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Veröffentlicht am 30.12.2017

Erdbeerschorsch ist wieder da

ErdbeerSchorsch
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der alte Kumpel von HimbeerToni, früher bekannt als PapaPunk.

So ändern sich die Zeiten: Toni ist nun Hausmann und wird von seiner Lebensgefährtin Ada, die seinen Heiratsantrag ohne Angabe von Gründen ...

der alte Kumpel von HimbeerToni, früher bekannt als PapaPunk.

So ändern sich die Zeiten: Toni ist nun Hausmann und wird von seiner Lebensgefährtin Ada, die seinen Heiratsantrag ohne Angabe von Gründen ausschlägt, dominiert und insgesamt nicht gerade gut behandelt. Erdbeerschorsch bzw. Georg erlebte in den vergangenen Jahren Höhen und Tiefen und trifft nun, gerade mal wieder auf Talfahrt befindlich, auf seine alten Kumpels. Ein heiterer Roman, würde man meinen, ich sage jedoch: er beinhaltet ausreichend tragikomische Elemente, um den Leser in großem Stil nachdenklich zu machen. Bewunderswert, mit welcher Leichtigkeit dies dem Autor gelingt, wobei er parallel dem Leser noch die Möglichkeit gibt, sich in Tonis - denn trotz des irreführenden Buchtitels ist die Hauptfigur immer noch der gute HimbeerToni - Welt einzufinden: Die Kapitel sind mit jeweils wunderbar passenden Songtiteln überschrieben, die den geneigten Leser - schwuppdich - zurück in die 80er, teilweise auch noch weiter zurück katapultieren,dies ist vor allem die Welt des Punk in allen seinen Schattierungen.

In mir hat es wundersame Erinnerungen an alte Zeiten geweckt, in denen das musikalische Spektrum des HimbeerToni auch das meinige war - der Leser erfahrt also auch Inspiration in bezug auf musikalische Erlebnisse.

Kleine Abstriche erlitt meine Begeisterung durch die Tonis Träume und Phantasien bspw. nach seinem Unfall - das war mir dann doch ein wenig zu wirr. Auch auf die - mehr als schlüpfrige - Erläuterung, woher der ErdbeerSchorsch denn nun seinen Namen hat, hätte ich ohne Weiteres verzichten können. Aber es ist halt ein Männerbuch mit allem Zipp und Zapp, allerdings eines, in das auch Frauen durchaus die Nase stecken sollten, erhält man doch auch noch Impulse für neue Lebenswelten und Wohnformen!

Veröffentlicht am 29.12.2017

Serienmorde statt Wiener Walzer

Mädchenauge
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serviert hier Christian David in seinem Erstling "Mädchenauge" - und zwar vom Allerfeinsten. Junge Mädchen werden im Abstand von zwei Wochen offenbar willkürlich umgebracht - oder etwa nicht. Der Wiener ...

serviert hier Christian David in seinem Erstling "Mädchenauge" - und zwar vom Allerfeinsten. Junge Mädchen werden im Abstand von zwei Wochen offenbar willkürlich umgebracht - oder etwa nicht. Der Wiener Politik ist an einer schnellen, möglichst glatten - heißt: gefälligen - Auflösung des Falles gelegen und dafür wird dem langjährigen Mitarbeiter der Wiener Ermittlungsbehörden, Major Belonoz, der gerade erst von Ungnaden wieder rehabiliert wurde, mit Lily Horn eine unerfahrene, noch nicht einmal dreißigjährige Staatsanwältin zur Seite gestellt. Ein Team mit Biss? Durchaus, auch wenn im Miteinander der beiden noch längst nicht das gesamte Potenzial von Animositäten, Sich-Bälle-Zuwerfens und, und, und ... ausgeschöpft ist.

Und die Story? Superspannend und durchaus originell, wenn sich auch der Autor ein klein wenig in Nebenschauplätzen und aus meiner Sicht zu vielen Nebendarstellern verheddert. Trotzdem ist dies ein Krimi mit allem Zipp und Zapp, der es wert ist, gelesen zu werden.

Meinerseits gibt es also durchaus ein paar Kritikpunkte anzumerken - und trotzdem gibt es ganze fünf Sterne? Jawohl, und zwar wegen des nicht zu übertreffenden Showdowns. Um es mit einem Reim zu sagen: Der Schluss ist ein Genuss! Absolut überraschend, originell und was mir in letzter Zeit immer mehr fehlt: es werden tatsächlich alle Erzählstränge aufgelöst... nur der nicht, wie es mit Lily und Belonoz weitergeht. Aus meiner Sicht umso besser: das lässt auf eine Fortsetzung hoffen!

Veröffentlicht am 29.12.2017

Drei Schwestern und ihre Oma

Die Bekenntnisse der Sullivan-Schwestern
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Drei - mehr oder weniger - kleine, - mehr oder weniger - freche Mädchen, eine reiche strenge und fast allmächtige Großmutter und die Wahrheiten - das sind die Ingredienzen dieses weihnachtlichen Jugendromans.

An ...

Drei - mehr oder weniger - kleine, - mehr oder weniger - freche Mädchen, eine reiche strenge und fast allmächtige Großmutter und die Wahrheiten - das sind die Ingredienzen dieses weihnachtlichen Jugendromans.

An jedem Weihnachtsfest besucht die in Boston ansässige Großfamilie Sullivan mitsamt allen Kindern - 3 Jungen und 3 Mädchen - die mächtige Erb-Oma, genannt Almighty. Und dieses Jahr spielt Almighty ihre Macht aus - unzufrieden mit einigen der Familienmitglieder droht sie gleicht mit der Enterbung der gesamten Familie. Sie lässt durchblicken, dass ihre Unzufriedenheit die drei Töchter trifft und dass sie durch umfassende Geständnisse eventuell von der Enterbung absehen würde.

Die Mädchen lieben ihre Familie und machen sich gleich ans Werk - die Sünden sollen bis Sylvester komplettiert und Almighty vorgelegt werden und es gibt einiges zu berichten. Norrie, die Älteste ist 17 und ihr Geständnis hat mit Liebesangelegenheiten zu tun. Die pfiffige Jane dagegen schreibt in einem Blog über die ganze Familie und macht somit geheim Geglaubtes öffentlich. Und Sassy, die Jüngste, hält sich gar für unverwundbar!

Wie wird die Großmutter reagieren. Der gespannte Leser darf zumindest in den ersten beiden Geständnissen genüsslich schwelgen, denn leider nimmt das Erzähltempo danach rapide ab und lässt den Leser mit einem eher beiläufigen Ende enttäuscht zurück. Wer gut geschriebene Mädchenbücher mag, wird zumindest die ersten zwei Drittel des Buches in vollen Zügen genießen können. Stimmungsvolle (Vor)weihnachtsliteratur, die leider nicht ganz hält, was sie verspricht.

Veröffentlicht am 29.12.2017

Genosse Wang fragt öfter mal

Genosse Wang fragt
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das ist nämlich ein wichtiger Bestandteil seines Berufsalltags als Journalist. Aber da er diesen Beruf im kommunistischen China bei einem der staatlichen Organe ausübt, werden seine Fragen bereits im ...

das ist nämlich ein wichtiger Bestandteil seines Berufsalltags als Journalist. Aber da er diesen Beruf im kommunistischen China bei einem der staatlichen Organe ausübt, werden seine Fragen bereits im Vorfeld durch politische Gremien festgelegt. Er jedoch will das ändern, will die eine, die entscheidende Frage stellen, die ihn mit sich und der Welt ins Reine bringt - jedenfalls aus seiner eigenen Sicht. Er ist sich im Klaren, dass esfür ihn aus politischen Gründen Konsequenzen geben wird. Trotzdem stellt er sie ... und alles kommt ganz anders...

Ein kurzer, knackiger, aussagekräftiger und trotz einiger Längen - ja, die gibt es auch in kurzen Büchern schon mal - spannender Roman der ehemaligen China-Korrespondentin des ORF Cornelia Vospernik. Wir erhalten Einblick in Wangs beruflichen Alltag, in dem er nicht selten mit seinem Kollegen Li, einem Wendehals des aus totalitären Regimes nicht unbekannten Typus, hadert, auf eine stille, ihn selbst überraschende Art, die Kollegin Zhang verehrt, auf diese und jene Art die Wirren des Lebens meistert und am Ende dann doch die richtige Frage stellt - aber ist sie es wirklich?

Die Sprache der Autorin ist klar, eloquent und auf eine anspruchsvolle Art gefällig - sie lässt das Buch zu einem Lesegenuss werden. Schade ist nur, dass die zahlreichen eingestreuten chinesischen Begriffe an keiner Stelle erklärt werden.

Wir erkennen, dass auch Chinesen ähnliche Probleme mit Kollegen haben, wie wir sie aus deutschen Büros kennen, dass anderes wie Mentalität und politische Strukturen jedoch recht fremd ist. Ein nicht unrealistischer Roman, der China-Interessierten wie auch anderen Mitmenschen, die gern über den eigenen Tellerrand blicken, sehr zu empfehlen ist!

Veröffentlicht am 29.12.2017

Ein Patriarch und seine Familie

Hero
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Der Patriarch Hero, Oberhaupt einer Großfamilie mit fünf Kindern, dazu Enkeln und Urenkeln, ist an Krebs erkrankt. Die Geschichte seines Leidens und der Hoffnungen wird vor allem aus zwei Perspektiven ...

Der Patriarch Hero, Oberhaupt einer Großfamilie mit fünf Kindern, dazu Enkeln und Urenkeln, ist an Krebs erkrankt. Die Geschichte seines Leidens und der Hoffnungen wird vor allem aus zwei Perspektiven erzählt. Aus der Sicht von Hero und aus der seiner mittleren Tochter Nele, der eigentlichen Ich-Erzählerin in diesem Roman. Doch auch andere Familienmitglieder kommen zu Wort und so wird der Leser nach und nach vertraut mit dem Setting, den Positionen und Interessen der Familienmitglieder. Und dabei schreitet die Krankheit fort....

Eine Familie am Abgrund , könnte man meinen, doch die Autorin erzählt mit einer solchen Leichtigkeit und zeichnet die Figuren so eindringlich, dass es eine Freude ist. Zu letzterer trägt auch der feine Humor, die sanfte Ironie bei, von der das ganze Buch durchzogen ist, das I-Tüpfelchen jedoch, das ist Root Leebs Sprachempfinden, ja, trotz des eher stillen Eindrucks, den das Buch hinterlässt, nenne ich es ihre Wortgewalt. Dabei geht es nicht um vordergründige Emotionen, nein, das Stilmittel der Autorin ist der Abstand - die Distanz: wie durch eine Lupe betrachtet, werden Charaktere, Beziehungen und weitere Strukturen immer deutlicher und verweben sich zu einer fesselnden Geschichte. Liebhabern von Familienromanen, Freunden der deutschen Sprache und der leichten, niemals gehässigen Ironie wärmstens zu empfehlen!