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Veröffentlicht am 16.02.2025

Wo Gespenster und Märchen wandeln

Tinte, Staub und Schatten: Das Buch der Verlorenen
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"Es ist ein Welt aus Tinte, Staub und Schatten... Hier unten gibt es nur Stille. Und die Bücher, die sich in ihrer stummen Sprache Geheimnisse zuflüstern. Tausende, Abertausende von ihnen sind ...

"Es ist ein Welt aus Tinte, Staub und Schatten... Hier unten gibt es nur Stille. Und die Bücher, die sich in ihrer stummen Sprache Geheimnisse zuflüstern. Tausende, Abertausende von ihnen sind an diesem Ort versammelt und träumen im Dämmerlicht vor sich hin, aneinandergedrängt auf ihren Regalbrettern."

Willkommen im Bücherlabyrinth, inmitten von Memento-Mori-Pilzen, Carpe-Diem-Schwämmen, lebenden Staubflusen, Bücherwürmern und Zeitungsschlangen, wo nicht nur Schattenweber lauern, sondern auch der Schlund die Büchersucher in Gefahr bringt.

Minna beginnt eine Büchersucher-Lehre, wie einst ihre Mutter, im Antiquariat von Raban Krull, gemeinsam mit dessen Sohn Gulliver und dem androgynen Jascha. Minnas Mutter verschwand einst im Bücherlabyrinth. Schon bald findet Minna heraus, dass es eine Möglichkeit gibt, ihre Mutter wiederzufinden. Und wie so oft, liegt die Antwort in Büchern...

Die Story funkelt nur so vor kreativen Ideen und wunderbaren literarischen Anspielungen. Letzteres beginnt schon bei den Nachnamen wie Mörike und Krull. Der Zielgruppe, Kindern ab 11, dürften sie noch gar nicht geläufig sein, das ist aber auch nicht unbedingt notwendig. Für Erwachsene bietet das einen schönen Mehwert. Das Bücherlabyrinth wird sehr atmosphärisch dargestellt. Warum die Büchersucher dort trotz aller Gefahren unterwegs sind, könnte ebenso wie die Tiefe der Protagonisten im Band 2 noch besser ausgearbeitet werden. Sehr hübsch sind die märchenbuchartigen Verzierungen an den unteren Ecken der Seiten und die angenehme Zeitlosigkeit der Geschichte. Trotz der Angabe, dass die Story in der Gegenwart angesiedelt ist, gibt es beispielsweise keine Smartphones.

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Veröffentlicht am 15.02.2025

Das Gute liegt so nah

Fühl dich wie neugeboren!
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Dr. Lantzsch und Dr. Froböse bringen uns das Kurgefühl nach Hause und zwar in 52 kleinen Schritten, also für jede Woche des Jahres einen. Sympathischerweise wird dabei keinerlei kontraproduktiver Druck ...

Dr. Lantzsch und Dr. Froböse bringen uns das Kurgefühl nach Hause und zwar in 52 kleinen Schritten, also für jede Woche des Jahres einen. Sympathischerweise wird dabei keinerlei kontraproduktiver Druck aufgebaut. Alles geschieht im eigenen Tempo. Sehr passend orientieren sich die Mini-Kuren an den Jahreszeiten. Los geht es mit dem Winter, was ich sehr hilfreich fand, denn jetzt bei Erscheinen des Buches herrscht schließlich gerade Winter.

Auch im Winter bleiben wir nicht drinnen, sondern unternehmen zum Beispiel eine schöne Schneewanderung. In allen Jahreszeiten konzentrieren sich die Anregungen auf Wohltaten für den Körper, aber auch für Geist und Seele.Alles lässt sich mit wenig Aufwand umsetzen. Manchmal besteht die Kunst sogar einfach im Weglassen, beispielsweise beim Fasten oder bei dem zeitweisen Verzicht auf Alkohol.

Bewegung, Detox, Nahrungsergänzungen, Meditation - die Vorschläge sind wirklich vielfältig. Ich habe für mich vor allem kleinere Empfehlungen mitgenommen, wie noch mehr Gewürze in meine Ernährung zu integrieren. Denn tatsächlich setze ich das meiste Vorgestellte schon lange regelmäßig um. Warum fühle ich mich trotzdem so erschöpft? Oft ist wahrscheinlich weniger doch mehr. Wer sich in der Theorie noch wenig mit einem gesunden Lebensstil auseinandergesetzt hat, wird hier tatsächlich eine Fülle an Tipps mitnehmen.

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Veröffentlicht am 13.02.2025

Sag mir was Chricklers sind

Sweet Nightmare
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An der Optik des Buches in der Farbschnittausgabe kommt man kaum vorbei. Auch die Grundidee fand ich sehr anziehend: Eine Akademie auf einer Insel, in der magiebegabte Schüler untergebracht werden, ...

An der Optik des Buches in der Farbschnittausgabe kommt man kaum vorbei. Auch die Grundidee fand ich sehr anziehend: Eine Akademie auf einer Insel, in der magiebegabte Schüler untergebracht werden, wenn sie ihre Kräfte missbraucht haben. Diese werden ihnen dann für die Dauer der Schulzeit genommen. Außerdem gibt es ein paar originelle Protagonisten wie den Traumdämon Jude als love interest der Hauptfigur Clementine und eine Fae-Mafia. So ungewöhnlich hätte es gern weitergehen können.

Leider liefert Tracy Wolff über weite Strecken konventionelle Teenagerkost im Stil von "Liebe mich nicht" und dem Kuss-und-weg-Spiel. Ein Worldbuilding gibt es nicht mal ansatzweise, dabei hätte man auf der Grundlage der Story daraus unglaublich viel machen können. Der Bitte "Sag mir, was Chricklers sind", kann ich mich nur anschließen. Die Monster, die in der Menagerie gehalten werden, bekommen nahezu keine Beschreibung, so dass keine wirklichen Bilder im Kopf entstehen. Darunter litt auch die düstere Stimmung, auf die ich mich gefreut hatte.

Über weite Strecken der Handlung hat man das Gefühl, dass ein schnell runtergeschriebenes Ereignis das nächste jagt, obwohl eigentlich nicht viel passiert, während ein Sturm über die Insel jagt, Clementine, Jude und ihre Mitschüler Aufgaben erledigen, Partyspiele machen und Geheimnisse verbergen. Erst im letzten Drittel konnte die Geschichte mein Interesse wieder richtig fesseln.

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Drachenwandeln

When Women were Dragons – Unterdrückt. Entfesselt. Wiedergeboren: Eine feurige, feministische Fabel für Fans von Die Unbändigen
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"Ich war vier Jahre alt, als ich das erste Mal eine Drachin sah, als ich lernte, über Drachinnen zu schweigen. Vielleicht lernen wir so die Bedeutung des Schweigens - ein Fehlen von Worten, ein ...

"Ich war vier Jahre alt, als ich das erste Mal eine Drachin sah, als ich lernte, über Drachinnen zu schweigen. Vielleicht lernen wir so die Bedeutung des Schweigens - ein Fehlen von Worten, ein Fehlen von Zusammenhängen: ein Loch im Universum, wo die Wahrheit sein sollte."

In den Fünfziger Jahren brechen Hundertausende von Frauen aus der herkömmlichen, einengenden Frauenrolle aus: Sie verwandeln sich buchstäblich in Drachinnen und verlassen ihre Familien. Darunter ist auch Marla, die Tante der jungen Alex Green, die später schon als Teenager Marlas Tochter Beatrice allein großziehen muss. Beatrice wird zu ihrem Lebensinhalt, doch auch Beatrice zeigt immer wieder Ansätze sich zu wandeln....

Ich bin immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Geschichten und habe hier eine gefunden. Wegen des Drachenmotivs sollte man aber keine herkömmliche Fantasy erwarten. Kelly Barnhill benutzt das Motiv, um eine Story über Trauma, Scham, Schweigen und weibliche Wut zu erzählen. Alex' Geschichte berührt und fesselt, auch wenn es mich irritiert hat, dass die Drachinnen allzu menschlich bleiben und trotz ihrer Tatzen und riesigen Gestalt filigrane Handarbeiten schaffen, Auto fahren und Lippenstift benutzen. Das hätte man sicher auch passender konstruieren können. Auch ein paar mehr Graustufen hätten mir sehr gefallen. Liebe und positive Gefühle gibt es beispielsweise ausschließlich zwischen Frauen.

Kelly Barnhill bezeichnet ihren Roman als ein verrücktes Buch. Für mich war es lesenswert, überraschend und nachhallend.


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Veröffentlicht am 28.01.2025

Zerrissenes Land

Die Tochter der Drachenkrone
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Gwellian ist die Tochter des roten Drachen von Wales, des Fürsten von Südwales, der einst den Titel eines Königs trug. Normannen haben die Macht übernommen. Und ausgerechnet den Briten selbst ...

Gwellian ist die Tochter des roten Drachen von Wales, des Fürsten von Südwales, der einst den Titel eines Königs trug. Normannen haben die Macht übernommen. Und ausgerechnet den Briten selbst gelingt es nicht, einig zueinander zu stehen, stattdessen kämpft Bruder gegen Bruder...

Die Ende des 12. Jahrhunderts angesiedelte Geschichte hat mich durchgehend gefesselt. Wie Gwenllian zu einer mutigen, selbstbestimmten Frau heranwächst, wird beeindruckend geschildert.

Sabrina Qunaj versteht es meisterhaft, historischen Geschehnissen Leben einzuhauchen und noch die verwickelsten Familienverhältnisse nachvollziehbar darzustellen. Haupt- und Nebenfiguren sind plastisch und lebensnah geschildert, Schwarzweiß-Malerei wird gekonnt vermieden. Lange weiß man nicht, wo für Gwenllian die Reise hingehen und, zu diesen Zeiten unvermeidlich, an welchen Mann sie sich binden wird. Auch die subtil eingeflochtene Liebesgeschichte fand ich besonders und berührend. Hier beginnt Geschichte zu atmen und zu funkeln.

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