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Veröffentlicht am 26.03.2021

Was wissen wir über unsere Nächsten

Klaras Schweigen
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Das fragt sich die Freiburgerin Miriram, Mitte vierzig, als ihre Großmutter Klara nach einem Schlaganfall und der damit verbundenen Sprachstörungen zunächst französische Worte spricht. Miriam ist aufgrund ...

Das fragt sich die Freiburgerin Miriram, Mitte vierzig, als ihre Großmutter Klara nach einem Schlaganfall und der damit verbundenen Sprachstörungen zunächst französische Worte spricht. Miriam ist aufgrund des frühen Todes ihrer Eltern bei der Großmutter aufgewachsen und dachte eigentlich, sie wüsste alles über sie, aber das scheint nicht so zu sein, vor allem, als sie Nachforschungen nach Pascal - sein Name fällt immer wieder - anstellt.

Miriam erkennt, dass Klaras Leben so einige überraschende Wendungen nahm, die sie selbst stärker betreffen, als sie sich das vorstellen konnte. Auch Klaras Umzug nach Konstanz, wo sie vor ihrer Rückkehr nach Freiburg lange Jahre verbrachte, hängt stärker mit Miriams eigenem Leben zusammen, als bisher von ihr vermutet.

Ihre Nachforschungen führen sie nach Frankreich, aber auch zu ihren Verwandten an den Bodensee. Und auf ein geheimnisvolles Gartengrundstück in Freiburg. Wird sie Klara vor deren Tod ein Stück ihres Lebens zurückgeben können?

Romane, in denen die Geschichte der eigenen Familie gerade auch in und nach der Zeit des Zweiten Weltkriegs eine große Rolle spielt, haben mich immer fasziniert. Hier betrete ich Neuland, da es hier in den Westen liegt, die Suche nach den eigenen Wurzeln dehnt sich diesmal nach Frankreich, nicht wie so häufig gen Osten aus. Und ich habe spannende Details aus der unmittelbaren deutsch-französischen Nachkriegsgeschichte erfahren dürfen, auch wenn es gerne ein paar mehr hätten sein dürfen.

Sehr gefallen hat mir, wie schonungs Autorin Bettina Storks ihre Akteure mit dunklen Punkten der eigenen Familiengeschichte konfrontiert. Denn angesichts der Stabilität des Dritten Reiches über zwölf Jahre hinweg dürfen nur die wenigsten von uns mit einer weißen Weste der eigenen Verwandtschaft in dieser Zeit rechnen. So erfährt auch Miriam viel Unangenehmes über den eigenen Großvater.

Ein weiterer positiver Aspekt ist die Hervorhebung der Frauen und ihrer Rolle in der Geschichte der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Ein Roman, in den ich zunächst nur langsam hineinfand, den ich dann jedoch nicht aus der Hand legen konnte und auch sehr gerne weiterempfehle!

Veröffentlicht am 25.03.2021

So ist es geschehen - oder nicht?

Der Solist
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Herbst 2017: Neumann ist ein "Bulle" aus Frankfurt, der zur Berliner "Sondereinheit Terrorabwehr", einem ganz neuen Gebilde, abgerufen wird. Er kommt als Außenseiter daher, siezt alle, wohnt ...

Herbst 2017: Neumann ist ein "Bulle" aus Frankfurt, der zur Berliner "Sondereinheit Terrorabwehr", einem ganz neuen Gebilde, abgerufen wird. Er kommt als Außenseiter daher, siezt alle, wohnt im Hotel Mercure und kann sich so einiges leisten. Mit seiner Teampartnerin Suna-Marie, genannt Grabowski, kommt er nach Anfangschwierigkeiten ganz gut klar und das muss er auch - denn als Berliner Kindl kennt sie sich ganz gut aus.

Die Aufgabe der beiden: den Kreis um den im vorigen Dezember bei seiner Flucht zu Tode gekommenen Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri aufzudecken.

Dann gibt es einige Tote, die so richtig nicht zusammenpassen und keiner hält zu Neumann. Außer Suna-Marie.

Kurz und knackig ist der Fall, in dessen Verlauf deutlich wird, wie weit so ein Geflecht des Terrors reichen kann. Wie immer bei Jan Seghers säumen interessante Figuren die Lektüre des Lesers, auch die Handlung ist spannend - wenn auch aus meiner Sicht diesmal nicht so ganz logisch.

Wie auch immer, es ist ja "nur" eine von vielen Möglichkeiten, die der Autor uns hier vorführt.

Ich jedenfalls hatte mir von diesem vielversprechenden Fall etwas mehr versprochen, aber Seghers schreibt zu gut, als dass mein flaues Gefühl sich zu einer Riesenenttäuschung auswachsen könnte.

Veröffentlicht am 23.03.2021

Schwieriger Start in der Fremde

Die irischen Schwestern
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Denn das sind die Vereinigten Staaten von Amerika für Catriona und ihre kleine Schwestern Nora, die gerade erst aus der irischen Grafschaft Antrim eingereist sind, auf der Suche nach ihrem Bruder. Der ...

Denn das sind die Vereinigten Staaten von Amerika für Catriona und ihre kleine Schwestern Nora, die gerade erst aus der irischen Grafschaft Antrim eingereist sind, auf der Suche nach ihrem Bruder. Der hatte ihnen einen ganzen Batzen Geld geschickt, dazu Hoffnung gemacht auf ein neues Leben ohne Armut und den ständig betrunkenen Vater, der genau wie die übrigen Familienmitglieder an einer Seuche verstorben war.

Vor allem Catriona ist klar, dass der Start kein leichter sein wird, doch dass es so schwer wird, das war ihr nicht bewusst.

Wir befinden uns in der Zeit unmittelbar nach dem amerikanischen Bürgerkrieg, in der zweiten Hälfte der 1860er Jahre und die Schwestern folgen der Spur ihres Bruders in die Südstaaten, der Kriegsverlierer, in der Hoffnung, ein Erbe antreten zu können. Dort lernen sie Wade kennen, der ziemlich geheimnisvoll tut. Und bald schon wird deutlich, dass er nicht das ist, was er zu sein scheint....

Ist er eine weitere Bedrohung für die Schwestern in der Neuen Welt? Und was ist mit dem Bruder?

Ein spannendes Buch, in das ich aufgrund der etwas umständlichen Schreibweise nur langsam hineinfand. Aber dann habe ich Blut geleckt, denn Tamera Alexander präsentiert den "American Way of Life" sehr offen, und alles andere als spießig. Die Einbindung der historischen Fakten in den Handlungsverlauf ist ausgesprochen gelungen und irgendwann konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen.

Etwas für Freunde historischer Romane mit Anspruch! Ich jedenfalls habe diesen Ausflug in die Südstaaten sehr genossen!

Veröffentlicht am 22.03.2021

Das Haus des Grauens

Darling Rose Gold
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Es ist schon sehr lange in Familienbesitz, wenn auch mit Unterbrechungen: es gehörte zunächst Familie Watts, dann deren Tochter Patty Watts, danach gab es eine kleine Unterbrechung und anschließend kaufte ...

Es ist schon sehr lange in Familienbesitz, wenn auch mit Unterbrechungen: es gehörte zunächst Familie Watts, dann deren Tochter Patty Watts, danach gab es eine kleine Unterbrechung und anschließend kaufte deren Tochter Rose Gold Watts es zurück und holte ihre Mutter Patty zu sich.

Und zwar aus dem Knast, wo sie ihretwegen saß. Sie hatte nämlich Rose Gold von klein auf eingeredet, sie sei schwerstbehindert, könne nicht laufen, nicht lernen, sie könne nichts essen und Haare würden ihr auch nicht wachsen.

Alles totaler Humbug, was Rose Gold aber erst nach Jahren feststellte. Und ihre Aussage brachte die Mutter Patty ins Gefängnis, für ganz fünf Jahre.

Warum dann war Rose Gold anschließend bereit, ihr Leben - und das ihres kleinen Sohnes Adam - mit Patty zu teilen, die sich im Übrigen nie einer Schuld bewusst war.

Zunächst weiß man gar nicht, was auf den Leser zukommt, wenn man damit beginnt, dieses überaus heftige Buch zu lesen. Es ist keine schöne Lektüre, schon gar nicht eine, bei der es dem Leser warm ums Herz wird.

Ganz im Gegenteil, mir ist es wieder und wieder kalt den Rücken hinunter gelaufen.

Also Obacht: es kann sein, dass es Ihnen nach dieser Lektüre nicht sehr gut geht. Sie erfordert viel Mut - und, wie ich meine - ein ausgeglichenes, offenes Gemüt, das sich nicht so leicht erschüttern lässt. Denn sie ist extremst verstörend und dieses ungute Gefühl, dieser Schrecken, hallt auch noch nach, lange nachdem man das Buch aus der Hand gelegt hat.

Also: kein schönes Buch. Eigentlich ein grauenhaftes. Aber ein sehr gut geschriebenes. Autorin Stephanie Wrobel weiß genau, worauf sie hinauswill und was sie ihren Lesern antut. Ob sie das dazu gehörige Risiko kennt, dessen bin ich mir nicht so sicher. Denn - so sehr ich die Qualtät dieses Buches zu schätzen weiß, ich werde so schnell keinen weiteren Band aus ihrer Feder mehr in die Hand nehmen - zu bedrohlich erscheinen mir die Folgen.

Dennoch, wenn Sie richtig heftige Psychothriller mögen, die lange nachwirken, dann ist dies mit Sicherheit die richtige Lektüre für Sie!

Veröffentlicht am 20.03.2021

Born to be alive!

Wohin die Reise geht
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Es geht los mit Jakob, der bereits so einiges mitgemacht hat in seinem Leben - er ist durch den Verlust seines Kaffeegeschäfts, seines Vermögens und nicht zuletzt seiner Frau durch schwere Zeiten gegangen. ...

Es geht los mit Jakob, der bereits so einiges mitgemacht hat in seinem Leben - er ist durch den Verlust seines Kaffeegeschäfts, seines Vermögens und nicht zuletzt seiner Frau durch schwere Zeiten gegangen. Doch Jakob ist ein Typ, der sich die schönen Seiten des Lebens erhalten hat, er ist ein großer Fan klassischer Literatur, singt im Männerchor und hat einen Freund. Den deutlich jüngeren Polizisten Matthias nämlich, einen Chorbruder, mit dem er jede Woche nach der Probe einen heben geht - mit Stil natürlich.

So gern er ihn auch mag, mit auf die Reise, die sich ihm plötzlich auftut, will er ihn doch nicht nehmen. Jakobs Sohn bittet seinen Vater nämlich darum, für ihn eine Million Schwarzgeld in die Schweiz zu schmuggeln. Dafür ist Jakob überhaupt kein Typ, aber seinem Sohn mag er auch nichts abschlagen. Ebensowenig Matthias, der sich - und seinen Schäferhund Eddie - als Reisebegleitung anbietet. Oder vielmehr aufdrängt.

Und so finden sich in Kürze Jakob, Matthias und Eddie auf dem Weg in die Schweiz - und zwar in Matthias' Wohnmobil, einem bereits geschichtsträchtigen Fahrzeug.

Während einer Pause, in der Matthias sich um Eddie kümmert, lernt Jakob bei der für ihn unvermeidlichen Tasse Kaffee Tilda kennen, eine durchaus glamuröse, aber reichlich verwirrte Dame etwa in seinem Alter, die ihm auf Anhieb sympathisch ist. Und dabei bleibt es nicht, denn Alex - ein junges Mädchen, das seit einigen Monaten auf der Straße lebt und sie für ein Ehepaar hält, gesellt sich dazu.

Es kommt, wie es kommen muss: Jakob präsentiert Matthias zwei neue Reisegenossinnen, auf die dieser gut verzichten könnte. Da das jedoch unmöglich ist, geht die Reise zu viert weiter und bald schon wird sie zu einem Roadtrip, den als abenteuerlich zu bezeichnen die Untertreibung des Jahres wäre.

Die vier Reisegenossen haben so einiges zu verbergen voreinander und es zeigen sich auch diverse Einwirkungen von Außen. Und obwohl jeder von ihnen so sein Päckchen zu tragen hat, zeigt sich am Ende der Reise, dass das Motto "Born to be alive" auf sie alle zutrifft. Zumindest jetzt, also nach der Reise und in dieser Vierer-Konstellation!

Marlies Ferber hat mit "Wohin die Reise geht" einmal mehr einen ebenso warmherzigen wie unterhaltsamen Roman nicht ohne Tiefe vorgelegt. Ich habe außer ihrem ersten "0070"-Band alles von ihr gelesen und bin ein Riesenfan! Und ich bin sicher, dass noch etliche dazu kommen, wenn sie erst die Bekanntschaft mit dieser Autorin, der ein Hang zu schwarzem Humor sicher zuzusprechen ist, gemacht haben. Und warum nicht gleich mit diesem Roman?