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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2018

Ungewohntes Umfeld, etwas enttäuschend

Dein Tod komme
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In einem abgelegenen Waldstück stößt Rina Becker bei einem Spaziergang auf die Überreste einer Leiche. Sie benachrichtigt ihren Mann, der Detective beim LAPD ist. Die Untersuchungen ergeben, dass es sich ...

In einem abgelegenen Waldstück stößt Rina Becker bei einem Spaziergang auf die Überreste einer Leiche. Sie benachrichtigt ihren Mann, der Detective beim LAPD ist. Die Untersuchungen ergeben, dass es sich um einen Studenten eines benachbarten Colleges handelt, um Laurence Pettigrew, der nur kurze Zeit am College studierte und sich danach einer geschlechtsumwandelnden Operation unterziehen wolle. Durch diese Konstellation führt einen der Krimi ein kleines in die Welt von Lesben, Schwulen und Transvestiten. Eine mir gänzlich unbekanntes Umfeld.
Eine andere interessante Lebenswelt stellt die orthodox jüdische Familie Decker dar. Rina ist nicht Polizistin, unterstützt ihren Mann aber dennoch tatkräftig bei den Ermittlungen. So findet ein guter Teil der Ermittlungsarbeit im Hause Decker statt. Aber grundsätzlich ist Rina damit beschäftig jüdische Feste vorzubereiten.
Gerne hätte ich gerade von diesem letzten Aspekt etwas mehr gelesen, aber das wurde dann doch eher oberflächlich abgehandelt. Das muss jetzt aber kein Manko dieses Bandes sein, weil das in der Serie wahrscheinlich in anderen Bänden eigehender thematisiert worden ist.
Die Polizeiarbeit ist sehr klassisch mit vielen Befragungen und gerichtsmedizinischen Untersuchungen. Mir persönlich waren es etwas zuviele Gespräche und zu wenig Aktion. Die Protagonisten sind zwar zu verschiedenen Schauplätzen und Zeugen hin und her gefahren. Aber das war es dann auch. Ich brauche nicht ständig Verfolgungsjagden, aber ein bisschen Action in einem Krimi möchte ich schon haben. Was mir wirklich nicht gefallen hat, war die Tatsache, dass das Privatleben und die polizeilichen Ermittlungen wild durcheinandergemischt werden. Fallakten lieben bei Familie Decker zu Hause. Rina, die wie schon oben erwähnt nicht bei der Polizei arbeitet, hatte volle Einsicht in die Unterlagen. Das macht auf mich einen unglaubwürdigen Eindruck und hat mich eigentlich immer etwas unterschwellig gestört.
Sprachlich ist das Buch sehr angenehm geschrieben, man kommt schnell in einen guten Lesefluss. Die Kapitel haben eine angenehme Länge, was einen immer wieder motiviert noch eines dranzuhängen. Das Cover sollte man nicht überbewerten. Es hat mir aber sehr gut gefallen. Jedoch ist das einzige, was es mit dem Inhalt zu tun hat, die Fundstelle der Leiche im Wald.
Ich habe mich im ersten Drittel des Krimis recht gut unterhalten gefühlt, weil er mich in eine neue Welt gebracht hat. Danach hat sich die Geschichte für mich zu sehr gezogen. Dem Ende zu wird es dann wieder spannender. Aber die Aufklärung wird nur teilweise zu Ende geführt, ein guter Teil bleibt als Cliffhanger offen, was mich jetzt nicht so erfreut, weil ich den Folgeband nicht lesen werde.

Veröffentlicht am 13.04.2018

Toller Zukunftsroman

Pheromon 1: Pheromon
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Das Äußere dieses Buches ist schon mal sehr auffällig. Das Cover in schwarz mit neonfarbener Fliege und der ebenfalls auffällig bedruckte Schnitt sind auf jeden Fall eine Besonderheit. Von Rainer Wekwerth ...

Das Äußere dieses Buches ist schon mal sehr auffällig. Das Cover in schwarz mit neonfarbener Fliege und der ebenfalls auffällig bedruckte Schnitt sind auf jeden Fall eine Besonderheit. Von Rainer Wekwerth habe ich schon verschiedene Bücher für meinen Sohn gekauft. Selber habe ich noch keines gelesen und hatte somit etwas gemischte Gefühle. Ich bin aber sehr schnell in die Geschichte reingekommen. Das Buch hat mir sowohl vom Sprachlichen her gefallen, als auch vom Inhalt war ich in keinster Weise angenervt, wie das bei mich manchmal bei Jugendbüchern der Fall ist.
Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen. Wir haben einmal die Lebenswelt des Jugendlichen Jake, der in der Gegenwart 2018 lebt. Er entdeckt zunehmend, dass sich sein Leben verändert. Anstelle seines bisher sehr einschränkenden Heuschnupfens beginnt er zunehmend sehr starke Geruchseindrücke zu verspüren. Er lebt das Leben eines ganz normalen Jugendlichen. Die Charaktere um ihn herum sind glaubhaft geschildert und man gewinnt eine gute Vorstellung von den Schauplätzen.
Der zweite Erzählstrang spielt im Jahr 2118 und handelt von Travis, einem etwa 70 jährigen Arzt, der in einem sozialen Zentrum benachteiligte Menschen behandelt. Da ich Science Fiction gar nicht so mag, dachte ich zuerst, dass mir wahrscheinlich der Erzählstrang von 2018 besser gefallen wird. Aber so war es dann gar nicht. Ich habe die Geschichte um Travis sofort sehr gerne gehabt. Die zukünftige Technologie ist interessant und nicht übertrieben in die Handlung eingeflochten.
Erst nach einiger Zeit beginnt man zu spüren, wie die beiden Erzählstränge zusammenhängen. Die Handlung wird wirklich sehr spannend und die relativ kurzen Kapitel und abwechselnden Zeitebenen motivieren einem immer weiter zu lesen.
Das Buch ist für Jugendliche ab 14 Jahren empfohlen. Ich denke beim Erzählstrang mit Jake haben Jugendliche eine sehr schöne Identifikationsfigur. Während die Handlung um den älteren Travis auch ein reiferes Lesepublikum anspricht.
Ich habe mich mit diesem Buch erstaunlich gut unterhalten gefühlt. Es hat mir ein, von mir bisher wenig beachtetes Genre näher gebracht. Ich empfehle das Buch allerdingst eher Jugendlichen ab 16 Jahren, weil es teilweise doch recht zur Sache geht und für den vollen Genuss einiges an Reife abverlangt.
Von mir erhält das Buch 5 Sterne.

Veröffentlicht am 30.11.2017

Spannende Serienfortsetzung

Stimme der Toten
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Mit dem vorliegenden Kriminalroman greift Elisabeth Herrmann die Geschichte um die Tatortreinigerin Judith Kepler aus „Zeugin der Toten“, die 2011 erschienen ist und mit Anna Loos in der Hauptrolle verfilmt ...

Mit dem vorliegenden Kriminalroman greift Elisabeth Herrmann die Geschichte um die Tatortreinigerin Judith Kepler aus „Zeugin der Toten“, die 2011 erschienen ist und mit Anna Loos in der Hauptrolle verfilmt worden ist, wieder auf. Das Schicksal von Judith Kepler ist sehr berührend. Sie ist in einem Kinderheim in Sassnitz aufgewachsen und erfährt im 1. Band, dass sie eigentlich nicht die ist, für die sie sich hält. Dieser zweite Band setzt 6 Jahre später ein. Judith arbeitet immer noch in der Reinigungsfirma Dombrowski als „Cleaner“ und scheint die traumatischen Erlebnisse und Erkenntnisse einigermaßen verarbeitet zu haben. Sie wird zu einem Todesfall in einer Bank gerufen, wo ein Mitarbeiter im Gebäude mehrere Stockwerke tief gefallen und verstorben ist. Man geht von einem Unfall oder Selbstmord aus, bis Judith Kepler an einem Waschbecken Blutspuren entdeckt für die es keine Erklärungen gibt.
Durch Judiths professionelle und effiziente Haltung fällt sie dem obersten Geschäftsführer der Bank CHL auf, der sie als Reinigungskraft in der Bank einstellen will. Judith trifft wieder auf andere Figuren, die man bereits aus dem ersten Band kennt und wird zum interessanten Zielobjekt von verschiedenen Geheimdiensten.
Mich hat das Schicksal von Judith Kepler im 1. Band sehr berührt und deshalb habe ich mich sehr gefreut, wieder mehr von dieser Figur zu lesen. Judith ist ein Opfer fehlgeleiteter Operationen innerdeutscher Geschichte und trägt sehr viele Verletzungen mit sich herum. Mich hat ihr fragiler Charakter sehr fasziniert und ich fand es interessant zu erfahren, wie sie sich weiter entwickelt hat.
Die Handlung ist recht spannend aufgebaut. Man ist sehr schnell in der Geschichte drin und kann sich die Schauplätze vor dem inneren Auge vorstellen. Allerdings darf man nicht einen Whodunit Krimi erwarten, in dem Judith die Ermittlerin spielt und einen Mord aufklärt. Es handelt sich eher um einen Agententhriller, der sich sprachlich sehr angenehm lesen lässt, aber inhaltlich stellenweise recht kompliziert und anspruchsvoll ist. Er erfordert einiges an Aufmerksamkeit und Interesse an Geheimdienstthemen zu DDR, Russland und dem BND. Wer sich nicht für die neuere deutschen Geschichte interessiert, wird vermutlich etwas Mühe haben, in den Thriller einzutauchen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, allerdings war es mir nicht immer klar genug und ich fand den Teil der Geschichte, in dem es um ein junges Mädchen in einem „Nazidorf“ geht, zwar sehr spannend aber die Verbindung zur Haupthandlung doch sehr konstruiert.
So ist für mich das Ende auch etwas zu abrupt eingetreten und die Beweggründe und die Folgen für die handelnden Personen nicht so genau ersichtlich, wie ich es gerne gehabt hätte.
Man kann dieses Buch sicher auch lesen, ohne die Vorgeschichte zu kennen. Aber ich denke doch, dass man dann viele Andeutungen oder Reaktionen nicht wirklich versteht. Deshalb empfehle ich „Zeugin der Toten“ vorher zu lesen oder allenfalls den Film anzuschauen, damit die Handlung richtig einordnen kann.
Ich vergebe diesem Buch 4 Sterne.

Veröffentlicht am 30.11.2017

Hat mich leider nicht erreicht

Grimms Morde
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Mit ihrem neuen Roman „Grimms Morde“ begibt sich Tanja Kinkel ins Genre des historischen Kriminalromans. Die Handlung spielt im Jahr 1821 zum großen Teil in und um Kassel.
Im Mittelpunkt stehen die Geschwisterpaare ...

Mit ihrem neuen Roman „Grimms Morde“ begibt sich Tanja Kinkel ins Genre des historischen Kriminalromans. Die Handlung spielt im Jahr 1821 zum großen Teil in und um Kassel.
Im Mittelpunkt stehen die Geschwisterpaare Annette und Jenny von Droste zu Hülshoff und die Brüder Wilhelm und Jacob Grimm. Annette hat zu der Märchensammlung der Gebrüder Grimm einige Geschichten beigesteuert. Unter anderem ein selber erfundenes Märchen, in dem eine Frau auf eine ganz besondere Art mittels Wachs auf ihrem Gesicht getötet wurde. Als in Kassel die ehemalige Mätresse des Kurfürsten tot aufgefunden wird, ist sehr bald klar, dass sich deren Mörder von Annettes Geschichte hat inspirieren lassen. Annette ist für die Zeit des Biedermeier eine sehr offene moderne junge Frau. Sie hat den Drang zu dichten, obwohl das Bücher schreiben eigentlich den Männern vorenthalten ist und will sich nicht in das häusliche Schema pressen lassen, wie es von jungen adligen Frauen erwartet wird. Sie sieht sich in der Pflicht, bei der Aufklärung des Mordes mitzuwirken und begibt sich mit ihrer Schwester Jenny nach Kassel.
Die Ausgangslage ist nach den ersten Kapiteln mit dem Mord an der Mätresse und einem weiteren Toten gegeben. Bis daher ist die Handlung recht flüssig zu lesen. Der Schreibstil ist der Zeit angepasst und erfordert aufgrund der recht komplexen Satzstruktur einiges an Aufmerksamkeit. Tanja Kinkel zeichnet mit ihrem Buch ein wahres Sittengemälde des frühen 19. Jahrhunderts und unterstreicht die Handlung mit zahlreichen historisch verbürgten Personen und politischen Turbulenzen. Das hat durchaus seinen Reiz. Für mich war das Buch jedoch oft zu ausschweifend und es dauerte mir zu lange, bis es im letzten Drittel wirklich zunehmend um die Aufklärung der Todesfälle ging. Dafür waren mir die Gedankengänge der Protagonisten dann wiederum fast zu schnell, so dass ich mich von dem Ende fast überfahren fühlte. Aber dennoch sind die letzten Kapitel wirklich sehr spannend geschrieben und die Auflösung ist unerwartet, aber schlüssig.
Für mich ist Lesen Entspannung vom anstrengenden Alltag. Ich liebe es, in historische Bücher so richtig einzutauchen, dass ich die Zeit fast etwas vergessen kann. Aber das gelingt mir nur, wenn mich mindestens einige der Protagonisten berühren und emotional mitnehmen. Das war hier leider nicht der Fall. Rein vom Kopf her beurteilt, ist das ein sehr gut recherchierter historischer Roman mit spannendem Krimiaufhänger. Ich bin froh, etwas aus einer mir weniger geläufigen Epoche gelesen zu haben, aber es war mir zu sehr Schullektüren Gefühl. Vom Gefühl her, bin ich leider etwas enttäuscht. Deshalb vergebe ich diesem Buch eine mittelmäßige Bewertung mit 3 Sternen.

Veröffentlicht am 28.10.2017

Ein gelungener Serienstart

Das Gold des Lombarden
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Die erst gut 20 Jahre junge Aleydis Golatti wird unerwartet zur Witwe. Ihr wesentlich älterer Ehemann Nicolai wurde tot aufgefunden. Vorerst deutet alles auf Selbstmord hin. Aber Aleydis, die mit Nicolai ...

Die erst gut 20 Jahre junge Aleydis Golatti wird unerwartet zur Witwe. Ihr wesentlich älterer Ehemann Nicolai wurde tot aufgefunden. Vorerst deutet alles auf Selbstmord hin. Aber Aleydis, die mit Nicolai trotz des Altersunterschiedes eine sehr liebevolle und vertrauensvolle Ehe geführt hat, bezweifelt, dass ihr Mann sich umgebracht hat und sollte Recht behalten.
Als Aleydis, die ihrem Mann zu Lebzeiten regelmäßig bei der Führung der Bücher geholfen hat, seinen Nachlass ordnet, erfährt sie, dass Nicolai nicht nur ein angesehener und ehrlicher Banker war. Er führte ein Doppelleben, und hat undurchsichtige Geschäfte getrieben, so dass er sich Feinde gemacht hat, die möglicherweise für seinen Tod verantwortlich waren.
Zusammen mit dem Gewaltrichter Vinzenz van Cleve stellt Aleydis Nachforschungen an und gelangt ebenfalls ins Fadenkreuz von Nicolais Gegnern.
In diesem ersten Band einer neuen Serie führt Petra Schier in die Familiengeschichte ihrer Protagonistin Aleydis Golatti ein. Die Familie lebt in Köln in etwa der gleichen Zeit wie die Geschichte um die Apothekerin Adelina angesiedelt ist. So treffen Kenner von Petra Schiers Adelina Romanen auf alte Bekannte, die allerdings nur kleinere Nebenrollen spielen, aber sehr glaubwürdig in die Handlung eingearbeitet sind.
Ich lernte in diesem Roman einen neuen Haushalt kennen und lieben. Die Familie von Aleydis sowie Knechte und Hausangestellte sind mir in diesem Roman richtig vertraut geworden. Sehr interessant fand ich, etwas über die Geschichte des Geldes und des Bankenwesens zu erfahren. Die Handlung, die natürlich auch eine knisternde Liebesgeschichte beinhaltet, war interessant und stellenweise richtig spannend und unerwartet, so dass es mich auf jeden Fall Wunder nimmt, wie es mit Aleydis weitergeht.
Ich mag die ruhige Schreibweise von Petra Schier sehr und habe dieses Buch sehr gerne gelesen. Manchmal sind die ersten Teile von neuen Serien überfrachtet von Informationen zur Lebensgeschichte der Protagonisten, so dass die Spannung auf der Strecke bleibt. Hier ist das ganz und gar nicht der Fall. Das Buch ist wunderbar ausgewogen an Beschreibungen, Charakterisierungen und Spannung. Ich vergebe 5 Sterne und freue mich auf die Fortsetzung.