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Veröffentlicht am 17.09.2024

Jüngere deutsche Geschichte

Als wir nach den Sternen griffen
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Tobias flüchtet sich mit seiner kleinen Tochter Jasmin aus der DDR in die Prager Botschaft der BRD, denn in der DDR sieht er keine Perspektive mehr für sich und seine Tochter. Dort lernt er Botschaftsmitarbeiterin ...

Tobias flüchtet sich mit seiner kleinen Tochter Jasmin aus der DDR in die Prager Botschaft der BRD, denn in der DDR sieht er keine Perspektive mehr für sich und seine Tochter. Dort lernt er Botschaftsmitarbeiterin Judith kennen, die sich sehr für die immer größer werdende Zahl an Republikflüchtlingen engagiert. Gemeinsam versuchen sie, die Zustände in der total überfüllten Botschaft für die Menschen erträglicher zu machen und verlieben sich ineinander. Ob sie wohl eine gemeinsame Zukunft haben werden?

Der mitreißende, emotionale Schreibstil hat mich gleich mitgenommen in die Geschichte. Ich konnte mir die Enge in der Botschaft ebenso gut vorstellen, wie die Angst der Menschen vor der Stasi. Als Zeitzeugin habe ich das Geschehen damals natürlich in den Medien verfolgt, zudem durfte ich eine Familie kennenlernen, die auf diesem Weg die DDR verlassen hat. So hatte ich hier noch eine dritte Perspektive, das Geschehen zu betrachten. Die detaillierte Schilderung der Zustände in der überfüllten Botschaft hat mich sehr berührt. Es wird vorstellbar, was diese Menschen auf sich genommen haben, um dem Regime in der DDR zu entkommen. Durch die Liebesgeschichte zwischen Judith und Tobias wird die dramatische Geschichte ein wenig aufgelockert. Ich fand den Roman von Anfang bis Ende spannend, obwohl man ja den Ausgang des Flüchtlingsdramas kennt. Gerne empfehle ich diesen Ausflug in die jüngere deutsche Geschichte weiter.

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Veröffentlicht am 02.09.2024

Ein Schriftstellerleben

Die Leuchttürme der Stevensons
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Schottland im 19. Jahrhundert: Robert Louis Stevenson, der spätere Autor der Schatzinsel und des Jekyll und Hyde wächst als kränklicher, überbehüteter Sohn des Ingenieurs Tom Stevenson auf. Schon früh ...

Schottland im 19. Jahrhundert: Robert Louis Stevenson, der spätere Autor der Schatzinsel und des Jekyll und Hyde wächst als kränklicher, überbehüteter Sohn des Ingenieurs Tom Stevenson auf. Schon früh ist ihm der Lebensweg des Ingenieurs durch gesellschaftliche Zwänge und das Votum des Vaters vorgezeichnet. Doch er möchte Schriftsteller werden, traut sich aber nicht so recht, es den Eltern offen zu sagen. Seine Rebellion findet eher im Verborgenen statt.

Der einfühlsame, eindringliche Schreibstil ist typisch für Sabine Weiss, sie lässt mich nur so durch die Zeilen fliegen. Die Zerrissenheit von Louis ist sehr gut nachzufühlen, ebenso wie die Sorge der Eltern um den einzigen, kränkelnden Sohn und seine Zukunft. Sie zeichnet ein sehr genaues Bild von den Machtverhältnissen in der Familie, da hat die Kinderschwester Cummy mehr zu sagen als der Sohn des Hauses.
Besonders gut gefallen haben ir die Beschreibungen der gebauten Leuchttürme in der wilden Landschaft Schottlands. Da möchte man direkt losfahren, um das alles mit eigenen Augen zu sehen. Der Epilog, der das weitere Leben von Louis beschreibt, rundet die Geschichte perfekt ab, so dass ich das Buch mehr als zufrieden zugeklappt habe. Sehr gerne empfehle ich diesen biographischen Roman weiter, den ich habe viel gelernt. So macht Geschichte Spaß.

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Veröffentlicht am 30.08.2024

Miss Marple lässt grüßen

Mrs Potts’ Mordclub und der tote Bürgermeister
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Band drei aus der Mrs. Potts-Reihe ist mein erster. Das macht aber nichts, denn dieses Buch kann sehr gut für sich alleine stehen. Judith ermittelt mit ihren Freundinnen Suzie und Becks im Fall ...

Band drei aus der Mrs. Potts-Reihe ist mein erster. Das macht aber nichts, denn dieses Buch kann sehr gut für sich alleine stehen. Judith ermittelt mit ihren Freundinnen Suzie und Becks im Fall des ermordeten Bürgermeisters Lushington, der in aller Öffentlichkeit vergiftet wurde. Dabei haben die drei durchaus eine gewisse Ähnlichkeit mit Agatha Christies Miss Marple, der englischen Detektivin schlechthin.

Ein flüssiger, schnell lesbarer Schreibstil, skurrile Charaktere und der herrlich trockene britische Humor zeichnen diesen Cozy Krimi aus. Die drei Damen ermitteln zwar mit Billigung der Polizei, beugen aber die Regeln ganz nach ihrem Geschmack und kommen so durchaus auch in ulkige Situationen. Mit unbestechlichem Spürsinn und messerscharfer Kombinationsgabe ziehen sie ihr Netz um den Mörder immer enger. Dabei lenkt der Autor mich als Leser immer wieder auf eine falsche Spur. Die Auflösung ist überraschend aber schlüssig, die klaren Hinweise auf diesen Täter sind mir alle entgangen. Besonders gut gefallen hat mir aber die Handlung auf dem "Nebengleis" um Becks' übergriffige Schwiegermutter Marian. Bei der pfiffigen Lösung dieses Problems musste ich herzhaft lachen.
Insgesamt habe ich das Lesen dieses Cozy Krimis sehr genossen und empfehle ihn gerne weiter. Sicher werde ich mir demnächst auch die beiden ersten Bände zu Gemüte führen.

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Veröffentlicht am 30.08.2024

Spiegelt den Zeitgeist wieder

Mord in der Charing Cross Road
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Eine antiquarische Buchhandlung im London der 1950er Jahre: Der Teamgeist, wie man heute sagen würde, ist gut. Wie in jedem Team gibt es jedoch den Ausreißer, der sich unbeliebt macht. Und ausgerechnet ...

Eine antiquarische Buchhandlung im London der 1950er Jahre: Der Teamgeist, wie man heute sagen würde, ist gut. Wie in jedem Team gibt es jedoch den Ausreißer, der sich unbeliebt macht. Und ausgerechnet er wird ermordet. Die Polizei ist überzeugt, dass er innerhalb der Belegschaft zu suchen ist, kommt aber nicht so recht zu einem Ergebnis. So sieht sich Buchhändlerin Sally genötigt, zusammen mit Johnny, dem Enkel des Inhabers, eigene Überlegungen anzustellen.

Ein bisschen altmodisch ist der flüssig zu lesende Schreibstil schon, dadurch fühlt man sich aber gut in die Zeit nach dem 2. Weltkrieg versetzt. Die Mitarbeiter sind zahlreich und nicht alle ausführlich beschrieben, aber die Hauptpersonen werden sehr gut charakterisiert und wirken authentisch. Besonders gut gefällt mir, dass dieser Krimi weitgehend frei ist von blutigen und gewalttätigen Szenen. Was mir ein wenig fehlt ist der für die älteren englischen Krimis typische, eingestreute trockene, etwas skurrile Humor. Trotzdem finde ich den Krimi von der ersten bis zur letzten Seite spannend und kann ihn uneingeschränkt empfehlen.

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Veröffentlicht am 22.08.2024

Eine unfertige Geschichte

Die Gräfin
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Stimmungsvoll erzählt Irma Nelles einen Teil der Geschichte der Hallig-Gräfin Diana von Reventlow-Criminil, die zusammen mit ihrer Haustochter Meta und dem Kutscher/Hausmeister/Faktotum Maschmann ...

Stimmungsvoll erzählt Irma Nelles einen Teil der Geschichte der Hallig-Gräfin Diana von Reventlow-Criminil, die zusammen mit ihrer Haustochter Meta und dem Kutscher/Hausmeister/Faktotum Maschmann während des zweiten Weltkrieges auf einer Hallig im nordfriesischen Wattenmeer lebt. Obwohl schon über 80 arbeitet sie noch auf dem Hof mit und unterhält ein Netzwerk, das Menschen hilft, die sich vor dem unmenschlichen Nazi-Regime in Sicherheit bringen müssen. Selbstverständlich hilft sie auch dem im Wattenmeer havarierten englischen Piloten, sich vor der Gestapo zu verstecken.

Mit ihrem sehr bildhaften und einfühlsamen Schreibstil hat mir die Autorin nicht nur die wenigen handelnden Menschen nahe gebracht, sondern vor allem das von mir sehr geliebte nordfriesische Wattenmeer mit seiner unermesslichen stillen Weite vor Augen geholt. Allein dafür schon lohnt es sich, dieses Büchlein zu lesen. Das bedingungslose Vertrauen zwischen der Gräfin, Meta und Maschmann ist ebenso deutlich spürbar wie das anfängliche Misstrauen zwischen den dreien und dem Piloten, das nur langsam abgebaut wird. Besonders gut gefallen hat mir Maschmann mit seinem friesischen Dialekt und seiner unverbrüchlichen Treue zur Gräfin.
Weniger gefallen hat mir, dass die von der Gräfin erzählten Episoden weder unter sich einen Zusammenhang erkennen ließen, noch mit den Ereignissen auf der Insel. Das finde ich sehr verwirrend. Das abrupte Ende, das jede Menge Fragen offen lässt, hat mich fast ein bisschen erschreckt. Das spannende an der Geschichte ist doch die Frage, was aus den Protagonisten wird. Die bleibt leider unbeantwortet, so dass die Geschichte einfach unfertig ist und mich enttäuscht zurücklässt.

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