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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.08.2020

Ein kluges Buch - eine unbedingte Leseempfehlung

Propaganda. 100 Seiten
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100 Seiten zu „Propaganda“? Reicht das? Kann man dieses schier unerschöpfliche Thema in so wenigen Seiten abhandeln? Ja, man kann es, also Alexandra Bleyer kann es!

Das hat sie schon in ihrem anderen ...

100 Seiten zu „Propaganda“? Reicht das? Kann man dieses schier unerschöpfliche Thema in so wenigen Seiten abhandeln? Ja, man kann es, also Alexandra Bleyer kann es!

Das hat sie schon in ihrem anderen Buch „Napoleon“ aus der Reihe „Reclam - 100 Seiten“ bewiesen. Wie wir ja wissen, ist Napoleon selbst der Meister der Propaganda, dem auch in diesem Buch Platz eingeräumt wird.

In folgenden sieben Kapiteln gibt uns die Autorin und Historikerin einiges an Rüstzeug mit, die allgegenwärtigen Mittel der Propaganda zu durchschauen:

Ein Werkzeug des Bösen?
Von der Propaganda zur PR- und Öffentlichkeitsarbeit
Information und Desinformation
Medien zwischen „Lügenpresse“ und „vierter Gewalt“
Die vielleicht besten Manipulationsstrategien
Propaganda-Krieg
Kein Schweigen der Lämmer

Anhand griffiger Beispiele wird zwischen schwarzer, grauer und weißer Propaganda unterschieden.

Besonders gut gelungen sind die "10 Gebote" und die Check-Liste mit deren Hilfe vom aufmerksamen Leser Propaganda leicht erkannt werden kann, denn "Propaganda wirkt nur, bis man sie als solche entlarvt".

Für alle jene, die sich weiter mit dem Thema auseinander setzen wollen, findet sich im Anhang eine lange Liste ausgewählter Literatur.


Fazit:

Ein kluges, informatives Buch, das zeigt, wie man sich im Dschungel von Propaganda, Fake News und Desinformation zurecht finden kann. Gerne gebe ich diesen 100 Seiten 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 31.07.2020

Eine beeindruckende Reise in die UNterwasserwelt

Unterwegs im blauen Universum
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Ich habe bestimmt schon einige Dokus von Hans Fricke gesehen, aber der Name war mir bis jetzt nicht geläufig. Bei der Erwähnung des „Quastenflossers“ dämmert etwas in meiner Erinnerung.

Hans Fricke nimmt ...

Ich habe bestimmt schon einige Dokus von Hans Fricke gesehen, aber der Name war mir bis jetzt nicht geläufig. Bei der Erwähnung des „Quastenflossers“ dämmert etwas in meiner Erinnerung.

Hans Fricke nimmt uns in 20 aufregenden Kapiteln in sein Welt - die Unterwasserwelt - mit. Dabei erzählt er fesselnd von seinen Anfängen als 11-jähriger, der mit einem selbst gebastelten Tauchgerät die Welt im Wasser erforschen wollte.

Er wird später Meersbiologie studieren und mit Größen wie Hans und Lotte Hass tauchen sowie Konrad Lorenz und Irenäus Eibl-Eibelsfeldt kennen und schätzen lernen.

Wortreich und mit großer Begeisterung schildert er seine Tauchgänge, die ihn nicht nur an seinen Lieblingsort, dem Roten Meer, sondern in zahlreiche andere Gewässer führen. Spannend auch die „Reise“ in einen Brunnen des Kyffhäusers.

Manchmal werden Hans Fricke und sein Team als Bergungshelfer nach Flugzeugabstürzen an den Bodensee gerufen. So geschehen im Februar 1989 als ein Flugzeug der Rheintal-Fluglinie im Landanflug auf den Flughafen Altenrhein aus bis heute ungeklärter Ursache in den Bodensee stürzte. Alle 11 Insassen starebn unter ihnen der österreichische Sozialminister Alfred Dallinger, dessen Name der Autor als Danninger wiedergibt.

Sehr interessant finde ich auch die Ausflüge in die Tiefen der Alpenseen, die so manchen Umweltskandal ans Tageslicht bringen.

Fazit:

Zahlreiche Fotos, teils in schwarz/weiß teils in Farbe ergänzen dieses beeindruckende Buch, dem ich gerne 5 STerne und eine Leseempfehlung gebe.

Veröffentlicht am 31.07.2020

Eine gelungene Fortsetzung des Stoffes

Das Erbe der Päpstin
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Helga Glaesener spinnt rund um den historischen Roman „Die Päpstin“ von Donna W. Cross eine eigene Geschichte, die aber die der Päpstin und Gerold mehrfach berührt.

Freya ist Gerolds Enkelin und lebt ...

Helga Glaesener spinnt rund um den historischen Roman „Die Päpstin“ von Donna W. Cross eine eigene Geschichte, die aber die der Päpstin und Gerold mehrfach berührt.

Freya ist Gerolds Enkelin und lebt mit ihrer Schwester und der Mutter Gisla als Sklavin bei den Wikingern. Die drei Frauen sind häufig sexueller Gewalt ausgesetzt und als sich Gisla schützend vor Freya wirft, wird sie von einem besonders grausamen Wikinger ermordet. Die Schwestern können fliehen, doch zuvor hat Freya den Angreifer noch schwer verletzen können.
Verkleidet erreicht Freya Rom und muss miterleben, wie Johanna und Gerold bei der Osterprozession des Jahres 858 ermordet werden. Wieder ist auch Freya in Gefahr, denn das Intrigenspiel der Kirche hat sie als Verwandte von Gerold ausgemacht.

Doch nicht nur kirchliche Würdenträger sind hinter Freya her, auch die dänischen Wikinger haben noch eine Rechnung mit ihr offen ....

Meine Meinung

Ich kenne schon mehrere Bücher der Autorin, die in der Renaissance in der Toskana spielen. Daher ist mir der Schreibstil vertraut. Voller Erwartung habe ich dieses Buch begonnen und bin nicht enttäuscht worden. Die Geschichte rund um Päpstin Johanna und den Baumeister Gerold wird stellenweise parallel weitergeführt. Nach dem gewaltsamen Tod der beiden, nimmt Freyas Geschichte ihren eigenen Lauf.

Die Leser erwartet eine opulente Darstellung dieser Zeit, in der man sich recht leicht den Unwillen der omnipräsenten Kirche zuziehen konnte. Es genügte schon, ein wenig intelligenter als ein Mönch oder Priester zu sein. Vor allem willensstarke Frauen, die mit ihrem Wissen und Heilkünsten den Kirchenbrüdern überlegen sind, sind häufig gefährdet.

Freya trifft allerdings auch immer wieder auf Personen, die ihr Obdach gewähren, die sie schützen. Alles in allem ist Freyas Geschichte schön rund erzählt. Es ist kaum zu merken, dass hier eine andere Autorin am Werk war. Das soll aber jetzt nicht heißen, dass Helga Glaesener Donna W. Cross Schreibstil imitiert hätte. Die beiden Autorinnen ergänzen sich perfekt. Donna W. Cross hat zugestimmt, dass die Geschichte der Päpstin aufgegriffen und weitergesponnen wird.

Fazit:

Ein schönes, rundes Mittelalterepos, das die Intrigen rund um die Kirche, den Papst und die Wikinger weiter spinnt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 26.07.2020

EIne interessante Auseinandersetzung

Wagner, ein ewig deutsches Ärgernis
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„Richard Wagner war kein geistiger Wegbereiter des deutschen Nationalsozialismus“, behauptet der israelische Historiker Moshe Zuckermann.

Wie kommt Zuckermann auf diese Idee?

In acht Kapiteln versucht ...

„Richard Wagner war kein geistiger Wegbereiter des deutschen Nationalsozialismus“, behauptet der israelische Historiker Moshe Zuckermann.

Wie kommt Zuckermann auf diese Idee?

In acht Kapiteln versucht Moshe Zuckermann, seine Thesen zu untermauern:

Richard Wagner - ein deutsches Ärgernis
Revolutionäre Tondichter
Exkurs: Musikalische Gestik
Wagners Antisemitismus
Antisemitismus in Wagners Werk?
Werk und Person
„Dreigestirn ewig verbundener Geister“ und die Folgen
Wagner in Israel oder Die Wonnen der Ignoranz

Schon auf Seite 12 kann man lesen:

„Ein geglücktes 1848 hätte – pauschal ausgedrückt – einen Rückzug in die 'deutsche Innerlichkeit' im Sinne einer Flucht aus dem Leben in die Irrationalität, ins Mystische, in Kunst um der Kunst willen' als Ideologie, hätte Bismarck, vielleicht gar Hitler unwahrscheinlich gemacht. Eine erfolgreiche Revolution 1848 hätte Deutschland vermutlich auf den demokratischen Pfad geführt und einem Heine gehuldigt. Nur ein undemokratisches Deutschland konnte Wagner als Hohepriester deutschen Geistes feiern.“

Da ist wohl etwas Wahres dran, denn eine Monarchie hat wenig Demokratisches an und in sich.

Richard Wagner ist nicht der einzige Antisemit seiner Zeit. Diese Haltung ist sowohl in Europa als auch in den USA weit verbreitet. Man denke nur an Alma Mahler-Werfel, eine glühende Antisemitin, die dennoch zweimal mit jüdischen Männer (Gustav Mahler und Franz Werfel) verheiratet war.

Ebenso erschreckend wie typisch, ist die Meinung vieler Menschen, dass Richard Wagner (1813-1883) ein Weggefährte des Massenmörders Adolf Hitler (1889-1975) gewesen sei. Wagner war bei Hitlers Geburt schon sechs Jahre tot (S. 140).

Im Kapitel „Wagner in Israel oder Die Wonnen der Ignoranz“ geht Moshe Zuckermann auf das Aufführungsverbot von Richard Wagner ein, der zur Unperson ernannt wurde, während die israelischen Politiker schon längst wieder beste Beziehungen zu Deutschland (und seinem Kapital) pflegen. Wagner wird von den konservativen Kräften in Israel weiterhin als Feindbild gepflegt, obwohl er bei den meisten der Shoa-Überlebenden, wenig bis keinen Stellenwert hat (S. 129). So verhängt der Staat Israel einen Boykott über einen Komponisten, den man mögen oder nicht mögen kann.

Wichtiger wäre die Auseinandersetzung Israels mit seiner Geschichte, als es von der Rolle als Opfer (die in keiner Weise bestritten werden soll) zum Täter wird, wenn man an die eigenen Verbrechen wie z.B. die illegale Besetzung(en) in Palästina denkt, Doch darüber kann und will man in Israel nicht diskutieren.

„Heute sei Wagner kein deutsches Ärgernis mehr, meint Zuckermann: Die einzigen, die sich noch um ihn kümmerten und ihn hin und wieder als Ärgernis inszenierten, seien die Regisseure; sie würden dafür zumeist ausgebuht werden.“ Zu recht, wenn sie ihrerseits Wagners Opern mit Hakenkreuzen und sonstige NS-Symbolen ausstatten und damit verunzieren.


Fazit:

Man muss Wagners Werke immer im Rahmen des historischen Kontexts betrachten und sich nicht die, eigenwillige oft falsche, Interpretation eines ebenso eigenwilligen Regisseurs aufdrängen lassen. 4 Sterne.

Veröffentlicht am 25.07.2020

Ein ungewöhnlicher Krimi

Tod auf der Tageskarte
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Matthäus Spielberger ist Wirt der „Blauen Traube“ in Dornbirn und könnte ein erfülltes bzw. beschauliches Leben als solcher führen, wäre da nicht seine besondere Gabe: Nach einer Kopfverletzung „sieht“ ...

Matthäus Spielberger ist Wirt der „Blauen Traube“ in Dornbirn und könnte ein erfülltes bzw. beschauliches Leben als solcher führen, wäre da nicht seine besondere Gabe: Nach einer Kopfverletzung „sieht“ er Verbrechen BEVOR sie passieren, allerdings ohne zeitliche Angaben. Das gesehen Verbrechen könnte heute, morgen oder irgendwann stattfinden. Dazu erhält Matthäus keine weiteren Angaben.

Nun ist es wieder einmal soweit. Er träumt von einem Duo, das eine nackte Leiche in der Rappenlochschlucht versenkt. Als er seinen Stammtischfreunden davon erzählt, überreden die Drei Matthäus, der Sache auf den Grund zu gehen. Blöderweise begegnen sie auf dem Weg zum vermeintlichen Tatort einer jener Traumgestalten und das Unheil nimmt seinen Lauf.

Was dann folgt, ist ein Konglomerat aus Selbstüberschätzung, Geheimdiensten (verschiedene) und skrupellosen wie kriminellen Geschäftemachern (mehrere). Mitten drinnen die vier Freunde vom Stammtisch, die - wie weiland die Musketiere - zusammenhalten: Einer für Alle, Alle für Einen.

Meine Meinung:

Christian Mähr, den ich als humorvollen Sachbuchautor kenne und schätze, hat sein gewohntes Terrain verlassen. Mit diesem Buch beschert uns der Autor einen Krimi, der fantasievoll und sarkastisch verschiedene Elemente der Spannungsliteratur vereint. Das ist vielleicht auch gleichzeitig die Schwäche des Krimis, dass er sich nicht ganz entscheiden kann, ob „Whodunit?“ oder Agentenkrimi oder doch vielleicht eine Parodie?

Der Leser lernt einige lauschige Plätze in Vorarlberg kennen (nun ja, die Rappenlochschlucht und das Gamperdonatal vielleicht nicht gerade im Winter) und darf, so quasi im Vorbeigehen, erfahren, wie eine alte, mittels Wasserrad angetriebene Brettersäge (Venetianer-Säge) funktioniert. Dass einer der Stammstischfreunde noch einen alten Lada Niva fährt, hat mein Herz einen Freudenhüpfer machen lassen. Diese vielen netten Kleinigkeiten haben mir sehr gut gefallen. Trotzdem hat mich dieser Krimi nicht wirklich überzeugt.

Fazit:

Ein ungewöhnlicher Krimi, der, obwohl er mich nicht ganz überzeugt hat, drei Sterne erhält.