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Veröffentlicht am 24.02.2018

Ein gelungenes Kinderbuch, das zu Recht die Bezeichnung "Kinderkrimi" trägt

Rocky, die Gangster und ich oder wie Mathe mir das Leben rettete (echt jetzt!)
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Inhalt:
Felix, der in Mathematik keine große Leuchte ist, muss nach einer misslungenen Klassenarbeit um seine Versetzung bangen. Durch Zufall lernt er in einem Tierheim Rocky kennen, einen ehemaligen ...

Inhalt:
Felix, der in Mathematik keine große Leuchte ist, muss nach einer misslungenen Klassenarbeit um seine Versetzung bangen. Durch Zufall lernt er in einem Tierheim Rocky kennen, einen ehemaligen Polizeihund, der dort einige Zeit untergebracht worden ist, nachdem er durch eine jährliche Spürhund-Prüfung gefallen war, und freundet sich mit diesem an. Bei einem gemeinsamen Spaziergang geraten die beiden in die Fänge zweier Gangster, können sie diesen entkommen?

Handlung:
Felix hat sehr unter seinem fiesen Mathelehrer, Herrn Teufel, zu leiden, der keine Gelegenheit auslässt, Felix mit seinen schlechten Leistungen vor der gesamten Klasse bloß zu stellen und niederzumachen. Nicht viel besser ergeht es Rocky, der bei seiner jährlichen Prüfung als Spürhund kläglich versagt und schließlich im Tierheim landet. Durch eine glückliche Fügung des Schicksals lernen sich die beiden kennen, als Felix im Tierheim mithilft. Sie freunden sich rasch an. Auf einer ihrer Spaziergänge, bricht der Polizeihund in Rocky durch und er nimmt die Fährte zweier Gangster auf, worauf er Felix in eine brenzlige Lage bringt, als sie von den Verbrechern entdeckt und gefangen gehalten werden.

Schreibstil:
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive des Jungen und aus jener des Hundes erzählt. Dabei wird auch ein wenig mit der Sprache gespielt: während man beim Kind klare, strukturierte Gedankengänge erkennt und die Sätze ausformuliert werden, wirken die Sätze des Hundes ein wenig konfus und hektisch, sind abgehackt und kurz – wie man es sich eben von einem hechelnden, in Alarmbereitschaft versetzten Hund erwarten würde, dem seine Gedanken einfach ohne jegliche Struktur ins Gehirn schießen. Zugegebenermaßen für ein Kind vielleicht ein wenig schwer zu lesen, trotzdem eine sehr gelungene sprachliche Darstellung. Die Geschichte ist unglaublich spannend geschrieben, sodass man sie in kürzester Zeit gelesen hat, weil man einfach wissen will, wie die beiden es schaffen, sich aus ihrer misslichen Lage zu befreien.

Charaktere:
Die Hauptfiguren sind Felix und Rocky, beide werden sehr sympathisch dargestellt. Zum einen Felix, der seine liebe Not mit seinem aufsässigen Mathematiklehrer mit dem bezeichnenden Namen „Teufel“ hat, zum anderen der treu ergebene Hund Rocky, der einfach nur sein jeweiliges Herrchen glücklich sehen und ihm alles Recht machen will. Ihre Freundschaft und die gemeinsame Sorge um einander, lässt beide über sich hinauswachsen und zu Helden werden.
Im krassen Gegensatz zu den beiden, stehen auf der einen Seite die beiden Gangster, die in ihrem Tun besonders brutal und skrupellos erscheinen, sodass man ihnen alles Böse zutraut und auf der anderen Seite , wie bereits erwähnt, der fiese Lehrer Teufel, der keine Gelegenheit auslässt, um Felix niederzumachen.

Cover:
Das Cover wirkt recht poppig, ist kindgerecht und witzig gestaltet, sodass es unter Garantie auffällt, wenn es in der Buchhandlung steht. Ich muss allerdings zugeben, dass ich aufgrund des Covers ein eher kindlicheres Buch erwartet und nicht mit so viel Spannung gerechnet hätte....

Autor:
Nach mehrjähriger Arbeit auf dem „Schulschiff Deutschland“ studierte Fritz Fassbinder Nachrichtentechnik, danach widmete er sich mehreren Projekten und Entwicklungstätigkeiten für eine Spacelab-Mission der ESA. Heute arbeitet er für das Innenministerium im Polizeiumfeld und ließ sich davon auch zu seinem ersten Kinderbuch mit Krimihandlung inspirieren.

Illustrationen:
Die am Beginn jeden Kapitels zu findenden Illustrationen stammen allesamt von Sonja Kurzbach, die nach ihrer Ausbildung zu Mediengestalterin nun in Berlin lebt und dort als freie Illustratorin arbeitet.

Meinung:
Ein toll geschriebenes Kinderbuch, das die Freundschaft zwischen Tier und Mensch hervorhebt und zeigt wie wertvoll ein echter Freund ist, auf den man sich hundertprozentig verlassen kann. Der kleine Einblick in die Gedankenwelt eines Hundes ist sehr originell und gut gemacht, man könnte fast auf die Idee kommen, dass ein Hund manchmal durchaus so „tickt“ und sich so äußern würde, wenn er könnte! Man hat nie den Eindruck, dass der Hund übertrieben vermenschlicht dargestellt wird, manchmal sind bei ihm auch niedere Triebe vorrangig und die Gedankenwelt des Hundes kreist dann eben primär um das Fressen oder das nächste Leckerli!

Persönliche Kritikpunkte:
Wie bereits oben angesprochen, könnte der teilweise recht abgehackte Stil der, vorherrscht, wenn aus der Perspektive des Hundes erzählt wird, eher kleineren Lesern Probleme bereiten. Bereits größere Kinder bzw. fortgeschrittene Leser werden jedoch gerade an dieser Darstellungsform ihre Freude haben und zum Schmunzeln gebracht werden.

Fazit:
Ein wirklich gelungenes, gut geschriebenes, spannendes aber auch entzückendes Kinderbuch, das die Bezeichnung „Kinderkrimi“ zu Recht trägt!

Veröffentlicht am 24.02.2018

Eine bezaubernde Katzengeschichte mit Herz

Darcy - Der Glückskater als Retter in der Not
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Inhalt:
Dies ist der sechste Band der Kurzromanreihe rund um den Glückskater Darcy, der seine Familie während eines Urlaubs verlor, und dessen größter Wunsch es ist, wieder mit seiner Familie vereint zu ...

Inhalt:
Dies ist der sechste Band der Kurzromanreihe rund um den Glückskater Darcy, der seine Familie während eines Urlaubs verlor, und dessen größter Wunsch es ist, wieder mit seiner Familie vereint zu werden. In jedem der Bücher wird eine Station auf dieser abenteuerlichen Reise näher beleuchtet. So auch in Band sechs, in dem Darcy auf die Café-Besitzerin Briony im südenglischen Dorf Little Nymfield trifft, die sich durch die Eröffnung eines zweiten Cafés im Dorf an den Rand ihrer finanziellen Existenz gedrängt fühlt. Wird es die beherzte Briony mit Hilfe des Katers trotzdem schaffen, sich gegen die aalglatt agierenden Inhaber des Konkurrenzlokals zur Wehr zu setzen?

Handlung:
Obwohl der Kater eigentlich im Mittelpunkt dieser Buchreihe steht, hält sich dieser während des Geschehens eher vornehm im Hintergrund und greift nur sehr subtil in die Geschehnisse ein. Hauptakteurin wird dadurch die Lokalinhaberin Briony, die seit Jahren schon zusammen mit ihrer Freundin Kiki das Lokal betreibt. Ihre Torten und Scones sind seit längerem weithin bekannt, und doch scheint ihr das neue Lokal mit seinen findigen Verkaufsmethoden den Rang abzulaufen. Hier ist guter Rat teuer!

Schreibstil:
Gesine Schulz schafft durch ihren wunderbar bildhaften Schreibstil eine unheimlich angenehme Atmosphäre, sodass man beim Lesen die frischgebackenen, duftenden Scones zu riechen meint. Man wähnt sich richtiggehend als Cafe-Besucher vor Ort, so gut ist alles beschrieben.

Charaktere:
Briony, ihres Zeichens Inhaberin des kleinen Cafés in Little Nymfield besticht durch ihre ehrliche und erfrischende Art, sodass man sie sofort ins Herz schließen muss. Selbst an den finanziellen Ruin gedrängt, hat sie trotzdem noch ein offenes Ohr für Menschen in Not und selbst eine ihr unbekannte, verletzte Katze wird von ihr gesundgepflegt, und sie kümmert sich für deren tierärztliche Versorgung. Ihre Gegenspieler, ihre ehemalige, schon damals verhasste Schulkameradin Nicole und deren nicht minder mit allen Wassern gewaschene Ehemann Desmond stehen im extremen Kontrast zu Briony. Aber obwohl Nicole und Desmond keine Gemeinheit gegenüber Briony scheuen und sie mit allen Mitteln versuchen, diese finanziell zu ruinieren, lässt sich Briony nicht auf ihr Niveau herab, sondern geht geradlinig ihren Weg.

Cover:
Eine den Leser wachsam beobachtende dreifärbige Glückskatze vor einem malerischen englischen Cottage gibt bereits erste Hinweise auf den Inhalt des Buches und setzt dabei den Stil der vorherigen Bände der Buchreihe fort, sodass man auf den ersten Blick erkennt, dass es sich hierbei um eine weitere Geschichte rund um „Darcy“ handelt.

Autorin:
Gesine Schulz wurde in Niedersachsen geboren und wuchs im Ruhrgebiet auf. Nach ihrer Ausbildung zur Bibliothekarin verbrachte über zehn Jahre in Irland, Manhattan, Berner Oberland, Bogotá und La Paz, wo sie Bibliotheken reorganisierte, in einem Hotel arbeitete und an archäologischen Ausgrabungen teilnahm. Zurück in Essen, verschrieb sie sich jedoch ganz der Schriftstellerei.

Meinung:
Eine sehr angenehm zu lesende und berührende Geschichte über eine Frau, die sich trotz Widrigkeiten nicht davon abbringen lässt, ihren geradlinigen Weg zu gehen und ihr Herz für andere zu öffnen. Der Kater Darcy greift hin und wieder ins Geschehen ein, tut dies aber sehr subtil, sodass die Geschichte trotzdem glaubhaft bleibt. Die Erzählung selbst wird immer wieder mal aus der Sicht des Tieres geschildert, man hat jedoch nie den Eindruck, als würde das Tier in seiner Denkweise bzw seinem Auftreten vermenschlicht werden.
Als Leser fühlt man sich in dieser Geschichte unheimlich wohl, man schließt Briony und natürlich auch Darcy von Anfang an in sein Herz. Die Beschreibung des Lokals mit seinem Bezug zu historischen Details wirken so glaubhaft, dass man am liebsten nach Little Nymfield reisen möchte, um dies zu verifizieren.

Fazit:
Eine bezaubernde Geschichte, die nicht zu dick aufgetragen ist und wirklich Spaß macht zu lesen!

Veröffentlicht am 24.02.2018

Sehr authentisch, wenn auch äußerst brutal

Schwarzweiß
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Der Roman handelt von der Regina Bogner, welche als Stationsärztin im Maßregelvollzug in Hamburg arbeitet. Einer ihrer neuen Patienten ist der Insasse Niklas Rösch, welcher aufgrund seines perfiden Mordes ...

Der Roman handelt von der Regina Bogner, welche als Stationsärztin im Maßregelvollzug in Hamburg arbeitet. Einer ihrer neuen Patienten ist der Insasse Niklas Rösch, welcher aufgrund seines perfiden Mordes an einer jungen Schwarzen mit der Diagnose Schizophrenie eingewiesen worden ist. Regina, die ihn als zuständige Ärztin betreut, erkennt jedoch bald, dass es sich dabei um eine Fehldiagnose handelt, wird von ihrem Vorgesetzten Löhner in ihre Schranken gewiesen, da sie nicht die Position innehat, eine Diagnose eines renommierten Arztes in Frage zu stellen. Die Medikation Rösch wird daher aufgrund der Diagnose Schizophrenie verabreicht, von deren Wirkung Regina bei Rösch nicht im Geringsten überzeugt ist. Auf sie macht Rösch eher den Eindruck eines Psychopathen, der wieder morden wird, sobald sich ihm die Gelegenheit dazu bietet. Verstärkt wird ihr Verdacht noch dadurch, dass Rösch in einer ihrer gemeinsamen Sitzungen erwähnt, dass dies nicht sein erster Mord gewesen wäre und er seine „Blutunschuld“ schon Jahre zuvor im Süd-Sudan verloren hat. Außerdem deutet er an, dass er alles über sie und ihre Vergangenheit in Nyala weiß. Regina hat nämlich in den Jahren zuvor gemeinsam mit ihrem Ehemann, einem gebürtiger Sudanesen, im Süd-Sudan eine Klinik in Nyala geleitet, diese Klinik war jedoch von Rebellen gestürmt worden, im Zuge dessen war ihr Mann grausam ermordet worden, sie jedoch war mit der gemeinsamen Tochter Anabel die Flucht gelungen. Alle weiteren Details versuchte Regina jedoch weitestgehend zu verdrängen, zu schmerzlich und erschütternd waren für sie damals die Einzelheiten gewesen. Da sie bisher niemandem davon erzählt hatte, sind diese Andeutungen Röschs für sie umso schlimmer zu ertragen. Da Rösch die verordneten Medikamente bereitwillig einnimmt, werden seine Auflagen von Seiten der Klinikleitung bald gelockert, was Regina vergeblich zu verhindern versucht. Als Rösch auf diese Weise kurz darauf seine Flucht gelingt, fürchtet Löhner um seinen Posten, und versucht alles Erdenkliche, um den Vorfall möglichst zu bagatellisieren. Als kurze Zeit später erneut ein bestialischer Mord geschieht, der eindeutig die Handschrift Röschs trägt, bekommt Regina, die bereitwillig den ermittelnden Beamten ihre Hilfe anbietet, unerwartet Schützenhilfe von ihrem bis dato dem Klinikvorstand treu ergebenen Kollegen Mark. Als nun auch ein Mord in Reginas näherem Umfeld passiert, muss Regina erkennen, dass auch sie und ihre Tochter Anabel in höchster Gefahr schweben.
Ein wirklich gut geschriebener, von der ersten Seite an fesselnder und spannender Roman! Aus der Art und Weise, wie etwa auch der Klinikalltag beschrieben ist und über den Psychopathen Rösch berichtet wird, sieht man, dass die Autorin Antonia Fennek selbst vom Fach ist und daher weiß, wovon sie schreibt. Das macht den Roman noch interessanter und authentischer! Die Figur Rösch in ihrer Undurchschaubarkeit ist sehr gut herausgearbeitet, die bestialischen Mordszenen sind zwar äußerst blutrünstig dargestellt und sicherlich nichts für zarte Gemüter, trotzdem komplettieren sie nur das Bild des brutalen Psychopathen. Regina Bogner, die behandelnde Ärztin wirkt souverän und gefasst, ihre innere Stärke mag sie durch die Gewalt mit der sie in Nyala konfrontiert war, erworben haben. Alles in allem ist das gesamte Werk gut durchdacht, und für den Leser in jeder Phase nachvollziehbar. Der Stil ist sehr flüssig und gut zu lesen, in keiner Phase wirkt der Roman auch nur irgendwie belehrend, auch wenn er logischerweise nicht ohne Fachvokabular auskommt. Das Coverbild in seiner Schlichtheit ist sehr gut gewählt und rundet meinen überaus positiven Eindruck von diesem Werk ab!

Veröffentlicht am 24.02.2018

Ein echter Pageturner!

SOG
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Inhalt:
In Reykjavik wird eine Zeitkapsel gehoben, in die zehn Jahre zuvor Schüler im Rahmen eines Projektes Briefe gelegt hatten, in denen sie ihre Zukunftsvisionen für dieses Jahr beschrieben. Doch ein ...

Inhalt:
In Reykjavik wird eine Zeitkapsel gehoben, in die zehn Jahre zuvor Schüler im Rahmen eines Projektes Briefe gelegt hatten, in denen sie ihre Zukunftsvisionen für dieses Jahr beschrieben. Doch ein ungewöhnlicher Zettel sticht dabei hervor: Auf diesem werden noch für das laufende Jahr die Morde an einigen, nur mit ihren Initialen versehenen Personen angekündigt. Anfangs wird dieser Zettel noch belächelt und als Kinderei abgetan. Dies ändert sich jedoch, als zuerst die abgetrennten Hände eines Unbekannten aufgefunden werden und in weiterer Folge noch andere verstümmelte Mordopfer aufgefunden werden. Ist der Mörder in den Reihen jener ehemaligen Schüler zu suchen, der Rache üben wollte, oder steckt ein irrer Serienmörder dahinter? Kommissar Huldar, der aufgrund seines Fehlverhaltens in seinen vorherigen Fall degradiert wurde, steht unter Zugzwang, um sich zu rehabilitieren. Bei seiner Recherche stößt er auf einen zwölf Jahre zurückliegenden Fall eines Sexualmordes an einem kleinen Mädchen. Steht der Mörder von damals mit den aktuellen Mordfällen in Verbindung?

Handlung;
Die Geschichte wird in unterschiedlichen zeitlichen Ebenen und aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Dadurch gewinnt man zusätzliche Einblicke in das Seelenleben der einzelnen Charaktere und die daraus resultierenden Geschehnisse. Die einzelnen Handlungsstränge scheinen anfangs nichts miteinander zu tun zu haben, sie verknüpfen sich erst nach und nach. Das macht den Reiz des Ganzen aus, denn dadurch bleibt die Spannung über die gesamten 448 Seiten aufrecht.

Schreibstil:
Yrsa Sigurdardóttir schreibt flüssig und unglaublich spannend, dabei beschreibt sie die Geschehnisse schonungslos mit einer solchen Brutalität und konfrontiert den Leser bis an den Rand des Erträglichen detailliert mit Gewalt, wobei auch sie bei ihren Beschreibungen auch nicht davor zurückschreckt, kleine Kinder zum Zielobjekt des Täters werden zu lassen.

Charaktere:
Kommissar Huldar und die Kinderpsychologin Freya konnte man bereits im Vorgängerband „DNA“ als Ermittlerduo kennenlernen, beide haben alle Hände voll damit zu tun, ihr eigenes Leben in den Griff zu bekommen. Ein schlechter Start zu Beginn ihres Kennenlernens trägt sein Übriges dazu bei, dass die beiden auch an der Beziehung zueinander zu knabbern haben, wobei sie dabei recht unreif, bisweilen fast schon kindisch auftreten, was ihren Sympathiewerten beim Leser nicht unbedingt zu Gute kommt. Alle anderen Figuren sind jedoch sehr authentisch gezeichnet, was das Ganze sehr glaubwürdig macht!

Cover:
Das Cover mit seinem roten Schriftzug „Sog“ hinter einer durchbrochenen Mauer wirkt auffallend und zieht die Blicke förmlich auf sich, sodass man schon allein wegen des Covers zu diesem Buch greift.

Autorin:
Yrsa Sigurdardóttir wurde 1963 in Island geboren und schloss im Jahre 1988 ihr Bauingenieur-Studium als „Master of Science“ in Montreal ab und arbeitet seither als Ingenieurin am Kárahnjúka-Staudamm im Osten Islands.Sie wohnt mit ihrem Mann und zwei Kindern in Seltjarnarnes bei Reykjavík.

Meinung:
Yrsa Sigurdardóttir hat während der Erzählung den Leser völlig in der Hand. Durch die Beschreibung kleiner Banalitäten haucht sie den einzelnen Figuren Leben ein, und macht sie zum Teil so liebenswürdig, dass der Gedanken daran, dass ihnen womöglich etwas Böses widerfahren könnte, schier unerträglich wird. Die brutal beschriebenen Szenen sind nicht ohne, es werden Tabuthemen wie Vergewaltigung von Kindern aufgegriffen, was wirklich kaum erträglich zu lesen ist. Für mich insofern erschreckend, als dass das Buch auf einem realen Fall beruht, dieses Wissen macht das Ganze noch schlimmer. Die geschilderte Ungerechtigkeit, die den Jugendlichen Sigrún und Þröstur in diesem Buch widerfährt, und die beklemmende, ausweglose Lage, in der sich die beiden befinden, lassen den Leser vor Wut am liebsten laut aufschreien. Auch die seelischen Grausamkeiten, die ihnen von Seiten der Behörden und jener, die eigentlich ihrem Schutze dienen sollten, entgegengebracht werden, empfand ich als extrem belastend.

Persönliche Kritikpunkte:
Das Hick-Hack zwischen Huldar und Freya war mir persönlich schon zu viel, auch die zickigen und überzogenen Reaktionen Freyas waren ein wenig befremdlich, wenn man bedenkt, dass sie ausgebildete Psychologin ist, sollte man meinen, dass sie mehr Einfühlungsvermögen an den Tag legt.

Fazit
Ein unglaublich packender und schonungsloser Thriller, der aber sicher nichts für Zartbesaitete oder junge Mütter ist. Geschickt platzierte Wendungen halten die Spannung von der ersten bis zur letzten Seite aufrecht.

Veröffentlicht am 24.02.2018

Ein wunderschöner, berührender Roman

Kurz bevor das Glück beginnt
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Die 20jährige Julie, alleinerziehende Mutter des dreijährigen Lulu, hatte es bisher nicht leicht in ihrem Leben: als sie von ihrer Schwangerschaft erfahren hatten, brachen ihre Eltern mit ihr. Somit musste ...

Die 20jährige Julie, alleinerziehende Mutter des dreijährigen Lulu, hatte es bisher nicht leicht in ihrem Leben: als sie von ihrer Schwangerschaft erfahren hatten, brachen ihre Eltern mit ihr. Somit musste Julie ihren Traum von einem Studium der Molekularbiologie begraben und stattdessen einen Job als schlechtbezahlte Kassiererin in einem Supermarkt annehmen, um sich und ihr Kind finanziell über Wasser halten zu können. Hier muss sie sich mit diebischen Kolleginnen und einem unguten Chef, der ihr gegenüber laufend anzügliche Bemerkungen fallen lässt, herumschlagen.

Eines Tages steht plötzlich der 51-jährige Paul, der kurz zuvor von seiner Frau verlassen worden ist, als Kunde an ihrer Kassa, und scheint mit seinem Einkauf völlig überfordert zu sein. Julis liebenswürdige und hilfsbereite Art, berührt Paul so sehr, dass er ihr tags drauf ein Mittagessen spendiert. Als er dadurch mehr über Julies Lebensumstände erfährt, und er zugleich feststellt, wie gut ihm die erfrischende Gesellschaft von Julie tut, lädt er sie zusammen mit Lulu spontan dazu ein, ihn für einen Urlaub in seinem Strandhaus in der Bretagne zu begleiten. Nach anfänglicher Skepsis sagt Julie zu, zumal sie auch Pauls Sohn Jerome auf dieser Reise begleiten soll, der seit einem Jahr sehr unter dem Selbstmord seiner Frau zu leiden hat. Jedem einzelnen der vier Protagonisten tut dieser Urlaub sehr gut: Paul, sieht in Julie so etwas wie eine neugewonnene Tochter, Julie genießt den Strandurlaub zusammen mit ihrem Sohn ihn vollen Zügen, Lulu findet Gefallen an Paul, den er als Großvater-Ersatz betrachtet, und auch der anfänglich Julie gegenüber sehr negativ eingestellte Jerome blüht zusehend auf. So verbringen die vier miteinander einen wunderschönen Urlaub am Meer, die Idylle findet jedoch ein jähes Ende, als es auf der Rückfahrt aus der Bretagne zu einem tragischen Unfall kommt.

Ein wunderschöner, berührender Roman, der in einfachen Worten das Geschehen beschreibt. Der kleine Lulu, in seiner kindlich naiven Art wächst dem Lesenden ebenso ans Herz, wie die junge Julie, die in ihrem jungen Leben schon soviel mitgemacht hat. Auch der etwas ältlich gezeichnete Paul wirkt sehr sympathisch, es scheinen sich vier Menschen gesucht und schließlich gefunden zu haben. Diese Idylle wird durch den Unfall, mit seinen schrecklichen Folgen für alle Beteiligten jäh unterbrochen. Als Leser sitzt man fassungslos vor dem Buch und kann die Tragik der Geschehnisse kaum begreifen. Das Ganze ist so berührend und so authentisch geschildert, dass einem beim Lesen die eine oder andere Träne über die Wangen kullert. Man spürt förmlich, dass sich die Autorin Agnes Ledig durch Tod ihres fünfjährigen Sohnes, einige Jahre zuvor an Leukämie verstorben war, selbst sehr stark mit dem Thema Tod auseinandersetzen musste. Immer wieder lässt sie wirklich tolle Lebensweisheiten in den Text einfließen, ohne auch nur ansatzweise besserwisserisch oder belehrend zu wirken. Ein sehr schöner, sehr berührender Roman, dessen wunderschönes Cover die Geschichte optimal unterstreicht.