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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.08.2024

Wie ein Weidenkorb, einst geflochten von indigenen Einwohnern Maines

Die Frauen von Maine
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Der Vergleich bietet sich an, da in diesem Roman, der auf etliche Problematiken der Frauen im Allgemeinen und denen in Maine/New Hampshire im Besonderen zu sprechen kommt, alles miteinander verflochten ...

Der Vergleich bietet sich an, da in diesem Roman, der auf etliche Problematiken der Frauen im Allgemeinen und denen in Maine/New Hampshire im Besonderen zu sprechen kommt, alles miteinander verflochten ist. Wobei der Korb - zunächst eher ein nebensächliches Thema - im Handlungsverlauf durchaus eine bedeutsame Rolle einnimmt.

Autorin J. Courtney Sullivan führt eine Reihe von Themen und Figuren ein und bringt sie allmählich zusammen. Zu allmählich, würde ich sagen, stellenweise ufert die Geschichte um Jane, die während einer handfesten Krise aus ihrem erfolgreichen Leben in Boston in den Schoß ihrer Familie - in ihrem Fall eher ironisch gemeint - zurück kehrt, doch ganz schön aus und ich musste mich höllisch zusammen reißen um nicht den Faden - vielmehr: die Fäden - zu verlieren.

Es geht um die indigene Bevölkerung Maines und um ihre Werte, sowohl die materiellen als auch die immateriellen, um Frauen und ihre Geschicke im Wandel der Zeiten und immer wieder um eine einsame Klippe mit einem ganz besonderen Haus darauf.

Ich konnte das Buch trotz der erwähnten kleinen Hindernisse nicht aus der Hand legen und rate Leser:innen, denen es anders geht, dennoch dazu, durchzuhalten. Denn die Autorin, ist keine von denen, die die Frauen hochjubelt und sie dennoch in ihre konventionellen Schranken weist.

Man darf gespannt sein.

Veröffentlicht am 19.08.2024

Elisabeth erzählt

Nur nachts ist es hell
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Und zwar ihrer Großnichte, einem jungen Mädchen und füllt damit die Lücken, die nach dem ersten Band dieser Trilogie, "Wir müssen über Carl reden" entstanden ist.

Schnell entsteht der Eindruck, ...

Und zwar ihrer Großnichte, einem jungen Mädchen und füllt damit die Lücken, die nach dem ersten Band dieser Trilogie, "Wir müssen über Carl reden" entstanden ist.

Schnell entsteht der Eindruck, dass dies kein eigenständiger Roman ist, den man unabhängig von etwas lesen kann und genau das ist auch sein Manko: hätte ich ihn ohne Kenntnis des vorherigen Bandes zur Hand genommen, ich hätte so manches nicht verstanden.

Trotz der stimmungsvollen, in großen Teilen zeitgemäßen - dies ist ein historischer Roman - Schilderungen hat mir einiges gefehlt, anderes wieder war mir deutlich zu viel. Vor allem die Charaktere, mit denen die Autorin Judith W. Taschler die Seiten füllt, ebenso wie die Aufzählung historischer Fakten und Ereignisse. Beides hätte zugunsten einer klareren, fokussierteren Handlung deutlich reduziert werden können.

Dennoch hat sich der Roman für mich gelohnt, denn ich war ja mit den Figuren aus dem Vorgängerband stehen gelassen worden. Jetzt weiß ich, was mit ihnen passiert ist und empfehle das Buch trotz allem allen Leser:innen, die den "Carl" kennen oder ihn vorher noch lesen möchten. Nur eines: das Buch ist nichts für Weicheier, sowohl in Bezug auf Kriegshandlungen als auch auf medizinische Praktiken - oft hat das Eine mit dem Anderen zu tun - geht es hier ordentlich in die Vollen!

Veröffentlicht am 19.08.2024

Ganz weit weg von meinen Emotionen

Die schönste Version
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und auch von allem, was ich kenne, schätze... sogar von dem, was ich bisher verurteilt habe! Ich komme mir vor, als würde ich im Vergleich zu den vielen begeisterten Leserinnen in einer Parallelwelt ...

und auch von allem, was ich kenne, schätze... sogar von dem, was ich bisher verurteilt habe! Ich komme mir vor, als würde ich im Vergleich zu den vielen begeisterten Leserinnen in einer Parallelwelt lesen, in denen die Emotionen, die Werte, ja, der ganze Zugang zum Leben ganz anders ist.

Aber - und das kam mir mehr und mehr zu Bewusstsein, je weiter ich las - so ist es nicht: Ich bin die, die anders ist. Natürlich nicht nur ich allein, sondern viele aus meiner Generationen, die nicht etwa in den Nullerjahren, sondern in den Achtzigern studierten. Ja, genau, in denen des vorherigen Jahrhunderts, sogar Jahrtausends.

Ich verstehe diesen Zugang zum Leben nicht, in dem man sich allen greifen und schnappen muss, auch wenn man weh tut - anderen, aber auch sich selbst. Diese Kompromisslosigkeit, weiterzumachen, obwohl klar ist, dass es nicht weh tut. Vor allem, weil ich befürchte, dass sie nicht dazu führt, dass man das Ausgenutztsein - ob in sexueller Hinsicht oder auch in anderer - vermeidet, sondern dass genau das Gegenteil passieren wird.

Fünf Sterne, weil die Autorin toll schreibt, mutig ist und stark. Ein Stern, weil es absolut nicht mein Buch ist. Ergibt zusammen drei.

Veröffentlicht am 13.08.2024

Anders als andere

Pi mal Daumen
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Das sind sowohl der hochbegabte 16jährige Oscar mit autistischen Zügen als auch Moni, die die 50 schon überschritten hat und in ihrem Outfit aussieht wie ein Assi. Finden zumindest einige Komilitonen. ...

Das sind sowohl der hochbegabte 16jährige Oscar mit autistischen Zügen als auch Moni, die die 50 schon überschritten hat und in ihrem Outfit aussieht wie ein Assi. Finden zumindest einige Komilitonen. Aber nicht ihre Tochter und noch weniger ihre Enkel, denn für die ist sie unentbehrlich - und ihnen gegenüber ist Monis Mathestudium ein ganz großes Geheimnis.

Bald ist sie auch für Oscar unentbehrlich, denn sie inkludiert ihn einfach in ihre Schar zu betreuender Wesen (ein Hund ist auch dabei) und das fühlt sich ganz und gar nicht schlecht an. Denn auch Moni braucht ihn und seine Matheexpertise.

Denkt Oscar zumindest zu Beginn. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse, zumal die Professoren - zumindest die beiden wichtigsten - ganz anders mit Moni umgehen, als von Oscar erwartet. Was ihn sehr erstaunt, Moni hingegen überhaupt nicht.

Was verheißungsvoll anfing, wurde irgendwann ziemlich wirr - jedenfalls zu wirr für meinen Geschmack und für mein Verständnis leider auch. Manchmal mag ich offene Enden, hier aber nicht. Jedenfalls nicht in dieser Form.

Ich mag viele Romane der Autorin Alina Bronski, aber diesen finde ich leider nur so mittel. Dennoch bleibe ich an ihr dran, denn diese Erfahrung habe ich durchaus schon mal gemacht!

Veröffentlicht am 11.08.2024

Schwere Zeiten

Mitternachtsschwimmer
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In diesen befindet sich nicht nur Evan, der Protagonist dieses Romans, sondern ein großer Teil der Menschheit: wir befinden uns nämlich im März 2020.

Sie erinnern sich? Ja, genau, der erste ...

In diesen befindet sich nicht nur Evan, der Protagonist dieses Romans, sondern ein großer Teil der Menschheit: wir befinden uns nämlich im März 2020.

Sie erinnern sich? Ja, genau, der erste Covid-Lockdown erfolgte! Und keiner von uns konnte das einordnen. Und erst recht wusste niemand, was ihm bevorstand.

Bei Evan jedoch hatte es früher begonnen: er fühlt sich schuldig am Tod seines kleinen Töchterchens, der definitiv überhaupt nichts mit der Pandemie zu tun hat. Und leidet unter dem Verhalten seiner Frau, die auf Abstand gegangen ist und ihn bittet, für einige Zeit auszuziehen. Evan landet in einem winzigen Ort am Meer, bei seltsamen, verschrobenen Menschen.

Er fühlt sich denkbar fehl am Platz - bis sein Sohn zu ihm kommt und auf seine ganz besondere Art dafür sorgt, dass die Dörfler sich öffnen, nicht zuletzt die Einzelgängerin Grace, Vermieter der beiden "Jungs".

Ein warmherziger Roman, der gleichwohl nicht nur warmherzige Momente beinhaltet. Die Autorin wagt es, auch mal ungewöhnliche Positionen einzunehmen, über den Tellerrand hinauszublicken. Und sie mag definitiv nicht alle ihre Figuren, was ich als Leserin durchaus genossen habe.

Ein Roman für LeserInnen, die es sanft und ruhig, aber gerne auch mal ungewöhnlich mögen!