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Venatrix

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Veröffentlicht am 30.11.2022

Eine Hommage an eine starke Frau

Looking for Trouble
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Die US-Amerikanerin Virginia Cowles trifft mit knapp 26 Jahren in Spanien ein, um vom dort herrschenden Bürgerkrieg zu berichten. Anfangs will man sie nicht an die Front lassen. Das sei nichts für Frauen. ...

Die US-Amerikanerin Virginia Cowles trifft mit knapp 26 Jahren in Spanien ein, um vom dort herrschenden Bürgerkrieg zu berichten. Anfangs will man sie nicht an die Front lassen. Das sei nichts für Frauen. Die sollen in der Etappe, am besten im geschützten Hotel bleiben. Doch die Journalistin setzt ihren Kopf durch und macht recht bald die Bekanntschaft von Ernest Hemingway und Martha Gellhorn, die ebenfalls als Kriegsberichterstatterin tätig war.

In schnörkellosen Sätzen berichtet sie zuerst aus dem Bürgerkrieg in Spanien, beobachtet wie der Faschismus sich über das gesamte Europa ausbreitet. Wir begleiten sie zum Lunch mit Winston Churchill und auf einen Tee zu Adolf Hitler. Wir erleben mit der Unerschrockenen die letzten Stunden des Friedens in Berlin, kurz bevor mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Polen der Zweite Weltkrieg beginnt.

Besonders eindrucksvoll ist das Leben im Großbritannien beschrieben, wo sie sich während des sogenannten „Blitz(kriegs)“ aufhält.
Eindrucksvoll schildert sie den Zusammenhalt der Einwohner von London oder von Coventry als deren Städte von den deutschen Flugzeugen in Schutt und Asche gelegt werden. Dieses „Jetzt erst recht!“ der ist sehr deutlich zu spüren.

Allerdings ist auch einiges vom berüchtigten englischen Humor zu lesen:

„Sie sind der Kerl, der behauptet, die Deutschen würden versuchen, hier einzufallen?“
„So denkt man in London.“
„Nun, wenn wir die Politiker dafür bezahlen, so etwas zu denken, sollten wir besser den ganzen Haufen austauschen. Eine Invasion? Unsinn! Die Deutschen werden niemals hier herübergelangen, es sei denn wir bauen ihnen eine Brücke. Hitler ist ein einziger Bluff.“ (eBook S. 517)

Wie man weiß, ist es den Deutschen tatsächlich nicht gelungen, die Britischen Inseln zu erobern.

Meine Meinung:

Die Neuauflage ihres ersten Buches, das 1941 als erstes ihrer zahlreichen Bücher erschienen, ist lässt sich trotz der Kriegsberichte sehr gut lesen.

Virginia Cowles berichtet immer wieder direkt aus den Kriegsgebieten, sei es eben Spanien oder Großbritannien. Ihre eindrucksvolle Sprache lässt diese dunkle Zeit in dramatischer Art und Weise wieder auferstehen. Manchmal wirkt es irritierend, wenn zwischen Schützengräben und Bombenhagel Witze gerissen werden. Doch vermutlich ist das ein Mittel, mit der Angst umzugehen.

Dieses Buch ist nicht nur auf Grund der Augenzeugenberichte für Geschichtsinteressierte wie mich sehr aufschlussreich, sondern entwickelt beim Lesen eine Art Sog, dem man sich schwer entziehen kann. Besonders bemerkenswert ist Cowles Bericht über den Spanischen Bürgerkrieg vermutlich für die meisten Leser. Von dem weiß man im Allgemeinen nur Schlagworte wie „General Franco“, „Legion Condor“, „Guernica“ oder, dass eine „Internationale Brigade“ dort gekämpft hat. Auffallend ist Virginia Cowles Berichterstattung auch dadurch, dass sie - hier im Spanischen Bürgerkrieg beide Seiten betrachtet und nicht wie Hemingway und Gellhorn, die die republikanische Ansicht bevorzugen.

Auch über den sogenannte „Winterkrieg“, dem Ersten Sowjetisch-Finnischen Krieg (Nov. 1939 bis März 1940), bei dem die UdSSR das kleine Land Finnland überfällt. Trotz Überlegenheit an Menschen und Material erleiden die Angreifer schwere Verluste und kommen nicht voran. Da der Völkerbund den Angriff als illegal wertet, schließt er die UdSSR aus diesem Gremium aus. Kommt uns das bekannt vor? Russland beginnt einen Angriffskrieg gegen ein Nachbarland? Leider hat sich der Völkerbund 1946 aufgelöst und seine Nachfolgeorganisation die UNO hat so ihre eigenen Probleme.

Fazit:

Diesem wiederentdeckten Klassiker der Kriegsberichterstattung gebe ich gerne 5 Sterne. Außerdem möchte ich die gelungene Übersetzung von Monika Köpfer loben.

Veröffentlicht am 30.11.2022

Eine gelungene Biografie

Helmut Dietl - Der Mann im weißen Anzug
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Den etwas älteren unter uns Bücherfans sind die TV-Serien »Münchner Geschichten«, »Der ganz normale Wahnsinn«, »Monaco Franze« oder »Kir Royal« sowie die Filme »Schtonk!«, »Rossini« bestimmt bekannt. Deren ...

Den etwas älteren unter uns Bücherfans sind die TV-Serien »Münchner Geschichten«, »Der ganz normale Wahnsinn«, »Monaco Franze« oder »Kir Royal« sowie die Filme »Schtonk!«, »Rossini« bestimmt bekannt. Deren Schöpfer Helmut Dietl vielleicht nicht immer, obwohl er, als »Mann mit dem weißen Anzug« durchaus durch die Klatschspalten der deutschsprachigen Magazine gegeistert ist.

Im Mai 2014 wurde er von der Deutschen Filmakademie für sein Lebenswerk geehrt. Da war Helmut Dietl von seiner schweren Krankheit gezeichnet und seine Schauspielerkolleginnen und Kollegen haben sich ehrfurchtsvoll und demütig vor ihm verneigt.

Claudius Seidls Biografie erzählt die Geschichte eines Künstlers, der in seinem Leben wenig ausgelassen hat. Gleichzeitig ist diese Biografie auch ein Stück Zeitgeschichte. Dietl hat die Filmstadt München geprägt wie kein Zweiter auch wenn er in Rom, Los Angeles und zuletzt in Berlin gelebt hat.

Die Liste jener, die mit ihm gespielt bzw. gedreht haben ist lang und liest sich wie das Who is Who der deutschen Filmgeschichte: Von Senta Berger bis Veronica Ferres, von Mario Adorf bis Uwe Ochsenknecht.

Claudius Seidl setzt Helmut Dietl mit dieser Biografie ein würdiges Denkmal.

Fazit:

Wer die Filme bzw. Serien dieser Zeit gerne gesehen hat, wird an dieser Biografie nicht vorbeikommen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.11.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Mordsradau in Bad Vöslau
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Der, im sogenannten Speckgürtel von Wien liegende Kurort Bad Vöslau, bekannt durch sein Sauerwasser und den Rotwein, ist, gemeinsam mit Baden und Perchtoldsdorf, wieder Schauplatz diverser Scharmützel ...

Der, im sogenannten Speckgürtel von Wien liegende Kurort Bad Vöslau, bekannt durch sein Sauerwasser und den Rotwein, ist, gemeinsam mit Baden und Perchtoldsdorf, wieder Schauplatz diverser Scharmützel zwischen dem Ehepaar Pokorny und der Chefermittlerin Ottilia Wehli.

Worum geht’s?

Vorerst geht es um zwei tödliche Unfälle, deren Opfer ausgerechnet Mitglieder eines Immobilienkonsortiums sind, das das Gelände der ehemaligen Martinek-Kaserne in Baden möglichst gewinnbringend „entwickeln“ wollen.

Willi und Toni Pokorny werden von Mochacek, einem weiteren Mitglied der illustren Immobilienmakler, engagiert, etwas über die eigenartigen Unfälle herauszufinden. Ein Tagsatz von Euro 500 sowie die Aussicht auf ein weiteres Schnüffelabenteuer lassen das Ehepaar Pokorny zusagen.

Doch es wird nicht bei den beiden Toten bleiben. Der nächste Tote ist dann auch eindeutig ermordet worden, was die Polizei in Person von Chefinspektorin und Intimfeindin Ottilia Wehli, von allen nur „Oh-Weh“ genannt, auf den Plan ruft.

Es kommt, wie es kommen muss: Die Pokornys kreuzen wieder die Pfade - oder soll man besser sagen die Klingen? - der unerbittlichen Chefinspektorin. Auch Gruppeninspektor Sprengnagel, ein Schulfreund von Willi Pokorny sowie die alte Katzinger leiden unter den Launen der Oh-Weh.

Nur mit tatkräftiger und bisweilen nicht ungefährlicher Mithilfe der Pokornys und der Katzinger, gelingt es in einem Showdown den Täter zu entlarven.


Meine Meinung:

Der Krimi lebt von den skurrilen, manchmal sehr überzeichneten Charakteren.
Beginnen wir bei den Pokornys: er arbeitslos, den leiblichen Genüssen sehr zugetan, liebt seinen Telefonierknochen von Nokia und wirkt ein wenig rückständig. Sie, quirlig mit einem Teilzeitjob in der Stadtbibliothek, versucht ihren Liebsten zu einer gesünderen Lebensweise zu bekehren, was zu ihrem Leidwesen nur in homöopathischen Dosen gelingt. Tja, die Verlockungen von Käsespätzle, Schnitzel, Torten und Wien sind einfach stärker. Die Familie wird mangelt eigener Kinder durch Beagle-Dame Maxime ergänzt, die alles frisst, was man ihr zusteckt.

Daneben gibt es zahlreiche andere Charaktere wie die alte Frau Katzinger und Gruppeninspektor Friedrich „Sprengi“ Sprengnagel sowie die Oh-Weh, die für zahlreiche kuriose Situationen sorgen. Im echten Leben hätten Sprengi und Oh-Weh allerdings keine Chance. Der eine verrät ständig Details der Ermittlungen und die andere will zwanghaft die Karriereleiter hinaufklettern und tappt von einer Panne in die nächste.

Der Showdown ist gut gelungen. Ich hatte bald einen Verdacht, der sich dann auch wirklich bestätigt hat.

Der Schreibstil ist humorvoll und der Krimi lässt sich leicht und locker lesen. Die spritzigen Dialoge im richtigen Dialekt passen gut zum Speckgürtel südlich von Wien.

Schmunzeln musste ich über die Empfehlung von „Tod in Baden“, einem Krimi von Beate Maly. Die mehrmalige Erwähnung eines Pharmakonzerns hätte es allerdings nicht gebraucht. In meinen Augen ist das Schleichwerbung.

Fazit:

Wer einen humorvollen Regionalkrimi mit skurrilen Charakteren lesen will, darf sich diesen Lesespaß nicht entgehen lassen. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 27.11.2022

Freude und Leid liegen eng beieinander

Der strahlendste Stern von Hollywood
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In diesem Roman aus der Reihe „Bedeutende Frauen, die die Welt veränderten“ steht die Schauspielerin Katherine Hepburn (1907-2003) im Mittelpunkt.

Allerdings ist dieser Roman keine Biografie im engeren ...

In diesem Roman aus der Reihe „Bedeutende Frauen, die die Welt veränderten“ steht die Schauspielerin Katherine Hepburn (1907-2003) im Mittelpunkt.

Allerdings ist dieser Roman keine Biografie im engeren Sinn. Die Autorin, die wie sie eingesteht, bislang sehr wenig über Katherine Hepburn wusste, schildert zwar darin einige Episoden im langen Leben der vierfachen Ocsr-Preisträgerin, lässt die Geschichte aber mehr oder weniger mit dem Tod ihres Lebensmenschen Spencer Tracy (1900-1967) enden.

Spencer Tracy ist mit einer anderen Frau verheiratet, will sich nicht scheiden lassen, hat, neben Katherine noch zahlreiche Affären mit jüngeren Schauspielerinnen und ist schwer alkoholkrank. Also, ein Stoff aus dem zahlreiche Dramen sind.

Der Schauspieler blockiert Katherine Hebpurn für mehrere Jahre, da sie zu seinen Gunsten ihre eigene, vielversprechende Karriere unterbricht. Es scheint, als wäre Tracy ziemlich manipulativ und Katherin Hepburn in einer Abhängigkeit, die für sie sehr ungesund ist. Erst nach Tracys Tod wird sie sich daraus befreien können und zahlreiche bedeutende Filme drehen, was aber leider nicht Gegenstand dieses Romans ist.

Meine Meinung:

Der Versuch, herauszufinden, warum die Hepburn diese Abhängigkeit von Spencer Tracy entwickelt hat, muss mangels authentischer Quellen scheitern und ergeht in Spekulationen. So wird der Tod ihres Bruders dafür verantwortlich gemacht.

Der Roman liest sich leicht und locker. Der geneigte Leser erfährt einiges über die Traumfabrik Hollywood und, dass dort nicht alles Gold ist, was glänzt.

Nicht ganz einverstanden bin ich mit der Einordnung in die Reihe „Bedeutende Frauen, die die Welt veränderten“. Mit welchen Errungenschaften hat Katherine Hepburn die Welt verändert? Sie hat es, ohne ihre schauspielerischen Leistungen schmälern zu wollen, nicht einmal geschafft sich selbst zu ändern. Interessant wäre es zu wissen, wieso sie in eine solche Co-Abhängigkeit zu Tracys Alkoholkrankheit gekommen ist.

Ach ja, Rezensionen sind Buchbesprechungen, im Theater/Film heißt es "Theater- oder Filmkritik".


Fazit:

Wer gerne einen Blick auf den Moloch Hollywood und seine Schauspieler*Innen wirft ohne zu sehr in die Realität einzutauchen, ist hier richtig. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 27.11.2022

Ein kulinarischer Krimi mit einem überraschenden Ende

Sternenmeer
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Commissaire Luc Verlain genießt die letzten Tage seiner gemeinsamen Elternzeit mit Anouk und der kleinen Aurélie, als ihn der Anruf erreicht, im 3-Sterne-Restaurant Villa Auguste ist Ugo Gennevilliers, ...

Commissaire Luc Verlain genießt die letzten Tage seiner gemeinsamen Elternzeit mit Anouk und der kleinen Aurélie, als ihn der Anruf erreicht, im 3-Sterne-Restaurant Villa Auguste ist Ugo Gennevilliers, der renommierte Restaurantkritiker des Guide Michelin, zusammengebrochen.

Recht schnell ist klar, dass der Mann vergiftet worden ist und hat die Fois Gras, die als Vorspeise gereicht wurde in Verdacht. Die Gänsestopfleber ist inzwischen wegen ihrer brutalen Herstellungsart in Verruf geraten, weswegen militante Tierschützer gleich einmal verdächtigt werden, die Gänseleber vergiftet zu haben. Blöderweise ist deren Lieferant ausgerechnet der Sohn des Restaurantbesitzers, der sich eigentlich nach dem dritten Stern zur Ruhe setzen wollte.

Luc Verlain glaubt nicht an die vergiftete Leber und beginnt fieberhaft nach der Substanz zu suchen. Ihm zur Seite steht natürlich auch Anouk, die es kaum erwarten kann, wieder zu arbeiten. Baby Aurélie muss mangels Babysitter auch mit.

Natürlich ist auch Lucs unsäglicher Chef mit dabei, der von einem Fettnäpfchen ins andere tritt.

Es gibt einige Verdächtige, die sich allerdings so auffällig verhalten, dass ich sie recht bald ausschließen konnte. Nach einigen Sackgassen kommt es zu einer doch etwas überraschenden Wendung. Als wahrer Täter wird jemand, der so gar nicht in das Profil gepasst hat.

Meine Meinung:

Auch in seinem 6. Fall entführt uns Autor Alexander Oetker wieder gekonnt in die kulinarische Welt des Aquitaine.

Der Einblick in die hektische Küche der gehobenen Gastronomie lässt mich einen Restaurantbesuch mit anderen Augen sehen. Dort herrscht Stress pur, vor allem dann, wenn es um Sterne oder Hauben geht.

„Sie alle liebten diesen Mann wegen seines Könnens und seines Genies – aber sie hassten ihn zugleich auch wegen seiner Detailversessenheit, seiner Härte, dafür, dass er ausschließlich für die Küche lebte.“ (S. 12)

Das Frankreich-Feeling ist Alexander Oetker wieder perfekt gelungen. Allerdings bin ich nicht damit einverstanden, ein Baby zu den Ermittlungen mitzunehmen. Das und das für mich doch etwas überraschende Ende kosten den 5. Stern.

Fazit:

Ein komplexer Fall mit einem überraschenden Ende. Diesmal gibt es nur 4 Sterne.