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Veröffentlicht am 10.04.2021

Eine, die nicht zum Zug kommt

Kim Jiyoung, geboren 1982
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Das ist Kim Jiyoung, die in Seoul, der Hauptstadt von (Süd)Korea aufwächst, Wünsche, Pläne und Ideen für die eigene Zukunft hat. Worin sie durchaus von den Eltern unterstützt wird.

Sie wollen ...

Das ist Kim Jiyoung, die in Seoul, der Hauptstadt von (Süd)Korea aufwächst, Wünsche, Pläne und Ideen für die eigene Zukunft hat. Worin sie durchaus von den Eltern unterstützt wird.

Sie wollen nicht, dass ihre Tochter lediglich ins System eingefügt wird, sondern ihr Leben so gestalten kann, wie sie selbst es sich vorstellt. Vor allem ihre Mutter, die selbst nicht so konnte, wie sie wollte, steht hinter ihr.

Obendrein ist die junge Frau klug und geistig rege - also sind alle Voraussetzungen gegeben, dass aus ihr etwas wird. Etwas, das sie selbst befriedigt und erfüllt - ein Leben lang.

Doch in Korea ist das bis heute für Frauen fast unmöglich, wie uns an Jiyoungs Beispiel exemplarisch vorgeführt wird - in ihrem überaus lakonischen Stil lässt die Autorin keinen Zweifel daran, dass es tatsächlich so ist.

Kim Jiyoung scheitert spät, aber sie scheitert. Obwohl sie sogar einen Mann gefunden hat, der hinter ihr und ihren Vorstellungen steht - auch das alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Die Autorin Cho Nam-Joo hat hier nicht nur einfach einen Roman verfasst, dieses Buch ist ein gesellschafts- und sozialpolitisches Statement, eine kraftvolle Stimme im Wunsch nach Neupositionierung, Neuregelung der gesamten Gesellschaftsstruktur Koreas. Ein sehr, sehr wichtiges Buch, das meiner Ansicht nach auch in die Kategorie Streitschrift einzuordnen ist.

Die Autorin hat damit auf jeden Fall einen eindrucksvollen Fuß- bzw. Fingerabdruck in der Weltliteratur gesetzt - man wird sehen, welche Kreise er in anderen Bereichen ziehen wird!

Veröffentlicht am 05.04.2021

VerLOCKend?

Lockvogel
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Nein, verlockend ist für Toni gerade absolut gar nix im Leben. Hat ihr Traummann sie doch ausgeraubt und sich sang- und klanglos abgesetzt.

Und dabei geht es nicht um Kleinkram, sondern um das ...

Nein, verlockend ist für Toni gerade absolut gar nix im Leben. Hat ihr Traummann sie doch ausgeraubt und sich sang- und klanglos abgesetzt.

Und dabei geht es nicht um Kleinkram, sondern um das gesamte Vermögen der Großmutter - einige Hunderttausende Euro und dazu noch Schmuck. Sie steht vor dem Nichts, dabei muss sie doch weiterkommen in ihren Schauspielstudien.

Egal, erstmal muss das Geld wieder her und Toni hat auch schon eine Idee, wie: Mithilfe eines Detektivs. Zufällig gerät sie an Edgar Brehm, der sie allerdings ohne Geld nicht als Klientin annehmen will - irgendwie logisch, oder?

Bei ihrem Abgang hört Toni zufällig, wie die Gattin eines, nein: des berühmten Filmemachers Alexander Steiner Brehm einen Auftrag gibt, bzw. auf dem besten Weg dazu ist: er soll ihren Gatten der Untreue überführen.

Eines kommt zum anderen: auf jeden Fall sieht sich Toni irgendwann als Brehms Assistentin, genauer gesagt: als Lockvogel - im Gegenzug will Brehm den diebischen Galan dingfest machen.

Auch wenn die beiden aus unterschiedlichen Welten kommen und sich als Team erstmal finden müssen, sind sie in gewisser Hinsicht einfach unschlagbar: nämlich als literarische Unterhaltung.

Theresa Prammer beweist einmal mehr, dass sie im Genre Krimi mit Humor die Nase vorne hat - aber sowas von! Ich liebe die von ihr entworfenen Charaktere, die immer für eine Überraschung gut sind, aber auch im Hinblick auf Setting und Abläufe wird hier einiges geboten.

Ich gebe zu, dass Fans harter Thriller hier möglicherweise nicht ganz auf ihre Kosten kommen - aber falls sie mal was ganz anderes lesen möchten, ist dies auch für sie möglicherweise ein Lesespaß! Ich empfehle ihn jedenfalls uneingeschränkt!

Veröffentlicht am 02.04.2021

Alice und ihr Macher

Die Erfindung von Alice im Wunderland
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Der Macher Lewis Carroll, der in Wirklichkeit Charles Dodgson hieß und Naturwissenschaftler in Oxford war, hatte die Geschichte lange vor ihrer Veröffentlichung tatsächlich an kleinen Mädchen getestet, ...

Der Macher Lewis Carroll, der in Wirklichkeit Charles Dodgson hieß und Naturwissenschaftler in Oxford war, hatte die Geschichte lange vor ihrer Veröffentlichung tatsächlich an kleinen Mädchen getestet, nämlich an den Töchtern seines Rektors an Christ Church, unter ihnen auch Alice.

Über deren Rezeption der Darbietungen sind nur Bruchstücke bekannt, aber wie auch immer, es dürfte ihnen gefallen haben. Auch einige andere Gestalten aus dem wahren Leben des Autors dürften Eingang gefunden haben in die Figurenwelt - was nicht immer sonderlich schmeichelhaft für die Gemeinten ausfiel.
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Im Gegensatz zu den Abenteuern der Alice entbehrt diese Geschichte eines roten Fadens, was sie nicht sehr leicht lesbarmacht. Ich habe den Eindruck, dass Peter Hunt, der Autor des vorliegenden Sachbuchs, unglaublich viele Informationen hatte und sich daran schwertat, diese knapp zusammenzufassen.

Dagegen ist die Bebilderung - auch einige Fotografien sind dazwischen, ebenso großzügige wie vielseitige. Aus meiner Sicht sehr schade - wenn er diese Bilder und den Text in einen Guss gegossen hätte, wäre dies ein tolles und einzigartiges Werk geworden - so ist es eher ein wenig langweilig. Ich habe mich beim Lesen nicht sonderlich gut in das Geschriebene hineinfinden können. Schade!

Veröffentlicht am 31.03.2021

Manche Menschen werden von vielen geliebt

Das Glück meiner Mutter
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Und nein, nicht der Protagonist und Ich-Erzähler des Romans, der neunundvierzigjährige Phillip Dorn, ist der
Glückliche, sondern seine vor zwei Jahren verstorbene Mutter Marion. Auch Phillip ist sich ...

Und nein, nicht der Protagonist und Ich-Erzähler des Romans, der neunundvierzigjährige Phillip Dorn, ist der
Glückliche, sondern seine vor zwei Jahren verstorbene Mutter Marion. Auch Phillip ist sich - zumindest jetzt, im Nachhinein - des Glückes bewusst, dass er mit ihr und durch sie hatte.

Doch im Nachhinein wird auch deutlich, dass es viele verpasste Gelegenheiten gab - in Marions Leben, in Phillips - vor allem jedoch in dem anderer Menschen, die nicht so viel Marion in ihrem Leben hatten, wie sie es sich gewünscht hätten. Und zeitlebens darunter litten.

Charisma, Güte und Warmherzigkeit, das sind nur drei Attribute, die mir zu Marion einfallen, die die Handlung im Übrigen gar nicht so dominierte, wie es den Anschein haben könnte.

Nein, sie blitzt immer wieder hinein in den Verlauf, als Prägende, als Gebende, Schenkende, aber mehr noch als ein Verlust. Wobei Phillip nicht nur durch sie lebt, aber es ist wohl sie, die ihn gelehrt hat, andere Frauen wertzuschätzen. Wobei dies aus meiner Sicht eine stellenweise sehr erotische Komponente erhält, auch wenn es nur an einer Stelle klar um Sex geht (dann aber mit allem Zipp und Zapp). Ich hätte mich gefreut, wenn gerade der feinsinnige Thommie Bayer ohne dies ausgekommen wäre, das hätte diesen Roman mit den so klug verteilten Petitessen, den Überraschungen und warmherzig aufblitzenden Lichtern aus meiner Sicht perfekt gemacht.

Auch wenn es nichts daran ändern, dass ich dieses Buch mit einem wirklich wohligen Gefühl zuklappe. Ich bin mir aber sicher, dass ich es nicht - wie andere Werke des Autors - wieder und wieder lesen werde - tief in mir drin tragen werde Phillips Geschichte aber durchaus!

Veröffentlicht am 29.03.2021

Latein und Mathe

Der große Sommer
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Daran scheitern Friedrichs Pläne für den Sommerurlaub mit der Familie am Meer - dem 16jährigen droht eine Ehrenrunde, wenn er die Nachprüfungen nicht besteht und das wäre schon die zweite!

Deswegen nimmt ...

Daran scheitern Friedrichs Pläne für den Sommerurlaub mit der Familie am Meer - dem 16jährigen droht eine Ehrenrunde, wenn er die Nachprüfungen nicht besteht und das wäre schon die zweite!

Deswegen nimmt er den Vorschlag der Familie (oder ist es gar eine Anweisung), über die Sommerferien zu den Großeltern zu ziehen, wo der Großvater, ein Medizinprofessor, der noch praktiziert, mit ihm lernen wird. Der Strengste in der ganzen Familie: weil er der Stiefgroßvater ist, mussten Friedrich und seine Geschwister ihn über Jahre hinweg siezen und auch jetzt ist er noch superstreng und versteht keinen Spaß. Gut, dass Friedrichs nur wenig jüngere Schwester Alma - allerdings freiwillig - auch in der Stadt bleibt und auch sein bester Freund Johann die meiste Zeit zu Hause sein wird. Und dann gibt es noch Beate, die er erst vor ein paar Tagen kennengelernt hat.

Friedrich weiß noch nicht, dass er mit diesem Sommer auf eine bittersüße Weise das Ende von Etwas, von seinen unbeschwerten Kinder- und Jugendtagen erleben wird- er wird sich sozusagen entpuppen, einiges wird zu Ende gehen, während anderes neu beginnt.

Und nicht zuletzt wird er den Großvater, wie er ihn nennen muss, völlig neu kennenlernen!

Ewald Arenz hat mit leichter Feder - mir war sie stellenweise ein kleines Bisschen zu leicht - einen Roman voller Empathie, warmherzigem Humor und Klarsicht über eine scheinbar längst vergangene Zeit geschrieben. Ebenso deutlich wie die Unterschiede zu den frühen 1980er Jahren wurde jedoch das ewig Gleiche im Jungsein: die Unsicherheit, die Sehnsucht, ja, auch die Gier. Einmal mehr beweist Ewald Arenz sein ungeheures Talent in der Darstellung von Charakteren: Friedrich und seine Freunde, doch auch den Großvater und Nana, die Großmutter, sah ich während der Lektüre klar vor mir. Und fühlte mich versetzt in längst vergangene Zeiten, längst verloren geglaubte Gefühlswelten. Ein Roman, der aufwühlt und wehtut - aber lange nicht so, wie er versöhnt! Wenn man dem Autor glaubt - und ich bin bereit, das zu tun, habe ich doch meine Jugend zur gleichen Zeit wie Friedrich erlebt - dann erfährt man, dass es immer einen Weg, eine Lösung gibt und jedes Ereignis, also auch jede Tragödie immer aus mehreren Perspektiven betrachtet werden kann.

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