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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.08.2017

zäher Überlebenskampf in New York

Lieber jetzt als irgendwann
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Franny Banks ist Mitte 20 und ist nach New York gekommen, um Schauspielerin zu werden. Das Zeug dazu hat sie auch, aber der Markt ist auch in den 1990ern schon hart umkämpft. So hat Franny sich ein Ultimatum ...

Franny Banks ist Mitte 20 und ist nach New York gekommen, um Schauspielerin zu werden. Das Zeug dazu hat sie auch, aber der Markt ist auch in den 1990ern schon hart umkämpft. So hat Franny sich ein Ultimatum gesetzt, dass sie nach drei Jahren entweder ihren Traum verwirklicht hat oder wieder nach Hause zu ihrem Vater gehen wird. Doch Franny ist eine Kämpferin und so lässt sie sich auch kurz vor Ablauf der drei Jahre nicht unterkriegen, sondern gibt noch einmal alles.

Man merkt, dass Lauren Graham, die bei den "Gilmore Girls" die Rolle der Lorelai Gilmore gespielt hat, viel von ihrer Person in diese Rolle hat einfließen lassen. Franny erinnert an vielen Punkten an Lorelai Gilmore. Dazu passt auch, dass das HB von Melanie Pukaß, der deutschen Synchronstimme von Lauren Graham, gelesen wird. Ich konnte ihr sehr gut zuhören, sie hat jedem Charakter eine eigene Stimmfärbung und Sprechart gegeben.

Allerdings muss ich leider sagen, dass das HB zwischendurch schon zäh war. Franny erzählt, wie sie zu Castings fährt, wie dort alles abläuft, aber lange passiert nichts. Das zeigt natürlich, wie schwierig es ist, als Schauspielerin Fuß zu fassen, aber es steigert nicht unbedingt das Hörvergnügen. Nachdem die Geschichte gut in Schwung gekommen ist, hat man das Gefühl, auf der Stelle zu treten, weil Franny einfach nicht wirklich voran kommt. Damit rechnet man zwar für das Ende mit beiden möglichen Ausgängen (sie schafft es und bleibt in NY oder sie schafft es nicht), aber so richtig Spannung ist das auch nicht.

Dazu kommt, dass einige Charaktere entweder blass bleiben oder sehr unsympathisch wirken. Beides stört leider das Hörvergnügen, weil man sich entweder kaum an die Personen erinnert oder fast keine Lust hat, dass sie schon wieder auftauchen. Umgekehrt fand ich Franny gerade sehr sympathisch und authentisch, genauso wie ihre Mitbewohner.

Fazit: Ein nettes HB für zwischendurch, aber leider nicht mehr.

Veröffentlicht am 01.08.2017

interessantes Hörvergnügen

Lehrerkind
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Bastian Bielendorfer ist Lehrerkind: Seine Mutter ist an einer Grundschule tätig, sein Vater ist Deutschlehrer am Gymnasium. Insofern bekommt Bastian von seinem Vater nicht nur seine ersten Briefe an seine ...

Bastian Bielendorfer ist Lehrerkind: Seine Mutter ist an einer Grundschule tätig, sein Vater ist Deutschlehrer am Gymnasium. Insofern bekommt Bastian von seinem Vater nicht nur seine ersten Briefe an seine Eltern korrigiert, sondern hat in seiner Schullaufbahn auch immer einen seiner Eltern an seiner Schule - was ihn nicht unbedingt zum beliebtesten Schüler seiner Klasse macht. Im Gegenteil, er wird als "Spitzel des Lehrerzimmers" gesehen und entsprechend behandelt. Dazu kommen Eltern, die auch zu Hause ihr Lehrersein nicht ablegen können, sondern stattdessen jeden Abend Kopfnoten verteilen. Ein Wunder, dass Bastian Bielendorfer trotzdem sehr normal geworden ist und ihm vor allem sein Humor nie abhanden gekommen ist.

Bastian Bielendorfer liest sein Buch sehr engagiert und lebendig, so dass das Zuhören einfach Spaß macht. Die Sprecharten der verschiedenen Charaktere werden aufgegriffen und dazu werden sie sehr bildhaft beschrieben, wie sie aufgetreten sind. Gerade die verschiedenen Lehrertypen hat man direkt vor Augen - in meinem Fall dann zwar mit den Gesichtern aus meiner Schulzeit, aber im Bereich von z.B. Sport- oder Kunstlehrerin gab (gibt?) es ja durchaus Stereotype...

Das HB ist auf der einen Seite wirklich lustig, auf der anderen Seite muss man aber auch feststellen, dass Bastian nicht nur von seinen Mitschülern gemobbt wurde und es auch nach der Schule nicht sonderlich leicht hatte, seine Eltern und ihre Erziehungsmethoden, vor allem sein Vater, sind auch ziemlich rabiat. Bastian kann einem da leid tun und ich finde es umso bemerkenswerter, dass er seine Geschichte hier erzählt und das nicht als Abrechnung, sondern auf eine liebevolle Art, die aber auch aus nichts ein Geheimnis macht.

Fazit: Lustig, aber auch nachdenklich stimmende Geschichten über einen, der in einem Lehrerhaushalt aufgewachsen ist.

Veröffentlicht am 01.08.2017

Lovestory aus der Bloggerwelt

Girl Online
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Penny lebt in Brighton, ist Schülerin und lebt Wand an Wand mit ihrem besten Freund Elliot. Er ist auch der einzige, der weiß, dass der nicht ganz unbekannte Blog "Girl online" von Penny betrieben wird. ...

Penny lebt in Brighton, ist Schülerin und lebt Wand an Wand mit ihrem besten Freund Elliot. Er ist auch der einzige, der weiß, dass der nicht ganz unbekannte Blog "Girl online" von Penny betrieben wird. Dann haben die beiden noch das Glück, dass Pennys Eltern für einen Job kurz vor Weihnachten nach New York müssen und die beiden mitnehmen. Dort trifft Penny Noah und es funkt ordentlich. Doch zurück in Brighton bahnt sich eine Katastrophe an...

Durch sein Cover habe ich bei dem Buch schon gezweifelt, ob es nicht zu teeniehaft ist. Umgekehrt haben die positiven Stimmen und die Tatsache, dass es auch um das Bloggen und das Internet als Thematik geht, dafür gesorgt, dass ich auf das Buch neugierig wurde. Und es hat sich durchaus gelohnt: Man merkt dem Buch zwar an, dass es ein Jugendbuch ist, aber es liest sich einfach so flüssig, dass auch ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Die Protagonisten sind zwar noch nicht volljährig, aber gleichzeitig sind die Themen "Fernbeziehung" und "Geheimnisse in einer Beziehung" in jedem Alter interessant. Dazu kommt, dass Penny kein typisches Teenie-Verhalten an den Tag legt, sondern ziemlich besonnen und reflektiert ist, ähnlich wie auch Noah. Die Punkte, an denen ihr Gedankenkarussell nicht mehr zum Stillstand kommt, sind Punkte, an denen auch bei Erwachsenen der Kopf nicht mehr zum Stillstand kommen würde.

Dazu kommt, dass die eingeflochtene Thematik "Bloggen" sehr interessant ist. Bisher ist mir noch kein Buch begegnet, in dem das Thema so aufgegriffen wird und gleichzeitig im Vorder- wie im Hintergrund steht. Für Jugendliche wie für Erwachsene wird deutlich, dass ein Blog zwar etwas tolles ist, aber unter Umständen auch ziemlich aus dem Ruder laufen kann - auch wenn es nicht immer in dem Ausmaß sein muss wie hier.

Die Liebesgeschichte ist einfach nur schön. Noah und Penny sind so süß zusammen und das merken auch alle anderen, so dass auch Pennys Eltern und Noahs Oma der Beziehung sehr positiv gegenüberstehen. Dass dann andere Probleme dazu kommen, da können sie nichts für.

Fazit: Ein Jugendbuch, das auch für Erwachsene einfach schön ist.

Veröffentlicht am 01.08.2017

Omas und Elsas Märchenwelt

Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid
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Elsa (fast 8) und ihre Oma haben eine ganz besondere Beziehung zueinander: Beide reisen, so oft es geht, ins Land fast-noch-wach und erleben dort die spannendsten Abenteuer, entdecken die fantastischsten ...

Elsa (fast 8) und ihre Oma haben eine ganz besondere Beziehung zueinander: Beide reisen, so oft es geht, ins Land fast-noch-wach und erleben dort die spannendsten Abenteuer, entdecken die fantastischsten Wesen,... Doch dann erfährt Elsa durch Zufall, dass ihre Oma schwer krank ist und kurz darauf ist sie tot. Für Elsa bricht eine Welt zusammen, weil ihre Oma ihr einziger Freund war. Doch Oma hat ihr einen Brief hinterlassen, der ihr schreibt, dass ihr als jetzt einzigem Ritter die Aufgabe obliegt, in diesem Land dafür zu sorgen, dass es allen gut geht. Dazu gehört auch, in Omas Auftrag Briefe an die Nachbarn zu verteilen, die Elsa zugespielt werden. In diesen Briefen lässt Oma noch einmal grüßen und entschuldigt sich bei jedem für Dinge, die schief gelaufen sind - denn Oma hatte zu allen Nachbarn ihre je eigene Beziehung.

Dieses war mein erstes Buch von Fredrik Backman und würde "Ein Mann namens Ove" nicht schon auf meinem SuB liegen, weiß ich nicht, ob ich es noch lesen wollen würde. Die Idee zu "Oma lässt grüßen..." fand ich gut, es ist von der Handlung eine Idee, die ich so noch nicht gelesen habe. Die Umsetzung ist allerdings nicht so wirklich meins gewesen: In die Geschichte werden die Märchen, die Oma Elsa erzählt hat, eingeflochten. An sich ist das nicht schlecht, aber Oma hat eine komplette Welt aufgebaut, in der die Märchen spielen, die dann sehr ausführlich und lebendig beschrieben wird. Prinzipiell ist diese Idee nicht schlecht, aber Fantasy ist einfach nicht mein Genre und so habe ich mich mit diesen Passagen sehr schwer getan. Leider wurde diese Welt auch in die Realität hinübergezogen, so dass es für mich zum Teil schwer war, alles zu überschauen. Vieles wurde durchaus aufgelöst, aber bei manchen Wesen z.B. fehlt mir bis jetzt die Phantasie, so dass mein Kopfkino oft eher schleppend lief oder mit weißen Flecken. Das finde ich sehr schade, weil es mir den Zugang zu dem Buch und zu Elsa und Oma durchaus verbaut hat. Dazu kommt, dass die Protagonisten alle sehr eigen sind, weil sie alle ihre eigenen Päckchen mit sich herumtragen. Das hat das Buch spannend gemacht, aber gleichzeitig waren einige davon - angefangen bei Elsa - mitunter so anstrengend, dass auch hier das Lesevergnügen zeitweise gelitten hat.

Dabei ließ sich das Buch vom Stil her ziemlich flüssig lesen. Es war oft so, dass die Seiten so dahinflogen, ich aber nach einem Kapitel kaum noch sagen konnte, was passiert war, weil nicht wirklich viel hängen geblieben war. Zum Teil, weil die Handlung zwischen der Märchenwelt und der Realität sprang, zum Teil aber auch, weil sich mir die Wesen und ihre Fähigkeiten nicht immer so ganz erschlossen haben. So kam es auch, dass bei mir bis zum Schluss leider elementare Fragen offen geblieben sind - und das, nachdem ich so einige Abschnitte auch doppelt gelesen habe. Leider hinterlässt das einen schalen Nachgeschmack, wenn ich jetzt an das Buch denke.

Fazit: Leider fehlte mir an manchen Stellen der Zugang zum Buch, vielleicht war es auch das falsche Buch zur falschen Zeit... Die Idee ist gut, aber die Umsetzung war leider nicht meins.

Veröffentlicht am 01.08.2017

Der Auftragskiller

Blood on Snow. Der Auftrag
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Olav ist Auftragskiller. Er ist gut in seinem Job und so bekommt er auch von seinem Chef einen Auftrag, den dieser nicht vielen zutraut: Olav soll Corina, die Frau seines Chefs ermorden. Doch was macht ...

Olav ist Auftragskiller. Er ist gut in seinem Job und so bekommt er auch von seinem Chef einen Auftrag, den dieser nicht vielen zutraut: Olav soll Corina, die Frau seines Chefs ermorden. Doch was macht ein Auftragskiller, dem Gefühle dazwischenkommen?

Da das Buch mit 187 Seiten ziemlich kurz ist, ist es schwer, nicht zuviel zu verraten. Durch den Hype, der in den sozialen Medien um dieses Buch aufgebaut wurde, habe ich damit gerechnet, dass das Buch mich nicht schlafen lassen würde - doch das war kein Problem. Das Buch baut zwar Spannung auf und nimmt einen mit, aber eher als neutralen Beobachter. Olav erzählt aus der Ich-Perspektive, so dass man das Gefühl hat, man steht neben ihm, ist vielleicht ein guter Freund (was Auftragskiller üblicherweise nicht haben) oder eine Art Therapeut, dem Olav alles erzählt. Das beginnt schon damit, das Olav zu Beginn erklärt, warum er nicht z.B. Zuhälter geworden ist, sondern Auftragskiller.

Der Titel ist durchaus wörtlich zu nehmen: Wir befinden uns im Dezember 1977, kurz vor Weihnachten und in Oslo werden gerade die Kälterekorde geknackt, was mit viel Schnee einhergeht. Nebenbei werden auch einige Tropfen Blut auf Schnee vergossen. Anders als bei anderen Büchern, die in den 60ern/70ern spielen hatte dieses Mal allerdings nicht das "Zeitreise-Feeling", bei dem man sich wundert, warum nicht einfach jemand ein Handy zückt. Woran genau das lag, kann ich nicht sagen, vielleicht ist das auch der Kürze des Buches geschuldet - oder der Tatsache, dass es eben oft darum geht, dass keiner rechtzeitig zum Telefon kommt bzw. die Telefone nicht abgehört werden dürfen.

Das Buch liest sich sehr flüssig, ab der Hälfte wollte ich es wirklich nicht mehr weglegen. Es baut eine Grundspannung auf, die gut ist, mir aber auch nicht das Blut in den Adern gefrieren ließ. Dafür war ich zu sehr in meiner Beobachterrolle und wollte wissen, ob meine Vermutungen und Befürchtungen sich bewahrheiten.

Den Preis von 12,99 € finde ich für ein so kurzes Buch recht hoch. Hätte ich das Buch nicht gewonnen, hätte ich wohl darauf gewartet, dass es in der Onleihe verfügbar ist. Das Cover und der schwarze Schnitt sorgen dafür, dass das Buch sofort auffällt.

Die Fortsetzung, die im Februar 2016 kommen soll, knüpft zwar an eine Figur aus diesem Thriller an, soll aber wohl auch eigenständig zu lesen sein.

Fazit: Ein interessanter Thriller, aus dem man aber auch mehr hätte machen können.

Reihenfolge:
1. Blood on snow. Der Auftrag
2. Blood on snow. Das Versteck