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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.12.2022

Leider nichts für mich

Bittersüße Weihnachtszeit
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Der Klappentext verspricht einen fesselnden Weihnachtskrimi mit einer Prise Humor und Romantik. Leider ist davon wenig bis nichts zu spüren.

Der Dresdner Striezelmarkt mit seinen Punschständen sowie der ...

Der Klappentext verspricht einen fesselnden Weihnachtskrimi mit einer Prise Humor und Romantik. Leider ist davon wenig bis nichts zu spüren.

Der Dresdner Striezelmarkt mit seinen Punschständen sowie der Schneesturm in Prag sollen wohl für weihnachtliche Stimmung sorgen. Ob der Ereignisse kann dies allerdings nicht aufkommen.

Die Charaktere sind, entgegen der sonstigen Krimis von Andrea Nagele, außer nervig nur nervig. Das beginnt schon bei Emma, der alleinerziehenden Mutter, die sich von den Marotten der vierjährigen Lucy sowie von ihrem Ex-Mann tyrannisieren lässt. Wie kann man einer Vierjährigen das alles durchgehen lassen? Der Ex-Mann Josef ist ein Ekelpaket wie er im Lehrbuch steht. Seine Ex-Frau ständig - auch vor Fremden als „Dummerchen“ zu bezeichnen, ist wohl mehr als abscheulich. Da ist es plausibel, dass Lucy ihrer Mutter gegenüber ähnliche Töne anschlägt.

Josef ist auch seiner neuen Frau Mary gegenüber unmöglich. Sie ist höchstschwanger und muss mit ihm nach Prag fahren, wo die kleine Lucy nun verschwunden ist. Josefs Frauenbild ist einfach furchtbar. Dass Emma dann noch schnell für Mary Blut spenden muss, ist höchst unglaubwürdig. Blutgruppe Null (Universalspenderblut) sollte in jedem Krankenhaus in ausreichender Menge vorhanden.

Einzig die Wortspielerei mit Josef und Mary, die nun zu Weihnachten ihr gemeinsames Baby erwarten, das sie dann noch Jesus nennen, hat mir ein leichtes Schmunzeln entlockt.

Fazit:

Nein, das war leider nichts für mich, schade. Es reicht gerade einmal für 2 Sterne.

Veröffentlicht am 19.12.2022

Fesselnd bis zur letzten Seite

Fräulein Gold: Die Rote Insel
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In diesem nunmehr 5. Band der Reihe rund um Hebamme Hulda Gold steht, neben den politischen Unruhen von 1926, ihr eigenes Schicksal als ledige Mutter im Fokus.
Nach dem Unfalltod ihres Verlobten Johann, ...

In diesem nunmehr 5. Band der Reihe rund um Hebamme Hulda Gold steht, neben den politischen Unruhen von 1926, ihr eigenes Schicksal als ledige Mutter im Fokus.
Nach dem Unfalltod ihres Verlobten Johann, lebt Hulda nun in Schöneberg, auf der sogenannten Roten Insel, einem Stadtteil, der hauptsächlich von der Arbeiterschaft bewohnt wird. Sie arbeitet bei Grete Fischer, einer Ärztin, die in Not geratene Frauen unterstützt. Allerdings geben Gretes politische Ansichten, die ihrem Freund, einem militanten Kommunisten, hörig ist, Anlass zu Sorge.

Hier, unter der Arbeiterschaft ist Hulda eine Außenstehende, die trotz ihres einnehmenden Wesens und der Hilfsbereitschaft scheel angesehen wird.
„Wo zum Teufel gehörte sie nun hin? Wo würde sie akzeptiert werden – und gleichzeitig sie selbst sein können?“ (S. 77)

Als ein Kohlenhändler in ihrer unmittelbarer Nähe erschlagen worden ist, ist für die Roten klar, dass die Mörder in den Reihen der Braunen zu finden sein werden. Doch Hulda zweifelt an dieser Theorie und stellt eigene Überlegungen und Nachforschungen an. Dabei trifft sie ihren früheren Freund Karl North wieder, der als Ex-Polizist und nunmehriger Privatermittler, Erkundigungen in Schöneberg einzieht.


Meine Meinung:

Anne Stern gelingt es auch im 5. Fall die Zeit der Weimarer Republik sehr gut einzufangen. Deutschland steuert langsam auf bürgerkriegsähnliche Zustände zu: Kommunisten und Sozialisten gegen die immer stärker werdenden Nationalsozialisten.

Gut gefallen hat mir, dass Karl North wieder eine größere Rolle spielen darf.

Hulda Gold macht eine langsame, aber unaufhörliche Wandlung durch. Sie ist zerrissen. Einerseits freut sie sich auf ihr Kind, andererseits weiß sie nicht, wie es weitergehen soll. Sie teilt nun das Schicksal zahlreicher lediger Mütter: kein Einkommen und nur eine feuchte Kellerwohnung. Letztlich springt sie über ihren Schatten und beginnt jene Brücken, die sie vor kurzem abgebrochen hat, wieder aufzubauen. So nimmt Kontakt mit Johanns Eltern auf und erneuert ihre Freundschaften am Winterfeldplatz. Und siehe da, die alten Freunde ihres früheren Lebens sagen ihr Unterstützung zu.

Man darf gespannt auf den nächsten Band sein, der im Herbst 2023 erhältlich sein wird. Eine kurze Leseprobe macht neugierig.

Anne Sterns Schreibstil ist fesselnd und mitreißend. Manche Leserinnen wird die genaue Schilderung des politischen Umfelds vielleicht nicht so interessieren, doch in meinen Augen macht genau das, neben dem Lokalkolorit Berlins, den Reiz dieser Reihe aus.

Fazit:

Wer diese Reihe einmal begonnen hat, wird Hulda Golds Lebensweg weiter verfolgen wollen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 19.12.2022

Hat mich gut unterhalten

Der Kärntner Yeti
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Die Wohnung von Wendelin Kerschbaumer, seines Zeichen Chefinspektor in Wien, wird verwüstet. Daraufhin nimmt er Urlaub und begibt sich wieder einmal nach Bad Kleinkirchheim. Doch auch hier in den Kärntner ...

Die Wohnung von Wendelin Kerschbaumer, seines Zeichen Chefinspektor in Wien, wird verwüstet. Daraufhin nimmt er Urlaub und begibt sich wieder einmal nach Bad Kleinkirchheim. Doch auch hier in den Kärntner Bergen schläft das Verbrechen nicht. Diesmal sieht er sich dem legendären Schneemenschen Yeti gegenüber. Doch wie kann das sein? Die Heimat des Yeti ist doch das Himalayagebiet?

Meine Meinung:

Stefan Maiwald hat auch diesmal wieder einen herrlich skurrilen Krimi geschaffen, der durch sein Lokalkolorit und Streifzüge durch die Kärntner Kulinarik besticht. Gleichzeitig spricht er ein viel diskutiertes Thema an: Raubbau an den Pilzen. Plätze auf denen die begehrten Schwammerl wachsen, werden wie der Augapfel gehütet und die Koordinaten innerhalb der Familien weitervererbt. Da kann es schon einmal sein, dass um diese geheim zuhalten, zu ungewöhnlichen Mitteln gegriffen wird.

Der Schreibstil ist humorvoll und der Krimi lässt sich an einem trüben Nachmittag locker lesen.

Fazit:

Wer einen humorvollen, spannenden Krimi mit skurrilem Personal lesen will, ist hier goldrichtig. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 19.12.2022

Hat mir nicht so gefallen

Geheimnis am Weihnachtsabend
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Der Verlag Klett-Cotta bringt seit einigen Jahren weihnachtliche Krimis heraus, die durch gediegene Aufmachung aus der Masse der Kriminalromane hervorstechen. Die Autoren sind durchwegs wenig bekannt. ...

Der Verlag Klett-Cotta bringt seit einigen Jahren weihnachtliche Krimis heraus, die durch gediegene Aufmachung aus der Masse der Kriminalromane hervorstechen. Die Autoren sind durchwegs wenig bekannt. Der diesjährige Krimi stammt aus der Feder von Gladys Maude Winifred Mitchell (1901-1983).

Worum geht’s?

Die Psychoanalytikerin und Nervenärztin Adela Bradley mit Praxis in Oxford hat sich in London einen Namen als erfolgreiche Amateurdetektivin gemacht. Nun. zu Weihnachten folgt sie der Einladung ihres Neffen Carey Lestrange nach Oxfordshire, wo man gemeinsam mit anderen Gästen entspannte Feiertage verbringen will. Doch es kommt anders.

Der Anwalt des Dorfes wird tot im Fluss gefunden und Adela Bradley ist nicht die einzige, die einen Mord wittert, zumal die Geschichte eines kopflosen Geistes sowie mysteriöse Briefe unter den Gästen die Runde machen.

Meine Meinung:

Der Krimi wird als „Lesegenuss“ bzw. als Pendant zu Agatha Christie hoch gelobt. Dem kann ich mich nur bedingt anschließen. Ja, zahlreiche skurrile Charaktere bevölkern diesen Krimi. Allen voran Adela Bradley, die als scharfsinnig und intelligente Frau beschrieben wird (eh klar, sonst könnte sie keine Nervenärztin und Psychoanalytikerin sein). Als Patientin würde ich mich allerdings vor ihrem Äußeren fürchten, denn ihre Mimik wird mit dem einer Schlange bzw. Alligators beschrieben, die mit ihrem „teuflischen Grinsen“ und „meckerndem Lachen“ die Leute verschreckt. Auch ihre mageren, klauenartigen Hände mit den gelben Fingern werden häufig erwähnt, was sie mir nicht sympathischer macht. Manchmal habe ich den Eindruck, dass sie selbst ihre eigene Patientin wäre. Vor allem dann, wenn sie jedes Gegenüber mit „mein Kind“ anspricht, egal ob es sich Freund oder Feind, ein wirkliches Kind oder gar den Polizeipräsidenten handelt.

Warum die Autorin eine solche Hauptfigur entworfen hat, erschließt sich mir nicht.

Der Schreibstil ist mir persönlich ein wenig zu langatmig, obwohl ich ruhige Krimis ohne viel Action sehr schätze.

Fazit:

Wer gerne beschauliche Krimis mit skurrilen Personen à la Agatha Christie liest, wird hier fündig. Mir war dieser Krimi ein bisschen zu langatmig und die Ermittlerin höchst unsympathisch, daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 19.12.2022

Wissenschaft und ihre Feinde

Die Medizin und ihre Feinde
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„Den Impfstoff gegen Ignoranz gibt es schon, er heißt Bildung. Er sollte in möglichst großen Dosen an Menschen jeden Alters verabreicht werden. Auffrischungen sind unerlässlich.“ (S. 171)

Nicht erst seit ...

„Den Impfstoff gegen Ignoranz gibt es schon, er heißt Bildung. Er sollte in möglichst großen Dosen an Menschen jeden Alters verabreicht werden. Auffrischungen sind unerlässlich.“ (S. 171)

Nicht erst seit der Corona-Pandemie ist klar, dass die (Schul)Medizin auch ihre Feinde hat. Schon zu Zeiten Maria Theresias (1730-1780) gab es Befürworter und Gegner der damals neuartigen Inoculation, der ersten Impfung gegen die gefürchteten Pocken.

Journalist und Autor Herbert Lackner geht gemeinsam mit dem Onkologen Christoph Zielinksi diesem Phänomen nach. Interessanterweise ist nicht immer das „thumbe Volk“ gegen neue Erkenntnisse, sondern auch der eine oder andere Intellektuelle wie Immanuel Kant. Nebenbei nützen Politiker einst und jetzt die Verunsicherung für ihre eigenen Ziele.

In folgenden Kapiteln werfen die beiden einen Blick auf die Medizin und ihre Feinde:

In den Fängen der Religionen
Die Hexenjagd - große Bühne für Verschwörungstheoretiker
Der Aufklärer als Impfgegner
Vernunft und Unvernunft
Lebensreformer - die grüne Flucht vor der Moderne
Eine ganz besondere Krankheit
„Rassenhygiene“ und „Wehrbiologie“
Ein Hoch der Wissenschaft
Mit allen Mitteln
Die Rückkehr der Radikalen
„Hausverstand“ schlägt Wissenschaft
Die Internationale der „Verschwörungstheoretiker“
Die Wissenschaftsgegner und die medizinischen Fakten
Von Kinderblut und Kanaldeckeln

Auf die Frage, warum besorgte Mütter und abseitige Verschwörungstheoretiker gemeinsam gegen die Erkenntnisse der Wissenschaft marschieren, kann leider keine eindeutige Antwort gegeben werden.

Fazit:

Eine gelungene Übersicht über wissenschaftsfeindliche Phänomene, die es der Wissenschaft seit Jahrhunderten nicht leicht machen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.