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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.10.2022

Netter älterer Herr ganz schön zynisch unterwegs

Ungeschönt
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Vorneweg - ich sehe den Autor ganz gerne im Film. Vor allem das eine Mal, als er bei Kubrick ganz groß rauskam. Wissen Sie noch? Mit Nicole Kidman und Tom Cruise. Da waren die noch verheiratet. Ist Ewigkeiten ...

Vorneweg - ich sehe den Autor ganz gerne im Film. Vor allem das eine Mal, als er bei Kubrick ganz groß rauskam. Wissen Sie noch? Mit Nicole Kidman und Tom Cruise. Da waren die noch verheiratet. Ist Ewigkeiten her.

Und dabei hätte ich es besser auch belassen, denn hier erzählt er ein paar Schwänke aus dem Leben und zwar in einem Ton, als könne er uns was beibringen. Echt jetzt, das hat mich so gar nicht vom Hocker gerissen und somit werde ich dieses Buch auch nicht weiterempfehlen.

Schauen Sie sich den Autor lieber in oben genannten Film an, das lohnt sich deutlich mehr

Veröffentlicht am 31.10.2022

Wilde Gesellen - vom Sturmwind durchweht

The Great Outdoors – Into the Wild
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Wilde Gesellen - das trifft sowohl auf das Wild als auch auf seine Jäger zu, wenn auch der moderne Waidmann ganz sicher kein Fürst in Lumpen und Loden ist, sondern eher gepflegt auftritt. Denn ganz klar: ...

Wilde Gesellen - das trifft sowohl auf das Wild als auch auf seine Jäger zu, wenn auch der moderne Waidmann ganz sicher kein Fürst in Lumpen und Loden ist, sondern eher gepflegt auftritt. Denn ganz klar: Wild jagen und zubereiten entspricht definitiv dem Zeitgeist.

Dem Autor Markus Sämmer ist hier ganz klar ein wunderschönes (die Fotos bringen mich zum Schwärmen) Werk gelungen, das weitaus mehr ist als ein Kochbuch, es bietet quasi einen Einstieg in ein Leben - nein, nicht als Wilderer, um Gottes Willen. Als Jäger oder zumindest als jagdaffiner Wildkoch.

Hier wird alles geboten - schlichte und aufwendigere Rezepte, aber mehr noch ausführliche Erläuterungen zum neuen "Wild Life" mit Glossar und allem Zipp und Zapp.

Es ist tatsächlich ein liebevolles Werk. Ich bin keine Jägerin und mag auch nur wenig Wild, aber ich habe einen Heidenrespekt und sehr viel Achtung davor und empfehle, dieses Buch jemandem zu schenken, mit dem man es sehr, sehr gut meint.

Veröffentlicht am 30.10.2022

Die spannendsten Geschichten, die schreibt das Leben selbst

Agent Sonja
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So hatte ich es mir erhofft, fasziniert von Ursula Kuczynski, später Ursula Hamburger, Codename Agent Sonja, noch später, als DDR-Bürgerin Ruth Werner. Eine Frau, die ihrer Zeit - jeder Zeit ...

So hatte ich es mir erhofft, fasziniert von Ursula Kuczynski, später Ursula Hamburger, Codename Agent Sonja, noch später, als DDR-Bürgerin Ruth Werner. Eine Frau, die ihrer Zeit - jeder Zeit - weit voraus war und auch ihrem eigenen Mann wie auch wechselnden Liebhabern mit wehenden Fahnen davon lief.

Meine Eltern sind im Krieg aus zwei verschiedenen Ländern des Baltikums geflohen - anders als die hier beschriebene Agentin aus der Sowjetunion, die für sie und ihre Eltern Gefahr und Einschränkung bedeutete.

Nicht so für Ursula Kuczynski, die sich dem Sowjetregime bereits in jungen Jahren als Spionin andiente - als Jüdin, der Bedrohung von seiten der in Deutschland an die Macht gelangten Nationalsozialisten drohte, ist dies nachzuvollziehen. Allerdings war es bei ihr mehr die Abenteuerlust, die sie in die Arme Stalins und seiner Gefolgsleute trieb.

Ein überaus abenteuerliches Leben ist dies. Meiner Ansicht nach hätte der Autor Ben Macintyre noch einiges mehr daraus machen können, bleibt bei ihm doch das eigentliche Wesen seiner Protagonistin wie auch weiterer Akteure im Hintergrund. Es werden einfach nur die Abläufe aneinandergereiht und beschrieben, welches Feuer sie eigentlich nährt, bleibt unerwähnt.

Ich wusste bisher nichts von dieser unkonventionellen, vielschichtigen Frau, kannte einige - eher wenige - ihrer Weggefährten und habe mit großem Gewinn einen neuen überaus individuellen Lebenslauf einer tapferen und mutigen, vor allem aber eigenwilligen Frau kennengelernt. Auf jeden Fall ein Gewinn!

Veröffentlicht am 30.10.2022

Schüler, Umweltschützer und Beute

Die Spur der Luchse
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Das alles tummelt bzw. befindet sich im beschaulichen smaländischen Wald - man mag es kaum glauben. Ich liebe Internatkrimis und so war ich entzückt, dass eines meiner schwedischen Lieblingsteams, nämlich ...

Das alles tummelt bzw. befindet sich im beschaulichen smaländischen Wald - man mag es kaum glauben. Ich liebe Internatkrimis und so war ich entzückt, dass eines meiner schwedischen Lieblingsteams, nämlich das um Ingrid Nyström und Stina Forss, sich mit einem entsprechenden Fall beschäftigen muss. Unter anderem, muss man sagen. Denn eigentlich geht um militante Naturproteste und einiges mehr, in dessen Rahmen es auch Stina, inzwischen in Stockholm ansässig, wieder an die alte Wirkungsstätte verschlägt.

Mitten rein in diese actionreichen Geschehnisse im stillen schwedischen Wald meldet eine schockierte Lehrerin vier Schüler und ihren Kollegen vermisst. Bald findet sich ein einziges Mädchen aus der Vermisstenschar, vollkommen traumatisiert.

Ich liebe diese Reihe, aber ich muss sagen, mir war ganz klar zu viel los in dem Krimi. Zu viele parallele Ereignisse, die nur mittelbar miteinander zu tun hatten und mich mehr und mehr verwirrten. Dann kam noch mehr Verwirrendes innerhalb der einzelnen Erzählstränge hinzu und ich war komplett durcheinander. Natürlich war vieles wieder originell, fast schon zu sehr, und ich habe mich riesig über ein Wiedersehen mit den Protagonisten gefreut. Aber ich muss sagen, ich hoffe sehr, dass es im nächsten Fall wieder deutlich gemütlicher zugeht.

Allzuviel ist ungesund - nicht nur, was Verbrechen angeht. Genauso ist es, wenn Autoren ihre Werke überfrachten!

Veröffentlicht am 30.10.2022

Eine Familie im Wandel der Zeiten

Der Pfirsichgarten
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Meilin kommt aus einer guter Familie von Antiquitätenhändlern und hat aus Liebe geheiratet. Leider kehrt ihr Mann, mit dem ihr eine wundervolle Zukunft bevorstand, nicht aus dem Krieg zurück, sie musste ...

Meilin kommt aus einer guter Familie von Antiquitätenhändlern und hat aus Liebe geheiratet. Leider kehrt ihr Mann, mit dem ihr eine wundervolle Zukunft bevorstand, nicht aus dem Krieg zurück, sie musste mit Renshu, dem vierjährigen Sohn fliehen.

Zusammen mit der Familie ihres älteren Schwagers Longwei, dessen Frau sie sie stets spüren lässt, dass sie unwillkommen ist, beginnen sie ein neues Leben.

Meilin muss oft ihren Stolz hinter sich lassen, um ihren Sohn über die Runden zu bringen und ihm später sogar ein Studium zu finanzieren. Da sind sie allerdings längst in Taiwan gelandet und schlagen sich meist ohne Longwei und die Seinen durch.

Ein Roman, in dem die Perspektiven wechseln: ist es über die die meiste Zeit Meilins Perspektive, aus der erzählt wird, wechelt sie später auf Renshu, der in die Vereinigten Staaten zum Studium geht und dort zu Henry wird und danach auf dessen Tochter Lily aus seiner Ehe mit der Amerikanerin Rachel. Lily wächst als Amerikanerin mit wenigen Informationen über China auf und sieht ihre Großmutter Meilin nur einmal bei deren Besuch in den Staaten.

Ein Roman, der die starke Zerrissenheit vor allem der mittleren Generation, also von Renshu/Henry verdeutlicht; der zweisprachige Name steht quasi als Sinnbild darüber.

Wie sehr mich der Roman durch die einfühlsame Schilderung seiner Charaktere auch begeistern konnte, für mich blieben die Darstellungen seltsam emotionslos. Oftmals hatte ich das Gefühl als wüsste die Autorin selbst nicht richtig über die Geschichte ihres Vaterlandes, die immer wieder ansgesprochen wird, Bescheid. Das hat mich jedenfalls in höchstem Maße irritiert und meine Begeisterung ein wenig geschmälert.