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Veröffentlicht am 18.11.2024

Zum Mörder gemacht

The Killer Profile
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Ein bestialischer Serienmörder, ein Einstufungstest und eine Analytikerin – „The Killer Profile“ verspricht harte Lesestunden und ist nichts für schwache Nerven.

Um was geht es?
Midnight Jones wertet ...

Ein bestialischer Serienmörder, ein Einstufungstest und eine Analytikerin – „The Killer Profile“ verspricht harte Lesestunden und ist nichts für schwache Nerven.

Um was geht es?
Midnight Jones wertet psychometrische Tests für ihren Arbeitgeber Necto Corporation aus. Eigentlich sollen diese zeigen, ob Bewerber für bestimmte Studiengänge oder Stellen geeignet sind. Doch dann kommt Midnight eine „Anomalie“ unter – ein Profil K. Fest davon überzeugt, dass das ein Systemfehler ist, überprüft Midnight den Test und sieht Bilder des Grauens, auf die der Getestete scheinbar kaum reagiert. Sofort schlägt sie in der Chefetage von Necto Alarm, die Midnight umgehend mundtot macht und subtil mit Kündigung droht. Dann passiert in ihrer Nachbarschaft der erste bestialische Mord …

Protagonistin des Buches ist die Psychologin Midnight Jones, eine zielstrebige junge Frau mit enormem Verantwortungsbewusstsein. Denn neben ihrem Job bei Necto kümmert sie sich aufopferungsvoll um ihre geistig behinderte Zwillingsschwester Dawn. Zur Loyalität zu ihrem Arbeitgeber durch ihr gutes, zum Leben notwendiges Gehalt bei Necto „gezwungen“, gerät sie in Konflikt mit ihrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und Gewissen. Denn dieses „Killer Profil“ darf in ihren Augen nicht frei herumlaufen. Sie sieht nur einen Ausweg aus ihrer inneren Zerrissenheit, sie muss selbst ermitteln. An dieser Stelle zeigt sich auch manchmal ihre Naivität, scheint sie sich der Gefahren für sich und ihre Schwester so gar nicht bewusst. Als Nebencharakter sticht vor allem unser Killer hervor – der Bewerber – den wir im Verlauf des Buches immer besser kennenlernen. Und DI Ruskin, der Ermittler des LAPD in der Mordserien, pflichtbewusst, gerecht, idealistisch, dadurch aber auch irgendwie frustriert. Es ist interessant, diese drei Charaktere zu beobachten und nach und nach herauszufinden, warum sie tun was sie tun und sind wie sie sind.

Die Geschichte wird aus Sicht von Midnight Jones erzählt, ab und an unterbrochen durch kurze Abschnitte aus Sicht der Nebencharaktere: DI Ruskin, der Bewerber und den Opfern. Gerade die Sicht der Opfer jagt einem als Leser kalte Schauer über den Rücken, die Sicht des Bewerbers gibt Einblicke in seine abnorme Gefühlswelt. Und DI Ruskin lernen wir als abgestumpften Polizisten kennen, der einfach in seinem Leben schon zu viel Grauen gesehen hat. Das Buch liest sich flüssig und ist spannend geschrieben. Am Anfang hat das Buch etwas gebraucht, bis es Schwung aufgenommen hat, aber dann ist man förmlich durch die Seiten geflogen. Bei der Auflösung kam mir DI Ruskin, den man über den Verlauf des Buches doch sehr gut kennenlernt, zu kurz. Aber das ist meine persönliche Meinung.

Fazit:
„The Killer Profile“ ist von der ersten bis zur letzten Seite ein spannender Psychothriller mit einem interessanten Plot, dessen Basis psychometrischen Tests und Veranlagungen bilden. Clever konstruiert und mit interessanten Charakteren. Wer mit grafischen Darstellungen von Gewalt Probleme hat, sollte besser die Finger von dem Buch lassen. Zwar sind das nur wenige Stellen, aber dennoch sind diese in meinen Augen zwingend notwendig, um die Story „rund“ zu machen.

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Veröffentlicht am 20.10.2024

Most Wanted aus Versehen?

Broken Crystal
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Ein Undercover-Einsatz, eine Milliardärstochter und eine militante Umweltorganisation – das ist der Stoff des neuesten Thrillers „Broken Crystal“ des Autors Tobias Miller.

Um was geht es?
Ein deutscher ...

Ein Undercover-Einsatz, eine Milliardärstochter und eine militante Umweltorganisation – das ist der Stoff des neuesten Thrillers „Broken Crystal“ des Autors Tobias Miller.

Um was geht es?
Ein deutscher Journalist fliegt für ein besonderes Interview nach Istanbul. Dort trifft er einen Mann, der behauptet, irrtümlicherweise gleich zweimal auf der Most-Wanted-Liste des FBI zu stehen. Fasziniert hört er sich dessen Geschichte an, die Monate vorher begann als der Ex-Soldat von einem sechsmonatigen Auslandseinsatz in Dakar für die private Sicherheitsfirma Stealth Parachute nach Boston zurückkehrt. Er will aussteigen und ein normales Leben beginnen. Da bittet ihn sein Chef Trevor Wilson einen letzten Auftrag zu übernehmen. Er soll die Milliardärstochter Crystal McCray aus den Fängen der Umweltaktivistengruppe Eternal-Earth-Group befreien. Undercover schleust er sich in die Gruppe ein und erkennt bald, dass Crystal weit mehr als ein einfaches Mitglied der Gruppe und die Gruppe gefährlicher als gedacht ist.

Protagonist des Buches ist der Ex-Soldat und Legionär, dessen richtigen Namen wir im Verlauf des kompletten Buches nicht erfahren. Das sagt eigentlich schon alles über ihn aus: ein Vollprofi, der seine Ziele ohne jeden Skrupel verfolgt, prinzipientreu, heimatlos, ein Chamäleon, das sich überall einschleusen kann, sich schnell auf neue Situationen einstellt, aber sich langsam nach mehr Konstanz in seinem Leben sehnt. Immer darauf bedacht, seine Identität zu schützen und mit Hang zum Perfektionismus, ärgert ihn jeder kleine Fehler. In seiner Arbeit unterstützt in Special Agent Brenda Collins vom FBI, die sich zielstrebig aus dem nichts nach oben gearbeitet hat, aber förmlich um Anerkennung durch ihren Chef bettelt. Doch je mehr sie sich bemüht, umso weniger scheint sie diese zu bekommen und umso unzufriedener wird sie. Weitere Nebencharaktere finden sich in der Eternal-Earth-Group. Crystal McCray, reiche Milliardärstochter auf Koks, ist es gewohnt, dass jeder nach ihrer Pfeife tanzt. Als Leser bekommt man den Eindruck, dass sie durch Drogenkonsum und ihren Umweltaktivismus nur gegen ihre Eltern rebellieren will. Mickey, ihr Freund, ist brutal, skrupellos, ausnützig und gefährlich. Die Beziehungen unseres Protagonisten zu den Nebencharakteren sind angespannt, ändern sich rasant und lassen viele spannende Entwicklungen zu.

Das Buch selbst ist in der Ego-Perspektive aus Sicht des Ex-Soldaten / Legionärs geschrieben. Somit erfahren wir hautnah, wie er die unterschiedlichen Situationen erlebt, was ihn zu seinen Entscheidungen bewegt und wie er selbst hin- und hergerissen ist zwischen der Pflichttreue seinen Auftrag zu erfüllen und sich selbst zu schützen. Der Thriller lässt sich leicht und flüssig lesen, ist strukturiert aufgebaut und hält immer wieder überraschende Wendungen bereit, die die Spannung bis zur letzten Seite aufrechterhalten.

Fazit:
Bei „Broken Crystal“ handelt es sich um einen spannenden Undercover-Thriller, der im Bereich des Umweltaktivismus angesiedelt ist – ein großes Thema unserer Zeit. Den Leser erwartet eine solide, gut strukturierte Story mit einigen Überraschungen, die ohne große Brutalität auskommt und trotzdem wahnsinnig spannend ist. Sollten Sie als Thriller-Leser aber grafische Beschreibungen von Verbrechen bzw. Morden oder Serienkiller vorziehen, werden Sie mit diesem Buch nicht glücklich werden.

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Veröffentlicht am 15.08.2024

Ruhiger Krimi aus der schwedischen Provinz

Im Unterholz
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„Im Unterholz“ ist der schwedische Debüt-Krimi von Sara Strömberg und Auftakt der Reihe rund um die Journalistin Vera Bergström.

Um was geht es?
In den düsteren, schwedischen Wäldern wird die Frauenleiche ...

„Im Unterholz“ ist der schwedische Debüt-Krimi von Sara Strömberg und Auftakt der Reihe rund um die Journalistin Vera Bergström.

Um was geht es?
In den düsteren, schwedischen Wäldern wird die Frauenleiche von Isabella Sandgren entdeckt. Gerüchte sprechen von einem regelrechten Gewaltexzess, das Internet von einer Inszenierung. Vera Bergström, ehemalige Journalistin, aktuell an einer Schule angestellt und vom Leben frustriert, wird von ihrem früheren Chef Nils Strömqvist auf den Fall angesetzt. Sie soll die Hintergründe zur Tat recherchieren und sich umhören, was die Einheimischen sagen. Zunächst widerwillig, beginnt sie trotzdem mit der Recherche. Schnell merkt sie, dass Isabella so einiges zu verbergen hatte und das Motiv für den grausamen Mord seinen Ursprung weit in der Vergangenheit hat.

Protagonistin des Buches ist die ehemalige Journalistin Vera Bergström. Lange Jahre hat sie leidenschaftlich für den Jämtlandsposten gearbeitet, bis sie entlassen wurde. Doch auch ihre Kinderlosigkeit und der Betrug und die Trennung von ihrem Ehemann haben sie psychisch und seelisch schwer belastet. Vom Leben frustriert arbeitet Vera nun als Hilfslehrerin, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, schafft es nicht mal ihre Umzugskartons auszupacken und wirkt depressiv und vom Leben überfordert. Bis ihr ehemaliger Chef ihr wieder einen journalistischen Auftrag gibt und sie nach und nach zu ihrem alten Selbst findet: mutig, neugierig, zielstrebig und zu allem bereit. Die Nebencharaktere erfüllen in dem Buch zwei verschiedene Aufgaben. Zum einen vermitteln sie dem Leser, wie das Leben und der Zusammenhalt in der schwedischen Provinz aussehen. Zum anderen treiben sie die Handlung voran und helfen Vera, die Geheimisse der Vergangenheit zu entschlüsseln. Die Nebencharaktere sind sehr unterschiedliche und entsprechend abwechslungsreich sind die Interaktionen mit der Journalistin.

Der Krimi wird in zwei Handlungssträngen erzählt: einer Haupthandlung in der Gegenwart und einer Nebenhandlung in der Vergangenheit, die am Ende zusammengeführt werden. In der Haupthandlung, die den größten Teil des Buches ausmacht, begleiten wir Vera während ihrer journalistischen Recherchen. In der Nebenhandlung erleben wir immer wieder kurze Rückblenden in die Vergangenheit. Über die Hälfte des Buches ist dem Leser nicht ganz klar, welche Rolle diese Rückblenden spielen und hinterlassen viele Fragezeichen und Spekulationen. Mit der Zeit ergibt aber alles einen Sinn und man fiebert als Leser mit, wann Vera die Zusammenhänge entschlüsselt.

Der Krimi lässt sich flüssig lesen. Die Story entwickelt sich allerdings sehr ruhig, Handlungen überschlagen sich nicht, es gibt keine große Aufregung. Für mich selbst, war die Entwicklung der Handlung etwas zu ruhig, die Spannungskurve zu flach, die Ermittlungen zu schleppend. Ich hatte über weite Strecken des Buches nie das Gefühl, dass ich jetzt weiterlesen „muss“, um endlich zu erfahren, was passiert ist. Der Krimi war also nett zu lesen, hat aber nicht ganz meinen Geschmack getroffen. Denn ich liebe es, Bücher kaum aus der Hand legen zu können.

Deswegen bin ich mir auch nicht sicher, ob ich mir den 2. Band der Reihe rund um Vera Bergström holen werde, sollte eine deutsche Übersetzung erscheinen. In Schweden ist der 2. Band bereits 2022 erschienen.

Fazit:
Bei „Im Unterholz“ handelt es sich um einen ruhigen Krimi, in dem nach und nach ein Mord in der Jetzt-Zeit mit einem Ereignis der Vergangenheit verknüpft wird. Wer atemberaubende Spannung sucht, Action, dramatische Wendungen oder sich überschlagende Ermittlungsarbeit, wird bei diesem Buch nicht auf seine Kosten kommen. Wer aber gerne eine gute Geschichte ruhig erzählt bekommen möchte, die zu einem grausamen Mord geführt hat, wird mit diesem Buch viele angenehme Lesestunden verbringen.

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Veröffentlicht am 28.07.2024

Die Mittsommer-Trilogie geht weiter – düster, spannend, einfach Lindqvist

Signum
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Endlich ist mit „Signum“ Band 2 der Mittsommer-Trilogie von Lindqvist erschienen – ein Wiedersehen mit Julia, Kim und Astrid und einer gewohnt düsteren Story.

Um was geht es?
Kim Ribbing möchte endlich ...

Endlich ist mit „Signum“ Band 2 der Mittsommer-Trilogie von Lindqvist erschienen – ein Wiedersehen mit Julia, Kim und Astrid und einer gewohnt düsteren Story.

Um was geht es?
Kim Ribbing möchte endlich verstehen. Verstehen, warum er als Kind von seinem Therapeuten Martin Rudbeck gefoltert wurde. Mit einem eigens in seinem Haus eingerichteten Folterkeller will er die Wahrheit aus dem Schockdoktor herauspressen. Doch dieser zeigt sich erstaunlich widerstandsfähig. Astrid Helander, die zeitweise bei Kim wohnt, merkt, dass Kim etwas vor ihr verbirgt. Dann passiert etwas Unvorhergesehenes und Kims sorgfältige Planung, die ihn vor Strafverfolgung schützen sollte, ist hinfällig. Kann er sich herauswinden? Zeitgleich ärgert sich Julia darüber, dass ihre Bücher als nicht realistisch eingestuft werden. Deswegen beginnt sie Hals über Kopf eine Recherche über die rechtsextremen „Wahren Schweden“ und bringt sich dabei selbst in Gefahr. Kann Kim ihr helfen? Und wird sie Kims Geheimnis erfahren und wahren? Denn sie spürt, dass Kim etwas vor ihr verheimlicht.

In Band 2 der Mittsommer-Trilogie treffen wir einige aus Band 1 liebgewonnene Protagonisten wieder. Da ist der Hacker Kim Ribbing, immer noch Privatier und genialer Hacker, der aufgrund seiner traumatischen Kindheit sehr ungewöhnliche Verhaltensweisen an den Tag legt und verstehen will, warum er ist wie er ist. Seine viele Jahre ältere Freundin Julia Malmros, Ex-Polizistin und Bestseller-Autorin leidet darunter, dass Kim so anders tickt und sie ihn oft falsch zu verstehen scheint. Gleichzeitig fühlt sie sich als Autorin durch ihre Managerin bei der Fernsehproduktion missverstanden und will sich selbst etwas beweisen. Beweisen, dass sie realistische Bücher schreibt – um jeden Preis. Dafür begibt sie sich mit ihrer neuen Recherche in große Gefahr. Und dann ist da noch Astrid Helander, die den traumatischen Anschlag auf die Gäste der Mittsommer-Party ihrer Eltern überlebt hat, aber zusehen musste, wie ihre Eltern ermordet wurden. Hochintelligent und traumatisiert, fühlt sie sich nur von Kim verstanden, agiert selbst aber sehr gefühlskalt und fast schon arrogant. Die drei bilden eine interessante Mischung mit viel Konfliktpotenzial, die sich aber trotzdem gegenseitig als Freunde zu brauchen scheinen.

Auch wenn dieses Buch im Gegensatz zu Band 1 völlig ohne internationale Verflechtungen, rasante Verfolgungsjagden, Action und Kämpfen auskommt, ist es trotzdem unglaublich spannend. Während in Band 1 die Geschichte rund um Astrid im Vordergrund stand, geht es in Band 2 hauptsächlich um Kim. Es bleibt abzuwarten, ob sich Band 3 der Mittsommer-Trilogie auf Julia fokussiert.

Das Buch selbst ist ein echter Pageturner mit einem für mich überraschend plötzlichen, aber doch irgendwie stimmigen Ende, das Lust auf Band 3 macht. Während Band 1 in meinen Augen noch sehr gut Standalone gelesen werden konnte, würde ich dies bei Band 2 nicht mehr empfehlen. Ich persönlich finde es sehr wichtig, den Hintergrund von Kim Ribbing zu kennen, um das Buch wirklich in seiner Gänze verstehen zu können. Zwar werden wichtige Punkte kurz wiederholt, aber ich lege jedem ans Herz, zuerst den Vorgängerband „Refugium“ zu lesen. Dann ist der Lesespaß bei „Signum“ umso größer.

Fazit:
Während Band 1 durch internationale Verwicklungen und Schauplätze, Action und sich überschlagende Ereignisse dominiert wurde, kommt Band 2 mit viel mehr Ruhe aus. Die Handlung ist fokussierter auf die Story, die Hauptcharaktere und deren Vergangenheit sowie deren Beziehungen untereinander. Der Thriller „Signum“ ist also anders, aber nicht minder spannend. Ein echter Pageturner.

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Veröffentlicht am 28.07.2024

Wenn ein Anruf Dein Leben auf den Kopf stellt

Gefährliches Komplott
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In seinem neuen Thriller „Gefährliches Komplott“ schickt David Baldacci die Protagonistin Mickey Gibson auf eine gefährliche Ermittlung wider Willen.

Um was geht es?
Mickey Gibson, ehemalige Polizistin, ...

In seinem neuen Thriller „Gefährliches Komplott“ schickt David Baldacci die Protagonistin Mickey Gibson auf eine gefährliche Ermittlung wider Willen.

Um was geht es?
Mickey Gibson, ehemalige Polizistin, arbeitet als alleinerziehende Mutter für ProEye und spürt online Steuer- und Kreditbetrüger auf. Nach einer erfolgreichen Suche erhält sie einen Anruf der vermeintlich neuen Assistentin ihres Chefs. Sie soll das Inventar eines Hauses in der Nähe schätzen. Froh mal wieder aus dem Haus zu kommen, macht Mickey sich auf den Weg und entdeckt vor Ort in einem Geheimraum eine Leiche. Plötzlich ist sie Hauptverdächtige im Mord an Daniel Pottinger, der nicht der ist, der er vorgegeben hat zu sein. Mickey findet sich in einem Strudel an Ereignissen wieder, die sie mit ihren Kindern nur unbeschadet überstehen kann, wenn sie das Geheimnis um Daniel Pottinger und die ominöse Anruferin löst.

Der Thriller hat zwei Protagonisten. Zum einen gibt es da Mickey Gibson, eine clevere ehemalige Polizistin, die ihre Karriere von der Kriminaltechnikerin zur Ermittlerin durchlaufen hat, diese allerdings als alleinerziehende Mutter aufgeben musste. Sie liebt ihre Kinder über alles, auch wenn ihr manchmal die Decke auf den Kopf fällt. Doch an ihrer Zielstrebigkeit hat sie nichts eingebüßt. Zum anderen gibt es die ominöse Anruferin Arlene Robinson, übermäßig strukturiert, hochintelligent, ein Chamäleon, das schwer zu durchschauen ist und absolut skrupellos agiert. Zwischen den beiden herrscht eine zum Zerreißen gespannte Beziehung, ein gegenseitiges Belauern, Manipulieren und doch sind sie aufeinander angewiesen. Es ist für den Leser unglaublich spannend, dieses Katz-und-Maus-Spiel im Verlauf des Thrillers zu beobachten. Zahlreiche Nebencharaktere, die unterschiedlicher kaum sein könnten, runden den Cast des Buches ab und bringen zusätzliche Spannung rein.

Das Buch liest sich flüssig und ist gespickt mit vielen Dialogen, die dem Leser den Eindruck vermitteln, man sähe einen Film oder wäre der heimliche Beobachter im Hintergrund – hinter einem einseitigen Polizeispiegel 😉 Der Roman selbst wird aus zwei Perspektiven erzählt – einmal aus Sicht der Ermittlerin Mickey Gibson, zum anderen aus Sicht von Arlene Robinson, die definitiv etwas zu verbergen hat und sich auf der dunklen Seite bewegt. Beide treiben in ihren Handlungssträngen die Story voran und bauen im Leseverlauf viel Spannung und Dynamik auf. Leider kann diese Sogwirkung nicht über das komplette Buch gehalten werden. Die Spannungskurve flacht nach und nach ab. Auch wenn das Buch über gut zwei Drittel extrem clever konstruiert ist und immer wieder mit überraschenden Entwicklungen in der Geschichte aufwarten kann, hat mich persönlich das letzte Drittel etwas unbefriedigt zurückgelassen. Auch das große Finale war für mich nicht überzeugend, wurde sehr schnell abgehandelt und dem Thriller letztendlich nicht gerecht.

Fazit:
Wer Thriller, bei denen es hauptsächlich um smarte Ermittlungsarbeit geht, liebt, ist beim neuen Baldacci genau richtig aufgehoben. Hier werden Spuren und Hinweise konsequent verfolgt, manchmal mit unkonventionellen Methoden weiterermittelt. Das Buch enthält aber keine brutalen oder actiongeladenen Szenen. Wer das sucht, sollte lieber die Finger von dem Buch lassen.

Über weite Strecken hatte das Buch für mich eine 4-Sterne-Wertung verdient. Da ich allerdings mit dem Ende – der fast schon erzwungenen überraschenden Wendung, dem schnellen Schluss etc. – nicht zufrieden war, ziehe ich zusätzlich einen Stern ab. Solide drei Sterne.

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