasy-Welt der Lieblingsbuchreihe ihrer kleinen Schwester überwechselt, könnte die Blume von Leben und Tod sie heilen! Und tatsächlich findet sich Rae dort wieder, aber nicht als Heldin, sondern in der Rolle einer Schurkin, die am nächsten Tag sterben soll. Rae muss nun doppelt alles daran setzen, sich zu retten. Aber schließlich sind es die Schurken, die die Handlung vorantreiben...

"Sie hatte schon öfter gehört, dass Leute fragten: Kommen in Ihren Büchern echte Menschen vor? Allerdings hätte Rae nie gedacht, dass es ernst gemeint sein könnte."

Wenn echte Menschen in Bücher reisen, gerät die Handlung ordentlich durcheinander. Es hat mir großen Spaß gemacht, wie Sarah Rees Brennan Tropes bewusst übertreibt, Rae darüber philosophieren lässt, ob auch Nebenfiguren gutaussehend sein können oder ob sie dadurch später automatisch zu Protagonisten werden und andere literarische Anspielungen formuliert. Dass die Autorin selbst lebensbedrohlich erkrankt war und ihre Erfahrungen in die Raes einfließen lässt, verleiht dem Buch eine authentische Tiefe.

Endlich wieder ein absolut gelungener, ungewöhnlicher Fantasyroman, auf dessen Fortsetzung ich mich ungemein freue.

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Veröffentlicht am 17.08.2024

Sündenspiegel

Empire of Sins and Souls 1 - Das verratene Herz
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Wo bin ich hier eigentlich? Das habe ich mich während des mit "Zuvor" betitelten Teils so manches Mal gefragt. Die Adrasteau genannte Republik weist Anklänge ans historische Frankreich auf, aber ...

Wo bin ich hier eigentlich? Das habe ich mich während des mit "Zuvor" betitelten Teils so manches Mal gefragt. Die Adrasteau genannte Republik weist Anklänge ans historische Frankreich auf, aber das Worldbuilding bleibt vor allem dort so vage, dass ich fast überrascht war, als Protagonistin Zoe später erklärt, sie sehne sich zurück nach der Erde.

Dieser Teil, an dessen Ende Zoe gerade nicht im Zielort der Handlung, Xanthia, landet, zieht sich überraschend lange hin. Und dann ist sie auf einmal doch dort, in einer Art Vorhölle, in der vampirähnliche Wesen, die Xanthyr, über den Sündenspiegel und somit über Himmel oder Hölle entscheiden und dabei Blut und Sünden saugen. Ich habe nun lange darauf gewartet, dass ein ebenso ausführlicher Rückblick den Weg nach Xanthia erzählt, aber dieser wird quasi nebenbei in ein paar Sätzen abgehandelt. Irgendwie ein nicht ganz stimmiger Handlungsaufbau.

Zoe ist ein Protagonistin, mit der man nur schwer warm werden kann. Zwar begeht sie ihre Sünden aus Not, hat dabei aber kein wirkliches Problem damit, Schwächere auszubeuten. Dem Grafen von Xanthia verfällt sie ob seines guten Aussehens recht schnell. Immerhin sorgt die Suche nach geheimnisvollen Relikten, auf die er sie schickt, für Spannung und es deutet sich schon an, dass es in weiteren Bänden Abwechslung geben wird und das Ganze nicht nur auf den dominanten Grafen oder ein Liebesdreieck hinauslaufen wird.
Die düstere Welt von Xanthia bietet gute Ansatzpunkte, die hoffentlich in den Folgebänden noch stimmiger und tiefgründiger ausgebaut werden.

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Veröffentlicht am 11.08.2024

Wikinger an Land

Yrsa. Journey of Fate (Yrsa. Eine Wikingerin 1)
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Die Historikerin Alexandra Bröhm liefert hier wirklich interessante Einblicke in das Alltagsleben der Wikinger, die man ja eher für ihre Raubzüge zu Schiff kennt. Besonders gefallen hat mir, ...

Die Historikerin Alexandra Bröhm liefert hier wirklich interessante Einblicke in das Alltagsleben der Wikinger, die man ja eher für ihre Raubzüge zu Schiff kennt. Besonders gefallen hat mir, dass die junge Yrsa nicht vom Heiraten träumt, sondern davon, eine Kriegerin zu werden. Ihr kleiner Bruder Sjalfi hat, eher ungewöhnlich für einen Jungen, die seherischen Fähigkeiten der verstorbenen Mutter geerbt. Eines Tages ist Sjalfi verschwunden. Yrsa gibt die Suche nach ihm nicht auf. Sie stößt dabei auf Familiengeheimnisse, intrigante Männer und den faszinierenden Krieger Avidh, der ihr zu Seite steht.

"Möge der giftspeiende Wintertroll dich holen!" Mit solchen Formulierungen hat man wirklich das Gefühl, authentisch in die ferne Zeit einzutauchen. Wie sehr damals das Leben von Göttern, Elfen, Trollen und magischen Denken durchdrungen war, wurde sehr gelungen eingefangen. Auch dass sich die Beziehung zu Avidh so behutsam entwickelt, hat mich angesprochen.

Obwohl die Suche nach Sjalfi ein paar Längen hatte, freue ich mich schon sehr, Yrsa im zweiten Teil weiter auf ihrer Reise zu begleiten. Dass der Verlag den Büchern der deutschen Autorin englische Untertitel verpasst, hätte sie eigentlich gar nicht nötig.

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Veröffentlicht am 11.08.2024

Märchenfieber

Der Salon der kühnen Frauen
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Am Hof des Sonnenkönigs Ludwig des XIV. gründet Marie d'Aulnoy einen literarischen Salon. Er wird überwiegend von Frauen besucht, aber auch von Charles Perrault, der mir bisher schon durch seine ...

Am Hof des Sonnenkönigs Ludwig des XIV. gründet Marie d'Aulnoy einen literarischen Salon. Er wird überwiegend von Frauen besucht, aber auch von Charles Perrault, der mir bisher schon durch seine Märchensammlungen bekannt war. Und so sind es denn auch Märchen, die sich in dem Salon gegenseitig erzählt werden. Doch wer hätte gedacht, dass Märchen so viel Sprengkraft haben, ihre Erzählerinnen in Gefahr zu bringen...

"Alles ist voller Geschichten. Marie begann zu verstehen, dass die Welt von Erzählungen betäubt, betrunken von Geschichten ist und keinen Respekt vor der Wahrheit hat.. Geschichten, die den Menschen das wahre Antlitz der Welt nur ganz verschwommen zeigen, wie durch ein Buntglasfenster."

Das ungewöhnliche Konzept, das die Märchen stark in den Vordergrund stellt, hat mich überzeugt. Interessant fand ich zu erfahren, wie viele der Märchen anscheinend schon damals auch von Frauen erdacht wurden. Gern hätte ich noch mitgeteiltbekommen, welche Protagonistinnen auf historischen Vorbildern beruhen. Mir bisher unbekannte Details aus Perraults Leben, der in kultureller Hinsicht auch für die Bauten des Sonnenkönigs zuständig war, haben mich ebenfalls fasziniert.

Bekanntlich war der Versailler Hof, äußerst sinnenfroh, was sich im Buch auch an drastischen Szenen zeigte.
Hier wurde mir der ansonsten sehr angenehme Erzählstil zum Teil zu explizit.

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