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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.12.2025

Berührend und trotz Längen im Mittelteil sehr unterhaltsam

Alle Toten fliegen hoch
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Inhalt:
Im Auftaktband der autofiktiven Reihe "Alle Toten fliegen hoch" schreibt Meyerhoff über sein Austauschjahr in Amerika in einer religiösen und konservativen Familie, sein Aufblühen in der neu gewonnenen ...

Inhalt:
Im Auftaktband der autofiktiven Reihe "Alle Toten fliegen hoch" schreibt Meyerhoff über sein Austauschjahr in Amerika in einer religiösen und konservativen Familie, sein Aufblühen in der neu gewonnenen jugendlichen Freiheit, über Sehnsucht und Verlust. In Laramie gehen die Uhren langsamer, Meyerhoff ist plötzlich Klassenbester in Deutsch und trainiert hart für einen Stammplatz in der Basketballmannschaft. Er besucht den Todestrakt in einem Gefängnis, wird vom Gastbruder angefeindet und hört nachts die Wölfe heulen. In "Amerika" geht es aber auch um eine überstürzte und eine geplante Rückkehr in sein altes und zugleich neues Leben in Deutschland und ein Ereignis, das seine Familie tief zerrüttet hat.

Meine Meinung:
Im April habe ich den Abschluss dieser Reihe von Meyerhoff gelesen und war dann sehr neugierig auf die Vorgängerbände, die ich mir nun alle ausleihen darf. Nun habe ich den Auftakt der Reihe gelesen und in "Amerika" Meyerhoff durch sein Austauschjahr in Wyoming begleitet. Die Geschichte hat mich immer mal wieder sehr gut unterhalten und sehr bewegt, obwohl ich mit einigen Längen im Mittelteil zu kämpfen hatte. Besonders gut gefallen haben mir die Schilderungen des Basketballtrainings und Meyerhoffs Pragmatismus, mit dem er sich ins Leben seiner Gastfamilie eingegliedert hat.
Auch finde ich, dass viele der extrem abenteuerlichen Anekdoten in eine komplett andere Zeit und Gesellschaft blicken lassen, was sehr spannend ist und doch ist es auch gut, dass viele der Szenen aus dem Gefängnis in Wyoming sowie der doch eher spezielle Unterricht, den Meyerhoff in Laramie "genossen" hat heute (zumindest hoffentlich) undenkbar sind.

Meine Empfehlung:
Ich bin schon sehr gespannt auf die weiteren Bände der Reihe, die ich mir alle leihen darf und freue mich besonders auf den zweiten Band, der wohl aus der definitiv ziemlich speziellen Kindheit des Autors berichten wird.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Spannend und vielschichtig

Auf Treu und Glauben
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Inhalt:
Brunetti leidet unter der Hitze der sommerlichen Stadt und freut sich auf eine Auszeit in den Bergen mit seiner Familie. Nur leider machen ihm ein Leichenfund und skrupellose Betrüger einen Strich ...

Inhalt:
Brunetti leidet unter der Hitze der sommerlichen Stadt und freut sich auf eine Auszeit in den Bergen mit seiner Familie. Nur leider machen ihm ein Leichenfund und skrupellose Betrüger einen Strich durch die Rechnung. Mühsam kämpft er gegen die Hitze und korrupte Verbrecher an und wirbelt dabei richtig viel Staub auf.

Meine Meinung:
Das Verbrechen scheint zu ruhen, aber Ruhe ist nie ein gutes Zeichen in der Serenissima. Und so entwickelt sich schon bald ein spannender, politisch und gesellschaftlich brisanter Fall, dem sich Brunetti mit viel Fingerspitzengefühl und Finesse annimmt. Der Aufbau vieler Brunetti-Romane ist ähnlich. Anfänglich scheint nichts zusammenzupassen, aber irgendwie ist doch alles miteinander verbunden. Auch in diesem Roman entwickelt sich dies ähnlich: Vianellos Besorgnis um seine Tante, welche das ganze Geld der Familie auszugeben droht sowie einige verdächtige Vorgänge und Versäumnisse am Gericht hängen auf den ersten Blick nicht zusammen. Zudem macht die Hitze Brunetti so richtig zu schaffen, was ihn ein wenig langsam in die Gänge kommen lässt. Tatsächlich hat es auch bei mir ein wenig gedauert, bis ich verstanden habe, wie alles zusammenhängt und ich denke, dass dieser Roman den wohl bisher ausgeklügeltsten Fall beinhaltet. Trotzdem kommen die beliebten Restaurantbesuche, das augenzwinkernde Ärgern des Vice-Questore Patta und Szenen aus dem Privatleben Brunettis auch in diesem Buch nicht zu kurz.

Meine Empfehlung:
Auch wenn dieser Krimi von der Jahreszeit her gar nicht in den Dezember gepasst hat, hat mich dieser Fall sehr gut unterhalten und besonders intensiv rätseln lassen.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Unterhaltsam und klug geschrieben

Von Katzen lernen, den Faschismus zu überstehen
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Inhalt:
Dieses kleine Büchlein - das sich übrigens sehr gut als Geschenk eignet - umfasst acht Kapitel voller antifaschistischer Katzenliebe, Humor und Gedanken, die sich weiterzudenken lohnen.

Meine ...

Inhalt:
Dieses kleine Büchlein - das sich übrigens sehr gut als Geschenk eignet - umfasst acht Kapitel voller antifaschistischer Katzenliebe, Humor und Gedanken, die sich weiterzudenken lohnen.

Meine Meinung:
Dieses kleine Büchlein habe ich von meiner besten Freundin zum Geburtstag bekommen und sie hat damit voll ins Schwarze getroffen. Das Buch ist sehr unterhaltsam geschrieben und bringt die beiden auf den ersten Blick gar nicht zusammenpassende Themen Katzenliebe und Antifaschismus auf kluge und humorvolle Art zusammen.

"Katzen wissen, dass das Überleben nicht nur von scharfen Krallen und geschicktem Anschleichen abhängt, sondern davon, aufeinander aufzupassen, Ressourcen zu teilen und zusammenzuhalten, wenn es am meisten darauf ankommt."

Der Autor lässt dabei keine Gelegenheit aus für liebevolle Seitenhiebe gegen Hundemenschen und geht mit Faschisten um so härter ins Gericht. Mit seinen Texten ruft er ausserdem dazu auf, zusammenzuhalten, sich gemeinsam gegen faschistische Parolen zu positionieren und das eigene Handeln immer wieder zu überdenken. Er zeigt unter anderem auf, wie man mit klugen und teilweise ganz kleinen Alltagskniffen ein friedliches Miteinander erreichen kann, natürlich immer am Beispiel von Katzen und ihren typischen Verhaltensweisen.

"Sei nahbar. Sei reizend. Sei die Art von Mensch - oder Katze -, der niemand widerstehen kann. Die Faschisten werden nicht wissen, wie ihnen geschieht, und die Zahl deiner Verbündeten wird schneller wachsen als ein Wurf Kätzchen."

Der Stil ist stets leicht, liest sich flüssig, unterhält wunderbar und die kurzen Kapitel sind mit passenden Illustrationen von Pablo Amargo versehen.

Meine Empfehlung:
Das Buch ist nicht nur ein ideales Geschenk für Katzenfans, sondern einfach für alle, welche antifaschistisch leben und handeln wollen. Schliesslich findet es Platz in jedem noch so kleinen Bücherregal und sorgt für unterhaltsame und zum Nachdenken anregende Lesestunden.

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Veröffentlicht am 30.11.2025

Wortgewaltiger Abschluss meines Lesemonats

Wenn es nur Licht gäbe, bevor es dunkel wird
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TW: häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, Gewalt, Sucht, Drogen, Alkohol, Suizidgedanken

Inhalt:
In sechzehn Szenen widmet sich die Wortkünstlerin Iuona Guruli Alltagssituationen, Beziehungen, Familienkonstellationen ...

TW: häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, Gewalt, Sucht, Drogen, Alkohol, Suizidgedanken

Inhalt:
In sechzehn Szenen widmet sich die Wortkünstlerin Iuona Guruli Alltagssituationen, Beziehungen, Familienkonstellationen und Erinnerungen Sie schafft es, ihre Figuren zwar kurz, aber intensiv durch die Texte zu begleiten und dabei Beklemmung, Liebe, Freundschaft und immer wieder einen Silberstreifen am Horizont spüren zu lassen. Umrahmt und unterbrochen werden diese Szenen von berührenden und unterhaltsamen "Kleinanzeigen", die nachhallen.

Meine Meinung:
"Biete:
28 Jahre alte, aber gut erhaltene grüne Augen, verschimmelte Träume und gebrochenes Herz mit interessantem Inhalt.
Preis: Verhandlungsbasis."
So beginnt dieses ungewöhnliche Buch und lässt damit direkt spüren, dass Guruli nicht lange fackelt, sondern mitten ins Geschehen, ins Leben ihrer Figuren springt, die teilweise verzweifelt, hoffend oder von Angst geplagt durch ihren Alltag stolpern. Sie verschont weder sie noch uns und mutet ihren Lesenden heftige Texte mit gewaltvollem Inhalt zu, welche mich oft haben innehalten lassen. Genau so schnell, wie sie uns ihre Figuren vorstellt, verlässt sie diese manchmal auch wieder, lässt sie teilweise erneut vorkommen oder nie mehr und lässt uns mitfiebernd und auf ein gutes Ende hoffend mit offenen Fragen zurück. Nur einige Male hätte ich mir doch noch ein wenig mehr Handlung oder auch Auflösung gewünscht, ansonsten empfand ich dies allerdings als stimmig. Immer wieder nimmt Guruli übrigens Bezug auf ihre Heimat Georgien, auf Krieg und Flucht und Armut und das harte Leben am Rande der Gesellschaft. Und auch wenn ich vom Inhalt manchmal sogar ein wenig abgeschreckt war, wollte ich doch immer weiterlesen, kein Wort dieser grandiosen Erzählerin verpassen, welche dieses Werk direkt selber vom Georgischen ins Deutsche übersetzt hat.

Meine Empfehlung:
Ich bin ehrlich begeistert und überzeugt und möchte noch viel mehr Texte aus Gurulis Feder lesen. Wenn ihr euch nicht ganz einfache Kost zutraut, seid ihr mit diesem mal zarten, poetischen, mal wuchtig und brutalen Buch bestens beraten.

Meine Empfehlung:
Ich bin ehrlich begeistert und überzeugt und möchte noch viel mehr Texte aus Gurulis Feder lesen. Wenn ihr euch nicht ganz einfache Kost zutraut, seid ihr mit diesem mal zarten, poetischen, mal wuchtig und brutalen Buch bestens beraten.

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Veröffentlicht am 24.11.2025

Nicht ideal gealtert, aber dafür mit um so schönerer Weihnachtsstimmung

All I want for Christmas
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Inhalt:
Bea, die Besitzerin des gemütlichen Honey Pot Cafés in London, möchte für Zusammenhalt und Wärme bei ihren Mitmenschen sorgen. Chloe und Olivia finden eher zufällig den Weg ins Café und obwohl ...

Inhalt:
Bea, die Besitzerin des gemütlichen Honey Pot Cafés in London, möchte für Zusammenhalt und Wärme bei ihren Mitmenschen sorgen. Chloe und Olivia finden eher zufällig den Weg ins Café und obwohl es Anfangs - vor allem bei Chloe - gar nicht so aussieht, als würde sie sich mit Bea anfreunden, schafft Bea doch das scheinbar unmögliche und lernt Chloe immer besser kennen. Vor lauter Fürsorge für ihre Mitmenschen wird erst viel später klar, welche dunklen Stunden Bea überlebt hat. Wird auch sie die weihnachtliche Wärme spüren?

Meine Meinung:
Das Buch habe ich von Irene von Igelabooks erhalten und es hat bei mir so richtig viel Weihnachtsstimmung hervorgerufen und mich mit seiner schönen Atmosphäre überzeugt. Allerdings habe ich beim Lesen auch sehr ambivalente Gefühle verspürt. Einerseits wimmelt das Buch nur so vor (zumindest auf den ersten Blick) extrem oberflächlichen und vor allem fettfeindlichen Figuren und es überrascht deshalb nicht, dass sowohl eine Essstörung als auch eine Alkoholsucht thematisiert werden. Ausserdem wird einer Figur, die bis dahin gar keine Erfahrung damit hatte, ein Tier zu Weihnachten geschenkt, einfach ein No-Go... Man merkt dem Buch also durchaus sein Alter an und trotzdem hat es auch moderne Ansätze. Es setzt sich zum Beispiel differenziert mit den Themen Ehe und Mutterschaft auseinander und lässt seine Figuren einander immer fürsorglicher und freundlicher begegnen.

Schreibstil und Aufbau:
Bea, Chloe und Olivia stehen abwechslungsweise im Zentrum, wobei Bea die eigentliche Hauptfigur des Buches ist. Sie ist es, welche die Geschichte als Ich-Erzählerin erlebt und Chloes und Olivias Perspektive wird in der dritten Person erzählt. Die drei Frauen stehen an ganz unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben und immer wieder kommen sie dabei im Honey Pot Café von Bea zusammen. Zuerst zufällig und dann immer regelmässiger. Dieser Aufbau hat mir sehr gut gefallen und so habe ich die Personen auch immer besser kennengelernt.

Meine Empfehlung:
Allen Kritikpunkten zum Trotz habe ich die Geschichte, die Weihnachtsstimmung, das Londonfeeling und die immer nahbarer werdenden Figuren einfach geliebt und dieses kurzweilige Buch sehr gerne gelesen.

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