Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.04.2019

Hat mich nicht vollends überzeugt

Die schwarzen Wasser von Venedig
0


Gleich vorweg: Das vorliegende Buch ist als Jugendbuch ab 13 Jahren deklariert. Die beiden Krimis halte ich für so junge Leser nicht unbedingt geeignet.

Im ersten Krimi mit dem Titel „Freier Fall“ verunglücken ...


Gleich vorweg: Das vorliegende Buch ist als Jugendbuch ab 13 Jahren deklariert. Die beiden Krimis halte ich für so junge Leser nicht unbedingt geeignet.

Im ersten Krimi mit dem Titel „Freier Fall“ verunglücken zwei Schüler des Liceo innerhalb weniger Tage. Zuerst stürzt Caterina Loredan aus dem dritten Stock des Schulgebäudes in Venedig. Sofort wird ihr Tod als Selbstmord klassifiziert und die Akte geschlossen.
Obwohl Commissario Roberto Gorin auf Ersuchen von Conte Loredan, keine weiteren Ermittlungen zum Tod seiner Tochter anstellen soll, zieht er Erkundigungen ein.

Dann ereilt ihn der Hilferuf seiner Nichte Chiara, die mit dem Rest ihrer Klasse in New Mexico weilt, und des Mordes an Klassenkollegen Luca verdächtigt und verhaftet worden ist.

Zwei tote Schüler aus ein und derselben Klasse? Auch wenn tausende Kilometer zwischen den beiden Toten liegen, glaubt Gorin nicht an Zufälle. Also macht er sich auf, um in New Mexico zu ermitteln.

Im zweiten Fall „Schatten der Angst“ erzählt vom Albtraum, wenn Wünsche in Erfüllung gehen: Luca lebt bei seinem Großonkel, Filippo Nardi, der so reich wie geizig ist. Gemeinsam mit einem anderen jungen Mann malt sich Luca aus, wie denn die Zukunft aussehen könnte, wäre doch Filippo tot. Doch dann geschieht das Unwahrscheinliche: Nardi wird auf dem Golfplatz erschossen. Unversehens gerät Luca in den Albtraum seines jungen Lebens. Können Wünsche wahr werden?

Auch diesmal ermittelt Commissario Gorin und fördert allerlei Geheimnisse rund um den alten Nardi zu Tage.

Meine Meinung:

Beide Krimis lassen sich gut lesen. Krimi-Leser, die schon mehrmals in Venedig auf Mörderjagd waren, werden einige Orte und Sehenswürdigkeiten leicht wieder erkennen. Für ein bisschen Lokalkolorit sorgen auch die eingeflochtenen italienischen Sätze.

Die Charaktere haben ihre Ecken und Kanten. Roberto Gorin ist ein sympathischer Ermittler, an dessen Familienleben wir teilhaben dürfen. Die Familie hat ein Schicksalspäckchen zu tragen, denn der einzige Sohn ist seit seiner Geburt behindert. Allerdings scheint er durch die Liebe und Förderung seiner Eltern, sogar einer leichten Arbeit nachgehen zu können.

Ermittlungstechnisch geht alles eher gemächlich zu. Keine aufregenden Verfolgungsjagden, was ja in Venedig aufgrund der fehlenden Straßen nicht gut möglich ist. Die Schilderung der Polizeiarbeit eher die Schwäche der Krimis. Allerdings präsentiert uns die österreichische Autorin mehrere Verdächtige und legt einige Spuren, von den sich die eine oder andere als Sackgasse entpuppt.

Was wirklich störend ist, ist die Einfallslosigkeit bei der Namensgebung der Personen:

In jedem Fall gibt es eine Person die „Marinelli“ heißt. Der Name „Luca“ kommt ebenfalls zweimal vor. Im ersten Falls als Mordopfer, im zweiten Fall als möglicher Nutznießer des Todes von Filippo Nardi.

Warum ist das niemandem aufgefallen? Das kostet jedenfalls einen Stern.

Fazit:

Auch Jugendbücher sollten ordentlich lektoriert sein. Die beiden Krimis bekommen nur 3 Sterne (siehe oben).

Veröffentlicht am 23.04.2019

Eine Familiengeschichte ...

Tati, erzähl
0

„Tati, erzähl“ – mit diesen Worten hat der junge Peter Maffay seinen Vater Wilhelm Makkay häufig dazu gebracht Geschichten aus der alten Heimat Rumänien zu erzählen. Nun lässt uns Wilhelm Makkay auch an ...

„Tati, erzähl“ – mit diesen Worten hat der junge Peter Maffay seinen Vater Wilhelm Makkay häufig dazu gebracht Geschichten aus der alten Heimat Rumänien zu erzählen. Nun lässt uns Wilhelm Makkay auch an dieser Familiengeschichte teilhaben.

In eindringlichen, aber einfühlsamen Worten schreibt er über das Schicksal seiner Familie, die einst in der Donaumonarchie, in Siebenbürgen, lebte. Von Großvater Egon, der sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg diente und der später nach Amerika ausgewandert ist. Von der unvorstellbaren Armut in der Zwischen- und Nachkriegszeit, von den Schikanen des kommunistischen Regimes und den Schwierigkeiten, die die Makkays haben, weil sie deutschstämmig sind.

Als Sohn Peter vierzehn ist, gelingt endlich die Ausreise nach Deutschland – und auch hier wieder: Anfangs bittere Armut, die mit Fleiß nach und nach überwunden werden kann.

Meine Meinung:

Dieses Buch erzeugt Gänsehaut. Es erzählt von Hoffnung, von Schikanen, aber auch von Trauer über das Zurücklassen. Besonders berührend finde ich die Stellen, in den Peter Maffay die Stätten seiner Kindheit wieder sehen will und der Vater nicht mitkommen will. Seine Blickrichtung ist nach vorne gerichtet und nicht nach hinten. Dennoch lässt er sich auf die Reise ein – sehr emotional.

Der Schreibstil gefällt mir gut. Viele Fotos aus dem privaten Archiv ergänzen diese Familiengeschichte. Als Tüpfelchen auf dem i, verrät uns die Familie einige Schmankerl-Rezepte aus Rumänien. Die verleiten einen, diese Gerichte nach zu kochen, obwohl und vielleicht gerade deshalb, weil sie einfache Speisen sind.

Fazit:

Eine gut erzählte Familiengeschichte, der ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 23.04.2019

Was sie schon immer über Fahrräder wissen wollten

En Cyclo Pedia
0

Dieses Buch über das Fahrrad ist als Lexikon aufgebaut und bietet den Lesern allerlei Wissenswertes und Kurioses über den Drahtesel.

Von den Anfängen des hölzernen Laufrades, das immer starr in eine Richtung ...

Dieses Buch über das Fahrrad ist als Lexikon aufgebaut und bietet den Lesern allerlei Wissenswertes und Kurioses über den Drahtesel.

Von den Anfängen des hölzernen Laufrades, das immer starr in eine Richtung fährt, bis hin zum High-Tech-Bike – die Geschichte des Fahrrades wird hier amüsant erzählt. Manchmal geht es recht detailliert um die Technik, von Gangschaltung über den Sattel zu Bremsen und Reifen.

Der richtigen Auswahl eines Fahrrades misst Johan Tell besondere Bedeutung zu, denn die kann über Lust oder Frust entscheiden.

Interessant auch die diversen Firmengeschichten. Amüsiert habe ich mich über die Anekdote über die Farbe „Celeste“, die auf jedem Fahrrad der Firma Bianchi auch heute noch – zumindest in einem kleinen Detail - vertreten ist.

Nicht fehlen darf natürlich das Kapitel „Doping“, das ja im Radsport traurige Berühmtheit erlangt hat.

Wir erfahren einiges über den Fahrrad-Jargon, denn während man sich unter „Asphalttätowierung“ eventuell noch etwas vorstellen kann, bleibt „Bacon“ ohne Übersetzung ein spanisches Dorf.

Der Autor Johan Tell besucht zahlreiche Fabriken (siehe „Bianchi“) und untersucht Werkstätten auf ihre Tauglichkeit. Er weist auf fahrradtaugliche oder untaugliche Stadtplanung hin, nimmt sich des Themas Klimawandel und Umweltschutz an und das alles mit einer Portion Humor. Ein bisschen macht er sich über Tandems und vierrädrige Fahrräder lustig, gesteht ihnen aber ihre Existenzberechtigung zu.

Er zitiert Albert Einstein, Mark Twain oder Adam Opel, der folgendes gesagt hat:

„Bei keiner anderen Erfindung ist das Nützliche mit dem Angenehmen so innig verbunden, wie beim Fahrrad.“

Fazit:

Ein nettes Geschenk für Fahrradliebhaber und solche, die es noch werden wollen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 23.04.2019

Hat mich nicht überzeugt

Schöneberger Steinigung
0

Vicky entdeckt beim Joggen die Leiche eines vorerst unbekannten Mannes. Doch sie ist nicht alleine am Tatort. Mehrere Personen, darunter Hundebesitzer, Asylbewerber und kiffende Jugendliche, sind ebenfalls ...

Vicky entdeckt beim Joggen die Leiche eines vorerst unbekannten Mannes. Doch sie ist nicht alleine am Tatort. Mehrere Personen, darunter Hundebesitzer, Asylbewerber und kiffende Jugendliche, sind ebenfalls vor Ort und geben der Polizei nur widerwillig Auskunft. Vicky hat hier weniger Scheu, denn sie kennt den Ermittler, Max Kühn, aus ihrem Schwimmclub.

Vicky kann dann auch noch einen Hinweis auf die Identität des Toten geben. Damit beginnt die schwierige Suche nach dem Täter, denn der Ermordete ist ein schwuler Ex-Priester, der gegen Asylbewerber gehetzt hat.

Wo ist nun der Täter zu finden? Bei den Linken, den Rechten oder den Frommen, denen das Outing des Ex-Priesters die heile Welt zerstört? Oder ist der Mord gar eine Beziehungstat aus Eifersucht? Immerhin hat der Tote seinen Ehemann mehrmals betrogen.

Fragen über Fragen, die sich der Ermittler Max Kühn stellen muss. Wird er die Tat aufklären können?

Meine Meinung:

Als Wienerin bin ich mit den Berliner Verhältnissen ob im Kiez oder der Politik nicht so vertraut. Die vielen unterschiedlichen politischen bzw. weltanschaulichen Gruppierungen, die doch recht militant vorgehen, haben mich ein wenig irritiert. Für Insider ist natürlich alles klar.

Die politische Brisanz ist sehr gut getroffen, das Scheinheilige hier wie dort.

„Ich kämpfe dafür, dass unser Linksstaat wieder ein Rechtsstaat wird, gegen die Islamisierung Europas, gegen den faschistischen Terror der Antifa und gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit, aber wie wird es mir gedankt?“ (Nelly S. 169)

Allerdings ist es mit der Meinungsfreiheit nicht weit her, wenn nur die eigene Meinung als schützenswert gilt.

Interessant ist, wie die verschiedenen Personen miteinander verflochten sind. Da ist zum einen Vicky, die Ehefrau des Arztes Oliver, der durch seine häufige Abwesenheit glänzt, die ehrenamtlich in der Asylunterkunft arbeitet, genauso wie ihre Haushälterin Ingeborg, die plötzlich mit einer Frau zusammenziehen möchte und einen jungen Asylwerber adoptieren will oder die Gruppe rund um Horst Ibarra, dem Ehemann des Ermordeten.

Dann haben wir noch den AfD-Bezirkspolitiker Manni, der nach wie vor bei seiner Mutter lebt und via Social Media gegen Nicht-Deutsche hetzt. Oder Nelly, die auch nicht das ist, was sie vorgibt zu sein. Und nicht zu vergessen, diese Ursula von Übelbach, bei deren Namen schon Argwohn über ihre Gesinnung aufkommt.

Warum allerdings Vickys österreichische Herkunft im Verlagstext so hervorgehoben wird und dann überhaupt keine Rolle spielt, verstehe ich nicht ganz.

Interessant ist auch der Umgang der Ermittler miteinander. Die meisten haben ein recht lockeres Verhältnis zueinander. Das liest man schon aus der manchmal flapsigen Umgangssprache heraus bzw. die Kabbelei zu den täglichen Croissants. Witzig finde ich die Namen für die Vernehmungsräume „Teneriffa“, „La Gomera“ und „Mallorca“ – das gefällt mir!

Der Schreibstil ist gut lesbar. Die Berliner Schnauze von Ingeborg lockert den Krimi auf. Gut auch die Sprüche so mancher Protagonisten „schwuler Homosex“ (S.179/ Ursula beim Verhör) – das ist ein schöner Pleonasmus, schwuler geht’s nimmer.

Ein paar Dinge sind mir ein wenig zu viel: Müssen sich jetzt plötzlich alle als homosexuell outen? Zum einem, Agnes, die Tochter der Übelbach, die vorher kaum in Erscheinung tritt und dann überraschend erscheint, genauso wie Max, der sich mit Felix und Raffael einlässt. Das halte ich für höchst unprofessionell. Immerhin haben beide als Verdächtige in diesem Mordfall gegolten. Nebenbei bemerkt, knutschen die beiden vorher mit Heidi. Und zwischen Max und Vicky hätte ich eigentlich ein leises Knistern verspürt. Hm, das ist mir doch ein bisserl zu viel freie Liebe.

Fazit:

Ein rasanter Krimi, der innerhalb einer Woche spielt und das Leben so mancher Person auf den Kopf stellt. Trotzdem hat mich die Geschichte nicht überzeugt, daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 22.04.2019

Ein aufschlussreiches Buch

Unsere Mütter
0

13 Frauen und ein Mann berichten in teils bewegenden Worten über ihre Beziehung zu ihren Müttern.

Die Autorin nähert sich mit viel Empathie und Fingerspitzengefühl „ihren Müttern“. Sie notiert diese Interviews ...

13 Frauen und ein Mann berichten in teils bewegenden Worten über ihre Beziehung zu ihren Müttern.

Die Autorin nähert sich mit viel Empathie und Fingerspitzengefühl „ihren Müttern“. Sie notiert diese Interviews ohne zu werten, denn die Beweggründe so und nicht anders zu handeln, hängt mit den Lebensumständen der Frauen zusammen. Sei es, dass die Familie aus Syrien flüchten muss, oder die Mütter im Zweiten Weltkrieg traumatisiert wurden oder als ledige Mutter keinen anderen Ausweg fanden, das Kind zur Adoption freizugeben.

Sehr deutlich ist zu spüren, dass einige Töchter die Traumata der Mütter „geerbt“ haben, ohne sich dessen bewusst zu sein. Sie verspüren oft indifferente Ängste, die sie nicht benennen können. Erst wenn das Trauma der Mutter aufgelöst ist, findet auch die Tochter zu ihrem eigenen Leben. Manchmal muss eine Tochter das ungelebte Leben der Mutter erfüllen.

Im Vorwort erklärt Silia Wiebe ihre Vorgangsweise und im Anhang findet sich weiterführende Literatur.

Fazit:

Der Autorin ist ein aufschlussreiches Buch über die „Mutter/Tochter“-Beziehung gelungen, das ich unbedingt weiterempfehle. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.