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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.10.2022

Interessantes Sachbuch

Global Female Future
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Herausgeberin Andrea Zelinka sammelt in diesem Buch die Statements 40 verschiedener Frauen aus verschiedenen Ecken der Welt.

Diese Frauen betrachten die feministischen Auseinandersetzungen der letzten ...

Herausgeberin Andrea Zelinka sammelt in diesem Buch die Statements 40 verschiedener Frauen aus verschiedenen Ecken der Welt.

Diese Frauen betrachten die feministischen Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte. So erhält die Leserschaft Einblick in die Fortschritte auf dem Weg zu einem selbst bestimmten Lebensweg und noch viel mehr in die feministischen Auseinandersetzungen, wenn es darum geht, Veränderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft durchzusetzen.

Die Beiträge sind in sechs Themengruppen eingeteilt:

(Anti)Rassismus und Postkolonialismus
Gewalt
Reproduktion
Politik
Arbeit
Umwelt und Klima

Beiträge und Interviews mit Cânân Arın, Iris Frey, Verónica Gago, Wendy Harcourt, Naila Kabeer, Gaby Küppers, Shalini Randeria, Rocío Silva Santisteban, Nadia Shehadeh, Christa Wichterich, Weina Zhao sowie anderen, zeigt deutlich, dass das Ende des Kampfes noch lange nicht vorbei ist.

Meine Meinung:

Das Buch spricht viele feministische Themen an, ist aber in erster Linie eine Hommage an Sigrun Berger (1934-2021), eine der Initiatorinnen der „Frauen*solidarität“.

Diese Zusammenfassung über 40 Jahre Kampf um Gleichstellung, lässt die aktuelle Genderdiskussion in den Hintergrund treten, denn sehr viele der Autorinnen bezahl(t)en ihre Aktivitäten mit dem Verlust von Heimat oder gar mit ihrem Leben.

Fazit:

Eine interessante feministische Sichtweise, der ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 01.10.2022

Drei Schwestern und ein Versprechen für die Ewigkeit

Die Schwestern von Auschwitz
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Die slowakischen Schwestern Cibi, Magda und Livia versprechen einander und ihrem Vater, immer zusammen zu bleiben. Doch 1942 kommt alles anders! Während die älteste Schwester Magda durch einen Krankenhausaufenthalt ...

Die slowakischen Schwestern Cibi, Magda und Livia versprechen einander und ihrem Vater, immer zusammen zu bleiben. Doch 1942 kommt alles anders! Während die älteste Schwester Magda durch einen Krankenhausaufenthalt der Deprtation vorerst entkommt, bringt man Cibi und Livia nach Auschwitz. Dort müssen sie am Aufbau des Lagers Birkenau mitarbeiten. 1944 wird auch Magda deportiert und die drei Schwestern trotzen gemeinsam dem KZ und den anschließenden Todesmärschen.

Nach Kriegsende kehren die Schwestern noch einmal in ihr Heimatdorf zurück und müssen feststellen, dass ihr Elternhaus von einer fremdem Familie bewohnt wird. Sie verlassen ihre alte Heimat, um im neu gegründeten Staat Israel ein neues Leben zu beginnen.

Meine Meinung:

Dieser Roman ist der zweite, den ich von der Autorin gelesen habe und muss gestehen, „Der Tätowierer von Auschwitz“ hat mir besser gefallen.

Die Geschichte der drei slowakischen Schwestern ist mir persönlich von viel zu vielen Zufällen geprägt, die das Überleben erst möglich gemacht haben. Soviel Glück kann es gar nicht gegeben haben. Natürlich hängt das Überleben in einer Diktatur und hier in der Herrschaft der KZ-Aufseher immer von der Willkür der Mächtigen ab, aber trotzdem bleibt bei mir ein leises Unbehagen.

Im Nachwort beschreibt die Autorin, dass dieser Roman nach wahren Schicksalen und Ereignissen verfasst worden ist. Es sind mehrere Geschichten von Überlebenden zusammengeführt worden. Interessant auch das weitere Leben der Schwestern.

Der Schreibstil ist emotional und balanciert manchmal - für meinen Geschmack - am Rande des Kitsches. Wer es, wie ich, ein wenig sachlicher haben möchte, muss Bücher anderer Autoren lesen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem emotionalen Roman über drei Schwestern, die Auschwitz überlebt haben, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 28.09.2022

Herrlicher Krimispaß

Kalamitäten im Sparverein
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Dass in einem Krimi nicht immer erwürgt, erschossen, erstochen oder sonst wie gestorben werden muss, um eine spannende Geschichte zu erzählen, beweist Thomas Hrabal mit diesem Buch.

Auf Wunsch oder besser ...

Dass in einem Krimi nicht immer erwürgt, erschossen, erstochen oder sonst wie gestorben werden muss, um eine spannende Geschichte zu erzählen, beweist Thomas Hrabal mit diesem Buch.

Auf Wunsch oder besser gesagt auf Befehl des kürzlich verstorbenen Bürgermeisters wird dessen Schwiegersohn, der zugezogene Steuerberater Peter Gerl, als Kassier des örtlichen Sparvereins gewählt. Die Freude der Mehrheit der Sparvereinsmitglieder hält sich in Grenzen, zumal es langjährige Gepflogenheiten gibt, die nun aufzufliegen drohen.

Noch bevor man sich weitere Gedanken machen kann, macht sich Peter Gerl unter Mitnahme der Sparvereinskassa mit dem Stolz der Freiwilligen Feuerwehr, dem Oldtimer-Feuerwehrauto „Barbara“ auf und davon. Die Empörung ist groß, die Wut auch. Als die „Barbara“ in den sozialen Medien als Star einer Fahrzeugbergung in Ungarn gefeiert wird, macht sich eine Gruppe der Dorfbewohner auf, den abtrünnigen Kassier die Leviten zu lesen.

Meine Meinung:

Mit diesem Buch hat mir Autor Thomas Hrabal einige amüsante Lesestunden beschert. Leider war das Buch ruckizucki ausgelesen. Ich hätte da noch einige Seiten mehr „vertragen“.

Thomas Hrabal zeichnet das Bild einer scheinbaren dörflichen Idylle hinter der es brodelt. Obwohl in der Gemeinschaft wenig verborgen bleibt, tut man so als ob alles in Ordnung wäre. Erst mit dem Ausflug auf dem Balkan zerbröckelt die Scheinwelt und die Beziehungen werden neu gemischt.

Die Geschichte wird kurzweilig und flott erzählt und die Charaktere sind gut ausgearbeitet.

Das Glossar am Ende des Krimis gibt Auskunft über nationale Eigenarten der deutschen Sprache.

Fazit:

Ein köstlicher Krimi, der in einer dörflichen Idylle angesiedelt ist, die so idyllisch gar nicht ist. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.09.2022

Fesselnd bis zur letzten Seite

Wenn der Nebel schweigt
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Jana, die seit der Ermordung ihrer Mutter keinen Kontakt zu ihrem Vater hat, reist nach einem Anruf über seinen Gesundheitszustand doch in ihr ehemaliges Heimatdorf. Sie findet den Vater, der seinerzeit ...

Jana, die seit der Ermordung ihrer Mutter keinen Kontakt zu ihrem Vater hat, reist nach einem Anruf über seinen Gesundheitszustand doch in ihr ehemaliges Heimatdorf. Sie findet den Vater, der seinerzeit unter Mordverdacht stand, und das Elternhaus in einem unerträglichen vermüllten Zustand vor.

Bei dem Versuch ein wenig Ordnung zu schaffen, entdeckt sie vergilbte Briefe, die eine andere Perspektive auf den Tod der Mutter eröffnen. Unschlüssig, wem sie vertrauen kann, bringt sie etwas ins Rollen, ohne zu wissen, dass sie in allerhöchste Gefahr geraten wird.

Meine Meinung:

Wie alle anderen fünf Thriller von Roman Klementovic besticht auch dieser hier durch seinen hohen Spannungsbogen. Der wird unter anderem durch die bedrohliche Kulisse eines nebelverhangenen Tales hervorgerufen.

Die Charaktere sind wie immer lebendig beschrieben. Man kann sie schnell sympathisch oder eben unerträglich finden. Der Schreibstil ist wie immer flüssig und fesselnd.

Geschickt lockt der Autor seine Leser auf falsche Fährten. Die Auflösung ist gelungen.

Zum Abschluss muss ich wieder einmal Heimito von Doderer zitieren: „Wer sich in Familie begibt, kommt darin um.“

Fazit:

Ein gelungener Thriller, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 28.09.2022

Am Rande der Gesellschaft

Donaunebel
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Dem charmanten Theo Brunner fliegen die Herzen der Frauen nur so zu. Doch er lässt sich auf keine nähere Beziehung ein. Ein bisserl schmusen ja, aber mehr nicht. Denn Theo hat ein Geheimnis, denn Theo ...

Dem charmanten Theo Brunner fliegen die Herzen der Frauen nur so zu. Doch er lässt sich auf keine nähere Beziehung ein. Ein bisserl schmusen ja, aber mehr nicht. Denn Theo hat ein Geheimnis, denn Theo ist eine Theodora.

Das Buch beginnt schon mit einer fast komisch anmutenden Szene: Theo Brunner 1914 bei der Musterung. Er weigert sich vorerst seine Hosen hinunter zu lassen. Als sich Theos wahres Geschlecht enthüllt, hat das weitreichende Folgen. Es ist nämlich zu dieser Zeit Frauen verboten, Männerkleidung zu tragen und sich als Mann auszugeben. Theo verliert seine Arbeit im Bestattungsunternehmen und arbeitet fortan in der Leichenkammer des Krankenhauses.

Dann rettet Theo die, mittellos in Wien gestrandete russische Adelige Aglaja Struzhanova, die in den Revolutionswirren ihre Zwillingsbrüder, ihren Ehemann und ihre Geliebte verloren hat. Theo quartiert Aglaja in der Wohnung, die sie mit dem Vater bewohnt ein. Zunächst scheint das Leben seinen geordneten Gang zu gehen bis Alexej, einer der beiden verschollenen Zwillingsbrüder in Wien auftaucht und Ansprüche an Theo, den alten Herrn Brunner und seine Schwester stellt. Die Situation eskaliert vollends, als auch noch Sergej Aglajas kriegsversehrter Mann auftaucht.

Und dann steht plötzlich die Gendarmerie vor der Tür und verhaftet Theo. Weil Homosexualität zu dieser Zeit strafbar ist, wird Theo zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt.

Meine Meinung:

Dieser historische Roman ist angenehm zu lesen und eröffnet den Lesern ein vermutlich unbekanntes Detail der Donaumonarchie.

Das Buch ist - grob gesagt - drei Teile gegliedert, wobei wir es im ersten Teil mit zwei scheinbar unzusammenhängenden Handlungssträngen zu haben: Theo in Wien und Aglaja in Russland. Die Protagonisten werden hier sehr ausführlich beschrieben, wobei mir der russische Part einen Hauch zu detailliert ist.

Im zweiten Teil scheint das Leben seinen Lauf zu nehmen, bis es im dritten Teil eben eskaliert.

Interessant ist der Ausflug in die Psychoanalyse von Dr. Adler. Vor allem auch deswegen, weil einige heute noch, Homosexualität als therapierbare Krankheit halten.

Ein bisschen hat mich das Ungleichgewicht zwischen den drei Teilen gestört. Der dritte Teil fällt in seinem Detailreichtum dem ersten gegenüber sehr stark ab. Plötzlich ist die Polizei da und verhaftet Theo und Alexej lacht sich ins Fäustchen. Der Prozess ist für mich persönlich viel zu kurz gekommen. Man erfährt hier sehr wenig und dann auch nur in einem halben Nebensatz, dass Veronika sich hasserfüllt als Theos Gegnerin herausstellt. Vermutlich hat Alexej seine Finger hier im Spiel, aber eine Information wäre schon nett gewesen. Es mag vielleicht auch sein, dass es an ihrem Ego gekratzt hat, dass der charmante Theo eine Theodora ist und sie quasi einem Hochstapler auf den Leim gegangen ist.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Ausflug das Wien von 1920 vier Sterne.