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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.08.2020

Frauenpower

Die Dirigentin
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Wilhelmine, genannt Willy, ist in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Ihre Lohntüten als Sekretärin und am Abend als Platzanweiserin hat sie ihrer Mutter abzugeben, nur ein wenig kann sie für ihren großen ...

Wilhelmine, genannt Willy, ist in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Ihre Lohntüten als Sekretärin und am Abend als Platzanweiserin hat sie ihrer Mutter abzugeben, nur ein wenig kann sie für ihren großen Traum abzwacken. Sie benötigt Geld für das Konservatorium. Willy war ein schwieriges Kind und erst als der Vater, der als Müllmann arbeitet, ein ausrangierten, verstimmtes Klavier nach Hause bringt, blüht Willy auf. Sie bringt sich größtenteils selbst das Spielen bei, sie stimmt mit ihrem absoluten Gehör das Instrument und seit diesem Zeitpunkt ist Musik ihr Leben. Ihr größter Wunsch ist es, als Dirigentin ein Orchester zu leiten. Doch wir schreiben das Jahr 1926 und Frauen dürfen noch nicht einmal ein Instrument auf der Bühne spielen. Willys Leben ändert sich radikal als sie erfährt, dass sie ein Adoptivkind ist, ihr richtiger Name ist Antonia, es ändert sich, als ihr beide Jobs gekündigt werden und sie die Liebe ihres Lebens begegnet. Was ist wichtiger, ihre große Liebe oder als Frau ein Orchester zu leiten?
In dieser Geschichte mit einem wahren Kern erzählen Menschen die Antonia nahestanden über das Leben mit ihr und auch Antonias Ansichten, ihre Liebe und ihr Leben kommen immer wieder zu Wort. Mit wie viel Kraft sie sich über die Schwierigkeiten, die man ihr in den Weg legt, entgegenstellt, ist schon beeindruckend. Sehr viel Empathie, Kenntnisse der Musik und des Lebens kurz nach dem ersten Weltkrieg zeichnen diesen sehr gut geschriebenen Roman aus.

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Veröffentlicht am 07.08.2020

Nordirland versus Republik Irland

Alter Hund, neue Tricks
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Als Langgedienter arbeitet Detective Inspector Sean Duffy nur noch an 6 Tagen im Monat beim Carrickfergus RUC in Belfast, normalerweise ist er mit Aktensichtung am Schreibtisch beschäftigt. Seine Familie ...

Als Langgedienter arbeitet Detective Inspector Sean Duffy nur noch an 6 Tagen im Monat beim Carrickfergus RUC in Belfast, normalerweise ist er mit Aktensichtung am Schreibtisch beschäftigt. Seine Familie lebt in Schottland, nur eine kurze Fährverbindung liegt dazwischen. Seine alte Belfaster Wohnung hat er noch behalten, auch wenn sie für ihn alleine viel zu groß ist. Seine Arbeitszeit ist gerade herum als er auf Grund von Personalknappheit, die Ermittlungen in einem Mordfall übernehmen soll. Das sollte schnell erledigt sein. Einem Kunstmaler wurde der teure Sportwagen vor dem Haus gestohlen und etwas ist dabei schief gelaufen, der Maler wurde erschossen, das Auto später ausgebrannt gefunden. Doch etwas stimmt an diesem Fall nicht, Mr Townes ist erst vor kurzem eingezogen, er hat alles in bar bezahlt, nie einen Ausweis gezeigt und von seinen selbst gemalten Bilder konnte er nicht leben. Das wertvollste im Haus sind die Picassozeichnungen. Er hatte kaum Kontakt, nur eine Telefonzelle nahe eines Bowlingclubs in Dublin hat er häufig angerufen.
Der Kriminalroman spielt Anfang der 90er Jahre, die Konflikte zwischen Nordirland und der Republik Irland stehen im Mittelpunkt dieser literarisch sehr interessanten Geschichte, die mehr ist als ein Krimi. Es geht um Veränderungen in einer Gegend, in der kaum noch einer leben möchte, über Jugendliche, die mit Naziparolen durch die Gegend ziehen, um kleine und größere Gaunereien und ein sehr unkonventionell arbeitender "alter Hund" von der Polizei. Ab der Mitte des Buches nimmt die Handlung richtig Fahrt auf und wird immer spannender.

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Veröffentlicht am 26.06.2020

politisch

Achtzehn
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In dem hochbrisanten und aktuellen schwedischen Thriller geht es auch um längst vergangene Ereignisse, es gibt einen Zusammenhang zwischen den Morden an König Gustav III im Jahre 1792, mehreren Attentaten ...

In dem hochbrisanten und aktuellen schwedischen Thriller geht es auch um längst vergangene Ereignisse, es gibt einen Zusammenhang zwischen den Morden an König Gustav III im Jahre 1792, mehreren Attentaten von gut 30 Jahren und jetzt. Der investigative Journalist Axel Sköld hat bereits in der Vergangenheit Missstände aufgedeckt, nun ist er so angeeckt, dass er von seinem Radiosender entlassen wird. Was ihn nicht daran hindert weiter zu machen. Er merkt schnell, das er gejagt wird, jemand, der bereits an dem Mord von Olof Palme involviert war, ist hinter ihm her. Bei seinen Recherchen stößt er auch auf Ungereimtheiten in seiner eigenen Familie. Hatte auch sein Großvater mit der elitären Gruppe für ein - für sie - besseres Schweden zu tun?
Spannend von der ersten bis zur letzten Seite mit sehr vielen politischen und wirtschaftlichen Verstrickungen. Das Ende verspricht einen Fortsetzungsband, worüber ich mich sehr freuen würde.

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Veröffentlicht am 19.06.2020

bombig

Schwarzer August
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Im beschaulichen Fuseta an der Algarveküste geht vor einer kleiner Bankfiliale ein Sprengsatz hoch, an einem Sonntag, so dass kein Mensch zu schaden kam. Die Polizisten vor Ort, unter ihnen Graciana Rosado ...

Im beschaulichen Fuseta an der Algarveküste geht vor einer kleiner Bankfiliale ein Sprengsatz hoch, an einem Sonntag, so dass kein Mensch zu schaden kam. Die Polizisten vor Ort, unter ihnen Graciana Rosado und Leander Lost bemerken die vielen Geldscheine, die verstreut herumlagen. Insgesamt 40.000 Euro sind aus einem der nur 4 Schließfächer der Bank explodiert, die Besitzerin ist eine Immobilienmaklerin für sehr reiche Kunden. Doch bevor sie diese Spur weiter verfolgen können, explodieren Thunfischtrawler im Hafengebiet. Wieder ohne Personenschaden, doch ein hoher für das asiatische Unternehmen, das für die immer mehr zurückgehende Thunfischbestände im Mittelmeer die Fangrechte erworben hat. Ist der Täter ein moderner Robin Hood?
Der Kriminalroman ist teilweise ein wenig verworren, die Spurensuche nach dem Täter und die Aufklärung der Fehlversuche nicht gut nachvollziehbar. Was den besonderen Charme des Kriminalromans ausmacht ist die menschliche Seite, die Herausarbeitung der Charaktere, allen voran die des Leander Lost, der als Asperger und zudem als Deutscher mit vielem was er sagt und macht, aneckt, aber auch immer wieder für Schmunzler sorgt. Die Kulisse der Algarve sowie die Eigenheiten der Bevölkerung sind sehr gut beschrieben, sie machen das Lesen zu einem Vergnügen auch wenn der Krimianteil etwas schwächer ist.

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Veröffentlicht am 19.06.2020

Inselkinder

Ozelot und Friesennerz
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Susanne Matthiessen wurde auf Sylt geboren, sie ist dort aufgewachsen in Zeiten der Wirtschaftswunderjahre. Doch Sylt war und ist noch immer anders als andere Regionen Deutschlands. Dort geht es freier ...

Susanne Matthiessen wurde auf Sylt geboren, sie ist dort aufgewachsen in Zeiten der Wirtschaftswunderjahre. Doch Sylt war und ist noch immer anders als andere Regionen Deutschlands. Dort geht es freier zu, Türen waren nicht verschlossen, die Menschen zwar rau und scheinbar unnahbar, doch sie haben eine natürliche Herzlichkeit und Direktheit. Frauen sind dort das starke Geschlecht, seit Beginn der Seefahrerzeit, als die Männer monatelang auf See waren, waren es die Frauen, die den Laden am Laufen gehalten haben. Und es hat sich nicht geändert. Auch in der Kürschnerei der Familie Matthiessen läuft es so. Reiche und schöne Kunden, berühmte und unbekannte, Politiker und Wirtschaftsbosse, Schauspieler und Modells kaufen ihre Pelzmäntel bei ihren Eltern, und auch manche, die sich für eine berühmte Person ausgeben.
Die Familiengeschichte um das untergehende Pelzgeschäft, die immer betriebsamen Eltern, die zu höherem berufene Großmutter, die Kunden und Urlauber auf Sylt werden sehr gekonnt beschrieben und vieles aus der damaligen Zeit wieder lebendig. Ein Hinweis auf den drohendenden Untergang des ehemals glamourösen Sylts und die Schwierigkeiten der Bevölkerung dürfen auch nicht fehlen.

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