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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.03.2026

Wahrheit im Fadenkreuz: Wenn das System gegen dich spielt

Up in Smoke - Was tust du, wenn die Wahrheit nicht zählt?
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Mit seinem neuesten Werk beweist Nick Brooks erneut sein Talent dafür, den Finger direkt in die offenen Wunden der Gesellschaft zu legen. „Up in Smoke“ ist weit mehr als ein klassischer Krimi; es ist ein ...

Mit seinem neuesten Werk beweist Nick Brooks erneut sein Talent dafür, den Finger direkt in die offenen Wunden der Gesellschaft zu legen. „Up in Smoke“ ist weit mehr als ein klassischer Krimi; es ist ein eindringliches Porträt über das Aufwachsen in einem Washington D.C., in dem das Vertrauen in die Ordnungshüter für junge POC längst zerbrochen ist.

Die Geschichte: Zwischen Fehltritt und Verschwörung
Die Handlung katapultiert uns direkt in die angespannte Atmosphäre einer Black-Lives-Matter-Demo. Unser Protagonist Cooper begeht einen folgenschweren Fehler: Aus Gruppenzwang lässt er sich zu einer Plünderung hinreißen. Doch als Schüsse fallen und eine Frau stirbt, wird aus jugendlichem Leichtsinn bitterer Ernst. Sein Freund Jason landet hinter Gittern, und Cooper muss sich fragen, wie viel Wahrheit er preisgeben kann, ohne selbst unter die Räder einer Justiz zu geraten, die ihn ohnehin schon vorverurteilt hat. Gemeinsam mit Monique, Jasons taffer Schwester, beginnt eine gefährliche Suche nach dem echten Schützen, die beide an ihre Grenzen bringt.

Der Schreibstil: Unverfälscht und rasant
Brooks nutzt einen modernen, sehr direkten Erzählstil. Durch den Perspektivwechsel zwischen Cooper und Monique erhalten wir tiefe Einblicke in ihre zerrissenen Gefühlswelten. Besonders beeindruckend ist, wie authentisch die innere Zerrissenheit der Jugendlichen eingefangen wird – man spürt förmlich den Druck, unter dem sie stehen.

Zwar wirkt die deutsche Übersetzung bei manchen Slang-Begriffen (wie dem „kleinen Homie“) gelegentlich etwas hölzern, was im englischen Original sicher flüssiger klingt, doch das nimmt der Dynamik kaum den Wind aus den Segeln. Das Tempo ist vor allem zu Beginn enorm hoch, gönnt sich im Mittelteil kurze Verschnaufpausen und gipfelt in einem Finale, das fast schon zu plötzlich über den Leser hereinbricht.

Mein Fazit
Das Buch ist ein optisches wie inhaltliches Highlight. Die haptische Gestaltung des Covers (man meint, eine echte Mauer zu berühren) spiegelt das Thema perfekt wider. Trotz kleinerer Längen und einer dezenten Lovestory, die glücklicherweise nie die ernsten Themen wie Polizeigewalt und strukturelle Diskriminierung überlagert, ist dies ein absolut relevanter Roman. Ein wichtiges Stück Jugendliteratur, das zum Nachdenken anregt und zeigt, dass die Wahrheit manchmal ein gefährliches Gut ist.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Magie, die durch den Magen geht: Ein Wohlfühl-Abenteuer im Schloss

The House Witch 1
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Wenn der Schneebesen zum Zauberstab wird
Wer bei Fantasy sofort an epische Schlachten und weltzerstörende Flüche denkt, wird von Delemhach Emilie Nikota eines Besseren belehrt. In „The House Witch 1 – ...

Wenn der Schneebesen zum Zauberstab wird
Wer bei Fantasy sofort an epische Schlachten und weltzerstörende Flüche denkt, wird von Delemhach Emilie Nikota eines Besseren belehrt. In „The House Witch 1 – Der Koch des Königs“ tauchen wir in die dampfenden Töpfe der Schlossküche von Daxaria ein. Finlay Ashowan ist kein strahlender Ritter, sondern ein Meister der Kulinarik mit einem pikanten Geheimnis: Er ist eine Haushexe. Seine Magie fließt nicht in Feuerbälle, sondern in das Wohlbefinden derer, die er bekocht.

Der Schreibstil: Federleicht mit kleinen Stolpersteinen
Die Autorin schreibt herrlich unaufgeregt. Die Sätze fließen dahin wie eine perfekt reduzierte Sauce – man gerät sofort in einen Lesefluss, der einen den Alltag vergessen lässt. Der Humor ist trocken und blitzt immer wieder zwischen den Zeilen auf, besonders wenn der eigenwillige Kater Kraken seine Pfoten im Spiel hat. Ein kleiner Wermutstropfen: Gelegentlich verliert sich die Erzählung in etwas langatmigen Szenen, etwa bei den ausufernden Trinkgelagen der Hofgesellschaft, die das Erzähltempo unnötig ausbremsen. Hier hätte eine Prise weniger Salz der Suppe gutgetan.

Die Geschichte: Zwischen Gemütlichkeit und Hofgeflüster
Die Handlung lebt von der Atmosphäre. Es geht weniger um das große politische Beben (auch wenn dieses im Hintergrund leise grollt), sondern um die leisen Töne: Wie Finlay Ordnung in das Küchenchaos bringt, wie er die schroffe Fassade der Adligen Annika durchbricht und wie kleine Gesten der Freundschaft große Kreise ziehen. Es ist „Cozy Fantasy“ im besten Sinne. Man wünscht sich beim Lesen oft mehr Details über die Welt Daxaria, doch der Fokus bleibt fest im Schloss verankert. Das macht das Buch zu einem intimen Kammerspiel, das beweist, dass wahre Stärke oft im Verborgenen – oder eben in einer perfekt abgeschmeckten Suppe – liegt.

Mein Fazit: Ein charmanter Auftakt für alle, die eine Pause von düsterer Action brauchen und lieber in einer Welt versinken möchten, die nach frischen Kräutern und echter Herzlichkeit duftet.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Wenn die Wahrheit zur Waffe wird: Ein würdiger Abschluss

Kiss of the Broken – Seine Liebe ist ihre Verdammnis
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Nach dem heftigen Cliffhanger des ersten Bandes war die Vorfreude auf das Finale riesig – und Julia Pauss hat mich nicht enttäuscht. Kiss of the Broken knüpft nahtlos an die dramatischen Ereignisse an ...

Nach dem heftigen Cliffhanger des ersten Bandes war die Vorfreude auf das Finale riesig – und Julia Pauss hat mich nicht enttäuscht. Kiss of the Broken knüpft nahtlos an die dramatischen Ereignisse an und wirft uns direkt zurück in die düstere Atmosphäre von Lethia und das für uns neue, beklemmende Reich der Dämonen, Tenebria.

Besonders hervorzuheben ist der Schreibstil. Die Autorin schafft es, eine konstante Grundspannung zu halten, die sich nicht durch plumpe Action, sondern durch die tiefe emotionale Zerrissenheit der Figuren speist. Die Sprache wirkt geschmeidig und zieht einen regelrecht in die Seiten hinein, sodass die Nachtstunden beim Lesen wie im Flug vergehen. Dass zu Beginn die wichtigsten Ereignisse kurz zusammengefasst werden, erleichtert den Wiedereinstieg enorm.

Die Geschichte lebt vor allem von Scarlett. Ihre Entwicklung von der Gejagten zur strategischen Kämpferin, die bereit ist, für Ren und ihren Frieden alles zu opfern, ist absolut authentisch gezeichnet. Während Ren in seiner inneren Finsternis gefangen scheint, ist es Scars unbändiger Wille, der die Handlung vorantreibt. Auch wenn manche Wendungen im Vergleich zum Auftakt etwas vorhersehbarer wirkten, büßt das Buch nichts an Intensität ein. Die Dynamik zwischen den beiden bleibt das Herzstück: ein schmerzhafter Tanz zwischen Verrat, Rachegelüsten und einer Liebe, die eigentlich nicht sein darf. Ein atmosphärischer Abschluss, der zeigt, dass Licht und Schatten oft untrennbar miteinander verwoben sind.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Kulinarik trifft Zivilcourage – Ein Abschied mit Tiefgang

The Darlington - Logan & Rose
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Mit "The Darlington – Logan & Rose" liefert Laura Kneidl einen Abschluss ab, der für mich persönlich der stärkste Teil der gesamten Reihe ist. Es ist selten, dass ein dritter Band die Vorgänger noch einmal ...

Mit "The Darlington – Logan & Rose" liefert Laura Kneidl einen Abschluss ab, der für mich persönlich der stärkste Teil der gesamten Reihe ist. Es ist selten, dass ein dritter Band die Vorgänger noch einmal überflügelt, aber hier greift jedes Rädchen ineinander.

Der Schreibstil: Reife und Präzision
Was mich bei diesem Buch am meisten beeindruckt hat, ist Kneidls sprachliche Entwicklung. Ihr Stil wirkt hier noch geschliffener und eloquenter als in den ersten Bänden. Sie schafft es meisterhaft, die sterile, luxuriöse Welt des Hotels mit der bodenständigen, fast schon hektischen Atmosphäre der Profiküche zu kontrastieren. Trotz eines kleinen Flüchtigkeitsfehlers zu Beginn zieht einen die Wortgewalt direkt in das Geschehen. Die Kapitel fühlen sich lebendig an; man riecht förmlich das Aroma in der Küche und spürt gleichzeitig das emotionale Gewicht der schweren Themen, die sie anspricht.

Die Geschichte: Mehr als nur Romantik
Die Dynamik zwischen Logan und Rose ist wunderbar unaufgeregt und gerade deshalb so berührend. Logan ist der Inbegriff einer "Green Flag" – loyal, reflektiert und ohne das unnötige Drama, das man oft in diesem Genre findet. Dass die Geschichte aus beiden Perspektiven erzählt wird, lässt uns tief in Roses Verletzlichkeit blicken, die ihre Gründe hat.

Besonders stark fand ich, wie die Autorin den laufenden Prozess gegen Richard Darlington nutzt, um aktuelle gesellschaftliche Missstände wie Sexismus und soziale Ungleichheit zu thematisieren. Es ist kein reiner Wohlfühlroman, sondern ein Buch, das zum Nachdenken anregt und eine klare moralische Kompassnadel besitzt. Der Mix aus familiären Abgründen und der wachsenden Liebe zwischen den Protagonisten sorgt für eine konstante Spannung, die bis zur letzten Seite trägt.

Ein würdiger, emotionaler Abschied von einem Ort, den man als Leser nur ungern wieder verlässt.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Zwischen Abgrund und Fassade: Wenn die Wahrheit tödlich ist

Liars all around me
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Clara Blais hat mit diesem Werk einen Jugendthriller geschaffen, der vor allem durch seine kontrastreichen Protagonisten lebt. Auf der einen Seite steht Avery, die unter der Last mütterlicher Erwartungen ...

Clara Blais hat mit diesem Werk einen Jugendthriller geschaffen, der vor allem durch seine kontrastreichen Protagonisten lebt. Auf der einen Seite steht Avery, die unter der Last mütterlicher Erwartungen und dem goldenen Käfig der High Society fast zerbricht. Auf der anderen Ryle, der im Waldviertel ums nackte Überleben seiner kleinen Familie kämpft. Dass ausgerechnet die Vorzeigeschülerin den "Bad Boy" um eine Waffe bittet, ist ein genialer Zündfunke für die Geschichte.

Der Schreibstil ist herrlich unkompliziert und modern. Blais verzichtet auf unnötigen Ballast und setzt stattdessen auf ein hohes Erzähltempo. Besonders gelungen ist der Perspektivwechsel zwischen den beiden Hauptfiguren. Man bekommt dadurch nicht nur zwei Versionen der Ereignisse, sondern fühlt die tiefe Zerrissenheit beider Welten – den Leistungsdruck hier und die existenzielle Not dort.

Die Handlung selbst spinnt ein dichtes Netz. Als die Mitschülerin Sheila stirbt, beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, das den Leser ständig zweifeln lässt: Wer spielt hier eigentlich welches Spiel? Auch wenn manche Wendungen für Genre-Kenner vielleicht eine Spur zu klassisch wirken, entschädigt die knisternde Dynamik zwischen Avery und Ryle für alles. Es ist kein klassischer "Insta-Love"-Roman; die Annäherung erfolgt zögerlich, fast widerwillig, was die emotionale Tiefe enorm steigert. Das Setting der Kleinstadt, in der jeder jeden zu kennen glaubt und doch keiner die Wahrheit sagt, sorgt für eine konstant beklemmende Atmosphäre bis zum Finale.

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