Profilbild von TochterAlice

TochterAlice

Lesejury Star
offline

TochterAlice ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit TochterAlice über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.02.2018

Ein Krimi der anderen Art

Totenrausch
0

Eher der ruhigen, der introvertierten - doch wer glaubt, es ginge hier gemächlich zu, der befindet sich auf dem Holzweg! Nein, dies ist ein auf reduzierte Art überaus rasanter Krimi, auf den sich einzulassen ...

Eher der ruhigen, der introvertierten - doch wer glaubt, es ginge hier gemächlich zu, der befindet sich auf dem Holzweg! Nein, dies ist ein auf reduzierte Art überaus rasanter Krimi, auf den sich einzulassen lohnt.

Worum es geht: Bestatterin Blum - eingeführt bereits in den Vorgängerbänden "Totenfrau" und "Totenhaus"- ist auf der Flucht: jede Menge Leichen haften ihr an. Diesmal führt ihr Weg über den Umweg in den hohen Norden geradewegs nach Hamburg - und Blum wäre nicht Blum, wenn sie nicht schnurrstracks auf der Reeperbahn und im Rotlichtmilieu landen würde - und das mit ihren beiden Töchtern im Schlepptau!

Dass sie bald nicht mehr Blum, sondern Marie Müller heißt und dem brutalen Zuhälter Schiele auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist - das müssen Sie nicht verstehen. Jetzt noch nicht - erst, wenn Sie der Geschichte von Brünhilde Blum/ Marie Müller literarisch gefolgt sind.

Weitere Figuren tauchen auf - sie alle als schräg zu bezeichnen, ist - gelinde gesagt - eine Untertreibung sondergleichen! Und die Handlung wird blutig und hart - auch wenn es viel um innere Entwicklungen geht, sind es große Themen, die hier angesprochen werden: es stellt sich die Frage, wem man vertrauen kann und wer man selber ist - vom gesamten Umfeld gar nicht zu Reden. Blum jedenfalls bereitet sowohl sich als auch anderen jede Menge Schwierigkeiten - wobei nur der kleinere - durchaus nicht geringe Teil - hausgemacht ist .

Ein ruhiger, aber heftiger Thriller und damit eine ausgesprochen ungewöhnliche, umso wirkungsvollere Kombination. Teilweise sind die Entwicklungen dennoch ein wenig langsam. Das bezieht sich aber ausschließlich auf den Schreibstil, wenn man sich vergegenwärtigt, was da so los ist, geht es eindeutig Knall auf Fall.

Ein Buch für anspruchsvolle Thrillerfreunde, die wollen, dass es kracht und dass blut fließt und die nicht zu empfindlich sind. Im Gegensatz zum Vorgänger "Totenhaus", der meinen Geschmack nur teilweise getroffen, bin ich diesmal so ziemlich auf meine Kosten gekommen. Und empfehle die Geschichte mit Brünhilde/Marie, die mit diesem Band vollendet bzw. abgerundet wird, von ganzem Herzen!

Veröffentlicht am 21.02.2018

Ein Reisebericht der besonderen Art

Streifzug durch Laos
0



TochterAlice

vor 1 Jahr
(8)

Wer Reiseberichte in ihrer eigentlichen Bedeutung, also als persönliche Erlebniserzählungen gewürzt mit viel Wissenswertem in der Tradition bspw. von Fontanes Wanderungen ...



TochterAlice

vor 1 Jahr
(8)

Wer Reiseberichte in ihrer eigentlichen Bedeutung, also als persönliche Erlebniserzählungen gewürzt mit viel Wissenswertem in der Tradition bspw. von Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg liebt - der sollte zu Erik Lorenz' Streifzug durch Laos greifen!

Eine so liebevoll geschriebene und aufgemachte Studie über ein sehr besonderes Land, das ich selbst schon bereist habe und sehr gern mag, habe ich noch nie gelesen, zumindest nicht von aktuellen Reisereportern! Das im Drachenmond Verlag erschienene Buch enthält nicht nur zahlreiche detaillierte Kapitel, die dem Lesenden die Möglichkeit geben, sich Laos quasi flächendeckend zu erschließen, nein, sie enthalten auch Zeichnungen - jedes Kapitel eine eigene, die auf jeder Seite abgebildet ist und es gibt noch einen Mittelteil mit Fotos. Für Leser, denen die Optik sehr wichtig ist, also genau das Richtige.

Was mir sehr gut gefällt: Erik Lorenz erzählt von seinen Reiseerlebnissen so, dass man das Gefühl hat, dabei zu sein, es ist lustig, unterhaltsam und er beschreibt nicht nur die Gegenden, sondern auch die Menschen - Einheimische ebenso wie zufällige oder auch ständige Reisegefährten auf eine witzige und treffende Art und Weise, so dass man sie quasi vor Augen hat.

Laos mit seinem ganzen Reichtum an Flora und Fauna erschließt sich uns in diesem Buch - aber auch seine Geschichte, seine Kultur erzählt der Autor quasi nebenher.

Ein sehr besonderes Land mit einer reichen Kultur und einer schwierigen Geschichte - nach diesem Buch werden alle, die noch nicht in dem Land waren, Lust darauf bekommen, es wieder zu bereisen - und ich träume davon, irgendwann einmal ein zweites Mal hinzufahren und mir noch viel mehr anzuschauen!

Veröffentlicht am 21.02.2018

Auf Herz und andere Organe prüfen

Für immer ein Teil von mir
0

wollen Cloudy und Kyle den ein oder anderen Zeitgenossen auf ihrem Roadtrip in Richtung Kalifornien - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, haben sie doch vor einem halben Jahr ihre Freundin Ashlyn verloren ...

wollen Cloudy und Kyle den ein oder anderen Zeitgenossen auf ihrem Roadtrip in Richtung Kalifornien - und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, haben sie doch vor einem halben Jahr ihre Freundin Ashlyn verloren - einige ihrer Organe jedoch leben durch eine Spende in anderen Menschen, denen dadurch ein neues Leben geschenkt wurde, weiter.

Ashlyns Mutter hat allen diesen Menschen Briefe geschrieben, in denen sie über ihre Tochter erzählte - und es gab eine Menge rührendes Feedback. Nun sind die Freunde der Tochter auf dem Weg zu den Menschen.

Ein interessantes Thema, könnte man meinen, aber in Wahrheit wird dieses Thema kaum angesprochen. Die Organempfänger bleiben - bis auf eine - leb- und farblos, sie werden kurz abgehandelt.

Im wesentlichen handelt das Buch, das wechselweise aus der Perpektive von Cloudy und Kyle erzählt, vom Verhältnis dieser beiden jungen Leute, ihrer Vergangenheit, ihren Animositäten. Und von dem, was sie bewegt.

Und ehrlich gesagt, ist das nicht besonders interessant, da vieles an der Oberfläche bleibt. Aus diesem Buch hätte was werden können, aber das Autorinnengespann hat seine Chance leider nicht genutzt.

Veröffentlicht am 21.02.2018

Leichen pflastern ihren Weg

Gestorben wird immer
0

Denjenigen von Agnes Weisgut, einer Frau, die nur 13 Jahre jünger ist als das 20. Jahrhundert - ein Weg, der in den 1930er Jahren im damals noch stolzen Ostpreußen beginnt. Agnes kann sich nicht vorstellen, ...

Denjenigen von Agnes Weisgut, einer Frau, die nur 13 Jahre jünger ist als das 20. Jahrhundert - ein Weg, der in den 1930er Jahren im damals noch stolzen Ostpreußen beginnt. Agnes kann sich nicht vorstellen, diesen wunderschönen Landstrich jemals zu verlassen - überhaupt blickt sie in eine mehr als rosige Zukunft, mit eigener Berufsausbildung, einem stattlichen Mann und einem wunderschönen Haus mitten im schönen Königsberg.

Doch es kommt alles ganz anders - kurz nach ihrem Abitur ziehen ihre Eltern mit ihr aufs Land und sie heiratet den einfachen Steinmetz Wilhelm Weisgut, der in Grabsteinen macht und Hitler verehrt. Bald ist Wilhelm im Krieg und sie mit einer immer größer werdenden Kinderschar und einer mehr als garstigen Schwiegermutter zu Hause.

Und gald schon findet sie sich im Hamburg der Nachkriegszeit wieder - wo sie wieder in Grabsteinen macht. Wie gesagt, Leichen pflastern ihren Weg, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise

Ein Frauenschicksal des 20. Jahrhunderts - eines wie kein anderes: Aber waren das nicht eigentlich alle? Hatte nicht jede der Frauen, die mindestens einen Krieg durchmachen mussten, einen eigenen, stets steinigen Weg zu gehen, hat es nicht viele von ihnen - wie Agnes auch - aus ihrer Heimat in eine ganz andere Umgebung verschlagen, in der sie sich mühsam wieder berappeln mussten?

Alexandra Fröhlich erzählt hier eloquent, einfühlsam und unterhaltsam die Geschichte von Agnes. Halt, nein, eigentlich ist es die von drei Frauen, nämlich auch von ihre Tochter Martha und ihrer Enkelin Birte, drei Frauen, die einen unterschiedlichen Weg gehen, der sie irgendwann wieder zusammenführt.

Denn Agnes muss ein dunkles Geheimnis loswerden. Und nicht nur sie. Denn es schwebt eine Tragik über der Familie, die ihresgleichen sucht.

Ein wirklich mitreißendes Buch, in dem man schwelgen kann und das sicher Fans des Bestsellers "Altes Land" auf seine Seite ziehen wird, auch wenn es die Autorin am Ende etwas zu bunt treibt mit dem, was sie ihren Figuren so alles zumutet. Figuren übrigens, die ganz wunderbar gezeichnet sind - man kann sie sich ganz leicht vor Augen führen. Ebenso wie die Sprachgewalt Alexandra Fröhlichs Bewunderung verdient, schafft sie es doch auf gerade mal dreihundert und paar Seiten, ein großes Familienepos auszubreiten.

Veröffentlicht am 21.02.2018

Ein Himmelreich für einen Salat!

Salate
0

Komischer Gedanke? Nicht, nachdem Sie in den Genuss dieses Salatkochbuches der Pfarrersfrau Johanna-Maria Franke und vor allem der nach ihren Rezepten bereiteten Kreationen gekommen sind! Nach den vier ...

Komischer Gedanke? Nicht, nachdem Sie in den Genuss dieses Salatkochbuches der Pfarrersfrau Johanna-Maria Franke und vor allem der nach ihren Rezepten bereiteten Kreationen gekommen sind! Nach den vier Jahreszeites aufgeteilt sind hier die Rezepte und sie sind so vielfältig und unterschiedlich, dass man damit mit Sicherheit für jeden Topf einen (salatenen) Deckel findet!

Schmeckt nicht - gibts nicht? Für den einen kein Sauerkraut? Dann nimmt man eben Chicoree! Der andere hasst Bohnen? Zucchini könnten hier die Lösung sein! Und auch für die Freunde süßer Salate hält die Autorin jede Menge Überraschungen bereit!

Doch immer wird bekommt der Rezipient des Buches eines vor Augen geführt: die Mischung machts! Überraschendes wird hier kombiniert und es sind beileibe nicht nur Früchte und Gemüse, die hier zum Einsatz kommen, nein, auch jede Menge Körner, Kräuter, Gewürze und weitere Zutaten wie bspw. Tofu.

Das richtige Geschenk für Vegetarier, denn Fleisch und Fisch kommen in Johanna-Maria Frankes Rezepten nicht zum Einsatz. Wohl aber Eier und Milchprodukte, denn obwohl durchaus zahlreiche vegane Rezepte enthalten sind, ist dieses zwar ein vegetarisches, nicht jedoch ein veganes Kochbuch, was aber Veganer definitiv nicht vom Kauf abhalten sollte. Finde ich, denn es gibt auch für sie jede Menge Überraschendes und vor allem Leckeres fernab vom üblichen vegetarischen "Gedöne".

Das Besondere an diesem Buch ist nämlich, dass die Autorin sich in kein Schema pressen lässt, keine bestimmte Richtung verfolgt. Hier kocht und schreibt eine erfahrene Hausfrau, die seit Jahrzehnten (fast) täglich Salate zu ihren Mahlzeiten reicht und absolut versiert auch mit Lücken und Ausfällen umgehen kann. Oft steht gleich im Rezept drin, womit man die ein oder andere Zutat ersetzen kann, aber ich bin selbst auch auf jede Menge Ideen gekommen.

Das Besondere in diesem Buch sind einerseits - ich erwähnte es schon - die Kombinationen, die teilweise gewagt sind, immer jedoch passend. Es gibt aber noch etwas, womit die Autorin punktet und das sind ihre Saucen. Oft überraschend schlicht, beeinhalten sie doch immer etwas Besonderes. Sehr oft enthalten sie fruchtige Komponenten, aber auch besondere Gewürze oder Kräuter, die die Autorin oft genug im eigenen Garten zieht.

Sie können sich darauf verlassen: Den richtigen Salat für jede Lage findet man mit diesem Buch mit Sicherheit - und mit Gottes Hilfe!