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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.06.2019

Fesselnd bis zur letzten Seite

Der dunkle Bote
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Alex Beer entführt uns in die junge Republik Österreich. Die Menschen hungern und frieren, die Spanische Grippe hat Millionen Todesopfer gekostet und die Kriminalität steigt unaufhörlich. Kaum ist eine ...

Alex Beer entführt uns in die junge Republik Österreich. Die Menschen hungern und frieren, die Spanische Grippe hat Millionen Todesopfer gekostet und die Kriminalität steigt unaufhörlich. Kaum ist eine Platte (=Bande) dingfest gemacht, so wachsen zwei neue nach. In diesem Umfeld müssen sich August Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter zu allem Überfluss um ein ordentliches Büro mit einem Kollegn-Duo matchen: Wer mehr Fälle aufklärt, bekommt das Büro.

Zusätzlich belastet August das Verschwinden von Luise und ihren Kindern. Axel Koch, ihr lange tot geglaubter und plötzlich wieder aufgetauchter Ehemann hat Frau und Kinder entführt, und Emmerich Rache geschworen.

Dann geschehen mehrere Morde, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben und die Ermittler sind ein wenig abgelenkt. Ist die junge in Sachen Frauenrechte engagierte Journalistin Alma Lehner in die Todesfälle verwickelt? Die Spur führt ins nichts, als eine weitere übel zugerichtete Leiche gefunden wird.

Veit Kolja, eine Figur aus dem ersten Teil („Der zweite Reiter“), den August Emmerich für immer hinter sich gelassen geglaubt hat, erscheint wieder auf der Bildfläche. Diesmal will er helfen und verrät, wo Axel Koch seine Familie versteckt hat und, was der Unterweltler vorhat, doch nicht ohne Emmerich vor der Brutalität seines Widersachers zu warnen.

Meine Meinung:

„Es geht ihm nicht gut, dem müden, wunden Wien“, stellt August Emmerich fest und meint damit auch sich selbst. Er ist ebenfalls müde und verwundet. Er vermisst Luise und die Kinder, die er als „seine Familie“ bezeichnet.

Die Autorin legt gekonnt mehrere Spuren, die Emmerich weiterbringen, aber auch in die Sackgasse führen. Sehr gut gefällt mir, dass den Frauen im Polizeipräsidium eine große Rolle eingeräumt wird. Ohne die „Hühnerarmee“ geht so gut wie gar nichts. Bei der ersten Nennung des Begriffs musste ich schlucken - wie abwertend. Doch die Damen arbeiten effizient, im Untergrund und das im Schutze des unterschätzt Werdens. Das Netzwerk inklusive Flurfunk (in Österreich „Buschtrommeln“ genannt) ist engmaschig.

Auch die Rolle von Alma Lehner ist gut angelegt. Ein bisschen ähnelt sie August Emmerich. Sie hat Ecken und Kanten, lässt sich nicht einschüchtern und will das Leid vor allem von Frauen lindern. Ihre Arbeit erledigt sie recht unkonventionell. Ob sich da in einem neuen Band etwas mit Emmerich anbahnen könnte?

In August Emmerichs Privatleben spitzt sich Lage immer mehr zu. Der Showdown ist berührend wie beklemmend.

Ich habe mich in das Wien von 1920 zurückversetzt gefühlt. Den erwähnte Münstedt Kino Palast habe ich selbst noch besucht. Das Kino wurde 1984 endgültig geschlossen. Einige der Tschocherl (kleine Branntweinstuben), in denen man an illegalen Glücksspielen teilnehmen konnte, haben recht lange überlebt.

Fazit:

Ein atmosphärischer Krimi, der die Zustände der jungen Republik Österreich im Jahre 1920 perfekt wiedergibt. Ich gebe hier 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 08.06.2019

Die unheiligen Geschäfte des Vatikans

Vaticanum
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Das ist der dritte Fall für den Historiker Tomás Noronha. Diesmal muss er seine Ausgrabungen unter der Peterskirche nach dem Grab des Apostels Petrus unterbrechen, um die Entführung des Papste aufzuklären ...

Das ist der dritte Fall für den Historiker Tomás Noronha. Diesmal muss er seine Ausgrabungen unter der Peterskirche nach dem Grab des Apostels Petrus unterbrechen, um die Entführung des Papste aufzuklären und die Welt vor den Islamisten retten. Ihm zur Seite steht, wieder einmal eine attraktive Frau, nämlich die Wirtschaftsprüferin Catherine.

Wird es der charismatische Superheld schaffen, den Papst aus der Hand der Entführer zu befreien?

Meine Meinung:

Schon in der Einleitung weist der Autor darauf hin, dass diesem Buch echte historische Fakten zu Grunde liegen. Ich war also gespannt, welche. Und siehe da, ich habe mehrere Déjà vu-Erlebnisse gehabt. Ich habe mich in die 1980er Jahre zurück versetzt gefühlt. Die Skandale um die Vatikanische Bank (Stichwort Roberto Calvi), die Firmengeflechte (Vatikan hält Anteile an einer Pharma-Firma, die die Antibaby-Pille erzeugt) in denen der Vatikan verstrickt war (?) oder die Gerüchte um den plötzlichen Tod von Papst Johannes Paul I. Mir war es, als ob ich die Bücher von David Yallop („Im Namen Gottes“) und Peter de Rosa („Gottes erste Diener“ bzw. „Vatikan - von Gott verlassen“) wieder lesen würde.
Gut, soweit im Süden nichts Neues. Dass der aktuelle Papst Franziskus mit diesen und ähnlichen Praktiken aufräumen will/wollte und sich damit ziemlich böse Freunde gemacht hat, ist auch nachvollziehbar. Dass immer wieder Prophezeiungen, die gerade in den Kram passen, geglaubt wird, hat auch Tradition.

Was also ist das Neue, Spannende an diesem Buch? Wenig - der Autor hat hier ziemlich viel Potential verschenkt. Bekannte Tatsachen einfach aufzuwärmen und mit aktuellen Bedrohungen zu verbrämen , ist mir einfach zu wenig. Da hilft ein „Wunderwuzzi“ in Gestalt des Historikers Tomás Noronha nicht wirklich.

Die Verflechtung von Fakten und Fiktion ist gut gelungen. Völlig unangebracht ist es, die Polizei als dämlich, uninteressiert und unfähig darzustellen. Nur Tomás „James Bond“ Noronha weiß alles, kann alles und rettet die Welt vor sich selbst.

Wer mehr über die Verstrickungen des Vatikans in üble Geschäfte wissen will, dem seien die oben angeführten Bücher ans Herz gelegt.

Fazit:

Viel verschenktes Potential. Wunderwuzzi Tomás Noronha verdient hier gerade einmal aufgerundete 3 Sterne.

Veröffentlicht am 08.06.2019

Wer profitiert vom Tod des Kajakfahrers?

Tod auf St Michael’s Mount
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DCI Fiona Sutherland zieht nach der Trennung von ihrem Ehemann gemeinsam mit ihrem Sohn Tim in das kleine, beschauliche Dorf Camborne in Cornwall.
Kurz nach ihrer Ankunft wird die Leiche eines älteren ...

DCI Fiona Sutherland zieht nach der Trennung von ihrem Ehemann gemeinsam mit ihrem Sohn Tim in das kleine, beschauliche Dorf Camborne in Cornwall.
Kurz nach ihrer Ankunft wird die Leiche eines älteren Mannes angespült. Schnell stellt sich heraus, dass der Kajak-Fahrer Lionel Kellow Diabetiker war und auf Grund von Unterzuckerung ertrunken ist. Doch nicht nur das, es finden sich auch noch Reste von Antidepressiva in seinem Magen, obwohl er, nach Aussagen der Ehefrau gar nicht depressiv war.
Verdächtig ist natürlich die junge Gemahlin, doch als dann noch die Reinigungskraft von Kellows Immobilienfirma ermordet aufgefunden wird, geraten auch andere Personen unter Verdacht.
Die ewige Frage der Ermittler - cui bono?

Meine Meinung:

In diesem Krimi-Debüt von Angela Richford geht es eher gemächlich zu. Das liegt vor allem an den (männlichen) Mitarbeitern von Fiona Sutherland, die es ihr nicht leicht machen. Ein Großteil versieht seinen Dienst „dreckly“ also gemütlich, ohne Hast und Engagement.

Dieser Begriff wird meiner Ansicht nach inflationär verwendet und geht mir nach der gefühlten 250. Erwähnung ziemlich auf die Nerven.
Ebenso werden häufig englische Phrasen eingeworfen („The rest is History“ oder „a nice cup of tea“ etc.). Das sollte wohl zur Steigerung der Beschreibung des englischen Lebensstil dienen, nervt aber nur.

Sprachlich ist der Krimi leicht und locker zu lesen. So richtig spannend ist er jedoch nicht. Ich konnte mich schon kurz, nach seinem erstmaligen Auftritt, auf den Täter festlegen und habe mich gewundert, warum DCI Sutherland so lange dafür braucht.

Gut gefallen hat mir, wie die Autorin ihre medizinischen Kenntnisse einbringt. SIe ist ja im Brotberuf Ärztin.

Die Charaktere sind noch nicht wirklich „fertig“ ausgearbeitet. Da ist schon noch Potential vorhanden. Ein wenig befremdlich finde ich, dass Fiona bei jedem Mann, den sie kennenlernt, gleich auf „Partnertauglichkeit“ abklopft. Dass Sutherland ihrem Ex-Mann gegenüber konsequent auftritt und sich nicht mehr von ihm gängeln lässt, finde ich großartig! Ein dicker Pluspunkt für Fiona Sutherland!

Der Showdown à la Hercule Poirot ist ein interessantes, wenn auch gewagtes Stilmittel.

Fazit:

Ein Krimi-Debüt, das noch einiges Potential in sich birgt. Ich kann diesmal leider nur 3 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 08.06.2019

Allein gegen die Mafia

Die Furien des Verschwindens
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Christine Calissano entführt ihre Leser in das Italien der 1990er Jahre. Man zahlt noch mit Lire und Oscar Luigi Scalfaro ist Staatschef.

Irene Bettini ist stellvertretende Leitern eines Geheimarchivs ...

Christine Calissano entführt ihre Leser in das Italien der 1990er Jahre. Man zahlt noch mit Lire und Oscar Luigi Scalfaro ist Staatschef.

Irene Bettini ist stellvertretende Leitern eines Geheimarchivs in Rom. Da platzt eines Tages Roberto Taddei in ihren staubigen und einsamen Alltag. Sie soll den Geheimdienstmitarbeiter in die Arbeitsweise des Archivs einweihen. Taddei ist mit brisanten Recherchen beauftragt: Er soll den Maulwurf finden, der staatsanwaltliche Ermittlungsergebnisse im Verfahren gegen die Mafia an dieselbe weitergegeben hat. Während dieser Arbeit kommen sich die beiden näher und unversehens befindet sich Irene in einem dichten Netz von Intrigen. Als Taddei angeschossen wird, versucht sie auf eigene Faust zu ermitteln. Dann gilt sie plötzlich als Hauptverdächtige.

Doch wem kann sie noch trauen? Dem so selbstlos auftretenden Mitarbeiter Taddeis, der sie versteckt? Oder ihrem Vater, der Beziehungen zum Geheimdienst hat?

Meine Meinung:

Die Autorin ist Staatsanwältin und lebt in Palermo. Daher weiß sie, worüber sie schreibt. Der Schreibstil ist eher nüchtern und bürokratisch, eben passend zu einer Juristin. Möglicherweise liegt das auch an der Übersetzung.

Lange tappt der Leser im Dunklen, wer der tatsächliche Täter ist. Der oder die Auftraggeber stehen ja von Beginn an fest: Die Cosa Nostra, denen vor allem in den 1980er und 1990er der Kampf angesagt worden ist. Man erinnere sich an die Serie „Allein gegen die Mafia“.

Die Charaktere sind leider ein wenig flach geraten. So manche Handlung der Bettini wirkt konfus. So vertraut sie dem eigenen Vater oder einem langjährigen Freund nicht wirklich, aber dem Mitarbeiter Taddeis schon? Signore Bettini könnte doch seine Beziehungen spielen lassen, um seiner Tochter aus dem Schlamassel zu helfen? Wir sind doch in Italien, oder? Da könnte noch ein wenig nachgeschärft werden.

Auch bei den Namen der doch zahlreichen Personen, wären ähnlich lautende zu vermeiden gewesen. Bossi, Grassi, Rossi - das birgt Verwechslungsgefahr.

Fazit:

Der Auftakt einer italienischen Krimi-Reihe, die durchaus Potential hat. Für den ersten Fall, der mich nicht ganz überzeugt hat, gebe ich 3 Sterne.

Veröffentlicht am 06.06.2019

Der erste Mann auf dem MOnd

Neil Armstrong
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Gerade rechtzeitig zum 50. Jahrestag der ersten Mondlandung am 21. Juli 1969 ist diese Biografie von Neil Armstrong erschienen.

Wer erinnert sich nicht an die bewegenden Wort von Neil Armstrong: „The ...

Gerade rechtzeitig zum 50. Jahrestag der ersten Mondlandung am 21. Juli 1969 ist diese Biografie von Neil Armstrong erschienen.

Wer erinnert sich nicht an die bewegenden Wort von Neil Armstrong: „The Eagle has landed“ und wenig später „Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit!“

Doch bevor Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond stellen kann, ist jahrelanges hartes Training notwendig. Schon als kleiner Junge will Neil nur eines - fliegen. Er ordnet alles diesem Traum unter. Sei es, dass er schon als Schüler arbeiten geht, um das nötige >Geld für Flugstunden zu verdienen, oder sei es, dass er als Soldat Kampfpilot wird. Sein ruhiger, besonnener Charakter, mit Problemen aller Art umzugehen, hilft ihm aus so mancher brenzligen Situation.


Meine Meinung:

Diese tolle Biografie vom „Ersten Mann auf dem Mond“, dem NASA-Astronauten Neil Armstrong, ist ein schönes Dokument für den Forscherdrang der Menschheit. Es verschweigt allerdings nicht, welche Unsummen die Raumfahrt verschlungen hat und welche Tragödien sich abgespielt haben.

Sehr gut gefällt mir die Aufmachung. Die Autorin hat viele, zum Teil private Fotos, verwendet. In ihrer Beschreibung des Astronauten bringt sie die Bescheidenheit des Menschen Neil Armstrong zur Geltung, der aufhört Autogramme zu geben, als er erfährt, dass damit reger Handel getrieben wird. Neil Armstrong wird als Held gefeiert, was ihm gar nicht so recht ist.

Die vielen technischen Begriffe werden auch für junge Leser gut erklärt.

Fazit:

Dieses Jugendbuch eignet sich auch für ältere Semester, die mit bangen Erwartungen 1969 vor den Fernsehgeräten gesessen sind und mitgefiebert haben. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.