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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.07.2020

Sommersonnenwende im Teutoburgerwald

Velmerstot
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Dieser Krimi ist der vierte rund um Kriminalkommissar Jan Oldinghaus, der nun nach einem Jahr Auszeit wieder an seine Dienststelle in Bielefeld zurückkehrt.

Der aktuelle Fall verlangt Jan und seinem Team ...

Dieser Krimi ist der vierte rund um Kriminalkommissar Jan Oldinghaus, der nun nach einem Jahr Auszeit wieder an seine Dienststelle in Bielefeld zurückkehrt.

Der aktuelle Fall verlangt Jan und seinem Team einiges ab, den den Auftakt macht gleich einmal das Auffinden von drei Leichen, die wie es scheint, einem Ritualmord zum Opfer gefallen sein könnten. Immerhin sind bei den Externsteinen im Teutoburger Wald besonders drapiert und Sommersonnenwende ist auch.

Es steht zu befürchten, dass die drei Toten nicht die einzigen Opfer bleiben werden.

Jan und sein Team arbeiten sich mühsam durch das Umfeld der Toten und finden nicht immer hilfreiche Verwandte, dafür eine direkte Beziehung zu einem der Kollegen.

Meine Meinung:

Vom dunkelblauen Cover mit dem Vollmond, der sich in einem Gewässer spiegelt, bin ich zutiefst beeindruckt - ja, der Emons-Verlag hat ein gutes Händchen für eindrucksvolle Titelbilder.

Obwohl ich die drei Vorgänger nicht kenne, habe ich mich gut zurecht gefunden. Es schadet allerdings nicht, die anderen Bücher zu lesen.

Die Leser erfahren einiges aus den Familiengeschichten der Teammitglieder und die überraschenden Wendungen lassen diesen Krimi bis zu Ende spannend belieben.

Mir waren die einzelnen Kapitel fast zu kurz. Kaum im Lesen drinnen, schon wieder eine neue Überschrift.

Fazit:

Ein interessanter Krimi aus dem Teutoburger Wald. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 12.07.2020

Sehr trockener Lesestoff, eher für Insider

Hitlers Parteigenossen
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Autor Jürgen W. Falter hat bereits 1991 ein ähnliches Buch mit dem Titel “Hitlers Wähler“ herausgebracht. Seit damals hat ihn dieses Thema nicht mehr losgelassen. Nach seiner Emeritierung im Jahr 2012 ...

Autor Jürgen W. Falter hat bereits 1991 ein ähnliches Buch mit dem Titel “Hitlers Wähler“ herausgebracht. Seit damals hat ihn dieses Thema nicht mehr losgelassen. Nach seiner Emeritierung im Jahr 2012 ist er im Rahmen eines Forschungsprojektes noch tiefer in die Materie und verstaubte Archive eingestiegen.

Das Ergebnis ist dieses Sachbuch, das ein paar interessante, bislang doch eher unbekannte Details bereit hält. So soll Hitler nie mehr als 10% der Bevölkerung als PG (= Parteigenossen) gewollt haben. Mit rund 10,2 Millionen Parteimitgliedern scheint dies gelungen zu sein. Mehrmals wurde ein Aufnahmestopp verhängt, tausende wieder ausgeschlossen, rund eine halbe Million starben bis 1945 und ja, 760.000 sind auch wieder aus der Partei ausgetreten.

Die Statistiken, die der Autor in seinem sehr, sehr trockenen Buch den Lesern an den Kopf wirft, sind nicht leicht zu überprüfen. Sie basieren auf einem Sample mit 50.000 Datensätzen. Man muss schon einige Kenntnisse in Statistik und Stochastik haben, um den Ausführungen folgen zu können.

Leider gibt es keine Zusammenfassung oder Conclusio, so dass ich ob des Ergebnisses ein wenig ratlos grüble. Kann es also doch stimmen, dass die Mehrheit der Deutschen keine Nazis waren? Oder bezieht sich dieser Satz nur auf die Mitgliedschaft in der NSDAP? Wieso haben dann die meisten weggesehen als ihre jüdischen Nachbarn verschleppt wurden? Kann man auf Grund der Parteizugehörigkeit und gleichzeitig dem Fehlen einer solchen auf den Charakter schließen? Oder sind viel nur deswegen der Partei beigetreten, weil sie sich Vorteile erhofft haben? Das würde aber den Intentionen Hitlers widersprochen haben, der keine Partei für alle wollte, sondern nur für eben die 10% „Elite“.

Denn wie gilt es den Aufnahmestopp zwischen Mai 1933 bis April 1937 und dann ein zweites Mal Februar 1942 bis Mai 1945, zu interpretieren?

Als Österreicherin interessiert mich das Kapitel „Sonderfall Österreich“ natürlich sehr.

Da die NSDAP zwischen 1933 und dem Anschluss 1938 verboten war, soll es ca. 275.000 illegale Parteimitglieder gegeben haben. Das erscheint bei einer Gesamtbevölkerung von ca. 6,6 Mio (1939) nicht unerheblich. 1940 gelten dann rund 750.000 Personen als Parteimitglieder. Ein ganz besonderer Aspekt ist, dass in Österreich (der späteren Ostmark) rund 22% der Parteimitglieder Frauen waren. Im Vergleich dazu traten im Altreich nur rund 12% der Frauen der Partei bei.

Die Schwund von 208.000 Mitgliedern bei Kriegsende kann nicht nur durch die Kriegstoten erklärt werden. (1945 stellten die Alliierten nur mehr ca.
542.000 registrierte Mitglieder fest).
Einige hoch gerechnete Statistikdaten lesen sich interessant. So seien nur 4-5% der Oberschicht, aber mehr als 50% der unteren Mittelschicht und rund 40% der Unterschicht NSDAP-Mitglieder gewesen. Erklärungen dazu gibt es keine.

Um sich hier ein besseres Bild machen zu können, wer zu Ober-, Mittel- oder Unterschicht gezählt wird, wären es passend gewesen, die entsprechenden Einkommen gegenüber zu stellen. So lassen die Tabellen, wie häufig im Buch, großen Interpretationsspielraum zu.

Das finde ich schade, denn der Aufwand, den Jürgen W. Falter bei seinen Recherchen getrieben hat, muss immens gewesen sein.

Fazit:

Ein dickes Kompendium an Tabellen, Statistiken und ein Anhang mit zahlreichen Literaturangaben, das vermutlich nur echte Insider anspricht. Ich habe hier etwas anderes erwartet und kann diesem Buch leider nur 3 Sterne geben.

Veröffentlicht am 12.07.2020

Eine meisterhafte Erzählung

Hana
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Dieser Roman wird in drei Teilen und aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt.

Im ersten Teil ist es ein Sonntag im Februar 1954, der das Leben der neunjährige Mira auf den Kopf stellt. Da sie sich ...

Dieser Roman wird in drei Teilen und aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt.

Im ersten Teil ist es ein Sonntag im Februar 1954, der das Leben der neunjährige Mira auf den Kopf stellt. Da sie sich den Anordnungen ihrer Mutter widersetzt hat, wird Mira damit bestraft, dass sie keinen der kleinen Spritzkuchen als Nachtisch erhält. Ihr Ungehorsam und das Vorenthalten des Desserts rettet Mira das Leben, denn der Rest der Familie stirbt an Typhus, mit dem der Kuchen verseucht war. Nach einer Zwischenstation bei einer befreundeten Familie, muss Mira ihr Leben mit ihrer verschrobenen Tante Hana teilen.

Im zweiten Teil des Romans, dessen Überschrift „Die vor mir“ trägt und den Zeitraum von 1933 bis 1945 umfasst, werden die Vorfahren von Hana (bzw. von Mira) beleuchtet.

Der dritte Teil wird aus Hanas Sicht erzählt und deckt die Zeit zwischen 1942 bis 1963 ab. Hier wird es sehr persönlich und der geneigte Leser wird ahnen, was Hana erlebt hat. Denn, dass die Frau so ist wie sie ist und überall eine Schnitte Brot versteckt hält, kommt nicht von ungefähr.

Meine Meinung:

Dieser Roman, der auf wahren Begebenheit ruht, ist eine meisterhafte Erzählung.
Das Schicksal dreier Generationen und mehrerer Familien ist dicht verwoben.
Langsam und dann immer schneller werdend, erzählt die Autorin, wie das Leben der beiden ungleichen Hauptfiguren Hana und Mira mitgespielt hat. Beide haben Schuldgefühle und Gewissensbisse. Denn bewusstes oder unbewusstes Handeln oder Nichthandeln, hat Konsequenzen. Für Hana trifft das gleich mehrfach zu, denn letztlich hat sie diese Spritzkuchen für ihre Schwester Rosa anlässlich deren 30. Geburtstags gekauft. Sowohl Hana als auch Mira sind die einzigen Überlebenden ihrer Familie in jeweils einer Generation. Das Wissen darum lässt die beiden einander näher kommen.

Das Buch ist auch ein eindrucksvolles Stück Zeitgeschichte.
Wer sich über das Cover wundert, dem sei gesagt, dass die Erklärung im Buch wartet.

Fazit:

Ein berührender Roman, der unter die Haut geht. Das Buch erhält von mir 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 12.07.2020

Schnürt die Wanderschuhe, packt den Rucksack

Rauf auf den Untersberg!
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Der mächtige Untersberg im Grenzgebiet Salzburg/Bayern ragt wie der sprichwörtliche „Fels in der Brandung“ auf. Erdgeschichtlich ist er ein solcher, denn vor Jahrmillionen war er von Tethys, dem Urmeer ...

Der mächtige Untersberg im Grenzgebiet Salzburg/Bayern ragt wie der sprichwörtliche „Fels in der Brandung“ auf. Erdgeschichtlich ist er ein solcher, denn vor Jahrmillionen war er von Tethys, dem Urmeer umgeben. Daher ist es nicht verwunderlich, dass man hier den berühmten Untersberger Marmor, mit seinen eingeschlossenen Schnecken und Muscheln abbaut.

Doch der Untersberg ist nicht nur für seinen Marmor bekannt sondern auch für seine Naturschönheiten und Sagenwelt.

Um diese Naturschönheiten dreht sich dieser Wanderführer, der uns auf 45 Routen auf, um und manchmal auch in den Untersberg führt.

Als Ausgangspunkt nimmt Autor Christian Heugl die fünf Hauptorte Großgmain, Grödig, Marktschellenberg, Berchtesgaden und Bischofswiesen. Es ist möglich auf das Auto zu verzichten und mit Öffis die Ausflüge zu absolvieren.


„Der Untersberg ist wunderschön, doch braucht man nicht hinaufzugeh‘n, weil man kann ihn ja von unten seh’n!“

Dieser originelle Reim findet sich auf einer alten Ansichtskarte und hat nicht ganz Unrecht. Auf Schritt und Tritt begegnet uns in Salzburg-Stadt der Untersberger Marmor und das Untersberger Quellwasser, das in wunderschön gearbeiteten Brunnen leise vor sich hinplätschert.

Christian Heugl stellt die 45 Touren mit folgenden Infos vor:

Fotos und Kartenausschnitt
Einkehrtipps
Infos zu Gehzeiten und Schwierigkeitsgraden
Erreichbarkeit mit Öffis

Also, schnürt die Wanderschuhe und packt den Rucksack, und dann „Rauf auf den Untersberg“!

Veröffentlicht am 11.07.2020

Ein gelungener Ausflug ins MIttelalter

Die Sündenbraut
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Die Autorin entführt ihre Leser in das Hochmittelalter als Deutschland noch ein Fleckerlteppich von kleineren und größeren Lehen des Heiligen Römischen Reiches war.

Fenja reist mit ihrer Ziehmutter Runhild ...

Die Autorin entführt ihre Leser in das Hochmittelalter als Deutschland noch ein Fleckerlteppich von kleineren und größeren Lehen des Heiligen Römischen Reiches war.

Fenja reist mit ihrer Ziehmutter Runhild durch die Lande. Die beiden verdienen ihren kargen Lebensunterhalt als Heilkundige und dadurch, dass Fenja durch ein heidnisch anmutendes Ritual die Sünden der Verstorbenen auf sich nimmt. Bei ihren Wanderungen weichen sie großen Städten und Klöstern der Zisterzienser penibel aus. Als ihre Ziehmutter ermordet wird, gelten ihre letzten Worte einer Warnung an Fenja.

Mit dem Karren von Runhild und einem Stückchen Stoff auf dem eine Wappen eingestickt ist, begibt sich Fenja auf die Suche nach ihrer Vergangenheit und trifft dabei auf Gerald von Aue, der als Handwerker verkleidet, in geheimer Mission für den Kaiser unterwegs ist. Die beiden vertrauen einander nicht wirklich, schließen sich aber zu einer Zweckgemeinschaft zusammen.


Meine Meinung:

Dieser zweite historische Roman von Manuela Schörghofer widmet sich abermals dem Mittelalter, das von Aberglauben und Machtstreben geprägt ist. Nicht nur die weltlichen Herrscher wollen ihren Einfluss mit allen Mitteln vergrößern, sondern auch die Kirche. Die einfachen Menschen richten ihr Leben stark auf das Jenseits aus und so ist es für viele eine Tragödie, ohne die Absolution eines Priesters zu sterben. Hier tritt dann Fenja auf den Plan, die die Sünden des Verstorbenen auf sich nimmt. Dieser Gedanke bzw. Brauch ist mir bislang unbekannt gewesen. Aber, hat nicht Jesus auch die Sünden der Welt auf sich genommen? Allerdings, wo käme die Kirche hin, wenn es mehr von diesen „Sündenbräuten“ gäbe? Ihr Einfluss würde zunehmend schwinden, daher ist das Ritual als heidnisch verboten.

Die Geschichte ist wunderschön erzählt und die Leser können Anteil an den Leben der Protagonisten nehmen. Herrlich sind die Wortgefechte zwischen Fenja und Gerald. Da musste ich mehrmals schmunzeln. Obwohl Fenja manchmal sehr moderne Ansichten vertritt, ist die Autorin mit ihrer Wortwahl im Mittelalter geblieben. Bei manchen Autoren schiebt sich ein moderner Begriff zwischen die Zeilen. Hier passt alles gut zusammen.

Der Klappentext gefällt mir nicht ganz so gut. Er suggeriert, dass Fenja mit Feuer und Schwert die Mörder ihrer Familie und Ziehmutter zur Rechenschaft ziehen will. Dabei will Fenja einfach nur wissen, wer sie ist und woher sie kommt. Sie will zwar, nachdem sie den Urheber der Tragödie ausgeforscht hat, diesem das Handwerk legen, greift aber nicht zur Selbstjustiz.

Das historische Umwelt ist gut in die Geschichte eingebettet oder vielmehr die Fenjas Geschichte in den historischen Kontext.

Die Charaktere, gut oder böse, sind detailliert und plastisch beschrieben. Allerdings ist nicht jeder Charakter nur gut oder nur böse - wie die Menschen einfach so sind, steckt beides in jedem von ihnen (von uns).

Es sieht so aus, als ob dieses Buch das zweite einer Reihe von „Bräuten“ wäre. Bin schon gespannt, ob es eine Fortsetzung gibt.

Fazit:

Ein gelungener hist. Roman, der uns ins Mittelalter entführt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.