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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2022

Mord auf dem Campingplatz

Deichfeuer
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In diesem 18. Fall für KHK Wilderich Große Jäger ist der Polizist mit eingeschworenen Dauercampern konfrontiert, die nicht sehr aufgeschlossen sind. Neuankömmlinge werden scheel angesehen. Das muss auch ...

In diesem 18. Fall für KHK Wilderich Große Jäger ist der Polizist mit eingeschworenen Dauercampern konfrontiert, die nicht sehr aufgeschlossen sind. Neuankömmlinge werden scheel angesehen. Das muss auch Große Jäger erleben, als er sich nach dem Brand eines Wohnmobils, in dem ein Mann zu Tode gekommen ist, als Undercover-Ermittler betätigt.

Eigentlich hätte Große Jäger ja noch Urlaub, aber da die Kollegen des K1 mit einem Doppelmord beschäftigt sind und nur zwei junge, unerfahrene Ermittler verfügbar sind, leiht er sich ein Wohnmobil aus und begibt sich auf diesem einsamen Campingplatz in der Marsch. Hier scheint die Zeit ein wenig still zu stehen. Wenig Komfort, grausliches und überteuertes Essen in der Kantine sowie kaum Handyempfang.

Als Erstes fällt auf, dass vom Feuer erst der Platzwart Heinzi verständigt wird, dann die Campingplatzbesitzerin und zuletzt die Feuerwehr.

Der Tote ist ein alter Mann, der so gar nicht in den Kreis der Dauercamper zu passen scheint, da er kaum die Gesellschaft der anderen sucht.

Was verbergen die Camper?

Meine Meinung:

Hannes Nygaard ist ein fesselnder Krimi gelungen, der gänzlich auf „Action“ verzichtet. Da Große Jäger defacto alleine ermittelt, fehlen diesmal das übliche Geplänkel zwischen den Kollegen.

Mit seinem, oft belächelten, Bauchgefühl und seinem geschulten Verstand geht Große Jäger jedem noch so kleinen und versteckten Hinweis dieser seltsamen Gemeinschaft nach. Er macht sich die Eitelkeit eines ehemaligen Polizisten, der den selbst ernannten Blockwart gibt, zunutze, um Informationen zu erhalten.

Gut gefallen hat mir, wie die einzelnen Charaktere vorgestellt werden. Eigentlich sind alle ziemlich verschroben und wenig sympathisch. Das beginnt bei Heinzi, der sowohl die Gäste als auch seine Chefin betrügt, indem er den einen überteuerte Ware andreht und der anderen die Einnahmen unterschlägt. Oder das ständig betrunkene Ehepaar. Oder die esoterische Spinnerin, die nur ihre eigenen Ansichten gelten lässt.

Grinsen musste ich, wie Große Jäger den einzelnen Personen Spitznamen zuordnet, z.B. „Hosenmatz“ für die unerfahrenen Kollegen.

Ich kenne einige Bücher dieser Reihe und habe sie nicht der Reihe nach gelesen. Durch die schöne, kompakte Schreibweise ist es möglich, auch quer in die Reihe einzusteigen, ohne dass einem etwas fehlt. Notwendige Vorwissen wird kurz und knapp dort eingeflochten, wo es notwendig ist.

Fazit:

Hannes Nygaard ist wieder ein großartiger Krimi gelungen, der tief in menschliche Abgründe blicken lässt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 02.03.2022

Wie Emotionen unser Essverhalten steuert

Food Feelings
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Cornelia Fiechtl, ihres Zeichens Ernährungspsychologin, nimmt sich eines interessanten Themas an: den Emotionen des Essens.

Wer kennt das nicht? Das Telefon läutet unentwegt, der Chef pocht auf rasche ...

Cornelia Fiechtl, ihres Zeichens Ernährungspsychologin, nimmt sich eines interessanten Themas an: den Emotionen des Essens.

Wer kennt das nicht? Das Telefon läutet unentwegt, der Chef pocht auf rasche Erledigung der Arbeit, das Kind wünscht mehr Aufmerksamkeit und eigentlich will man in Ruhe gelassen werden. Und zur Beruhigung der Nerven greift man zu einer Tafel Schokolade, isst sie nebenbei und bemerkt gar nicht, dass man sich eine 300 Gramm-Tafel so mir nichts dir nichts hineingestopft hat. Das kurzzeitige Gefühl, die Lage wieder in Griff bekommen zu haben, weicht dann dem schlechten Gewissen.

„Essen ist ein einfaches Mittel der Wahl, um unangenehme Emotionen zu bewältigen“. (S.92)

Cornelia Fiechtl erklärt in drei großen Abschnitten wie Emotionen unser Essverhalten bestimmen. Wir erfahren den Unterschied zwischen Heißhunger und Essdrang. Dazu erhalten wir Tipps, wie wir sowohl dem einen als auch dem anderen vorbeugen bzw. entgegenwirken können.

Ein interessanter Ansatz ist auch die Unterscheidung zwischen „Diet First-Typ“ und „Binge-First-Typ“, die auf ihre Weise sich dem Thema Essen widmen.

In ihrem Schlusswort fasst sie die wichtigsten Punkte zusammen. Davor gibt es in den Kapiteln Übungen und Platz für Notizen.

Fazit:

Ein gut gemachter Ratgeber, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 02.03.2022

Historisch, mystisch, geheimnisvoll - das Ausseer Land

Das Innere des Landes
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Als John erfährt, dass er das Haus seiner Großmutter in Österreich geerbt hat, reist aus den USA in das Ausseer Land, um die Immobilie in Augenschein zu nehmen. Doch nicht nur das Erbe veranlasst ihn, ...

Als John erfährt, dass er das Haus seiner Großmutter in Österreich geerbt hat, reist aus den USA in das Ausseer Land, um die Immobilie in Augenschein zu nehmen. Doch nicht nur das Erbe veranlasst ihn, die gewohnte Umgebung zu verlassen. Vielmehr flieht er vor seiner zerbrechenden Ehe und den aufkommenden Streitigkeiten.

Das Haus der Großmutter, die seinerzeit kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit ihrer kleinen Tochter in die USA ausgewandert ist, stellt sich als renovierungsbedürftig heraus. Binnen kürzester Zeit wissen alle, dass er das Haus verkaufen will. Allerdings will man den Preis drücken. Als dann noch angeblich erbberechtigte Verwandte und menschliche Knochen unter dem Fußboden auftauchen, beginnt John, mit der Hilfe von Sarah, einer arbeitslosen Journalistin, dem Geheimnis seiner Großmutter auf den Grund zu gehen.

Dabei muss er sich mit dem Bürgermeister, einem aufdringlichen Immobilienentwickler, einer freundlichen Nachbarin und einigen ewig Gestrigen auseinandersetzen. Ein bisschen viel für jemandem, der sich in einer schwierigen Lebensphase befindet, und eigentlich nur seine Ruhe haben will.

Als er entdeckt, dass der Ehemann seiner Großmutter, der in den letzten Kriegstagen gefallen ist, ein Widerstandskämpfer gegen die Nazis war, beschließt er, diesen schönen Flecken Natur zu behalten.

Meine Meinung:

Ich kenne schon einige Bücher von Günther Marchner. Einige davon sind Sachbücher, dieses hier ist ein Roman. Ein Roman, der, wie der Autor im Nachwort bemerkt, eine vielschichtige bis unübersichtlich Angelegenheit ist. Die Region ist real, doch „historisch, literarisch, mystisch von Klischees durchtränkt und vom Tourismusmarketing durchkomponiert“ (S. 194).

Die Geschichte ist nicht ganz einfach zu lesen, was aber nicht am Inhalt, sondern an der technischen Umsetzung liegt: Der Autor verzichtet auf jegliches Redezeichen. Ein Umstand, den ich so gar nicht leiden kann. Was soll das bringen? Die fehlenden Lesezeichen erleichtern das Lesen nicht wirklich. Im Gegenteil, es erfordert erhöhte Konzentration beim Lesen.

Der Schreibstil selbst gefällt mir sehr gut. Die Gedanken des Protagonisten, der als unbedarfter Amerikaner sich noch wenig mit der Geschichte seiner Vorfahren beschäftigt hat, entwickeln sich langsam aber stetig. Zuerst will er die Immobilie so schnell wie möglich abstoßen, mit Gewinn, versteht sich. Erst nach und nach begreift er die Tragweite seines Entschlusses und muss erkennen, dass er endlich angekommen ist, bei sich selbst nämlich.

Dazu passt das Cover recht gut, das die Narzissenwiese um 180° verdreht zeigt. Ähnlich ist es John ergangen, dessen bisheriges Leben durch die Erbschaft auf den Kopf stellt.

Der Autor greift ein aktuelles Thema auf: Immobilienspekulation. Der Wunsch nach einer schönen Ecke Österreichs lässt Zweitwohnsitze wie die sprichwörtlichen Schwammerl aus dem Boden schießen. Es wird gerodet, nachträglich umgewidmet und Baugenehmigungen unter fragwürdigen Umständen erteilt ohne Rücksicht auf die Infrastruktur oder die einheimische Bevölkerung.

Der Roman könnte diesbezüglich überall in Österreich spielen, durch die historischen Ereignisse, passt er aber perfekt ins Ausseer Land.

Fazit:

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die fehlenden Redezeichen kosten aber den 5. Stern, daher nur 4 Sterne.

Veröffentlicht am 27.02.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Mostbarone
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„...Manche Menschen muss man nur reden lassen, eine alte Weisheit, die sich immer wieder bewährt hat...“

Der österreichische Krimiautor Helmut Scharner lässt nach einer längeren Pause seinen Ermittler ...

„...Manche Menschen muss man nur reden lassen, eine alte Weisheit, die sich immer wieder bewährt hat...“

Der österreichische Krimiautor Helmut Scharner lässt nach einer längeren Pause seinen Ermittler Leo Brandner, in der Zwischenzeit zum Major befördert, wieder ermitteln.

Die Leiche von Franz Haider, seines Zeichen Primus der Mostbarone, einer Vereinigung von Mostbauern, zwingt Brandner nach Neuhofen an der Ybbs ins (eh klar) Mostviertel.

Während sich der Herr Major mit der ganz und gar nicht trauernden Witwe, die ihm sofort einen Täter servieren will, unterhält, plagt sich seine Frau Eva damit, einen Urlaubsort für sich und ihre beiden Töchter zu finden. Aus den bekannten Gründen sind Destinationen am Meer wie Mallorca oder die verpönte Obere Adria buchstäblich ins Wasser gefallen. Nach langwieriger Suche findet sie in Blindenmarkt, unweit des Tatortes einen Reiterhof, der auch den Ansprüchen des pubertierenden Nachwuchses genügen sollte.

Wie es Autor und Zufall so wollen, gehört die Hotelchefin auch den Mostbaronen an und lässt sich mit „Baroness“ anreden.

Als dann der, von der Haider-Witwe als Täter verdächtigte, selbst einem Mord zum Opfer fällt, muss Leo Brandner noch ein wenig länger auf ein Wiedersehen mit seiner Familie warte.

Meine Meinung:

Ich mag Regionalkrimis und besonders jene, die in Österreich spielen, erhalte ich doch den einen oder anderen Geheimtipp zur Landschaft oder Brauchtum.

Grinsen musste ich über die eine oder andere Anspielung auf die Politiker und deren Handlungen im Sommer 2020.

“Urlaub in Österreich?“ „Den Gefallen wollte ich unseren Kanzlerbuben nicht machen.“

Nun, besagter Kanzler ist Geschichte und wir dürfen sowohl Leo als auch seine Familie durch die heißen Sommertage begleiten.

Ein nettes Stilmittel ist, die unausgesprochenen Gedanken der Protagonisten in kursiver Schrift darzustellen. Doch leider nützt sich dieser Kunstgriff recht bald ab, da er inflationär gebraucht wird. Schade, hier wäre weniger, mehr gewesen.

Sprachlich ist der Krimi gut gelungen. Nach rund 120 Seiten gibt es für mein Empfinden einen kleinen Durchhänger, bis eine unerwartete Wendung dem Krimi einen neuen „Drive“ gibt, der in einem fesselnden Showdown endet.

Die wechselnden Perspektiven ergeben ein rundes Gesamtbild der Geschichte. Die Beschreibung von Land und Leuten ist gut in die Handlung integriert. Vielleicht entdeckt der eine oder andere Leser das schöne Mostviertel als Ausflugs- oder Urlaubsziel.

Brandners Familie ist mir einen Hauch zu dominant in Szene gesetzt, aber das ist nur mein persönliches Empfinden, anderen gefällt es.

Fazit:

Wer einen Regionalkrimi mit einem unerwarteten Ende sucht, ist hier richtig. Gerne gebe ich 4 Sterne.

Veröffentlicht am 27.02.2022

Eine klare Leseempfehlung

Bombennacht
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Wenn man „Bombardierte Städte in Deutschland“ hört, denken viele an Hamburg und natürlich vor allem an Dresden. Dass zahlreiche andere Städte ebenfalls zahlreichen Bombenangriffen ausgesetzt waren, ist ...

Wenn man „Bombardierte Städte in Deutschland“ hört, denken viele an Hamburg und natürlich vor allem an Dresden. Dass zahlreiche andere Städte ebenfalls zahlreichen Bombenangriffen ausgesetzt waren, ist nicht so präsent. Eine jener Städte, deren Bevölkerung durch das als „moral bombing“ zur Abkehr des NS-Regimes gezwungen werden sollte, ist Würzburg.

Es ist der 16. März 1945. Zahlreiche Flüchtlinge haben in der Stadt Aufnahme gefunden.

Minutiös schildert Autor Roman Rausch in mehreren Handlungssträngen und anhand von verschiedenen Schicksalen die letzten 24 Stunden der unversehrten Stadt.

So verstecken wir uns gemeinsam mit Eugen, einem deutsch-russischen Jungen, vor der SS oder decken mit Krankenschwester Fanny die Machenschaften eines Nervenarztes auf, der Hunderte Patienten in die Tötungsanstalt von Hadamar verlegen hat lassen.

Wir zittern mit dem Juden Paul, der als Klavierbegleitung einer bekannten NS-Sängerin in der Villa des Nervenarztes auftreten soll und gleichzeitig mit Zwangsarbeitern die Flucht vorbereitet. Wird es gelingen, während des rauschenden Festes abzutauchen?

Daneben blicken wir auch Henry, früher Heinrich, einem nach England geflüchteten Freund Pauls, der nun als RAF-Pilot die Bomben über Würzburg abwerfen soll, über die Schulter. Hier erleben wir die Gewissensbisse mit, da Henry genau weiß, dass auch unschuldige Menschen sterben werden. Doch die Kameraden erinnern ihn immer wieder an die Bombardierung von Coventry, die vor allem zivile Opfer gefordert hat.

Obwohl bei Todesstrafe verboten, wird der Feindsender gehört und so mancher wundert sich über die Mitteilung „Heute bringen wir eine Symphonie von Mozart“, denn auch wenn Wolfgang Amadeus Mozart viel komponiert hat, eine Symphonie war nie dabei.

Der gesamte Angriff dauert nur sieben Minuten, sieben Minuten in denen die Stadt dem Erdboden gleich gemacht wurde, sieben Minuten, die Tausenden Menschen das Leben kostete und das Regime nicht zur Aufgabe zwingen konnte.

Fazit:

Ein beeindruckender, sehr gut recherchierter historischer Roman, dem ich gerne eine Leseempfehlung und 5 Sterne gebe.