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Veröffentlicht am 24.07.2023

Gott wir es schon richten

Der Laden der unerfüllten Träume
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Mit gerade 19 Jahren steht Glory Ann vor einer arrangierten Ehe. Ihre große Liebe Jimmy wurde im Vietnamkrieg getötet als sie ihre Schwangerschaft bemerkt. Als unverheiratete Frau in den 60er Jahren schwanger, ...

Mit gerade 19 Jahren steht Glory Ann vor einer arrangierten Ehe. Ihre große Liebe Jimmy wurde im Vietnamkrieg getötet als sie ihre Schwangerschaft bemerkt. Als unverheiratete Frau in den 60er Jahren schwanger, das kann ihr Vater, Pastor des Ortes, nicht akzeptieren. So heiratet sie Clearence und betreibt mit ihm die Old Depot Grocery. Er ist ein geduldiger und freundlicher Mann, liebt Glory Anns Tochter Rosemary und gewinnt so auch ihre Liebe. Eine weitere Tochter vervollständigt die Familie bis es zum Unglück kommt, bei dem Clearence ums Leben kommt. Rosemary bleibt in dem für sie einengendem Ort, kümmert sich um den Laden. Für ihre Tochter Sarah hat sie andere Pläne, sie soll etwas aus ihrem Leben machen. Als Sarahs Mann stirbt kommt sie als junge Witwe wieder nach Hause um dort den Untergang des kleinen Ladens mit an zu sehen. Kann sie ihn noch retten?
Alle drei Frauen haben Geheimnisse, die das Leben der anderen erschwerten. Der Schreibstil ist leicht und flüssig, die Handlung rutscht immer wieder mal ins triviale ab, Dinge werden wiederholt. Zeitsprünge und verschiedene Perspektiven lockern die Handlung ein wenig auf. Vielleicht ist es wirklich so in einer dörfliche Gemeinde in den USA, vielleicht auch nur dem Beruf der Autorin, Theologin und Seelsorgerin, geschuldet, es wird viel (zu viel) gebetet, bei Schicksalsschlägen wird es Gott schon richten, man muss nur glauben. Andererseits ist da die Bigotterie der Protagonisten.

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Veröffentlicht am 24.07.2023

spannende Geschichte in fünf Wörtern

Nicht ein Wort zu viel
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Fara Bartels arbeitet in einer Buchhandlung, in der sie sich gerade um die Lesung des Bestsellerautors Sandfort kümmert. Daher hat sie keine Zeit für das Video von Claas, der mit Folie an einem Stuhl gefesselt ...

Fara Bartels arbeitet in einer Buchhandlung, in der sie sich gerade um die Lesung des Bestsellerautors Sandfort kümmert. Daher hat sie keine Zeit für das Video von Claas, der mit Folie an einem Stuhl gefesselt sitzt, um den Hals einen Zettel. Erzähl eine spannende Geschichte in fünf Wörtern, sonst stirbt ihr Freund. Claas kennt sie aus der Buchbloggerszene, er rezensiert häufig kränkend für den Autor, besonders an Sandfort lässt er sich aus und er hat immer sehr verrückte Ideen. Fara nimmt das Video nicht ernst, bis Claas tot aufgefunden wird.
Jaro, als Ermittler im Sondereinsatz tätig, wurde gerade strafversetzt, ein
Verfahren läuft gegen ihn und er hat Gespräche mit der Polizeipsychologin Aylin zu führen. Er gerät in diesen Fall hinein und entdeckt einen Zusammenhang mit Ernest Hemingway, bei dem die Geschichte aus fünf Wörtern hieß: zu verkaufen, Babyschuhe, nie getragen.
Weitere Morde nach dem gleichen Schema geschehen, keine Geschichte ist die richtige und Jaro und der Kommissar Simon finden immer mehr Verdächtige. Bisher ist der Täter oder die Täterin den Ermittlern immer einen Schritt voraus. Sehr spannend, vielschichtig und äußerst gut geschrieben.

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Veröffentlicht am 24.07.2023

Loslassen, Veränderungen und neue Bindungen

Elternhaus
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Die drei, schon längst erwachsenen, Schwestern Sanne, Petra und Gitti haben schöne Erinnerungen an ihr Elternhaus. Ein kleines Häuschen in einem Bauerngarten, Obst und Gemüse wurde dort angepflanzt, geerntet ...

Die drei, schon längst erwachsenen, Schwestern Sanne, Petra und Gitti haben schöne Erinnerungen an ihr Elternhaus. Ein kleines Häuschen in einem Bauerngarten, Obst und Gemüse wurde dort angepflanzt, geerntet und in Gläsern eingekocht im Keller gelagert. Wenn sie ihre Eltern besuchten, saßen sie an einem alten Küchentisch, sorgsam gehegt und gepflegt, damit auch alles lange hält. Die Eltern haben immer schwer gearbeitet, als Putzfrau und als Handwerker und auch das Haus wurde mit eigenen Händen errichtet.
Nun sind die Eltern alt geworden, die Treppen, das enge Bad, der Garten nicht mehr das Richtige für sie. Das hat die Älteste, Sanne, beschlossen, den Eltern eine altersgerechte Wohnung besorgt. Die Versorgung blieb an ihr hängen, die neben dem eigenen Haus mit ihren Mann Uwe und den flügge werdenden Kindern genug zu tun hatte.
In diesem Roman geht es um das Loslassen, um Veränderungen und neue Bindungen im Leben. Die unstete Petra, die alle paar Jahre etwas Neues um sich braucht, Sanne, die mit den Veränderungen nicht klar kommt, den alten Eltern, die nicht nur ihr Haus sondern vor allem ihr Umfeld vermissen und sich einsam fühlen. Aus vielerlei Hinsicht ein interessanter Roman der aus Sicht der jeweiligen Protagonisten erzählt wird.

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Veröffentlicht am 24.07.2023

telegrafische Falschmeldungen

Der treue Spion
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Freiherr Wilhelm von Gryszinski soll im München des Jahres 1896 als Sonderermittler den Verbleib des französischen Diplomaten Henri Fouqué aufklären. Fouqué stand in Verbindung mit einem deutschen Erfinder, ...

Freiherr Wilhelm von Gryszinski soll im München des Jahres 1896 als Sonderermittler den Verbleib des französischen Diplomaten Henri Fouqué aufklären. Fouqué stand in Verbindung mit einem deutschen Erfinder, der Pläne für die Umsetzung von telegrafischen Falschmeldungen meistbietend verkaufen wollte. Dieser Erfinder wird ermordet, die Pläne sind nicht auffindbar. Ins Visier gerät auch ein russisches Gaunerpaar, die Gespräche belauscht haben und ebenso schnell verschwunden sind. Den Auftrag seines Vorgesetzten, in Paris auf die Spur des Diplomaten zu stoßen nimmt Gryszinski in Begleitung seiner als Schriftstellerin tätigen Ehefrau, gerne an. Neben den Ermittlungen treffen sie in der Künstlerszene so manche inzwischen bekannte Größen.
20 Jahre später kämpft Fritz, sein einziger Sohn, im Schützengraben von Verdun. Von seinem General wird er zu seiner besonderen Mission mit wichtigen Papieren von Paris nach Petrograd entsandt, wo er wieder auf den ungeklärten Fall seines Vaters trifft.
Das Leben der Familie von Gryszinski wird sehr emotional erzählt, man sieht sie direkt vor sich. Die Ermittlungsarbeit vor der Jahrhundertwende war eine andere als zur Jetztzeit, diese wird sehr anschaulich und nachvollziehbar geschildert. Dazu die packende Handlung mit vielen verzwickten Spuren. Sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 23.06.2023

Firmen- und Familiengeschichte Leitz

Das Licht im Rücken
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Der Forscher und Mitarbeiter der Firma Leitz tüftelt schon länger an einer Kamera, jetzt hat er es geschafft. Das kleine, handliche Modell macht hervorragende Aufnahmen, die Menschen werden unverkrampft ...

Der Forscher und Mitarbeiter der Firma Leitz tüftelt schon länger an einer Kamera, jetzt hat er es geschafft. Das kleine, handliche Modell macht hervorragende Aufnahmen, die Menschen werden unverkrampft in Alltagssituationen aufgenommen. Der Firmenchef Ernst Leitz und sein Sohn Ernst, nur der Zweite genannt, haben gerade erfolgreich ein Mikroskop auf den Markt gebracht, nun werden sie führend in der Herstellung von Kleinbildkameras. Doch schwierige Zeiten stehen bevor, der erste Weltkrieg, die Inflation der 20er Jahre und der aufkommende Nationalsozialismus und der zweite Weltkrieg belasten das Unternehmen wie auch die demokratisch und sozial eingestellte Familie. Der Zweite, inzwischen auch seine Söhne, halten das Werk am Laufen, während der Juristin Elfie nur die Mutter- und Ehefraurolle bleibt. Im kleinen versucht sie das Leben der Zwangsarbeiterinnen besser zu gestalten und hilft Juden zur Flucht. Sie erinnert sich noch gut an den Laden der Familie Gabriel, das Haus der Präsente, an Dana und Milan Gabriel, die im Nazideutschland unterschiedliche Wege gingen. Die Liebe und das Können als Fotograf und Entwickler bestimmten ihre Wege.
Der Roman erzählt die Firmengeschichte Leitz und die Entwicklung der Leica, immer wieder mit Informationen zur Kamera, den besten Einstellungen und Entwicklung der Fotos versehen. Die Familie Leitz gehört zwar zu den Privilegierten, aber auch sie haben unter den Nazis zu leiden, sie haben Streitigkeiten und die hochintelligente Elfie hat als Frau wenig zu sagen.
Der Roman ist nicht nur für Fotografen hochinteressant.

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