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Ulrike55

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Veröffentlicht am 13.04.2017

"Dem Glück auf die Sprünge helfen..."

Monsieur Jean und sein Gespür für Glück
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Um es vorwegzuschicken - "Monsieur Jean und sein Gespür für Glück" ist einer der schönsten Romane, die ich in den letzten Jahren gelesen habe!
Es geht ein Zauber von ihm aus, der schwer zu beschreiben ...



Um es vorwegzuschicken - "Monsieur Jean und sein Gespür für Glück" ist einer der schönsten Romane, die ich in den letzten Jahren gelesen habe!
Es geht ein Zauber von ihm aus, der schwer zu beschreiben ist und dem ich mich zu keiner Zeit entziehen konnte noch wollte.
Die Charaktere, allen voran Monsieur Jean, werden so zart und einfühlsam gezeichnet, sind so voller Charme und Liebenswürdigkeit, dass man sie sofort ins Herz schließen muss und den sehnsüchtigen Wunsch verspürt, ihnen in der Wirklichkeit zu begegnen, denn sie machen die Welt nicht nur ein kleines Stückchen besser, fröhlicher, lebenswerter!
Ein Märchen? Vielleicht! Der Autor lässt es jedenfalls in seinem Buch Wirklichkeit werden....

Wir begegnen Monsieur Jean, einem älteren Herrn, der beschlossen hat, dem Glück auf die Sprünge zu helfen. Seinem eigenen? Weit gefehlt! Er ist ein bescheidener Mensch, verlangt nicht nach mehr, auch wenn ihm in seinem doch recht einsamen Leben nach der Pensionierung vielleicht etwas fehlt. Aber das weiß er nicht einmal selbst, ahnt es höchstens vage.
Unser Monsieur Jean liebt die Menschen und versteht sie wie kein anderer! Als Concierge in einem großen Züricher Hotel hatte er viele Jahre lang die Möglichkeit, sie beobachten, zu studieren. Er kennt sie und weiß um ihre heimlichen Wünsche und Sehnsüchte, ihre Traurigkeiten und ihre Verzagtheit, ihre Sorgen und Nöte.
Nach seiner Pensionierung aus heiterem Himmel macht er sich auf, einer Handvoll von ihnen zu einem schöneren, freundlicheren, erfüllten Leben zu verhelfen, - freilich ohne dass sie davon wissen.
Er braucht keinen Dank, möchte im Hintergrund bleiben.
Und das gelingt ihm auch beinahe, - aber eben nur beinahe!
Denn auch seine Schützlinge haben ein großes Herz, und einige von ihnen merken recht bald, wer hinter den wunderbaren Veränderungen in ihrem Leben steckt.
Ja und dann - lacht endlich auch unserem so überaus liebenswerten und großherzigen Monsieur Jean das Glück. Zur großen Freude des Lesers!

Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden über den Roman, der leicht wie eine laue Sommerbrise das Herz des Lesers berührt und erwärmt und ein Lächeln auf sein Gesicht zaubert. Noch lange nachdem er das bezaubernde kleine Meisterwerk aus der Hand gelegt hat...

Veröffentlicht am 11.04.2017

Teurer Trüffel

Tod à la Provence
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Als der Pariser Polizist, Feinschmecker und Hobbykoch Pascal in ein kleines Dorf in der Provence zieht, um in der Landschaft seiner Sehnsucht ein neues Leben zu beginnen, ahnt er noch nicht, dass er ...



Als der Pariser Polizist, Feinschmecker und Hobbykoch Pascal in ein kleines Dorf in der Provence zieht, um in der Landschaft seiner Sehnsucht ein neues Leben zu beginnen, ahnt er noch nicht, dass er hier keineswegs das Paradies findet, das ihm vorschwebte!

Dass man ihn nicht direkt willkommen heißt, wundert ihn zunächst nicht, ist ihm doch bekannt, dass man hier auf die Bewohner der Hauptstadt, die man als arrogant einstuft, nicht gerade wartet.
Doch es dauert gar nicht lange, da merkt der frischgebackene Dorfpolizist, dass es unter der scheinbar so gleichmütigen Oberfläche im winterlich verschlafenen Örtchen gehörig brodelt!
Er braucht aber ein wenig Zeit, bevor er sich ein Bild von der Situation machen kann - und von einigen seiner neuen Mitbürger, wie dem verschlagenen Bürgermeister, der wiedergewählt werden möchte oder von der gastfreundlichen, begüterten Familie, auf deren Weingut er sich vorläufig eingemietet hat.

Und da ist dann noch der reiche Amerikaner Jack, der sich durch seine Pläne, ein Golf-Resort ausgerechnet dort zu bauen, wo sich "der Wald" befindet, bei den Ortsansässigen äußerst unbeliebt macht. So unbeliebt, dass man ihn ermorden möchte?
Buchstäblich im Zentrum des Krimis mit dem Flair der feinen Lebensart und den Gerüchen der Provence steht eben jener geheimnisvolle Wald, dessen Besitzverhältnisse nicht recht klar sind, was aber niemanden zu kümmern scheint! Jeder geht hier ein und aus, um sich an dem wahren Schatz der Region, den Trüffeln zu bedienen, die hier reichlich vorkommen und als die besten in Frankreich gelten.
Unversehens stellt Pascal - und mit ihm der Leser - fest, dass die Trüffeln, die zu exorbitanten Preisen gehandelt und verkauft werden, womöglich der Schlüssel sind zu den Vorgängen, die der Dorfpolizist zu ergründen versucht, wodurch er sogar in Lebensgefahr gerät!
Außerdem ist da auch noch eine geheimnisvolle Schöne, Elaine, die dem sehr willigen Pascal schöne Augen macht und in deren Netzen er sich verfängt...
Meint sie es ehrlich? Oder benutzt sie den hingerissenen Pascal zu ihren eigenen Zwecken, wie immer geartet die auch sein mögen?

Darauf und auf noch mehr erhält der Leser im Laufe der lebendigen, flott erzählten Handlung Antworten, und er wird zudem immer wieder durch unerwartete Wendungen und die Begegnung mit der einen oder anderen skurrilen Figur überrascht.
Im besten Sinne des Wortes hat Andreas Heineke hier einen spannenden und gleichzeitig charmanten Kriminalroman mit viel Lokalkolorit geschrieben, den man bis zum Ende kaum aus der Hand legen mag und der für Liebhaber der Provence, ihrer Lebensart und ihrer Genüsse, und solche, die es werden wollen, wahrlich ein Muss ist.

Veröffentlicht am 09.04.2017

Alte Heimat

Altenstein
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Julie von Kessel skizziert in ihrem Roman die Geschichte einer adligen Familie, die ihre Heimat Ostpreußen in den letzten Kriegswochen verlassen muss und über einen weiteren Familienbesitz, Altenstein ...



Julie von Kessel skizziert in ihrem Roman die Geschichte einer adligen Familie, die ihre Heimat Ostpreußen in den letzten Kriegswochen verlassen muss und über einen weiteren Familienbesitz, Altenstein in Brandenburg, schließlich in den Westen gelangt und im Rheinland ansässig wird.

Der Erzählbogen spannt sich vom Jahr 1943 bis 2005, doch geschieht dies nicht chronologisch, sondern findet auf mehreren unterschiedlichen Zeitebenen in ungeordneter Reihenfolge statt.
So ungewöhnlich der Aufbau des Romans ist, was den Lesefluss behindert und dem Leser ein gewisses Maß an geistiger Flexibilität abverlangt und durchaus zu manchen Verwirrungen und Unklarheiten führt, so klar und gewählt ist jedoch die Sprache der Autorin, die sich auf hohem Niveau bewegt.
Nie verliert sie sich im Dramatischen, nie in dessen Gegenteil. Dadurch wird es dem Leser nicht leicht gemacht, sich den Charakteren des Buches zu nähern. Diese bleiben seltsam blass....

Und sie sind überdies von komplizierter, sperriger Natur, allen voran Agnes, das Oberhaupt der Familie von Kolberg, die die Flucht tatkräftig und effizient organisiert wie auch den Neubeginn im Westen. Sie nötigt dem Leser Respekt ab, gewinnt aber kaum seine Zuneigung, da sie von rigoroser Natur ist und trotz aller Bemühungen für ihre Kinder sich selbst immer am nächsten ist.
Die Kinder selbst sind natürlich durch diese dominante Mutter und all die Erlebnisse auf der Flucht geprägt und ihr Leben als Erwachsene nimmt Verläufe, die von Zerrissenheit sprechen.
Julie von Kessel konzentriert sich hauptsächlich auf die beiden jüngsten Sprösslinge der Kolbergs, längst nicht auf alle, was auch in Ordnung ist, denn deren Lebensläufe bewegen sich in weniger dramatischen Bahnen...

Viel Schweres und Trauriges kommt zur Sprache, das manchmal beinahe unerträglich wird.
So geschieht es, dass Konrad, das jüngste Kind der Familie, der eigentlich nie richtig ins Leben gefunden hat, der Vieles ausprobiert, aber im Grunde untüchtig ist, beschließt, nach der Wende den Besitz in Brandenburg, Altenstein, zurückzuerhalten.
Dabei schätzt er nicht nur die Gesetzeslage zur Rückgabe konfiszierter Ländereien und Besitze falsch ein, sondern auch die Bereitschaft seiner Geschwister, seine Bemühungen mitzutragen oder zu unterstützen...
Und so kommt es, wie es kommen muss - und der Leser muss mitansehen, wie eine Familie, die so viel Schweres miteinander durchgestanden hat, langsam auseinanderfällt....

Nein, ein leichtes Buch ist "Altenstein" gewiss nicht! Und auch keines, das man nach dem Lesen befriedigt beiseite legt. Der Roman beunruhigt und macht betroffen - ob man ihn mag oder nicht.
Er wird den Leser weiterbeschäftigen.
Und, so frage ich mich, ist das nicht genau der Effekt, den ein Buch von Qualität beim Leser hinterlassen sollte?

Veröffentlicht am 07.04.2017

Ein rätselhafter Fall

Tod im Nichts
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Allan Ballmann lässt den Leser in seinem Roman zunächst einmal eintauchen in die Traumwelt seines Protagonisten, eines Kriminalkommissars, der aus tiefer Bewusstlosigkeit langsam wieder ins Leben zurückfindet.
Danach ...


Allan Ballmann lässt den Leser in seinem Roman zunächst einmal eintauchen in die Traumwelt seines Protagonisten, eines Kriminalkommissars, der aus tiefer Bewusstlosigkeit langsam wieder ins Leben zurückfindet.
Danach muss er feststellen, dass er sein Gedächtnis verloren hat. Er gewinnt es zwar ganz allmählich wieder zurück, aber die letzten beiden Monate seines Lebens sind wie ausgelöscht.
Damit nicht genug, muss er feststellen, dass er allem Anschein nach in ein Verbrechen verwickelt ist, das für zwei Menschen tödlich endete...
In seinem verzweifelten Versuch, der Sache auf den Grund zu gehen, verstrickt er sich immer tiefer in einen gefährlichen Sumpf, in dem er Bekanntschaft macht mit dem wirklich Bösen, dem organisierten Verbrechen, bei dem sehr viel Geld eine Rolle spielt.
Obwohl sich der Kommissar nicht vorstellen kann, zum Mörder geworden zu sein, erfährt er doch Stück für Stück Dinge über sich und die Kreise, in denen er sich bewegte, die ihn an sich zweifeln lassen - und den Leser mit ihm.
Wer ist er wirklich?
Was hat er in den beiden Monaten, an die er sich nicht erinnern kann, getan? Und warum?
Er begibt sich auf eine einsame, lebensgefährliche Suche nach der Wahrheit, der er, begünstigt durch den Zufall, allmählich auf die Spur kommt...
Diese Suche beschreibt der Autor durchaus spannend, aber auch mit einigen Längen und manchmal, was der Thematik geschuldet sein mag, schwer durchschaubar.
Dabei gibt er Einblick in die Maschinerie der Polizeiarbeit, die er als Mann vom Fach natürlich sehr gut kennt, die aber für Außenstehende ein fremdes Gebiet ist, und deren Mechanismen eigenen Gesetzen unterliegen.
Zudem wagt er sich in die Welt der Finanzen und diesbezüglichen Machenschaften und betrügerischen Transaktionen, an denen die organisierte Kriminalität munter beteiligt ist. Auch dies ist ein Gebiet, auf dem der unbedarfte, nicht informierte Leser schnell ins Straucheln kommt.
Alles in allem ist "Tod im Nichts" ein zwar aufschlussreicher, jedoch durchweg düsterer Krimi, dessen deprimierendes, illusionsloses Ende - oder ist es gar kein Ende? - keineswegs befriedigen kann.

Veröffentlicht am 03.03.2017

Tierschmuggel am Bodensee

Ausgerottet
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Ulrike55

vor 2 Tagen
Ulrike55
(1)

Mit "Ausgerottet" beginnen die Autorinnen Liliane Skalecki und Biggi Rist eine Krimireihe um die beiden unkonventionellen und engagierten Protagonistinnen Malie Abendroth, ...



Ulrike55

vor 2 Tagen
Ulrike55
(1)

Mit "Ausgerottet" beginnen die Autorinnen Liliane Skalecki und Biggi Rist eine Krimireihe um die beiden unkonventionellen und engagierten Protagonistinnen Malie Abendroth, Gärtnerin auf der Insel Mainau, und Lioba Hanfstängl, Tierschützerin und Angestellte beim Amt für Bau, Natur- und Umweltschutz Konstanz.

Ein "Umweltkrimi", so ist der Roman untertitelt - und ich war skeptisch und neugierig zugleich, konnte ich mir doch, bevor ich mit dem Lesen begann, keine rechte Vorstellung davon machen, wie Umwelt und das Genre Kriminalroman zusammenpassen.

Das änderte sich bald!
Ganz schnell gerät der Leser mitten hinein in eine haarsträubende, beängstigende, gefährliche Geschichte um Tierschmuggel aus Fernost, dem Malie gemeinsam mit Lioba auf die Spur kommt.

Alles beginnt damit, dass Malie ein kleines Pangolin im Schmetterlingshaus auf der Mainau entdeckt, dem sie den Namen Paul gibt, - kluge Idee, denn dadurch schließt ihn der Leser sofort ins Herz.

Pangoline sind, so erfährt man, vom Aussterben bedrohte, auf der roten Liste stehende Schuppentiere aus Südostasien.
Aber wie kommt der Vertreter der Spezies, Paul, auf die Mainau?
Wer handelt hier, am Bodensee, mit geschützten Tieren? Zu welchen Zwecken? Wer sind die Abnehmer?

Damit nimmt eine spannende Recherche ihren Anfang, in deren Verlauf Ungeheuerliches zutage tritt, sich unerklärliche Todesfälle/Morde ereignen und die Protagonistinnen, sowie die Menschen, die mit ihnen verbunden sind in immer größere Gefahr geraten, zumal sie entschlossen sind, der Wahrheit auf eigene Faust und ohne Mithilfe der Polizei auf die Fährte zu kommen.....

Obgleich der Leser den beiden selbsternannten Detektivinnen zumeist eine Spur voraus ist - einige der Übeltäter sind ihm bereits frühzeitig bekannt! - mangelt es dem flott geschriebenen Krimi doch keineswegs an Spannung und überraschenden Wendungen. Und da der Leser eben glücklicherweise nicht über alles von vornherein informiert ist, gibt es auch für ihn unerwartete Entwicklungen und schließlich eine doch nicht unbedingt vorhersagbare Auflösung.

Wie es sich für einen Umweltkrimi gehören mag, erfährt man, verquickt mit der Haupthandlung, immer wieder Interessantes ( wie ernährt man ein Schuppentier? ) und noch mehr Erschreckendes zum Thema Tierschmuggel, dessen skrupellos-verbrecherisches Ausmaß sich sicherlich die große Mehrheit der Leser nie hätte vorstellen können und das den Leser hilflos-ohnmächtig-entsetzt zurücklässt.

Nicht so, bleibt zu hoffen, die beiden Umwelt- und Tierschützerinnen Malie und Lioba!
Man darf gespannt sein auf weitere Abenteuer und Mutproben der beiden furchtlosen Damen vom Bodensee!