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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.04.2022

Entschleunigen durch gehmütliche Wanderungen

Gehmütliche Steiermark
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In diesem dritten Teil des Wanderführers „Steiermark“ entführen und die Autoren Anni und Alois Pötz, diesmal unterstützt von Johann Dormann in die Mitte der Steiermark, die ebenfalls Interessantes zu bieten ...

In diesem dritten Teil des Wanderführers „Steiermark“ entführen und die Autoren Anni und Alois Pötz, diesmal unterstützt von Johann Dormann in die Mitte der Steiermark, die ebenfalls Interessantes zu bieten hat.
Wir begeben uns auf vierzig Genusswanderungen und entdecken Kleinode abseits der touristisch Trampelpfande:

Das Joglland - auf den Spuren von Kaiser Karl I.
zur Obstblüte nach Pöllau und ins Apfelland
besichtigen romantische Schlösser und Klöster
Flanieren durch das UNESCO-Weltkulturerbe Graz
Ergötzen uns am Panoramablick mancher Almen
Staunen über die Hängenden Gärten der Sulamith in St. Kathrein
Applaudieren in Österreichs einzigartigem Theaterdorf
Lassen Friedensreich Hundertwassers krumme Linien auf uns wirken
Schauen den eleganten, weltberühmten Lipizzanern zu

Jede dieser Wanderungen wird gut beschrieben. Details zu Schwierigkeitsgrad, Länge, Gezeit sowie Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ergänzen den Kartenausschnitt. Natürlich dürfen kulinarische Tipps und interessante Informationen zu Land und Leuten nicht fehlen.

Fazit:

Auf diesen 40 Wanderungen warten zahlreiche, vielleicht bislang unbekannte, Kleinode der Steiermark darauf, von uns entdeckt zu werden. Von mir gibt es dafür 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.04.2022

Hat mich nicht vollends überzeugt

Gala und Dalí – Die Unzertrennlichen
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Wer den Namen Salvador Dalí (1904-1989) hört, denkt meistens an den exzentrischen Maler mit dem gezwirbelten Schnurrbart. Seine extravagante Garderobe und seine Auftritte mit einem Gehstock erinnern entfernt ...

Wer den Namen Salvador Dalí (1904-1989) hört, denkt meistens an den exzentrischen Maler mit dem gezwirbelten Schnurrbart. Seine extravagante Garderobe und seine Auftritte mit einem Gehstock erinnern entfernt an einen Matador.

Doch von diesem Image ist der begabte Maler noch weit entfernt als er 1929 auf Paul Éluard und seine russischstämmige Frau Gala trifft. Die beiden sind auf Einladung von René Magritte, einem befreundeten Galeristen, nach Cadaqués, einem kleinen Fischerort in Katalonien gekommen, um erstens hier den Sommer zu verbringen, und zweitens will Éluard seine Schreibblockade überwinden.

Dalí verliebt sich Hals über Kopf in die zehn Jahre ältere Gala, die zwar mit ihm flirtet, aber mit ihrem Mann und ihre Tochter wieder nach Paris zurückgeht. Erst quasi im zweiten Anlauf verlässt Gala Mann und Tochter und lebt mit Dalí zusammen.

In Paris nützt Gala ihre Kontakte und tatsächlich gelingt es, einige Werke zu verkaufen. Doch Salvador braucht seine katalonische Heimat zum Malen und deshalb kehrt man zurück. Es kommt zum Bruch mit dem Vater, der mit Gala nicht einverstanden ist.

"Mit Salvador verband Gala eine Liebe, die sie für immer aneinanderbinden würde und die so intensiv, so wechselwirksam war, dass niemand mehr dazustoßen konnte…"

Meine Meinung:

Das Autoren-Duo, das sich hinter dem Namen Silvia Frank versteht, beschreibt die Liebesbeziehung von Salvador und Gala, die mehr als 50 Jahre dauern sollte, den Lesern in drei Teilen näher.
Allerdings umspannt dieses Buch nur die Jahre von 1929-1931. Wirklich tief kann man in die Persönlichkeit des Künstlers nicht eintauchen. Zu Beginn erfahren wir zwar ein wenig über das gespannte Verhältnis zu seinem Vater und der früh verstorbenen Mutter. Dalí muss seinen Eltern den ersten Sohn gleichen Namens, der im Alter von zwei Jahren gestorben ist, ersetzen. Da sie ihren Erstgeborenen nicht aufwachsen haben sehen, stellen sie ihn auf ein Podest von Erwartungen, die Salvador nicht erfüllen kann. Also rebelliert er.

Ich habe vor Kurzem die Ausstellung „Dalí und Freud“ im Wiener Belvedere gesehen und habe gehofft, durch dieses Buchergänzende Informationen zum Maler zu erhalten. Teilweise ist es gut gelungen.

Allerdings ist der Beginn ein wenig langatmig. Die detailreiche Beschreibung des Ehelebens von Gala und Paul oder der Spaziergang mit dem abgebrochenen Absatz, das war mir ein wenig zu viel. Auch wer mit wem in welcher Sitzreihe im Autobus gesessen hat, ist wenig relevant.


Wie die Autoren im Nachwort berichten, ist die Faktenlage zu Dalís frühen Leben dünn. Vieles wird nur von Dritten über den Künstler berichtet.

Fazit:

Wer gerne biografische Romane von Künstlern liest, auch wenn sie nur wenige Jahre eines Lebens umfassen, ist hier richtig. Von mir gibt es drei Sterne.

Veröffentlicht am 14.04.2022

Fesselnd bis zur letzten Seite

Eine verdächtig wahre Geschichte
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Viele Menschen träumen davon ein Buch bzw. einen Bestseller zu schreiben. Doch der Weg in die Bücherregale der Leser ist steinig. Einer dieser Felsblöcke ist die Manuskriptabteilung eines Verlages. Und ...

Viele Menschen träumen davon ein Buch bzw. einen Bestseller zu schreiben. Doch der Weg in die Bücherregale der Leser ist steinig. Einer dieser Felsblöcke ist die Manuskriptabteilung eines Verlages. Und genau eine solche steht im Mittelpunkt dieses Krimis.

Star-Lektorin Violaine Lepages Aufgabe ist es, unter den Hunderten, manchmal Tausenden eingesandten Manuskripten, den Knüller herauszufinden. Dazu gibt es das System der Benotung der Werke mittels Symbolen. Quadrate werden sofort abgelehnt, Halbmonde könnten vielleicht interessant sein und die wenigstens Manuskripte erhalten die begehrte „Sonne“, jenes Attribut, das eine Veröffentlichung rechtfertigt.

Nun hat Violaine eine solche Sonne, nämlich „Die Zuckerblumen“, die noch dazu für den Prix Goncourt nominiert wird, doch der Autor ist wie ein Phantom. Er ist völlig unbekannt und tritt nicht in Erscheinung. Vertrag oder Änderungen im Werk - alles nur per Post oder eMail. Wenn der Autor oder - wie manche munkeln - die Autorin nicht bald auftaucht, ist Violaine ihren Job los. Dabei ist das nicht ihr einziges Problem. Violaine hat mit Müh und Not einen Flugzeugabsturz überlebt und leidet an Gedächtnisverlust.

Während der Verlag alles daran setzt den Autor zu finden, werden drei Männer genau wie in „Zuckerblumen“ beschrieben, ermordet. Das ruft wiederum die Kriminalpolizei auf den Plan und Violaine muss sich ihrer Vergangenheit stellen.

Meine Meinung:

Dieser Krimi hat mir sehr gut gefallen. Sprachlich auf hohem Niveau werden die Leser in die Welt eines Verlages eingeführt. Hier ist wenig Glamour zu spüren, eher harte Arbeit.

Die Figuren sind facettenreich ausgestaltet. Man kann mit Violaine am eigenen Verstand zweifeln und spürt die Verunsicherung, weil der Autor verschwunden ist. Interessant ist auch die Kommissarin, die mithilfe von KI, also Künstlicher Intelligenz, den oder die Mörder aufspüren will. Das klingt schon ziemlich gespenstisch. Doch auch als die Daktyloskopie in die Kriminalistik Eingang gefunden hat, fanden das die meisten auch absurd.

Geschickt werden nach und nach Details aus der Lebensgeschichte der Violaine enthüllt. Die Auflösung selbst ist ein wenig überraschend.

Fazit:

Dieser Krimi hat mich auf hohem Niveau sehr gut unterhalten. Daher gibt es von mir 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 14.04.2022

Ein gelungener Reihenauftakt

Töchter der Speicherstadt – Der Duft von Kaffeeblüten
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Mit dieser Reihe „Töchter der Speicherstadt“ entführt uns Autorin Anja Marschall in die Welt des Kaffees, in der die Hansestadt rund 100 Jahre eine dominierende Rolle spielt. Den Auftakt macht „Der Duft ...

Mit dieser Reihe „Töchter der Speicherstadt“ entführt uns Autorin Anja Marschall in die Welt des Kaffees, in der die Hansestadt rund 100 Jahre eine dominierende Rolle spielt. Den Auftakt macht „Der Duft von Kaffeeblüten“.

Kaffeehändler Johann Behmer reist nach Brasilien, um dort eine Kaffeeplantage zu kaufen. Als er dort auf Maria da Silva, die Tochter des Plantagenbesitzers trifft, ist er von Maria hingerissen und heiratet sie auf der Stelle. Maria argwöhnt, dass Behmer nur das Geld für den Kauf sparen wollte, und fügt sich ihrem Schicksal. In Hamburg angekommen, muss sie erkennen, dass sie Schwager Alfons und Schwägerin Gertrud Ehemann nicht willkommen ist.

Obwohl ihr Kaffee im Blut liegt, darf sie sich nicht in die Geschäfte einbringen. Das liegt natürlich an der starren Gesellschaftsordnung der Hanseaten und an den Intrigen der Schwägerin, die es nicht verwinden kann, dass sie als verarmte Adelige einen reichen Kaufmann heiraten musste.

Doch Maria gibt nicht so schnell auf und findet einen Weg, heimlich ein eigens Kaffeegeschäft zu gründen. Johann missbilligt zwar die Ambitionen seiner Frau, lässt sie aber zum Entsetzen seines Zwillingsbruders Alfons gewähren.

Schon hat es den Anschein, dass Maria doch akzeptiert würde, als ein ominöser Brief auftaucht, der die Existenz von Johann und Maria vernichten zu scheint ...

Meine Meinung:

Als erklärter Hamburg-Fan und Kaffeeschwester aus Wien habe ich diesen Reihenauftakt verschlungen. Bei unserem letzten Hamburgaufenthalt mussten wir natürlich die Speicherstadt-Rösterei besuchen.

Der Prolog, der vom Großen Brand Hamburgs von 1842 berichtet, birgt ein Geheimnis, das erst später, beim Brand des Michels, mit weitreichenden Folgen ans Tageslicht kommt.

Anja Marschal arbeitet sehr gut den Standesdünkel von Gertrud Behmer heraus, die um jeden Preis die Reputation des Familienunternehmens heben und in der Gunst des Kaiserhauses stehen will. Dabei geht sie beinahe über Leichen. Sie intrigiert und schätzt Maria gering.

Die Konventionen, die Maria in Hamburg zu schaffen machen, lassen sie letztendlich gestärkt aus der Katastrophe herauskommen. Ihr freundliches, hilfsbereites Wesen, das sie während der Cholera-Epidemie unter Beweis stellt, ist ihrer Schwägerin ein Dorn im Auge, vor allem auch deshalb, weil sie Maria die Aufmerksamkeit und das Wohlwollen einer einflussreichen Persönlichkeit gewinnt. Dort wo Gertrud mit Krampf und Brechstange arbeitet, ist Maria höflich, zurückhaltend und kann auch in schwierigen Situationen zupacken.

Wie wir es von Anja Marschall gewöhnt sind, arbeitet sie historische Ereignisse subtil und völlig unaufgeregt in die Handlung ihres Romans ein. So erfahren wir vom Generalstreik der Hafenarbeiter, die gegen die schlechte Bezahlung und die harten Arbeitsbedingungen kämpfen und dürfen, als krassen Gegensatz dazu, durch die damalige Straßen flanieren, um im Alsterpavillon eine Tasse Kaffee zu trinken.

Fazit:

Ich freue mich schon auf die Fortsetzung dieser Familiensaga, in der weiterhin starke Frauen das Sagen haben werden. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 14.04.2022

Ein Cosy-Krimi für Italien-Fans

Pasta Criminale
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Doro Ritter und Freund Vincent sollen wieder einmal für Doros Vater, den Restaurantbesitzer Sascha Ritter, Recherchen zu einer bekannten Kulinarik-Sendung anstellen.
Dabei wollen sie ein paar Tage ausspannen ...

Doro Ritter und Freund Vincent sollen wieder einmal für Doros Vater, den Restaurantbesitzer Sascha Ritter, Recherchen zu einer bekannten Kulinarik-Sendung anstellen.
Dabei wollen sie ein paar Tage ausspannen und die kulinarischen Köstlichkeiten genießen. Besonders das Tortellini-Fest rund um die „Nodi d’amore“, die Liebesknoten, hat es ihnen angetan. Doch aus den unbeschwerten Tagen wird nichts. Denn mehrere Personen werden vergiftet. Die Tortellini sind schuld! Schon reisen die ersten Gäste ab und man versucht den Ball der Ermittlungen, flach zu halten.

Wie nicht anders zu erwarten steckt Doro ihre Nase wieder in Dinge, die sie so gar nichts angehen. Dabei kommt sie dem Täter ziemlich nahe und gerät - wieder einmal - in große Gefahr.

Meine Meinung:

Für Liebhaber des Gardasees und des italienischen Flairs ist dieser Krimi perfekt. Es wird gekocht, gegessen und Wein getrunken. Ach ja, die köstlichen Dolce nicht zu vergessen. So richtige Spannung vermag nicht aufzukommen. Es dauert eine geraume Zeit, bis die Polizeiarbeit in Gang kommt, denn der ermittelnde Polizist und der eine oder andere Verdächtige sind Teil der Stammtischrunde.

Es gibt neben Doro und Vincenz zahlreiches „Personal“ wie ein untreuer Ehemann, eine schwangere Geliebte, enttäuschte Verliebte, afrikanische Flüchtlinge und ein betagtes Ehepaar, das große Schuld auf sich geladen hat. Sie alle wuseln herum, manche - wie die Flüchtlinge - bringen die eigentliche Krimi- Handlung keinen Deut weiter.

Die Charaktere sind teils gut gelungen, jedoch leider nicht alle. So kann ich ausgerechnet bei Doro keine Entwicklung zu den Vorgängern entdecken. Sie wirkt auf mich nach wie vor wie ein kleines Mädchen und nicht wie eine erwachsene Frau.

Gut gefällt mir, wie die Geschichte der Tortellini im Allgemeinen und jene der „Nodi d’Amore“ (Liebesknoten) genannten für die Gegend typische Pasta in den Krimi eingeflochten wird. Diese regionale Spezialität wird gnadenlos vermarktet. Da sind natürlich Tote durch Vergiftungen nicht gerade förderlich.

Schmunzeln musste ich über den mintmetallicgrünen Oper Corsa Baujahr 1998, das Auto von Vincent.

Wer das eine oder andere Gericht nachkochen möchte, findet am Ende des Krimis die passenden Rezepte.

Der Krimi lässt sich leicht und flüssig lesen. Das richtige Buch für einen Italien-Urlaub. Die Vorgänger muss man nicht unbedingt kennen.
Die Auflösung ist für mich persönlich leicht vorherzusehen gewesen. Dazu sind einige deutliche Hinweise gegeben worden.

Fazit:

Ein Cosy-Krimi für Italienfans, mir fehlt ein wenig die Spannung, daher nur 3 Sterne.