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Veröffentlicht am 19.08.2017

Von der Reichenau nach Reykjavik

Gnadensee
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Lona, Tochter aus begütertem Hause und Studentin ohne eigentliches Ziel, lebt nach dem Unfalltod des Vaters zusammen mit ihrer abweisenden und gefühlskalten Mutter in der Familienvilla auf der Bodenseeinsel ...

Lona, Tochter aus begütertem Hause und Studentin ohne eigentliches Ziel, lebt nach dem Unfalltod des Vaters zusammen mit ihrer abweisenden und gefühlskalten Mutter in der Familienvilla auf der Bodenseeinsel Reichenau.
Nachdem sie am Tag ihres 24. Geburtstages vergeblich auf ihren Freund Dirk gewartet hat, beschließt sie, ihn in seiner Wohnung aufzusuchen. Doch er ist spurlos verschwunden und niemand weiß etwas über seinen Verbleib.
So macht sich Lona auf die Suche nach ihm und dabei verfestigt sich ihr anfänglicher Verdacht, dass ihm etwas Schlimmes zugestoßen sein muss.
Auch sein Freund und Kommilitone, der junge Isländer Brynjar, ist nicht auffindbar. Eine erste Spur, die zur Erhellung der Umstände des rätselhaften Verschwindens der beiden Freunde beitragen soll, führt nach Island. Dort lebt Brynjars Bruder Arnar, der im Folgenden bei der Suche nach den beiden Verschwundenen an Lonas Seite sein wird.
Zurück in Deutschland überstürzen sich die Ereignisse und Lona ereilt ein Schicksalsschlag nach dem nächsten, an denen sie zu zerbrechen droht. Doch gibt sie nicht auf und nähert sich Schritt für Schritt einer unerwarteten Lösung, die sie selbst in tödliche Gefahr bringt...

Kann man einen Kriminalroman wirklich als "schön" bezeichnen?
Eigentlich sind die darin erzählten Geschichten,denen immer ein Verbrechen zugrunde liegt, niemals schön!
Doch dieser Roman ist tatsächlich von einer eigenartigen, berührenden Schönheit!

Die Hauptfigur Lona bewegt sich auf landschaftlich faszinierenden Schauplätzen: da ist zum einen der Bodensee mit seinen Inseln, den die Autorin vor den Augen des Lesers auftauchen lässt. Und sie tut dies auf eine Weise, die nicht gleich ins Auge springt. Weder bemüht sie den sogenannten Lokalkolorit, mit dem neuerdings so viele Krimis nerven, noch langweilt sie mit schwelgerischen und quälend ausführlichen Beschreibungen. Eher karg sind die Hinweise auf die schöne Landschaft mit ihren Kulturschätzen, dennoch so eindringlich und stimmungsvoll, dass man die Atmosphäre, die sie heraufbeschwört fast mit Händen greifen kann.
Großartig macht sie das!

Das gleiche gilt für Island, den zweiten Schauplatz, die Insel aus Feuer und Eis im nördlichen Atlantik, die in den letzten Jahren immer mehr zu einem begehrten Reiseland geworden ist.
Auch die dort spielenden Szenen sind stimmungsvoll, fangen den besonderen Zauber, der von der Insel, ihrer Landschaft, ihrem Licht und ihrem unvergleichlichen Himmel ausgeht, in einem Maße ein, dass jeder Leser wie gebannt ist - und Sehnsucht bekommt nach dem kühlen Land hoch oben im Norden.
Und denjenigen, die schon dort waren, kommen die Gefühle, die Eindrücke, die die Insel in ihnen hinterließ, zurück aus der Erinnerung, werden gegenwärtig.

Ingrid Zellner erweist sich als eine Erzählerin von großer Einfühlungskraft, ohne jemals ins Sentimentale zu verfallen.
Und so ist auch die Geschichte, die sie in ihrem Krimi erzählt, zwar zutiefst anrührend aber zu keinem Zeitpunkt kitschig-süß.
Ihre Charaktere zeichnet sie sehr glaubwürdig, sie sind in keiner Weise vollkommen, sind Einzelgänger wie Lona, aber auch skurrile Typen wie Dirks Schwester Claudia und deren Chef Marten, Besitzer eines Tattoo-Studios. Sie machen Fehler, gehen falsche Wege, sehen aber ihre Irrtümer irgendwann ein und lernen daraus. Und sie entwickeln sich weiter - allen voran Lona, die am Ende des Krimis nicht mehr dieselbe ist wie zu dessen Beginn.

Ja, die Handlung ist spannend, offen bis zum Schluss, der nicht nur für Lona mit einer faustdicken Überraschung aufwartet.
Manch einer mag die Aneinanderreihung von Zufällen, mit denen die Akteure konfrontiert werden, als unrealistisch und zuviel des Guten ansehen, - doch sollte man nicht vergessen, dass man es hier mit einer fiktiven Geschichte zu tun hat, die keineswegs die Realität wiederspiegeln muss! Die Zufälle passen in die Handlung, machen sie spannend und liefern den Überraschungseffekt, den sich doch die meisten Leser von einem guten Kriminalroman erwarten.

Und genau das ist "Gnadensee"! Ein guter Krimi, der dazu noch schön ist!
Eine unbedingte Weiterempfehlung für jeden Leser, der die Schönheit auch in einem Spannungsroman zu schätzen weiß

Veröffentlicht am 18.08.2017

Tödliches Kräftemessen

Targa - Der Moment, bevor du stirbst
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Targa Hendricks arbeitet als Undercover-Agentin für eine Spezialeinheit der Polizei. Dank ihrer besonderen Charaktereigenschaften - sie hat nicht nur einen brillianten Verstand sondern ist auch komplett ...

Targa Hendricks arbeitet als Undercover-Agentin für eine Spezialeinheit der Polizei. Dank ihrer besonderen Charaktereigenschaften - sie hat nicht nur einen brillianten Verstand sondern ist auch komplett furchtlos und frei von normalen menschlichen Emotionen - wird sie für besonders schwierige und gefährliche Fälle auserwählt, an denen sich die Ermittlungsbehörden die Zähne ausbeißen.
Doch als sie auf den ebenso intelligenten wie narzistischen und skrupellosen Hochschuldozenten Falk Sandman angesetzt wird, der verdächtigt wird, mehrere junge Frauen umgebracht zu haben, läuft sie nicht nur Gefahr, dem unleugbaren Charme des Mörders zu verfallen sondern gar sein nächstes Opfer zu werden.
Ein Kräftemessen beginnt, das mal zu Gunsten des einen, mal des anderen ausgeht.
Wer aber wird am Ende die Oberhand behalten in diesem grausamen Katz-und-Maus-Spiel zweier gesellschaftlicher Außenseiter? In einem spannenden Finale muss die Entscheidung fallen....

Ja, er ist außerordentlich spannend und darüberhinaus stilistisch elegant dieser Thriller, den sich das Autorenpaar Barbara und Christian Schiller ausgedacht hat! Er ist von geradezu nervenzerreißender Spannung bis zum Schluss, schwächelt in keinem Moment, ist schnell, unheimlich und grausam.
Und das, obwohl die Rollenverteilung von Anfang an klar ist! Der Leser kennt den Mörder, sieht ihm bei seinen bizarren Morden, die durch die völlige Abwesenheit von Empathie abstoßen und erschrecken, über die Schulter, blickt ihm direkt in seine rabenschwarze Seele.
Er ist böse, dieser Mann, von dem dennoch eine unfassbare Faszination ausgeht, dem Frauen auf eine Art verfallen, wie man es sich nur schwer vorzustellen vermag. Und natürlich ist er krank, er ist eine Bestie in Menschengestalt, ein Mörder der Superklasse, sich seiner Überlegenheit sicher.

Wo er in all seiner Grausamkeit dennoch ein klar fassbarer Charakter ist, so ist seine Gegenspielerin Targa ein Rätsel bis zum Schluss! Zu ihrer Seele hat der Leser nur punktuell Zugang, was sie nicht greifbar macht. Bis zum Ende des Thrillers bleibt unklar, auf welche Seite sie eigentlich gehört, denn in ihr kämpft das Gute mit dem Bösen.
Beide Hauptfiguren polarisieren, sie haben keine Grauzonen wie die meisten Menschen, sie sind radikal in ihren jeweiligen Persönlichkeiten.

Und obwohl meines Erachtens ein wenig zu detailreich auf die Tötungsszenen, deren Notwendigkeit ich grundsätzlich und hier im besonderen in Frage stelle, eingegangen wird, ist den beiden Autoren ein in jeder Hinsicht ungewöhnlicher Thriller gelungen, ein finsteres Kammerspiel beinahe, das dem inneren Kämpfen und Ringen ebensoviel Raum gibt wie dem äußeren, - und den ich deshalb bereits den Psychothrillern zurechnen möchte.

Doch es gibt nicht nur die eine, die Haupthandlungsebene, auf der die Ermittlerin und der Psychopath agieren! Mit dieser verwoben sind einige wenige Nebenschauplätze, deren Bedeutung sich erst allmählich erschließt. Und auf diesen Seitensträngen sind Charaktere unterwegs, deren Beziehung zur Haupthandlung und deren Akteuren nach und nach ans Licht tritt, bis zum Schluss die Puzzleteile soweit eingesetzt sind, dass ein klares Bild entsteht.
Wobei das Ende mit einem wahren Paukenschlag daherkommt und wieder neue Fragen aufwirft - die einen Folgeband versprechen, auf den man mit Recht gespannt sein darf!

Veröffentlicht am 17.08.2017

Die Mission des Dionysos

Die sieben Farben des Blutes
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Eine bizarre Mordserie versetzt Berlin in Schrecken! Nach und nach werden unerschrockene Frauen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, gegen Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen in der Gesellschaft vorzugehen, ...

Eine bizarre Mordserie versetzt Berlin in Schrecken! Nach und nach werden unerschrockene Frauen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, gegen Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen in der Gesellschaft vorzugehen, auf bestialische Weise umgebracht.
Der Mörder, der sich Dionysos nennt, sendet nach jeder seiner abscheulichen Taten ein Video und Botschaften, in denen er angibt, die Opfer "heilen" zu wollen und damit den Frauen ihren von Anbeginn der Menschheit zugewiesenen Platz zurückzugeben.
Seine Botschaften entnimmt er der Schrift "Das Buch Dionysos" aus der Feder des Anthropologieprofessors Rashid Gibran, der bald ins Visier der ermittelnden Behörden, allen voran der mit dem Fall betrauten Staatsanwältin Helena Faber gerät.
Die kämpferische und ehrgeizige Staatsanwältin jedoch ist als eines der nächsten Opfer des fehlgeleiteten Mörders ausersehen, wie sich schnell herausstellt. Und ebenso schnell wird klar, dass Dionysos Kontakte zu Polizei oder Staatsanwaltschaft haben muss oder sogar einer von ihnen ist!
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, der aussichtslos zu sein scheint, denn Dionysos lässt sich nicht aufhalten. Er mordet weiter und endet sich unaufhaltsam der Vollendung seiner Mission....

Man muss schon sagen - Uwe Wilhelm, der Autor, mutet dem Leser einiges zu!
Er hat einen stilistisch hochklassigen und clever konstruierten Thriller geschrieben, der wegen seiner grausamen und detailreichen Mordszenen gewiss nichts für empfindsame Gemüter ist. Doch ist er außerordentlich spannend, kaum mag man ihn aus der Hand legen, so sehr nimmt er einen gefangen.
Er lässt tief, allzu tief, in die Abgründe nicht nur eines verwirrten Gemüts blicken, die niemandem gefallen können und die sprachlos-wütend machen ob ihrer Anmaßung und Absurdität.
Mit voller Konsequenz und Radikalität widmet sich da ein Psychopath, der sich fast wie ein Messias vorkommt, der Aufgabe, etwas in die Tat umzusetzen, was sich leider noch immer viele Menschen in aller Welt, und nicht nur Männer, wünschen: die krasse Beschneidung der Rechte, die sich die Frauen in jahrzehntelangem Ringen erkämpft haben!

Eine große Rolle in dem Thriller spielen zudem die Hintergrundhandlungen, spielen die zwischenmenschlichen Beziehungen, die sich vor jenen entfalten und in denen die Hauptakteure allesamt ihre wichtigen Funktionen haben. Jedoch sind die vom Autor ersonnenen Charaktere schwer fassbar, sie polarisieren und erschließen sich erst nach und nach. Niemals hat man das Gefühl, auch nur einen von ihnen je wirklich kennenzulernen oder ihre Beweggründe, ihr Denken und Fühlen, so ganz zu verstehen.
Dies mag man vielleicht als Schwachpunkt des Romans ansehen! Man möchte mehr wissen, mehr Informationen und Einsichten erhalten, die zu einem besseren Verständnis der Charaktere und dem, was sie antreibt, beitragen könnten.

Aber ist es tatsächlich ein Schwachpunkt? Gewiss, am Ende bleiben viele Fragen offen, richtig befriedigt ist man nicht. Doch ist das vor allem, wie ich meine, der Dramaturgie geschuldet, denn "Die 7 Farben des Blutes" ist nicht als für sich stehender, abgeschlossener Roman gedacht! Ein Folgeband ist beabsichtigt.
Und von dieser Warte aus betrachtet ist es nur folgerichtig, dass gegen Ende des Thrillers neue Fragen aufgeworfen und alte nur ansatzweise beantwortet werden!
Den Spekulationen des Lesers über den Fortgang der Ereignisse bleiben Tür und Tor geöffnet, seine Neugierde wird hier nicht gestillt - aber vielleicht im zweiten Band? Warten wir es ab....

Veröffentlicht am 12.08.2017

Schatten des Zweifels

Denn niemand hört dein Rufen
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Die schöne und erfolgreiche Schauspielerin Natalie Raines wird beim Nachhausekommen brutal ermordet!
Von Anfang an richtet sich der Verdacht auf ihren Ehemann Gregg Aldrich, von dem sie getrennt lebt, ...

Die schöne und erfolgreiche Schauspielerin Natalie Raines wird beim Nachhausekommen brutal ermordet!
Von Anfang an richtet sich der Verdacht auf ihren Ehemann Gregg Aldrich, von dem sie getrennt lebt, doch ist ihm der Mord nicht nachzuweisen.
Erst, als eineinhalb Jahre später der Berufskriminelle bei einem Einbruch geschnappt wird und, um der erwarteten hohen Freiheitsstrafe zu entgehen, mit der Staatsanwaltschaft einen Deal aushandelt, bei dem er sich bereiterklärt sein Wissen preiszugeben und schwere Beschuldigungen gegen Gregg erhebt, kommt es zur Anklage.
Die ehrgeizige junge Staatsanwältin Emily Wallace wird mit dem Fall betraut. Überzeugt davon, dass Gregg seine Frau getötet hat und seinen vehementen gegenteiligen Beteuerungen nicht glaubend, tut sie alles, um ihn lebenslang hinter Gitter zu bringen.
Doch muss sie sich, je länger der Prozess dauert, eingestehen, dass sie immer weniger an Greggs Schuld glaubt! Und so beginnt sie, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen, die sie bald in höchste Gefahr bringen - und diese droht nicht nur von dem eigentlichen Mörder sondern auch von ihrem unscheinbaren, ihr dennoch Unbehagen einflößenden Nachbarn, der ein erschreckendes Geheimnis birgt....

Nachdem ich acht Jahre nach seinem Erscheinen "Denn niemand hört dein Rufen" zum zweiten Mal gelesen habe - und dies mit der gleichen atemlosen Faszination wie beim ersten Mal -, muss ich sagen, dass Mary Higgins Clark einfach zeitlos gut, um nicht zu sagen brillant ist!
Kaum jemand versteht es so wie sie, raffinierte Geschichten zu schreiben, deren Spannungsbogen sich kontinuierlich aufbaut, die in die Handlung hineinziehen, mitfiebern lassen und die fesseln von der ersten bis zur letzten Seite.
Und wie es sich für einen guten Psychothriller gehört, spielt sich die Spannung vornehmlich auf psychologischer Ebene ab.
Wer grausame und blutige Szenen erwartet, wer die stets perfiden und gefühllosen Verbrechen, die die Autorin in ihren stilistisch höchst eleganten Romanen auflöst, gerne im Detail beschrieben haben möchte, gehört sicherlich nicht zur Zielgruppe, für die die Meisterin des subtilen Grauens schreibt.

Vielmehr verschafft sie dem Leser tiefe Einblicke in die Seelen der von ihr ersonnenen, oft vielschichtigen und komplexen, durchaus polarisierenden Charaktere, die es ihm ermöglichen, ihre Handlungen nachzuvollziehen, ihre Motive zu durchschauen und sie dadurch einfach besser zu verstehen.

Und genau dieses typische Higgins-Clark-Schema liegt auch dem vorliegenden Thriller zugrunde, der diesmal fast zur Gänze im Gerichtssaal spielt, eine Kulisse, derer sich die Autorin schon in einigen ihrer früheren Romane bedient hat, und eine Welt, in der sie sich fraglos auskennt und die sie so gründlich und so professionell recherchiert hat, wie man es von ihr gewohnt ist.
Und wie immer auch gibt es mehrere Handlungsebenen, die schließlich in einem Nervenkitzel-Finale zusammengeführt werden.
Hier liegt der einzige Schwachpunkt des ansonsten makellosen Romans! Wie auch in anderen Higgins-Clark-Romanen sehnt man die Auflösung zwar herbei, steuert das Geschehen zwar darauf zu, aber als es dann soweit ist, geht alles viel zu schnell! Gerne hätte man sich an dieser Stelle größere Ausführlichkeit gewünscht, vielleicht auch die eine oder andere Erklärung, auch eine Art Ausblick...
Aber das ist die Sache der Autorin nicht! In vorliegendem Buch noch weniger als gewöhnlich, wie mir scheint. Aber sei's drum!

Emily, die verwitwete, traurige, einsame und dennoch starke Protagonistin, auch dies wieder typisch für Mary Higgins Clarks Frauenfiguren, ist das bindende Element der unterschiedlichen Handlungsebenen. Nicht nur steht sie, ohne es zu ahnen, im Kreuzfeuer von gleich zwei erbarmungslosen Killern, nicht nur vertritt sie den Staat gegen den unter Verdacht stehenden, eigentlichen Sympathieträger Gregg, sondern sie ist auch jemand, der seit einiger Zeit mit einem transplantierten Herzen lebt!
Davon möchte sie schon aus beruflichen Gründen keinerlei Aufhebens machen und tut ihr Möglichstes, es nicht publik werden zu lassen. Doch immer drängender werdende verstörende Gedanken, ja sogar flüchtige Dejavus lassen sie, und gleichzeitig auch den Leser, vermuten, dass nicht nur das Herz des toten Spenders in ihrem Körper schlägt!
Ob so etwas im Bereich des Möglichen liegen könnte, lässt die Autorin jedoch offen und überlässt die Antwort darauf stattdessen der Spekulation des Lesers....

Veröffentlicht am 05.08.2017

Alte Liebe rostet nicht

Das Leuchten einer Sommernacht
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In ihrem neuen Roman entführt uns Ella Simon, wie schon in "Ein Gefühl wie warmer Sommerregen", nach Wales, das Land an der britischen Westküste, mal grün mit sanften Hügeln, mal felsig, rauh und meerumtost.
Hier ...

In ihrem neuen Roman entführt uns Ella Simon, wie schon in "Ein Gefühl wie warmer Sommerregen", nach Wales, das Land an der britischen Westküste, mal grün mit sanften Hügeln, mal felsig, rauh und meerumtost.
Hier begegnen wir Lynne und Reed. Die beiden kennen sich schon ein ganzes Leben lang, gehen miteinander durch Dick und Dünn, obwohl ihre innige Freundschaft auf wenig Gegenliebe bei den jeweiligen Familien stößt.
Als beide fünfzehn Jahre alt sind trennen sich ihre Wege auf schicksalhafte Weise, um sich zwölf Jahre später wieder zu kreuzen.
Und hier setzt die Handlung des Romans an!
Der junge, unbeherrschte Reed ist inzwischen ein gefeierter Rugbystar, während Lynne ihre Arbeit in den Dienst der Organisation "Gute Fee" gestellt hat, die es sich zur Aufgabe macht, kranken Kindern besondere Wünsche zu erfüllen.
Schnell merken sowohl Lynne als auch Reed, dass die alte Liebe aus Kindertagen keineswegs erloschen ist. Doch die Jahre der Trennung und schwere, prägende Erfahrungen scheinen unüberwindbare Barrieren zu sein.
Jetzt muss sich erweisen, ob beider Liebe stark genug ist, die Vergangenheit zu bewältigen, alles Trennende zu beseitigen und einen Neuanfang zu wagen...

Der sehr flüssig und schön geschriebene Roman ist vor allem eins: eine wunderbare Liebesgeschichte und empfehlenswerte Sommerlektüre!
Eine emotionsgeladene Geschichte voller Dramatik entwickelt sich vor dem Leser, zieht ihn in ihren Bann und lässt ihn bis zur letzten Seite nicht los.

Die Autorin versteht es ausgezeichnet, Spannung aufzubauen und bis zum Ende zu steigern, um sie dann in einem zu Herzen gehenden Finale aufzulösen.
Sie zeichnet glaubwürdige Charaktere, die ihr Leben trotz aller Schwere, die es ihnen aufbürdet zu meistern versuchen, die auf der Suche nach Liebe und Glück sind und doch eingedenk schlimmer Erfahrungen davor zurückschrecken.
Ella Simon lässt sie schmerzhafte Prozesse durchlaufen, denen sie sich stellen und denen sie standhalten müssen, um sich selbst die Chance auf Heilung zu geben.
Und folgerichtig erfahren die Protagonisten eine sehr überzeugende Reifung und Weiterentwicklung ihrer Persönlichkeit, die ihnen schließlich den Weg in eine verheißungsvolle Zukunft eröffnen.
Es fällt nicht schwer, Ella Simons Figuren Sympathie entgegenzubringen, sie sogar ins Herz zu schließen. Sie polarisieren nicht, provozieren nicht, verärgern nicht. Sie sind schlicht und einfach liebenswert und man wünscht ihnen alles Glück der Erde.

Ein Heile-Welt-Roman also? Auf jeden Fall! Und mit dem von den Lesern herbeigesehnte Happy End? Mag schon sein...
Und - warum auch nicht? Der Roman ist ein herzerwärmendes Gegenstück zu den Zeitungen und Nachrichtensendungen, die Tag für Tag mit Mord und Totschlag, mit Kriegen, Intrigen und Betrügereien auf unserem Planeten Schlagzeilen machen.
Er ist wie eine Auszeit vom Alltag - und tut einfach gut!