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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.03.2026

Wichtiges Buch

Zusammenkunft
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Inhalt:
Fragmentarisch setzen sich in diesem dünnen Buch Szenen aus dem Leben der namenlosen Schwarzen Ich-Erzählerin zu einem nachhallende Einblick in ihren Alltag zusammen. In Grossbritannien erlebt ...

Inhalt:
Fragmentarisch setzen sich in diesem dünnen Buch Szenen aus dem Leben der namenlosen Schwarzen Ich-Erzählerin zu einem nachhallende Einblick in ihren Alltag zusammen. In Grossbritannien erlebt sie alltäglichen Rassismus und Sexismus, muss einen enormen Mehraufwand leisten, um ernst genommen zu werden und voranzukommen, muss einstecken, sich zusammenreissen und wird dabei immer wieder mit eigenen (körperlichen) Grenzen konfrontiert.

Meine Meinung:
Das Buch ist mir schon oft begegnet und empfohlen worden, entsprechend wollte ich mir selber ein Bild machen. Und obwohl es nur wenige Seiten hat, liest es sich nicht so schnell, wie erwartet. Die Themen sind intensiv, lassen Raum zum Nachdenken und Leerstellen, die man selber füllen kann, aber nicht muss. Die einzelnen Textfragmente, Listen und Gedanken springen zwischen verschiedenen Szenen hin und her. Mal befinden wir uns in einem Büro im beruflichen Kontext, mal im hart erarbeiteten Townhouse, der Protagonistin, mal auf einer Gartenparty und mal im Krankenhaus.
Natasha Brown benennt Missstände, das immer noch kolonialistische Gedankengut und das kaum überwindbare Klassensystem, in dem ihre unbenannt bleibende Protagonistin agiert und ohne Namen steht sie um so mehr für so viele Frauen, welche ähnliche Abwertungen, Hürden und Übergriffe erfahren.

Meine Empfehlung:
Das Buch ist eine sprichwörtliche Zusammenkunft von schlechten Erfahrungen aber auch von Mut und Kraft, welche sich diesen entgegenstellen. Es lohnt sich auf jeden Fall, die Geschichte zu lesen, sich den teilweise äusserst unangenehmen Szenen zu stellen und sich und das eigene (rassistische) Handeln zu hinterfragen.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Viele Repetitionen, viele spannende Gedanken

Revolution der Verbundenheit
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Inhalt:
Auf eine ausführliche Einleitung folgen die fünf Kapitel "Freundschaft", "Frauenbeziehungen in Familien", "Revolution der Liebe", "Sisterhood" und "Weibliche Verweigerung: Separatismus, Autonomie ...

Inhalt:
Auf eine ausführliche Einleitung folgen die fünf Kapitel "Freundschaft", "Frauenbeziehungen in Familien", "Revolution der Liebe", "Sisterhood" und "Weibliche Verweigerung: Separatismus, Autonomie und Ausstieg", welche Schutzbach mit einem Brief an eine Frau in ihrem Leben eröffnet und dann mit vielen Gedanken, Zitaten, Theorien aus verschiedenen Jahrhunderten und eigenen Zusammenfassungen ergänzt.

Meine Meinung:
Auf dieses Buch habe ich mich schon riesig gefreut und die Briefe, welche die einzelnen Abschnitte einleiten, haben mich sehr berührt und gut unterhalten. Gestört hat mich allerdings, dass Schutzbach zu vielen Wiederholungen neigt. Nicht nur werden in mehreren Kapiteln immer wieder die gleichen Gedanken repetiert, auch formuliert sie manchmal seitenweise einen einzigen Gedanken immer wieder neu oder manchmal leider sogar mit nahezu identischen Worten. Die fünf doch eher ausführlichen Abschnitte hätten in meinen Augen fünf sehr viel kürzere und dadurch auch kurzweiligere Essays sein können.
Ausserdem verstehe ich zwar, dass Schutzbach immer wieder in die Vergangenheit reist. Sie begründet dies folgendermassen: "Für mich ist der Blick in die Vergangenheit wichtig, weil sich damit ausgelöschte Erzählungen rekonstruieren lassen (...). Es ermutigt mich, wenn ich weiss, (...) dass die patriarchale Macht eben nie total war, dass es immer auch Eigensinn und Widerstand gab." Dazu muss ich aber sagen, dass ich sehr viel lieber zeitgenössischere Beispiele oder auch noch mehr Anregungen und praktische Alltagsübungen für weiblichen Zusammenhalt, als beispielsweise wiederholte Schilderungen über die unterwürfige, dienende, mütterliche Rolle Marias in der Bibel gelesen hätte...
Trotzdem haben mich sehr viele Gedanken im Buch berührt, wütend gemacht, inspiriert und zum Weiterdenken angeregt. Wahrscheinlich habe ich einfach schon so viel zum Thema gelesen, dass für mich vieles nicht mehr komplett neu war. Das sehr ausführliche Quellenverzeichnis im Anhang beinhaltet allerdings sehr viele weiterführende Literaturtipps und macht neugierig auf mehr.

Meine Empfehlung:
Ein wenig Kritik zum Trotz empfehle ich das Buch sehr gerne weiter und denke, dass es vor allem für Menschen, welche sich zum ersten Mal mit weiblicher Solidarität auseinandersetzen und entsprechend auch noch viele Ausführungen zum Thema benötigen, ein idealer Einstieg ins Thema ist.

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Verstörend und betörend gleichzeitig, Leseempfehlung!

Deine kalten Hände
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Inhalt:
Die Ich-Erzählerin H. entdeckt mehrere der beeindruckenden Skulpturen des Künstlers Jang Unhyong. Er stellt diese her, indem er Gipsabdrücke von Körpern nimmt und die Abdrücke anschliessend ausgiesst. ...

Inhalt:
Die Ich-Erzählerin H. entdeckt mehrere der beeindruckenden Skulpturen des Künstlers Jang Unhyong. Er stellt diese her, indem er Gipsabdrücke von Körpern nimmt und die Abdrücke anschliessend ausgiesst. Weil die Technik sehr anspruchsvoll und für das Modell mit grossen Unannehmlichkeiten und Schmerzen verbunden ist, hat er Mühe, geeignete Freiwillige zu finden. Er kommt mit H. in Kontakt und verschwindet dann plötzlich. Jang Unhyongs Schwester sucht H. auf und überreicht ihr ein intimes Tagebuch des Künstlers, indem er seine Herangehensweise schildert, von den Frauen erzählt, die für ihn als Modell gearbeitet haben und von den Frauen, die er geliebt hat.

Meine Meinung:
Auch dieser Roman entführt in Han Kangs Heimatstadt Gwangju und begleitet einen Künstler durch seinen Alltag, der an einen Fiebertraum erinnert. Immer wieder schwankt er zwischen Wahn und Apathie und die Menschen, denen er begegnet - meistens seine Modelle - betrüben ihn zusätzlich, weil er stets nach Modellen sucht, die eine Geschichte, eine bestimmte Traurigkeit oder Düsternis mit sich herumtragen, welche ihn bei der gemeinsamen Arbeit natürlich auch mehr und mehr umgibt.
Entsprechend atemlos erzählt ist dieses Buch. Es lässt an grossem Leid teilhaben und zeigt doch immer wieder, dass es manchmal auch Wege gibt, sich von seiner schwierigen Geschichte zu lösen.
Das Buch hat mich tief beeindruckt, mich immer wieder auch verstört und zugleich enorm fasziniert.

Schreibstil und Aufbau:
"Deine kalten Hände" ist wohl das älteste der bisher aus dem Koreanischen übersetzten Bücher von Han Kang. Und es es wurde auch von einer anderen Übersetzerin übersetzt, als "Die Vegetarierin" und "Menschenwerk" und dennoch ist Han Kangs absolut grandiose, nüchtern beschreibende und zugleich eine extreme Nähe zu ihren Figuren aufbauende Sprache auch hier klar erkennbar.
Die Geschichte ist in drei ungleich lange Teile gegliedert und beginnt mit einem Prolog, der damit endet, dass H. das Tagebuch von Jang Unhyong liest. Ab dann erzählt Jang Unhyong durch sein Tagebuch in der Ich-Perspektive aus seinem Leben und somit erfahren wir, was ihn zu dem gemacht hat, der er heute ist.

Meine Empfehlung:
Das Buch ist keine leichte Kost und thematisiert - wie ich nun schon von Han Kang kenne - sehr heftige, tragische, verstörende Themen. Die Schilderungen sind sehr detailliert und dadurch um so packender. Mich hat das Buch begeistert und ich empfehle es euch sehr gerne weiter und freue mich schon auf "Griechischstunden" das bereits hier liegt.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Einfach immer wieder lesenswert

Ronja Räubertochter
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Aus dem Schwedischen von Anna-Liese Kornitzky

Wie so viele von euch bin ich mit den Geschichten von Astrid Lindgren aufgewachsen und es freut mich immer sehr, dass ich als Erwachsene noch einmal einen ...

Aus dem Schwedischen von Anna-Liese Kornitzky

Wie so viele von euch bin ich mit den Geschichten von Astrid Lindgren aufgewachsen und es freut mich immer sehr, dass ich als Erwachsene noch einmal einen ganz anderen Zugang zu ihren Geschichten finden darf. Mein liebstes Buch von Lindgren ist "Die Brüder Löwenherz", allerdings muss ich sagen, dass ich noch längst nicht alle ihre Bücher gelesen habe.
Mein erneutes Eintauchen in "Ronja Räubertochter" hat mir wunderbare Lesestunden beschert, in mir die Vorfreude auf den Frühling geweckt und mich einmal mehr entdecken lassen, wie fortschrittlich Lindgren ihre Kinderbücher konzipiert hat. Freundschaft und Familie spielen eine grosse Rolle, das Erwachsenwerden und das Einstehen für die eigenen Werte und die Menschen, die man liebt. Die mutige Ronja behauptet sich gegen ihren Vater und seine Räuberbande und setzt sich ein für ihre Unabhängigkeit und ihren Freund Birk ein, der seinerseits ebenfalls gegen veraltete Vorstellungen seiner Familie ankämpfen muss.
Zahlreiche fantasievoll beschriebene Fabelwesen, Wildpferde und Erlebnisse im Wald und auf der Räuberburg machen das Buch zu einem spannenden, unterhaltsamen Leseerlebnis und die liebevollen und auch sehr bekannten Illustrationen von Ilon Wikland komplettieren das Werk.

Lindgrens Bücher eignen sich vom Vorlesen, zum Erstlesen und zum erneuten Lesen als erwachsene Person und die wunderschöne Ausgabe von "Ronja Räubertochter" kann ich euch dafür nur sehr herzlich empfehlen.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Dieses Buch macht einfach Spass und zaubert einen angenehmen, genussvollen Sommer herbei

Glück ist, wenn man trotzdem liebt
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Inhalt:
Die Floristin Isabelle liebt ihre täglichen Routinen. Ihr Alltag ist entsprechend geplant und für Spontaneität ist nicht viel Platz. Das Chaos beginnt, als der Besitzer ihres Lieblingsrestaurants ...

Inhalt:
Die Floristin Isabelle liebt ihre täglichen Routinen. Ihr Alltag ist entsprechend geplant und für Spontaneität ist nicht viel Platz. Das Chaos beginnt, als der Besitzer ihres Lieblingsrestaurants wechselt und sie nicht mehr täglich vietnamesische Nudelsuppe zu Mittag essen kann. Der neue Koch Jens macht es ihr gar nicht leicht, ihren Essensgewohnheiten treu zu bleiben und auch sonst lockt er sie ziemlich aus der Reserve. Dazu kommt noch, dass eine ihrer besten Freundinnen aufs Land ziehen will und dass der Blumenladen, in dem Isabelle arbeitet, mit einigen Problemen zu kämpfen hat, denen sie aber sehr beherzt und mit grossem Ideenreichtum entgegentritt.

Meine Meinung:
Die beiden - übrigens komplett unabhängig zu lesenden - Vorgängerbände haben mir schon sehr gut gefallen, dieser dritte Band hat mich aber komplett begeistert und einfach nur wunderbar unterhalten. Die einzige Figur, die bisher in jedem Band vorkam, ist der Taxifahrer Knut, der in diesem Band ein wenig mehr in den Vordergrund rücken darf, was mir gut gefallen hat. Auch die Protagonistin Isabelle hat mich für sich eingenommen. Besonders gut gefallen hat mir, dass sie jeder Herausforderung des Alltags mit viel Kreativität begegnet und dass sie kein Blatt vor den Mund nimmt. Sie steht für sich ein, ist für ihre Mitmenschen da und sammelt ihre ganz persönlichen Glücksmomente.
Auch Merle, die kleine Schwester von Jens, hätte ich gerne kennengelernt und ich finde generell, dass die Figuren in diesem Band besonders liebevoll und nahbar gestaltet sind. Ein weiterer Pluspunkt bekommt der Roman übrigens für die vielen toll beschriebenen kulinarischen Highlights, die Genussmomente, das Sommerfeeling (obwohl ich Sommer eigentlich nicht mag) und die Abendstimmungen.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch macht einfach Spass, zaubert einen angenehmen, genussvollen Sommer herbei und ist bisher mein liebster Band der Reihe. Ich empfehle es euch für gemütliche und unterhaltsame Lesestunden sehr gerne weiter.

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