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Veröffentlicht am 10.08.2024

unterhaltsamer Genremix für Kinder

Die wundersamen Talente der Kalendario-Geschwister: Skurril, komisch, magisch - eine Detektivgeschichte der besonderen Art!
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Louisa Söllner ist hier ein Genremix aus Detektivgeschichte, Magie und Familengeschichte gelungen, der Kinder ab 10 Jahren gut unterhält. Pablo und seine Schwester Penny leben mit ihren Müttern in Maubach, ...

Louisa Söllner ist hier ein Genremix aus Detektivgeschichte, Magie und Familengeschichte gelungen, der Kinder ab 10 Jahren gut unterhält. Pablo und seine Schwester Penny leben mit ihren Müttern in Maubach, einem beschaulichen kleinen Ort, in dem jedoch einige schräge Dinge geschehen. Die Merkwürdigkeiten häufen sich nachdem Herr Kalendario mit seinen fünf sonderbaren Kindern in die Villa nebenan einzieht. Dort lebte bis vor 25 Jahren die Familie Knopfloch, doch dann verschwand sie spurlos. Seither hat sich im Kleinstadtleben einiges verändert.

Pablo liebt seine Großmutter und ihre Geschichten über alles, außerdem ist er gerne als Detektiv unterwegs, um magische Dinge aufzuklären. Seine Schwester Penny ist da ganz anders aufgestellt, sie glaubt, was sie sieht.

Die sieben Kinder freunden sich an und versuchen die Rätsel, die sie umgeben zu lösen. Vor allem möchten sie wissen, ob Herr Kalendario etwas mit dem Verschwinden der Knopflochs zu tun hat und ob er magische Fähigkeiten hat.

Trotz der besonderen Mysteryelemente wirken die Erlebnisse und Probleme der Kinder glaubhaft und nachvollziehbar. Es ist nicht zu abgehoben, die jungen Leser*innen können sich hier häufig wiederfinden. (Streit, Versöhnung, erste Liebe, Geschwisterleben, Hilfsbereitschaft, Krankheit...)

Die Autorin erzählt sehr lebhaft und mitreißend. Die Geschichte steckt voller liebevoller und humorvoller Kleinigkeiten, die Spaß machen und authentisch wirken. Es gibt einiges an magischen Momenten.

Einziger Kritikpunkt ist das überhastete Ende, hier hätte ich mir ein paar Seiten mehr gewünscht, auf denen die Auflösung des Falles nicht nur rückblickend durch Pablo erzählt wird. Das ist zwar auch sehr gut beschrieben, aber ein wenig mehr Handlung und Wendung, wie in den vorherigen Kapiteln wäre schön gewesen. Dies ist aber meckern auf hohem Niveau. Die Geschichte ist warmherzig und enthält neben der guten Unterhaltung auch wertvolle Botschaften.

Von uns gibt es eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 10.08.2024

unrund

Anna O.
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Der Klappentext hat mich extrem neugierig gemacht. Kann ein Schlafwandler Morde begehen? Ein Ja auf diese Frage wirft viele Folgefragen auf, z.b. bezüglich der Schuldfähigkeit oder des Selbstbestimmungsrechtes ...

Der Klappentext hat mich extrem neugierig gemacht. Kann ein Schlafwandler Morde begehen? Ein Ja auf diese Frage wirft viele Folgefragen auf, z.b. bezüglich der Schuldfähigkeit oder des Selbstbestimmungsrechtes der Person, die es ja wieder tun könnte usw.
Hier geht es um Anna Ogilvy, die angeblich zwei Menschen erstochen hat und seither nicht wieder aufgewacht ist. Das Land ist hinsichtlich der Beurteilung in zwei Lager gespalten. Dr. Prince ist ein Experte für Schlaf und schafft es, Anna nach vier Jahren zu wecken.
Eine Vielzahl von Personen versucht nun in diesem Fall seine Interessen zu vertreten. Die Eltern, eine Polizistin, eine Ministerin, die Klinikleitung, eine Bloggerin und eine mysteriöse Person. Die Geschichte wird aus diesen unterschiedlichen Perspektiven erzählt und könnte dadurch sehr abwechslungsreich und lebhaft sein, würde sie sich nicht zuweilen in Langatmigkeit verzetteln. Jeder hat hier etwas zu verbergen und versucht sich Vorteile zu verschaffen.
Das Hörbuch wurde von Oliver Siebeck, Anne Düe, Vera Teltz und Tanja Geke engagiert eingelesen.
Der Plot ist anfangs noch sehr interessant, doch der Spannungsbogen verliert sich oft. Am Ende hat mich die Entwicklung richtig überrascht, mit dieser Wendung konnte der Autor nochmal punkten. Durch die vielen Logikfehler und die Langatmigkeit reicht es aus meiner Sicht aber nur für drei Sterne und eine eingeschränkte Empfehlung.

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Veröffentlicht am 10.08.2024

erschütternd, aber sperrig erzählt

Das Lied des Propheten
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Paul Lynch erzählt hier mittels einer Familiengeschichte, wie schnell eine Demokratie durch ein totalitäres System abgesetzt werden kann und welche Auswirkungen dieser Wandel auf die Bevölkerung hat.
Eilish ...

Paul Lynch erzählt hier mittels einer Familiengeschichte, wie schnell eine Demokratie durch ein totalitäres System abgesetzt werden kann und welche Auswirkungen dieser Wandel auf die Bevölkerung hat.
Eilish Stack lebt mit Mann und vier Kindern in Dublin. Eines Abends beginnt der Terror für die Familie, als eine Geheimpolizei nach ihrem Mann fragt. Dieser hat eine leitende Funktion in der Lehrer-Gewerkschaft. Die Schlinge zieht sich immer weiter zu und bald kippt nicht nur die Sicherheit des Familienlebens, sondern auch die im Land. Plötzlich ist Eilish allein mit den Kindern, der Mann vermisst. Die Schwester in Kanada möchte ihnen zur Flucht verhelfen, doch dies gestaltet sich schwierig. Dann ist da auch noch der an Demenz erkrankte Vater.
Die Gesellschaft formiert sich durch das neue Regime um, die Einen machen mehr oder weniger aktiv mit, die Anderen rebellieren. Bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen in der Stadt, es wird gefährlich.
Der Roman weckt viele Assoziationen zu aktuellen Nachrichten, ähnliches wird aus anderen Ländern berichtet. Menschen werden in die Flucht getrieben, um zu Überleben.
Paul Lynch hat die Geschichte gelungen aufgebaut. Glaubhaft vollführt sich ein Rechtsruck in die Katastrophe. Die Lage der kleinen Familie, aber auch die im Land wird spürbar gemacht, auf beiden Ebenen ist die Entwicklungen beängstigend authentisch. Das Thema ist gerade heute sehr wichtig und die Botschaft aufrüttelnd. Leider ist der Erzählstil nicht ganz einfach. Lynch schreibt poetisch, teils etwas verschwurbelt in Andeutungen. Das Fehlen von Satzzeichen und klärenden Absätzen fordert große Aufmerksamkeit und hemmt den Lesefluss etwas.
Eine wichtige, aber nicht ganz einfache Lektüre.

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Veröffentlicht am 19.07.2024

Wie man einen Stern umarmt

Komm, wir trösten den kleinen Stern
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Dieses Bilderbuch wirkt über seine reiche, farbenprächtige, wunderschöne Illustration. Die Bilder sind großflächig und es gibt immer wieder neue spannende Dinge zu entdecken, so dass das erneute Anschauen ...

Dieses Bilderbuch wirkt über seine reiche, farbenprächtige, wunderschöne Illustration. Die Bilder sind großflächig und es gibt immer wieder neue spannende Dinge zu entdecken, so dass das erneute Anschauen und Vorlesen nicht eintönig wird. Die Geschichte wird in Reimen erzählt, was uns gut gefiel.

Es geht um einen kleinen traurigen Stern, der sich eine Umarmung wünscht. Schnipsel und sein Hängebauchschwein Rolf wollen gerne helfen, aber das gestaltet sich natürlich nicht so einfach. Mutig versuchen sie Lösungen zu finden.

Die Geschichte zeigt Kindern wie wichtig Freundschaft und Zugewandheit ist. Es ist nicht schön, wenn jemand alleine ist. Offenheit und eine Umarmung sind ein Geschenk, das glücklich machen kann. Auch das Thema Diversität wird aufgegriffen, ohne viel Tamtam, sondern nebenbei, als etwas alltägliches.

Das Bilderbuch hat eine moderne Botschaft und ist wunderschön anzusehen. Uns gefällt es sehr und wir empfehlen es gerne weiter.

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Veröffentlicht am 19.07.2024

Agathes Leidensgeschichte

Aus guter Familie. Leidensgeschichte eines Mädchens
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Gabriele Reuter schildert in "Aus guter Familie" den Lebensweg von Agathe Heidling. Sie ist eine Tochter aus guter Familie. Ende des 19. Jahrhd. ist der Lebensweg damit fest und in engen Bahnen vorbestimmt. ...

Gabriele Reuter schildert in "Aus guter Familie" den Lebensweg von Agathe Heidling. Sie ist eine Tochter aus guter Familie. Ende des 19. Jahrhd. ist der Lebensweg damit fest und in engen Bahnen vorbestimmt. Sie soll heiraten und Kinder bekommen, Bestimmen und Mitentscheiden ist unerwünscht. Die Geschichte beginnt mit Agathes Konfirmation. Das Fest wird detailliert beschrieben. Für mich war der Einstieg etwas schwer. Auf einen Klassiker mit der Ausdrucksweise seiner Zeit hatte ich mich eingestellt, aber an die rührseligen Gedanken und das devote Verhalten Agathes musste ich mich erst gewöhnen. Agathe versucht es allen recht zu machen und scheitert. Durch ihre Freundin Eugenie wird der erfolgreiche Part als Gegensatz zu Agathe sichtbar, wobei Eugenies "Erfolge" u.a. auch zu Lasten Agathes gehen, somit ist es eine fragwürdige Freundschaft. Die Hilfe, die Agathe in dieser Zeit zu Teil wurde, ist schwerlich als solche einzustufen. Tragisch.

Reuter schildert Agathes Lebensweg und es ist aus heutiger Sicht schwer zu ertragen, wie es ihr erging. Man erhält bei der Lektüre einen guten Einblick in die Zeit, die Anschauungen und Lebensumstände. Frauen hatten damals nichts zu melden, heute ist dies immer noch verbesserungswürdig, aber deutlich besser. Agathe zerbricht letztlich an den Umständen, das ist schmerzhaft. Obwohl sie mir nicht sympathisch war, habe ich gerne an ihrer Geschichte teilgenommen und mit ihr gehadert. Für die Zeit sicherlich kein untypisches Schicksal.

Der Reclam Verlag hat mit diesem Buch einen vergessenen Klassiker wiederbelebt. Das Buch erschien 1895 erstmals und machte die Autorin damals berühmt. Schön, dass sie nun wiederentdeckt werden kann.

Ein lesenswertes Zeitzeugnis, das die Rolle der Frau in der wilhelminischen Zeit gut darstellt.

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