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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.09.2024

Auf der Suche nach der Wahrheit

Die vergessenen Kinder
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Wir Leser:innen begleiten Superintendent Jo Hamilton durch die letzten Tage ihres Berufslebens - ausgerechnet da wird die Leiche eines jungen Mädchens entdeckt. Jo ist sich sicher, dass es sich um das ...

Wir Leser:innen begleiten Superintendent Jo Hamilton durch die letzten Tage ihres Berufslebens - ausgerechnet da wird die Leiche eines jungen Mädchens entdeckt. Jo ist sich sicher, dass es sich um das Mädchen handelt, das sie selbst seit langen Jahren sucht und mit zu dem sie eine ganz besondere Bindung hat - durch ein Schlüsselereignis, das sich in den ersten Tagen ihres Berufsleben, also vor rund vierzig Jahren zutrug.

Doch wenn Sie meinen, dass diese beiden Punkte den Rahmen der Geschichte bilden, sind Sie auf dem Holzweg. Denn die Geschichte reicht viel, viel länger zurück, bis in die letzten Kriegsjahre, als Jos Mutter Olive sich auf eine weite Fahrt in einen anderen Teil des Landes aufmachte, die ihr ganzes Leben auf den Kopf stellte.

Emily Gunnis schreibt eindringlich und faszinierend und hat zudem sorgfältig recherchiert. Für alle, sie sich wie ich für Historisches interessieren, wird es besonders bereichernd sein, hier den ein oder anderen bisher unbekannten Umstand kennenzulernen - und das sind nicht gerade wenige.

Zudem erfährt man viel über die Lebensumstände von Frauen in früheren Zeiten, die eigentlich noch gar nicht so lange zurück liegen - ich war froh, dass so manches davon inzwischen Geschichte ist. Aber längst nicht alles!

Veröffentlicht am 29.09.2024

Die Vergangenheit ruht nicht

Blutbuße
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Das bekommen Polizeikommissarin Hanna und ihr Kollege Daniel in ihrem aktuellen Fall hautnah zu spüren. Diesmal ist das Mordopfer im auch zu Ostern tief verschneiten Nordschweden eine Investorin, ...

Das bekommen Polizeikommissarin Hanna und ihr Kollege Daniel in ihrem aktuellen Fall hautnah zu spüren. Diesmal ist das Mordopfer im auch zu Ostern tief verschneiten Nordschweden eine Investorin, die ein längst verlassenes Hotel neu aufbauen will. Und zwar eines, das sie aus ihrer Kindheit, aus den Urlauben mit ihren Eltern kennt. Das ist vielleicht nicht jedem in Are recht, aber ermorden und dazu noch besonders übel zurichten muss man deswegen doch niemanden.

Wer wie ich Hannas vorherige Fälle mit großem Genuss verfolgt hat, der darf sich freuen: es geht mindestens genauso spannend weiter. Ich empfand diesen Fall als besonders spannend: auch wenn einiges verdächtig erscheint, ist am Ende wenn auch nicht alles, so doch vieles ganz anders, als es scheint.

Auch einen Vermisstenfall - die Autorin scheint zumindest im Rahmen dieser Reihe eine Vorliebe dafür zu haben - gibt es im Zusammenhang mit dem Mord: Hanna und ihr Kollege Daniel haben wieder gut zu tun und wir lernen auch andere Kollegen des Teams besser kennen.

Viveca Sten schreibt wie gewohnt so fesselnd und mitreißend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte und die gut 500 Seiten in zwei Tagen durch hatte. Ich habe mich durch den Fall gefressen, muss ich sagen. Denn nicht nur der Stil der Autorin vermag zu begeistern, nein, mehr noch ist es der Inhalt. Diesmal hat mich besonders das Schicksal junger Frauen in früheren Jahren - lange vor Me Too und deren Hilflosigkeit in manchen Situationen berührt. Wie froh bin ich, in (zumindest etwas) gerechteren Zeiten leben zu dürfen! Wieder einmal hält die Autorin geschickt die Balance zwischen Zufällen und den Entwickungen der letzten Jahrzehnte. Das Einzige was mich ein wenig stört, sind die Liebesgeschicke der Ermittler:innen, die teilweise etwas zu sehr im Mittelpunkt stehen.

Veröffentlicht am 27.09.2024

Befremdend und erhellend zugleich

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Ganz besondere Aussichten, Blicke und Einsichten sind es, die Marc-Uwe Kling in seinem zugleich mutigen wie auch erschreckenden neuen Roman seinen Lesern vermittelt. Denn sie erscheinen utopisch, ...

Ganz besondere Aussichten, Blicke und Einsichten sind es, die Marc-Uwe Kling in seinem zugleich mutigen wie auch erschreckenden neuen Roman seinen Lesern vermittelt. Denn sie erscheinen utopisch, sind es aber längst nicht mehr.

Richtig: es handelt sich um KI, um Künstliche Intelligenz, die seit Jahren in aller Munde und seit einiger Zeit auch in unser aller Blick ist. Denn was kann man alles mit Künstlicher Intelligenz machen! Im Klartext - es gibt nur sehr, sehr wenig, was überhaupt nicht funktioniert.

In diesem neuen Krimi des Autoren Kling nimmt sie derart umfassend Einzug in einen laufenden Fall, dass man kaum unterscheiden kann, was echt ist und was konstruiert. Gemeinsam mit der ermittelnden Kommissarin lassen sich die Leser die künstlich erstellte Welt und deren Rolle in unserem Leben in der Gegenwart erklären.

Ein ungewöhnliches Buch - eines, das - wie alles von Kling - richtig gut zu lesen ist, mich jedoch gehörig erschreckt hat. Und zwar anhaltend! Und ich bin froh darüber, denn jetzt bin ich vorgewarnt.

Ein passendes Geschenk nicht nur für Tagträumer, sondern für alle, mit denen man es gut meint.

Veröffentlicht am 23.09.2024

Eine Perle - nein, ein Diamant der Literatur

Bevor es geschah
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"Bevor es geschah" von Céline Spierer ist ein ruhiges, doch außerordentlich gehaltvolles Buch mit so einigen Botschaften in Bezug auf Familie und deren Bedeutung für jedes einzelne Mitglied. Es geht um ...

"Bevor es geschah" von Céline Spierer ist ein ruhiges, doch außerordentlich gehaltvolles Buch mit so einigen Botschaften in Bezug auf Familie und deren Bedeutung für jedes einzelne Mitglied. Es geht um ein sonntägliches Familienessen im Hause der Mutter, das die ältere Tochter - eine von insgesamt vier längst erwachsenen Kindern von Elisabeth und ihrem verstorbenen Mann - immer mal wieder für alle vorbereitet. Wir erfahren die Wahrnehmung jedes erwachsenen Familienmitglieds, auch der eingeheirateten - jede/r der beiden Töchter und der beiden Söhne ist in Begleitung seiner/s Partner/in, teils auch mit Kindern erschienen - sowohl auf diese Geselligkeit als auch auf die Familie insgesamt, lesen von Tabus, von Verbindungen, Einsamkeiten und anderen verbindenden oder auch trennenden Faktoren.

Doch dann passiert ein Unglück und alle sind gefordert - jede/r Einzelne auf seine ganz eigene Art - und auf einmal setzt sich das Familienpuzzle neu zusammen.

Ich habe daraus gelernt, dass jeder seinen Platz hat, dieser sich im Laufe der Zeit aber auch ändern kann - man muss nur den Mut haben, das zuzulassen! Sowohl im Hinblick auf sich selbst als auch in seiner Sichtweise anderer Personen innerhalb der eigenen Familie.

Ich bin wirklich dankbar, dass ich dieses ganz besondere Buch kennenlernen durfte, es ist auf jeden Fall eine große literarische Bereicherung für mich!

Veröffentlicht am 20.09.2024

Zieht sich wahnsinnig

Im Unterholz
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Ich mag generell lieber Krimis als Thriller, Ausnahmen gibt es natürlich immer wieder mal. Eine der Krimi-Eigenschaften, die ich neben der klaren Auflösung von bisher Geheimnisvollem am Ende besonders ...

Ich mag generell lieber Krimis als Thriller, Ausnahmen gibt es natürlich immer wieder mal. Eine der Krimi-Eigenschaften, die ich neben der klaren Auflösung von bisher Geheimnisvollem am Ende besonders schätze, ist, dass es nicht unbedingt flott zugehen muss: ein Krimi darf gemütlich, ja sogar behäbig daher kommen, wenn er immer wieder auf Spannungselemente zurückgreift und diese beibehält.

Das ist hier leider nicht der Fall. Ich verliere ständig den Faden und muss zurückblättern - ab der Mitte war ich wirklich dankbar, dass die Protagonistin nicht mehr auf jeder Seite an ihren langjährigen, inzwischen ehemaligen Mann, der sie wegen einer Jüngeren verlassen hatte, dachte und zwar in aller Ausgiebigkeit. Jedoch erwies sich das leider nur als temporäres Phänomen.

Der Fall an sich ist eigentlich interessant: das Opfer ist eine Frau, deren Anwesenheit an dem Ort ihres Auffindens nicht zu begründen ist und mit deren besonders grausamen Tod auch weitere Rätsel verbunden sind. Aber meiner Ansicht nach konnte diese Spannung aufgrund der sehr langsamen Entwicklung mit vielen Abweichungen vom Thema nicht aufrecht erhalten werden.

Schade!