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Shilo_

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.01.2026

Zwischen Liebe und Selbstbestimmung

In der Liebe wollen wir frei sein
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Diese Geschichte spielt Anfang der siebziger Jahre, einer Zeit, in der vieles im Wandel ist. Alte Rollenbilder bestimmen noch den Alltag, auch wenn viele Menschen beginnen, sie zu hinterfragen. Im Mittelpunkt ...

Diese Geschichte spielt Anfang der siebziger Jahre, einer Zeit, in der vieles im Wandel ist. Alte Rollenbilder bestimmen noch den Alltag, auch wenn viele Menschen beginnen, sie zu hinterfragen. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die als Journalistin arbeitet und überzeugt ist, dass man Missstände offen benennen muss.
Der Roman zeigt, wie schnell sich das Leben von Frauen verändert, sobald Ehe und Erwartungen eine Rolle spielen. Eine enge Freundschaft bekommt Risse, als Selbstständigkeit gegen Anpassung eingetauscht wird.
Der Wunsch nach Liebe ist da, aber nicht um jeden Preis. Eine Beziehung soll auf Augenhöhe stattfinden. Gleichzeitig ist ständig die Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft präsent. Diese Unsicherheit begleitet viele Entscheidungen und prägt den Alltag spürbar.
Als die Diskussion um den Paragrafen 218 stärker wird, rücken persönliche Fragen und politische Themen eng zusammen. Haltung zeigen wird notwendig, im Beruf und im eigenen Leben.
Die Geschichte wird ruhig und zurückhaltend erzählt. Die Figuren wirken nah und echt, ihre Gedanken und Zweifel sind gut nachvollziehbar. Das Buch vermittelt ein klares Gefühl für diese Zeit und ihre Spannungen.
Vier Sterne für eine ruhige und nachdenkliche Geschichte.

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.01.2026

Wenn Liebe stärker ist als die Angst

Bis mein Herz dich findet (Liebesroman)
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Schon zu Beginn der Lektüre wird klar, dass sich Josefine Weiss erneut einem Thema widmet, das nicht leicht ist. Maja und Ben warten beide auf ein Spenderherz. Ihre Chancen stehen schlecht, da sie bei ...

Schon zu Beginn der Lektüre wird klar, dass sich Josefine Weiss erneut einem Thema widmet, das nicht leicht ist. Maja und Ben warten beide auf ein Spenderherz. Ihre Chancen stehen schlecht, da sie bei Eurotransplant nicht als besonders dringend eingestuft sind. Und trotzdem entsteht und wächst zwischen ihnen etwas, das stärker ist als ihre Angst und Unsicherheit. Sie beginnen, von einer gemeinsamen Zukunft zu träumen, obwohl jeder Tag ungewiss ist.
Erzählt wird die Geschichte aus Majas Sicht. Dadurch entsteht eine große Nähe zu ihren Gedanken und Gefühlen. Zweifel, Hoffnung, Angst und leise Zuversicht wirken ehrlich und nachvollziehbar. Auch Ben bleibt nicht blass. Er ist eine Figur mit Ecken und Tiefe, ruhig, warm und zugleich sehr verletzlich.
Der Schreibstil ist klar und sehr bildhaft. Die Autorin beschreibt Situationen und Emotionen so, dass sie leicht zugänglich bleiben, ohne an Wirkung zu verlieren. Vieles spielt sich zwischen den Zeilen ab. Es gibt ruhige Momente voller Nähe, aber auch Passagen, die schmerzhaft sind.
Die Handlung wird nicht ausgeschmückt oder breit erzählt. Stattdessen fließen wichtige Informationen ganz selbstverständlich ein. Der Leser spürt das Warten, die Ungewissheit, das Hoffen auf einen Anruf, der alles verändern kann.
Trotz des schweren Themas liest sich das Buch flüssig. Die Seiten fliegen nur so dahin, weil man wissen möchte, wie es weitergeht und wohin der Weg führt. Es ist eine Geschichte voller Höhen und Tiefen, nicht leicht, aber sehr berührend.
Fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung für alle, die gefühlvolle Geschichten mögen, jedoch auch vor schweren Themen nicht zurückschrecken.

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Veröffentlicht am 08.01.2026

Der Mann, der Leben rettete und daran zerbrach

Der Retter der Mütter
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Der ungarische Autor Péter Gárdos widmet sich in diesem Roman dem Leben des in Buda geborenen Frauenarztes Ignaz Semmelweis (1818 bis 1865). Getrieben von seinem Gewissen stellte er sich gegen die erschreckend ...

Der ungarische Autor Péter Gárdos widmet sich in diesem Roman dem Leben des in Buda geborenen Frauenarztes Ignaz Semmelweis (1818 bis 1865). Getrieben von seinem Gewissen stellte er sich gegen die erschreckend hohe Sterblichkeit von Frauen in den Geburtskliniken seiner Zeit. Über Jahre hinweg forschte er nach den Ursachen und gelangte schließlich zu bahnbrechenden Erkenntnissen über die Entstehung des Kindbettfiebers. Doch seine Beobachtungen stießen auf massiven Widerstand. Zu Lebzeiten fand Semmelweis kaum Unterstützung unter seinen Kollegen und wurde stattdessen mit Misstrauen, Neid und offenem Ablehnen konfrontiert. Sein unbeirrbarer Einsatz machte ihn zum Außenseiter innerhalb der Ärzteschaft und forderte einen hohen persönlichen Preis.
Der Autor zeichnet das Porträt eines außergewöhnlichen Mannes, der trotz aller Rückschläge nicht aufgab und bis zuletzt für das Leben der Wöchnerinnen kämpfte. Dabei rückt nicht allein der Mediziner in den Fokus, sondern vor allem der Mensch hinter der wissenschaftlichen Leistung, mit all seinen Zweifeln und Hoffnungen.
Die Figuren sind vielschichtig und sorgfältig ausgearbeitet, wodurch ihre Gedanken und inneren Konflikte spürbar werden. Historische Fakten verbinden sich stimmig mit fiktiven Elementen und schaffen ein dichtes und glaubwürdiges Gesamtbild. Der bildhafte und klare Schreibstil trägt dazu bei, dass sich die Geschichte lebendig liest und die Tragweite von Semmelweis’ Kampf im Gedächtnis bleibt.
Ein bewegender Roman über Mut, Menschlichkeit und wissenschaftliche Wahrheit, der tief berührt und für mich eine uneingeschränkte 5-Sterne-Empfehlung verdient.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Wo Zeit keine Rolle spielt

Mathilde und Marie
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In Redu, einem kleinen Dorf, umgeben von Wäldern und Flüssen, geht alles langsamer. Die Menschen leben ruhig und wirken ein wenig aus der Zeit gefallen. Technik gibt es kaum, Ablenkung selten. Die Menschen ...

In Redu, einem kleinen Dorf, umgeben von Wäldern und Flüssen, geht alles langsamer. Die Menschen leben ruhig und wirken ein wenig aus der Zeit gefallen. Technik gibt es kaum, Ablenkung selten. Die Menschen haben ihre festen Gewohnheiten.
Marie kommt aus Paris und lässt ihr bisheriges Leben hinter sich. Nicht wegen eines großen Dramas, sondern weil sie merkt, dass ihr Leben so nicht weitergeht. Ohne genaues Ziel beginnt sie ihre Reise. Im Zug trifft sie Jónína, eine Isländerin, die schnell erkennt, wie es ihr geht. Jónína bringt sie nach Redu, wo sie eine kleine Buchhandlung führt.
Marie findet nach und nach ihren Platz im Dorf. Sie beobachtet, hört zu und wird ein Teil des Alltags. Das Leben in Redu ist nicht perfekt, aber ehrlich. Die Menschen sind eigenwillig, manchmal verschroben, aber auf ihre Weise herzlich. Die Gemeinschaft zeigt sich still und selbstverständlich.
Mathilde fällt sofort auf. Sie wirkt abweisend und streng, fast unnahbar. Doch nach und nach zeigen sich Risse in ihrer harten Schale. Ihre Entwicklung geschieht langsam und wirkt echt. Kleine Veränderungen sagen viel über sie aus. Und genau das macht sie menschlich.
Die Geschichte erzählt ruhig. Große Höhepunkte gibt es nicht, dafür viele kleine Momente: Gespräche, Blicke, gemeinsame Tage. Gefühle werden nicht erklärt, sondern entstehen beim Lesen von selbst. Das sorgt für Nähe und lässt sich gut lesen.
Das Buch zeigt, wie wichtig Freundschaft, Vertrauen und Zeit sind. Es ist keine Geschichte, die drängt, sondern eine, die ruhig begleitet.
Für Leserinnen und Leser, die sich gern Zeit nehmen und die kleinen Dinge des Lebens genießen, ist dieses Buch eine schöne Wahl. 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Eine Reise zu den eigenen Wurzeln

Die Magnolientochter (Die Blumentöchter 4)
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Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die ihr Leben im Griff hat und trotzdem spürt, dass ein Teil ihrer Familiengeschichte fehlt. Als sie in den Unterlagen ihrer verstorbenen Großmutter auf ein altes ...

Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die ihr Leben im Griff hat und trotzdem spürt, dass ein Teil ihrer Familiengeschichte fehlt. Als sie in den Unterlagen ihrer verstorbenen Großmutter auf ein altes Flugticket nach Neuseeland stößt, tauchen Fragen auf, die lange unbeantwortet blieben. Besonders die Vergangenheit ihrer Mutter liegt wie ein stiller Schatten über allem.
Die Reise nach Neuseeland ist kein klassisches Abenteuer, sondern ein Schritt nach vorn. Die neue Umgebung, die Arbeit zum Schutz der Natur und die Begegnungen vor Ort verändern ihren Blick auf vieles. Dabei bleibt die Geschichte glaubwürdig, denn nichts wirkt übertrieben oder gestellt.
Die Familiengeschichte zeigt sich nach und nach. Es geht um alte Wunden und lange Zeit des Schweigens, ohne dass etwas dramatisch ausgeschmückt wird. Diese Zurückhaltung macht das Erzählte greifbar. Es geht nicht um Schuld, sondern um Verstehen und den Mut, sich der Vergangenheit zu stellen.
Auch die Liebesgeschichte entwickelt sich langsam. Sie drängt sich nicht auf und steht nicht im Vordergrund. Nähe entsteht durch Gespräche, durch gemeinsame Momente und Vertrauen.
Beim Lesen fühlt man sich den Figuren nah. Die Geschichte lässt Zeit zum Nachdenken und bleibt lange im Gedächtnis. Am Ende zeigt sie, dass Heilung möglich ist, auch wenn sie nicht vollkommen sein muss.
Dieser 4. Band der Blumentöchter-Reihe hat mir unterhaltsame Lesestunden bereitet. Sehr gerne empfehle ich ihn weiter.
Eine klare 5-Sterne-Empfehlung für alle, die Geschichten über Familie, Herkunft und Veränderungen lieben.

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