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Veröffentlicht am 29.04.2018

Altered Images

Was nie geschehen ist
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Der Name einer längst aufgelösten schottischen Post-Punk-Band ist mir beim Lesen dieses Buches, der Familiengeschichte von Nadja Spiegelman, immer wieder in den Sinn gekommen. Denn die deutschsprachige ...

Der Name einer längst aufgelösten schottischen Post-Punk-Band ist mir beim Lesen dieses Buches, der Familiengeschichte von Nadja Spiegelman, immer wieder in den Sinn gekommen. Denn die deutschsprachige Bedeutung ist: manipulierte bzw. verfremdete Bilder. Ein Phänomen, das in diesem Buch wieder und wieder vorkommt.

Denn Nadja Spiegelman widmet sich in diesem Buch - ich würde es als eine Familienbiografie bezeichnen - ihren Vorfahren mütterlicherseits. Und zwar den Frauen: die Hauptrollen in diesem Buch kommen ihrer Mutter Francoise und ihrer Großmutter Josette zu, die neben eigenen Erlebnissen auch die maßgeblichen Quellen und damit die Grundlage für dieses Buch darstellten. Die Männer: Nadjas Vater, der Zeichner und Autor der berühmten "Maus"-Bücher Art Spiegelman ihr Bruder sowie ihr Groß- und Urgroßvater finden zwar durchaus Erwähnung, nehmen jedoch eher Nebenrollen ein.

Ich ging mit recht hohen Erwartungen an die Lektüre, hatte ich doch gerade den sehr kraftvollen Roman der deutschen Autorin Franziska Hauser, in der es um ihre Familiengeschichte über Generationen hinweg ging, gelesen. Eine sehr schmerzvolle und intensive Lektüre, die auch mir viel Kraft abverlangte. sich aber unbedingt gelohnt hat und unter deren Einfluss ich auch jetzt noch stehe.

Nadja Spiegelmans Buch hat eine ganz andere Grundlage, die Ereignisse entwickeln sich nicht entlang historischer Gegebenheiten, sondern werden sehr sprunghaft dargestellt, immer wieder aus unterschiedlichen Perspektiven, in denen dann auch die oben bereits erwähnten manipulierten Bilder immer wieder eine Rolle spielen. Denn jedes Ereignis, um das es hier geht, wird von den Beteiligten - so auch von Nadja selbst, wenn sie involviert ist - in verschiedenen Sichtweisen dargestellt - in der Erinnerung unterscheiden sich die Wahrnehmungen oft sehr stark. Damit gibt es so viele Wahrheiten, wie es Erzähler gibt, was aus meiner Sicht auch die maßgebliche Botschaft und für mich die persönliche Erkenntnis aus diesem Buch ist.

Ansonsten hat es mich eher veriwirrt, denn es ist im Grunde nichts anderes als ein veröffentlichtes Tagebuch - bzw. die Zusammenfügung mehrerer solcher Tagebücher aus verschiedenen Generationen einer Familie. Auch wenn es stellenweise durchaus packend geschrieben war, stellte sich mir mitunter die Frage, ob die Autorin die Veröffentlichung und auch die Übersetzung nicht zu einem großen Teil ihrem berühmten (Nach)Namen zu verdanken hat.
Denn es werden viele sehr persönliche Ereignisse geschildert, die ich als heftig und teilweise auch erschütternd empfand, doch sie verloren sich in den Wirrungen der unterschiedlichen Episoden und Perspektiven. Ich habe mich öfter gefragt, was eigentlich die Autorin treibt und bin zu keiner Schlussfolgerung gekommen. Es steckt Neugierde hinter dem Buch und mitunter auch Wut, aber es fehlt an Kraft und vor allem an einem durchdachten Konzept.

Ich empfand das Buch nur stellenweise als interessant, die Lektüre war für mich durchaus anstrengend. Wer sich für Familiengeschichten mit unterschiedlichen Wahrheiten interessiert, den könnte dieses Buch interessieren. Die Betonung lege ich auf "könnte"!

Veröffentlicht am 27.04.2018

An jedem Finger einen Mann

Männer und andere Ballaststoffe
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hat Nina zwar nicht, aber fast: es sind drei Männer, die sich um sie scharen: ihr Exmann Martin, Vater ihrer siebzehnjährigen Tochter Fly und immer noch sehr präsent in Ninas Leben. Nicht, weil Nina es ...

hat Nina zwar nicht, aber fast: es sind drei Männer, die sich um sie scharen: ihr Exmann Martin, Vater ihrer siebzehnjährigen Tochter Fly und immer noch sehr präsent in Ninas Leben. Nicht, weil Nina es so möchte - die ist nämlich bereits voll involviert in einer neuen Ehe mit Hobby-Radler Ralf. Und hier ist das Hobby Programm - ebensow wie Martin von ganzem Herzen Manager ist und ständig seine Calls asap erledigen will - wie auch alles andere - ist Ralf mit seinem Fahrrad verbandelt. Mehr als mit Nina. Sie ist nach dem ersten Ehejahr schon ganz schön ernüchtert und überlegt, ob sie sich das auf Dauer überhaupt weiterhin antun will. Um das alles noch zu toppen, erhält sie eine Nachricht von Lukas, ihrer großen Jugendliebe, der damals plötzlich weg war. Einfach so, von einem auf den anderen Tag. Aber jetzt - so scheint es - ist er wieder da, vielleicht jedenfalls. Ist er die ultimative Lösung für alles?

Zumindest, was Männer angeht. Denn es ist nicht so, als würde es nichts anderes in NInas Leben geben. Nein, ganz und gar nicht: sie hat Busenfreundin Birgit und den erweiterten Kreis der Flotten Lotten, die immer da sind, wenn es brennt. Und zwar sofort. Außerdem gibt es ihre Mutter samt mehr oder weniger jugendlichem LIebhaber, die mehr in Ninas Leben drinhängen, als sie es jemals ahnte.

Und natürlich ihren Beruf als Müsli-Beraterin. Dazu einen alten, einen sehr alten Traum. Aber den verrate ich Ihnen nicht, da müssen Sie schon selbst zum Buch greifen.

Sie erwartet ein sehr origineller, teilweise dann doch ein bisschen konventioneller, zu großen Teilen aber haarsträubend überraschender Roman über die Frau in den mittleren Jahren. Und was so an ihr dranhängt an Ballaststoffen des Lebens. Denn es sind definitiv nicht nur Männer! Wenn Sie einige Minilängen nicht scheuen, wagen Sie sich an die Lektüre und Sie werden zu großen Teilen überrascht sein. Von einer Autorin, die schreiben kann wie eine junge Göttin, na gut - eine im besten Alter. Was ja nur gut sein kann, weil dann bereits aus mannigfaltigen Erfahrungen geschöpft werden kann. Zudem hat sie Humor und lässt ihn ungehemmt raus - nicht nur auf Kosten anderer. Nein, Humor ist, wenn man trotzdem lacht, auch wenn es nichts zu lachen gibt und sei es nur man selbst und seinesgleichen.

Ein bisschen anders, ein bisschen spritzig und ziemlich witzig - leichte, aber keineswegs oberflächliche Lektüre frei von Ballaststoffen!

Veröffentlicht am 25.04.2018

Schwestern plötzlich vereint

Das Motel der vergessenen Träume
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Halbschwestern, genauer gesagt: zwischen Carmen und Gracie liegen über 12 Jahre: das war das Alter, in dem Carmen war, als ihr desillusionierter Vater seine Tochter packte und mit ihr zusammen fort ging, ...

Halbschwestern, genauer gesagt: zwischen Carmen und Gracie liegen über 12 Jahre: das war das Alter, in dem Carmen war, als ihr desillusionierter Vater seine Tochter packte und mit ihr zusammen fort ging, um ein neues Leben zu beginnen - fort von seiner trinkenden Frau, die nichts Besseres zu tun hatte, um sich gleich mit dem Ersten Besten zu trösten und ein zweites Kind zu zeugen: Gracie. Leider lebt Gracie dann auch nur mehr schlecht als recht bei ihrer Mutter auf - als Teenager verlässt sie irgendwann gefrustet ihr Heim, um - ja, das weiß sie selbst nicht so genau.

Wenig später findet Carmen sie im verlassenen Motel der Familie - und nimmt sie auf. Carmen, die Meteorologin ist und als Wetterfee beim Fernsehen arbeitet, einen nicht nur gut aussehenden, sondern auch - beziehungsweise vor allem - charakterlich wundervollen Ehemann hat, nämlich Ben, mit dem sie auch den Glauben an Gott teilt, ein wichtiges Element in ihrem Zusammenleben. Gracie sieht Carmen als perfekte Frau und geht auf Abstand, wobei ihr gar nicht der Gedanke kommt, dass Carmen verzweifelt ist - ihr seit Jahren unerfüllter Kinderwunsch wird immer unerträglicher und sie ist kurz davor, alle Hoffnung zu verlieren.

In einem gemeinsamen Projekt - der Wiederinstandsetzung des alten Motels, das seit einigen Jahren leer steht, verbringen die Schwestern einige Zeit miteinander, doch eine Nähe entsteht nicht. Werden Gracie und Carmen an ihren unglücklichen Schicksalen, die so unterschiedlich sind, wachsen oder verzweifeln? Werden Sie einander eine Stütze sein?

Ein Roman über die Unmöglichkeit des vollkommenen Lebens, über Hoffnung, Zuversicht und Enttäuschung - und über die Kraft des Glaubens. Auch ein Roman über unerwartete Geschenke, die dem Leben neue Wendungen geben können und über die Kraft des Glaubens und der Hoffnung. Vor allem jedoch der Liebe, die, wie schon die Bibel sagt, die stärkste Kraft von allen ist.

Ein eindringlicher und ungewöhnlicher Roman mit ausgeprägten, eigenwilligen und sehr, sehr unterschiedlichen Charakteren. Ein Roman für Leser, die gerne neue Wege erkunden und für solche, die es mögen, wenn der christliche Glaube in ihrer Lektüre eine Rolle spielt. Eine große Rolle sogar, wobei mir besonders gefiel, dass viele Facetten des Glaubens und auch des Zweifelns daran angesprochen werden und dieser sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch zieht. Wäre nicht das für meinen Geschmack nicht ganz passende offene Ende gewesen, dann wäre meine Begeisterung uneingeschränkt. Aber auch so empfehle ich einen kraftvollen und eigenwilligen Roman aus ganzem Herzen. Wer einmal etwas Eigenwilliges, ja Unkonventionelles fürs Gemüt sucht, der liegt hier richtig!

Veröffentlicht am 23.04.2018

Mit der Großmutter in ihre Heimat

Letzte Fahrt nach Königsberg
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Mit der Großmutter in ihre Heimat, nämlich nach Königsberg, Ostpreußen, begibt sich Ulrich Trebbin, der ihr und damit seiner Familie ein literarisches Denkmal setzt. Erzählt er doch die Geschichte von ...

Mit der Großmutter in ihre Heimat, nämlich nach Königsberg, Ostpreußen, begibt sich Ulrich Trebbin, der ihr und damit seiner Familie ein literarisches Denkmal setzt. Erzählt er doch die Geschichte von Oma Ella in den Jahren 1932 bis 1948 in Romanform und gewährt damit seinen Lesern das Erleben des Lebensbildes einer ostpreußischen Frau des 20. Jahrhunderts, wie es individueller nicht sein kann. Und doch steht es für viele Frauenbiographien dieser Zeit: es waren Frauen, die - in den meisten Fällen gänzlich unvorbereitet - die Geschicke der ganzen Familie in ihre Hand nehmen und über Gedeih und Verderb ganzer Sippen entscheiden mussten. Sonst war ja niemand da.

Der Autor zeichnet ein sehr eindringliches und farbiges Bild von der Stadt und ihrer Umgebung in der Zwischenkriegszeit - was für ein wundervoller Ort muss es gewesen sein, eine Metropole mit lebendiger Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturlandschaft und nicht zuletzt - wie es sich für eine Hansestadt nahe der Ostsee gehört - prosperierendem Handel. Auch Ellas Vater - der Urgroßvater des Autors also - war in dieser Branche tätig und betrieb einen Weinhandel. Der Leser lernt zunächst die prächtige Stadt und ihre sehenswerte Umgebung mit weitläufigen Stränden und nicht zuletzt dem Kurischen Haff, einer geologischen Besonderheit, kennen und beneidet Ella um ihre sorglose Jugend dort. Doch leider währt diese nicht lange, wir finden die Familie durch den Tod des Vaters und nicht zuletzt durch die veränderte politische Situation gewissermaßen in Auflösung vor.

Ella zumindest steht vor dem Nichts - sie kann nicht wie erhofft das Gymnasium beenden und ein Studium beginnen, sondern muss so schnell wie möglich eine Stelle finden, um ihren Beitrag zum Familieneinkommen zu leisten. Dann folgt der Krieg, die Heirat mit einem Mann, der von Beginn an zweite Wahl war und die Flucht mit inzwischen zwei Kindern zur Schwester nach Potsdam. Doch Ella, immer schon verwegen, kehrt noch einmal zurück und zwar ausgerechnet im Februar 1945, wo ihr die Flüchtlingstrecks schon entgegenkommen. Eine Rückkehr für eine kurze Zeit, um Proviant zu holen zum Überleben - rund um Berlin geht das Essen aus.

Ulrich Trebbin hat diesen Roman auf der Grundlage seiner Familiengeschichte mit viel Herz und Empathie geschrieben - sowohl für seine Großmutter, aus deren Sicht er einfühlsam und durchaus realistisch den Wandel der Zeiten darstellt als auch für die Gegend, aus der sie kommt, für Ostpreußen. Mich hat die sehr warmherzige Darstellung Ostpreußens/ Königsbergs sehr berührt, es kommt wirklich wie Heimat rüber. Und zwar nicht die Trauer um den Verlust, sondern Heimatgefühle, die in Form von bestimmten Worten, Kulturgütern und Speisen, um nur ein paar Beispiele zu nennen, Wärme vermitteln. Ulrich Trebbin schreibt lebhaft und realistisch, gefühlvoll aber keineswegs überzogen.

Eine warmherzige Geschichte, mit der er nicht nur seine eigene Familie beschenkt, sondern auch seine Leser und Leserinnen. Ich empfehle das Buch jedem, der gerne Romane über deutsche Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liest. Ich bin sicher, es wird keine Enttäuschung geben!

Veröffentlicht am 19.04.2018

Summer of '69

Unter der Haut
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Those where the best days of my life - back in the summer of '69. Das singt Bryan Adams. Und so empfindet es auch der junge Jonathan, gerade erst den elterlichen Zwängen einer gut behüteten Kindheit entronnen. ...

Those where the best days of my life - back in the summer of '69. Das singt Bryan Adams. Und so empfindet es auch der junge Jonathan, gerade erst den elterlichen Zwängen einer gut behüteten Kindheit entronnen. Ausgerechnet nach New York hat es ihn verschlagen und dort will er nun endlich was vom Leben haben, es beim Schopf packen, die Geheimnisse ergründen. Und tatsächlich fällt ihm das Leben - darunter versteht der junge Mann vor allem das Ausleben seiner Sexualität, bislang eine für ihn selbst geheimnisvolle, nahezu unverständliche Größe - wie eine pralle Frucht direkt in den Schoß.

Seine Traumfrau - zurückblickend müsste man sagen, die erste von vielen - führt ihn zu einem Mann, der den Schlüssel der Erkenntnis zu besitzen scheint - zu Joseph Eisenstein, einem erfahrenen Mann und leidenschaftlichen Büchersammler um die fünfzig. Eisenstein nimmt ihm mit in die Stadt, zeigt ihm das Leben, das aus schwül-warmer Leidenschaft und Hingabe zu bestehen scheint. Aus vielen Frauen und vor allem jungen Mädchen, die Jonathan nun willig ins Netz gehen. Und aus Büchern - ledern gebundenen Prachtexemplaren. Sie sind es, denen Eisensteins Leidenschaft zu gelten scheint.

Parallel geschieht eine ganze Reihe von Morden, die mit dem Ende des Sommers '69 abrupt endet. Genauso wie die enge Beziehung Jonathans zu Joseph Eisenstein. Und Jonathan bleibt jahrelang ein Suchender - bis er in einem israelischen Kibbuz einer Frau begegnet. Mal wieder. Und die führt ihn zu... Nein, das müssen Sie jetzt selbst lesen. Ich kann Ihnen das nicht alles erzählen, das hat Autor Gunnar Kaiser so gekonnt getan, dass ich Sie nur auffordern kann, sich in dieses Leseerlebnis zu stürzen. Und ich kann Ihnen versprechen, dass sie Vieles erfahren werden, das sich sowohl nach als auch - und zudem in wesentlich größerem Maße - vor dem Sommer des Jahres 1969 abgespielt hat, lange davor. Dieser ist nämlich zwar der Ausgangspunkt, aber längst nicht der einzige Handlungszeitraum.

Das Wort "Leseerlebnis" wähle ich mit Bedacht: dies ist nämlich ein ganz besonderes, denn der Leser stellt mehr und mehr fest: die Haut ist "nur" das, was man sieht. Darunter bleibt Vieles verborgen - manches will man ergründen, manches lernt man zu fürchten und manches sollte lieber verborgen bleiben.

Ein Buch, das ich mir erarbeiten musste. Lange, lange habe ich daran gelesen, es zu durchdringen versucht, mich an der Nase herumführen lassen, mich wieder eingefangen, mich daran gerieben, meine Schrecken überwunden, mich von Leidenschaften packen lassen, von denen ich gar nicht wusste, dass sie in mir schlummern und... Sie sehen also, ein Buch, das es dem Leser möglicherweise nicht leicht macht, eines, das unter die Haut geht eben. Man sollte hier definitiv auf den Titel achten, der hält definitiv, was er verspricht. Wie auch immer man zu dem Buch stehen mag - ich bin überzeugt, dass sich niemand so ganz entziehen kann.

Ein verstörendes Leseerlebnis, das viel Brutalität beinhaltet, große Gefühle und große Entwicklungen beschreibt und mich ausgesprochen aufgewühlt zurück lässt. Ein Buch, das aufrüttelt, aufweckt, aber auch durchschüttelt - ja, ehrlich gesagt, fühle ich mich wie durch einen Fleischwolf gedreht - was nach dem Lesen von mir da ist, ist dasselbe wie vorher. Aber in einer anderen Zusammensetzung. Ein Buch, das sicher nicht jedem guttut, das auch nicht jeder Lesen sollte - aus demselben Grund, aus dem ich Heinrich Manns "Untertan" nach der Lektüre weit hinten im Regal verbannt habe, aus dem ich Hesses "Unterm Rad" bisher nie zu Ende lesen konnte: es sind Bücher die weh tun. Bücher, die einem etwas von sich selbst zeigen. Etwas, das man nicht unbedingt sehen will. Bücher, die durchdringen und vielleicht aus diesem Grund alle ein "unter" im Titel tragen. Deswegen würde ich auch niemals sagen, man "muss" dieses Buch lesen, denn es kann auch sehr negativ auf den Lesenden wirken, ja, diese Kraft hat es. Ich werde es sicher so schnell nicht wieder lesen, denn ich weiß jetzt, dass ich dafür Kraft brauche, sehr viel Kraft und die muss ich mir erst wieder aufbauen. Immer schön peu á peu.

Also: ein Buch für mutige Leser, die keine Angst vor sich selbst haben.