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Veröffentlicht am 18.04.2025

Hochspannend mit Tiefe

Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
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Art Mayer sucht immer noch nach der verschwundenen Dana Karasch. Ihre Tochter Milla, die bei ihrer dementen Großmutter lebt, hat er ins Herz geschlossen. Als ein Richter tot aufgefunden wird und auch noch ...

Art Mayer sucht immer noch nach der verschwundenen Dana Karasch. Ihre Tochter Milla, die bei ihrer dementen Großmutter lebt, hat er ins Herz geschlossen. Als ein Richter tot aufgefunden wird und auch noch MIlla verschwindet, ermittelt Art, der von dem Fall entbunden ist, gemeinsam mit seiner Partnerin Nele Tschaikowski, die eigentlich im Mutterschutz ist, und stößt auf immer mehr Ungereimtheiten, in die offenbar auch Kollegen involviert sind ...

Der deutsche Schriftsteller Marc Raabe legt mit "DIe Nacht" den dritten Thriler aus seiner "Art-Mayer-Serie" vor, der in sich abgeschlossen ist und sich problemlos ohne Kenntnis der vorhergehenden Bände lesen lässt - allerdings verpasst der Leser dann die Weiterentwicklung der privaten Beziehungen und eine Menge Lesevergnügen.

Raabe Schreibstil ist bildhaft und äüßerst rasant. DIe aktuellen Entwicklungen wechseln sich ab mit den Geschehnissen in der Vergangenheit; kurze Kapitel mit Cliffhangern führen zu höchster Spannung, die auf hohem Level die Seiten fast von selbst umblättert. Überraschende Wendungen halten das Tempo weiterhin hoch und führen schließlich zu einem positiven Abschluss.
Auch, wenn ich normalerweise jedes Detail geklärt haben möchte, versetzte der Autor mich in Erstaunen mit einem befriedigenden Ende: „In einer perfekten Welt gäbe es eine perfekte Erklärung. Aber in der Wirklichkeit gibt es immer diese merkwürdigen Unschärfen…. Aber die Wirklichkeit ist halt kein Raster. Und das lässt uns immer etwas ratlos zurück.“

Marc Raabe lässt viel Psychologie und einige psychologischen Störungen in die Handlungen einfließen und bereitet seinen Leser*Innen damit teilweise heftiges Kopfkino und der Story weitere Tiefe. Zunächst kaum vorstellbar, wie allein die Erwähnung "der Schachtel" bei allen Figuren Panik auslösen kann, um ein Beispiel zu nennen...

DIe Figuren um den angeschlagenen Ermittler Art Mayer, der sich trotz seines Einzelgängertums und seiner Regelbrüche wohltuend von dem Klischee des "lonely wolfs" abhebt, konnten mich überzeugen. Besonders in Herz geschlossen habe ich die achtjährige Milla, die ihr Schicksal annimmt und trotzdem Kind bleibt.

(Auch, wenn bei einem Thriller mit verstörenden Themen zu rechnen ist, möchte ich eine Triggerwarnung aussprechen für: Alkohol- und Drogenmissbrauch, Vergewaltigung, psychischer und körperlicher Gewalt, KIndsmord und auch Hunde kommen zu Tode.)

Ich empfehle diesen großartigen Thriller unbedingt weiter und freue mich bereits auf den vierten Band um den legendären Art Mayer und die junge Nele Tschaikowski, der unter dem Titel "Im Morgengrauen" für das Frühjahr 2026 angekündigt ist.

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Zwei starke Frauen, Kunstmalerei, Tanz und das unvergleichliche Montmartre

Montmartre - Licht und Schatten
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Am 20. Juni 1866 werden im Pariser Stadtteil Montmartre zwei Mädchen geboren: Elise Lambert, Tochter einer Wäscherin, wächst in Armut auf und muss mit harter Arbeit früh zum Einkommen beitragen; Valérie ...

Am 20. Juni 1866 werden im Pariser Stadtteil Montmartre zwei Mädchen geboren: Elise Lambert, Tochter einer Wäscherin, wächst in Armut auf und muss mit harter Arbeit früh zum Einkommen beitragen; Valérie Dumas, Tochter eines angesehenen Kunsthändlers, kennt keine Geldsorgen und wächst behütet auf. Doch beide vereinen die großen Träume, die die Mädchen haben:: Elise möchte Tänzerin werden, die begabte Valérie strebt nach einem Studium an der Kunstakademie. Beide Frauen kämpfen für ihr Glück, während ihnen immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, Kummer und Bedrängnis und selbst die Liebe ihren Weg zu Selbstbestimmung und Ruhm behindern.

Marie Lacrosse, Synonym der deutschen Autorin Marita Spang für ihre historischen Romane, legt mit "Montmartre - LIcht und Schatten" den ersten Teil einer Dilogie über zwei starke Frauen vor, die im ausgehenden 19. Jahrhundert ihren Träumen folgen und dabei einige Schicksalsschläge überwinden müssen - LIcht und Schatten eben.

Im Mittelpunkt der Dilogie steht der zunächst noch ländliche Pariser Stadtteil Montmartre, der erst 1859 von Paris eingemeindet wurde. DIeser zog neben Bürgern aus der Pariser Kernstadt, die sich hier amüsieren wollten, auch zahlreiche Künstler an, die sich ein freieres und billigeres Leben als im Zentrum der Stadt versprachen, wie Vincent Van Gogh, Suzanne Valadon, Paul Gauguin, Edgar Degas und viele mehr. Und auch der Bau des Wahrzeichens dieses Viertels, die Basilika Sacré-Cœur, der 1876 begann, fließt in die Geschichte ein.
Hier, in diesem Bezirk, lagen bittere Armut und wohlhabendes Leben in krassem Gegensatz direkt nebeneinander.

Marie Lacrosse hat hervorragend recherchiert und verwebt unglaublich viel Detailwissen trotz einer Themenfülle zu einer vollauf harmonischen und sehr gut und flüssig lesbaren Story. So ist "Montmartre" ein Sittengemälde seiner Zeit, das das Pariser Leben vor gut 150 Jahren greifbar macht und gleichzeitig eine Geschichte der Kunst und ihrer Ausübenden seiner Zeit; spannend, wie der akademische Realismus abgelöst wurde von - oder auch verteidigt gegen - neue Stile wie dem bekannteren Impressionismus,, dem Post-Impressionismus, Cloisonismus, dem Synthetismus, dem Pointillismus usw. Immer wieder hatte ich das Bedürfnis, die im Buch genannten Künstler und ihre Werke im Internet nachzuschlagen, um sie mit eigenen Augen sehen zu können.
Daneben spielt auch der Tanz, der neu aufkommende Cancan (und diesbezüglich die Sittenwächter), Prostitution und andere "Vergnügungen" eine Rolle. Nicht zu vergessen zahlreiche andere Entwicklungen, die die Welt im Kleinen und Großen veränderten, wie beispielsweise die Weltausstellung 1900 mit dem eigens hierfür entworfenen Eiffelturm, der Bau des Suez- und Panamakanals, die architektonischen Umwälzungen durch den Stadtplaner Georges-Eugène Haussmann, ja sogar der politische Gedanke der Anarchie und viele weitere, so dass ich neben der höchst unterhaltsamen Lektüre auch eine Menge lernen konnte!

Die im Zentrum stehenden jungen Frauen Elise und Valérie sind authentisch und mehrdimensional ausgearbeitet und ich konnte sehr gut mit ihnen fühlen, mitfiebern und mitleiden. Doch auch die weiteren Figuren sind anschaulich und in mehreren Facetten gezeichnet, so dass ich sie fast schon selbst zu kennen glaubte. Das feine Gespür der Autorin für ihre Figuren und deren Handlungen schafft einen wahren Genuss bei der Lektüre. Gut gefiel mir auch, wie die Autorin immer mehr Berührungspunkte schaffte zwischen den Frauen aus so unterschiedlicher Herkunft und Geschichte. und so aus Gegensätzen Gemeinsamkeiten wurden.

Abgerundet wird der Roman von einer Karte des Montmartre um 1880, einem Personenverzeichnis, in dem die historischen Personen gekennzeichnet wurden (und sogar genannt wurde, an welche historischen Personen fiktive angelehnt sind, großes Kompliment dafür), einer Gegenüberstellung von Wahrheit und Fiktion von der Autorin, einer kurzen Erklärung der im Buch erwähnten Stilrichtungen der Malerei, einer Liste der erwähnten Kunstwerke, einem Quellenverzeichnis und einiger Zitate berühmter Persönlichkeiten im ZUsammenhang mit Themen des Romans. Gerade diese zusätzlichen (Hintergrund-)Informationen machen einen historischen Roman für mich erst richtig wertvoll. Ein besonderes Dankeschön hierfür an Marie Lacrosse!

Mich konnte "Montmartre - LIcht und Schatten" vollauf begeistern und ich freue mich schon sehr auf den zweiten abschließenden Teil der Dilogie "Montmartre - Traum und Schicksal", der für November 2025 angekündigt ist.
Fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Fesselnder Jugend-Mystery-Krimi auch für Erwachsene

Tod im Samtmantel
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Die 13jährige Grace kauft in einem Secondhand-Laden einen wunderschönen Samtmantel - und wird plötzlich von VIsionen heimgesucht, in denen sie durch die Augen eines gleichaltrigen Mädchen in die Vergangenheit ...

Die 13jährige Grace kauft in einem Secondhand-Laden einen wunderschönen Samtmantel - und wird plötzlich von VIsionen heimgesucht, in denen sie durch die Augen eines gleichaltrigen Mädchen in die Vergangenheit schauen kann. Als sie zusehen muss, wie das Mädchen ermordet wird, macht sie sich sogleich daran, in Sachen dieses "Cold-Case" zu ermitteln und gerät dabei selbst in Lebensgefahr ...

Sarah Wynne ist eine englische Autorin, die über 10 Jahre als Grundschulpädagogin gearbeitet hat - und so verwundert es nicht, dass sie sich mit der Gefühlswelt von KIndern und Jugendlichen gut auskennt - und bei genauem Hinsehen auch einige pädagogische Hinweise einstreut.

"Tod im Samtmantel" ist ein überaus spannender Mysterie-Thriller mit einer gelungenen Spannungskurve und einem dramatischen Showdown, bevor es zu einem Ende kommt, in dem alle Fragen geklärt werden. Die Mysterie-Elemente passen zur Geschichte, ohne zu übertreiben und bringen die Handlung voran.

Sarah Wynne schreibt in einem anschaulichen, locker-leichten Stil; die Kapitel sind kurz. Die eigentliche Handlung ist unterbrochen von kursiven gestalteten Einschüben aus Verbrechersicht. Das Geschehen ist nachvollziehbar und wirkt in jeder Hinsicht authentisch.Es gibt Freundschaften, aber auch Mobbing und Schulprobleme sowie eine durch Arbeit oft abwesende Mutter, was aber nie zu einem Drama führt.

Die Figuren sind nachvollziehbar beschrieben und die beiden Mädchen Grace und ihre Freundin Suzy hatte ich sofort ins Herz geschlossen. Mir gefällt sehr, dass Grace sicher sehr clever und mutig ist, aber ihr Verhalten und ihr Umfeld realistisch und nicht abgehoben ist.

Obwohl es sich um ein Jugendbuch handelt, konnte "Tod im Samtmantel" auch mich fesseln und ich empfehle es gerne weiter!

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Worte wie ein Mantel

Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen
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Hatoko, die ohne Eltern und von ihrer strengen Großmutter aufgezogen wurde, kehrt nach deren Tod in ihre Heimatstadt Kamakura zurück, um den Schreibwarenladen und das Amt der öffentlichen Schreiberin zu ...

Hatoko, die ohne Eltern und von ihrer strengen Großmutter aufgezogen wurde, kehrt nach deren Tod in ihre Heimatstadt Kamakura zurück, um den Schreibwarenladen und das Amt der öffentlichen Schreiberin zu übernehmen. Während sie Briefe für verschiedenste Anlässe schreibt, wird sie immer mehr Mitglied einer Gemeinschaft, findet nach und nach zu sich selbst und versöhnt sich mit ihrer Vergangenheit.

Die japanische Autorin Ito Ogawa (geb. 1973) nimmt ihre Leser*Innen mit nach Kamakura, dem ehemaligen japanischen Regierungssitz Japans, der besonders für die zahlreichen gut erhaltenen Tempel und Schreine, aber auch seinen Strand bekannt ist und dem geneigten Leser viel über japanische Kultur vermittelt. DIe Karte am Anfang des Buches war eine gute Ergänzung,

Im Mittelpunkt steht (neben der Hauptfigur Hatoko) die Kunst der Kalligrafie und die auch heute noch vorhandenen öffentlichen Schreiber; japanische Original-Briefe (aber auch ihre Übersetzungen) unterbrechen die Handlung und führen ihre besonderen Fertigkeiten vor Augen. Die Ausführungen hierzu (sorgfältig ausgewähltes Papier, die Farbe der Tinte, die Weichheit oder der Nachdruck eines Pinselstrichs, die Schreibweise in hiragana oder Kanji und sogar eine individuelle Briefmarke ) haben mich ungemein beeindruckt. Überhaupt kommt das japanische Lebensgefühl abseits der Großstädte gut zum Ausdruck.

DIe Schreibweise ist poetisch, sehr sanft und ruhig, Spannung sucht man hier vergeblich; dafür lässt sich gut verfolgen, wie Freundschaften entstehen und Hatoko nach und nach ihren Frieden mit sich und der vormals so verhassten Großmutter, die sie lange Zeit nur "ihre Vorgängerin" nennen kann, finden kann. Das Ende ist versöhnlich und schön, aber offen, was mich bei diesem Buch in keinster Weise gestört hat, sondern Platz für eigene Gedanken bot.

DIe Figuren sind unglaublich liebenswert gezeichnet und mir ging das Herz auf beim Lesen. Insbesondere in die Nachbarin Barbara und die 5jährige QP hatte ich mich schnell verliebt, aber auch die überaus empathische Hatoko, die sich selbst in jeden geschriebenen Brief einbringt, hat nun einen Platz in meinem Herzen.

Nicht nur durch die geschriebenen Briefe werden die verschiedensten Themen angesprochen, wie Liebe, Freundschaft und sogar Tod und Trauer.

Ich habe mich gerne auf dieses sanfte Buch eingelassen, das mich wie ein stiller Fluss begleitete und mit dem ich zur Ruhe kam.

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Veröffentlicht am 01.04.2025

Familiäre Verflechtungen

Die Garnett Girls
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Margo und Richard verband einst eine leidenschaftliche LIebe, aus der die Töchter Rachel, Imogen und Sasha hervorgegangen sind. Doch als Richard spurlos verschwindet, verfällt Margot dem Trübsinn und dem ...

Margo und Richard verband einst eine leidenschaftliche LIebe, aus der die Töchter Rachel, Imogen und Sasha hervorgegangen sind. Doch als Richard spurlos verschwindet, verfällt Margot dem Trübsinn und dem Alkohol und überlässt die jungen Mädchen sich selbst - ohne jemals über die Vergangenheit sprechen zu wollen. DIe Geheimnisse wirken sich jedoch auf die ganze Familie und ihre Beziehungen aus....

DIe britische PR-Fachfrau legt mit "Die Garnett Girls" ihren Debütroman vor; ein Familienroman, der tief hinter die Kulissen der Garnett-Verwandtschaft blickt.

Georgina Moore hat ein Auge für Beziehungen, ihre Dramatik und Verpflichtungen, die aus ihnen erwachsen. Es gelingt ihr, die Gefühle der Figuren genau zu beschreiben, ihre jeweiligen Probleme sowie ihr oftmals schwieriges Verhältnis untereinander und die Folgen, die auch unüberlegte Handlungen auf andere haben. Trotz der ernsten Themen schreibt Moore mit leichter Hand und schönem Stil, so dass ich von der Geschichte mitgerissen wurde.

DIe Figuren sind mehrdimensional ausgearbeitet; ihre Zweifel und Komplikationen nachvollziehbar und höchst authentisch. Ich habe mit allen vier Frauen mitgelitten und auf eine zufriedenstellende Lösung ihrer Probleme gehofft. Durch die wechselnden Perspektiven konnte ich mich gut in die unterschiedlichen Positionen einfühlen.

Auch, wenn hinter allem die Frage steht, was aus Richard, dem Vater der drei Mädchen, geworden ist und hierdurch eine Spannungskurve entsteht, die letztlich befriedigend aufgelöst wird, lebt der Roman von den Spannungen der Figuren untereinander und den Veränderungen in ihren Beziehungen. Mir hat sehr gut gefallen, wie alle (!) sich weiterentwickeln zu starken Frauen, die ihren Weg finden und gehen.

Der Plot, in und rund um das Sommerhaus der Familie auf der Isle of Wight gelegen, ist sicher ebenso ein Höhepunkt dieses Romans und ich habe die wunderschönen Beschreibungen sehr genossen.

Ich empfehle den Roman sehr gerne an Frauen weiter, die sich mit den Themen Frausein, Familie und Selbstfindung beschäftigen mögen und sich auf unterhaltsame Weise spannenden Konflikten stellen.

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